Guilty Pleasure oder Gesellschaftsproblem?

Über die Romantisierung von Missbrauchsbeziehungen in der Literatur und die Probleme dahinter

Ich gebe zu, diese Debatte ist nicht neu. Seit dem Erfolg von „50 shades of Grey“ diskutiert die Internet-Community immer wieder über die Repräsentation von sexueller Gewalt, Machtmissbrauch und Sexismus in Romanen, die als Erotik, romantische Literatur oder auch als Literatur für junge Erwachsene verkauft werden. Sehr schnell kommt es bei dieser Debatte zu emotionalen Konflikten, da sich die Fans der Bücher durch die Kritik an den Werken oft persönlich in ihrem Leseverhalten angegriffen fühlen und die Notwendigkeit sehen, die Inhalte (und damit sich selbst) zu verteidigen.

Deswegen habe ich beschlossen, mich diesem Thema – das mir durchaus wichtig ist – auf einer sachlichen Ebene zu nähern, nämlich vom Standpunkt der Wissenschaft aus [1]. Ich gehöre nämlich auch zu diesen viel kritisierten Leuten, die solche Bücher nicht gerne lesen und auch nicht gelesen haben. Trotzdem ist eine Auseinandersetzung mit der Grundthematik möglich, denn meine Argumentation richtet sich weder gegen die Leser, noch gegen bestimmte Werke, sondern soll die Problematik als Ganzes umreißen.

Als Beispiel wird trotzdem einige Male „50 shades“ herhalten müssen, da es dazu schon sehr viel wissenschaftlichen Hintergrund und Material gibt. Die Erkenntnisse lassen sich aber sicherlich auf das grundlegende Problem der „Rape Fictions“ generalisieren.

Was ist überhaupt „Rape Fiction“?

Hier stoßen wir gleich auf das erste Problem. Im Zuge der Debatte hat sich die Bezeichnung „Rape Fiction“ eingebürgert als Überbegriff für fiktionale Texte , in denen Missbrauch in Beziehungen bagatellisiert oder romantisiert wird. Häufig geht es dabei aber nicht um Vergewaltigung im eigentlichen Sinne, sondern sehr häufig um missbräuchliche Beziehungsgestaltung, emotionalen Missbrauch oder sexuelle Belästigung. Der Begriff „rape“ kann also irreführen. Ich werde im Folgenden daher vor allem „Missbrauchsbeziehungen“ sprechen und meine damit jede Art von Beziehung, in der

  • Statusvorteile ausgenutzt werden (z.B. Geld, Macht)
  • emotionaler Missbrauch betrieben wird (z.B. Manipulation, Stalking, soziale Isolierung durch den Partner, Ausübung von Kontrolle)
  • sexuelle Gewalt ausgeübt wird (z.B. Gefügigmachen des Opfers durch Alkohol oder Drogen, Ausnutzen von Zwangslagen oder fehlendem Bewusstsein des Opfers für die Situation)

Im englischen Sprachgebrauch wird hier auch von „intimate partner violence“ (IPV) gesprochen. Eine Definition findet sich auf der Seite des Centers for Disease Control and prevention.

Sexueller Missbrauch als Thema in der Literatur

Genau wie alle anderen gesellschaftlich relevanten Themen sollten Missbrauchsbeziehungen, sexuelle Gewalt und deren Folgen vor allem seit der #metoo-Debatte wichtiger Bestandteil zeitgenössischer Literatur sein. Die Forderung kann also nicht darin bestehen, diese Themen totzuschweigen oder eine heile Blümchenwelt vorzugaukeln, in der es keine missbräuchlichen Beziehungen gibt, sondern sich kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Genau da hapert es allerdings bei vielen der kritisierten Werke.

A critical text is a text that confronts difficult issues in society—a text that does not break down into meaningless clichés and predictable plot patterns. A critical text could also be called a resistant text, because it is not only resists some of the “rules” of its genre but also encourages its readers to resist the “rules” for mindless, complacent reading. (Janet Alsup: Critical Representations of Sexual Assault in Young Adult Literature)

Gerade Gender-Klischees (der mächtige Mann vs. die schüchterne Jungfrau) oder stereotype Tropes (der Bad Boy, der durch Zuneigung von seinen schlechten Charaktereigenschaften geheilt wird) verhindern eine konstruktive Auseinandersetzung mit Missbrauchsbeziehungen und lassen eine Märchenwelt entstehen, die nicht mehr mit der realen Situation in Einklang gebracht, sondern als reine Fiktion verstanden wird. Dieser Verfremdungseffekt führt dazu, dass die dargestellten Beziehungsmuster nicht mehr hinterfragt, sondern als genre-typisch hingenommen werden, nach dem Motto „das ist doch in allen Erotik/Romance-Romanen so“.

Stephenie Meyer, die Autorin der „Twilight“-Bücher, rechtfertigte die missbräuchlichen Aspekte in der Beziehung zwischen ihren Protagonisten Edward und Bella zum Beispiel wie folgt: “This is not even realistic fiction, it is a fantasy with vampires and werewolves, so no one could ever make her exact choices. […] Bella is constrained by fantastic circumstances [not Edward].” Kurz gefasst: Was in der Realität als Missbrauchsbeziehung gelten würde, ist in Romanen romantisch, weil es sich schließlich um Fiktion oder – in diesem Fall – Fantasy handelt.

Ehrlich gesagt ärgert mich diese Argumentation. Als Fantasy-Autorin sehe ich mich oft dem Vorwurf ausgesetzt, mich nur mit fernen Märchenwelten zu befassen und dabei keinerlei Bezug zur Realität herzustellen – doch genau das Gegenteil ist der Fall. Auch Fantasy schafft Identifikationsfiguren, kann sich mit gesellschaftlichen Tabus und Problemen auseinandersetzen und eine reale Botschaft vermitteln. Diesem Anspruch muss sich jede/r einzelne Autor/in stellen, egal, in welchem Genre er oder sie schreibt.

Auswirkungen auf die Leser/innen

Dieser Anspruch wird besonders immanent, wenn man sich vergegenwärtigt, welchen Einfluss fiktionale Texte auf den Leser haben können, vor allem wenn es sich um junge Leser (Jugendliche, junge Erwachsene) handelt. Der berühmte Sozialpsychologe Albert Bandura konnte in verschiedenen Studien zu seiner sozialkognitiven Lerntheorie zeigen, dass sich Menschen durch Medienkonsum in ihren Einstellungen und Verhaltensweisen beeinflussen lassen, ganz egal ob es dabei um Aggression oder Gender-Rollen geht. Dass auch moderne Literatur geeignet ist, bestimmte Effekte hervorzurufen, zeigen aktuelle Studien.

Psychologen der University of Queensland, zum Beispiel, gaben ihren 480 Studienteilnehmern eine von drei erotischen Geschichten zu lesen. In einer zeigte sich der Mann besonders dominant, in einer die Frau und in der dritten gab es keinerlei Dominanz. Jene Frauen, die über den dominanten Männerpart lasen, berichteten danach über mehr sexistische Einstellungen als die Männer, umgekehrt gaben die Männer eine höhere Akzeptanz von Vergewaltigungsmythen an (z.B. Frauen, die sich aufreizend kleiden, sind selbst schuld, wenn sie belästigt werden oder „nein heißt ja“). Schon der kurze Konsum von erotischen Texten, die männliche Dominanz beinhalten, zeigte hier also einen – möglicherweise aber nur temporären – Einfluss auf die Psyche der Probanden. Andere Arbeiten zeigten ähnliche Effekte für den Konsum von sexistischen Videos, Videospielen oder Pornographie, zugleich gibt es aber auch Studien, die keine Effekte fanden. Die Wirkung solcher Materialen auf die Betrachter ist also immer noch umstritten und vermutlich stark von der Persönlichkeit, von früheren Erfahrungen und situativen Einflüssen abhängig. Ähnlich wie bei der Debatte um „Killerspiele“ darf man also nicht verallgemeinernd schlussfolgern, dass alle Leser zweifelhafter erotischer Texte zwangsläufig sexistische, frauenfeindliche oder gewaltverherrlichende Tendenzen entwickeln. Ein gewisses Risiko ist aber trotzdem vorhanden.

Eine weitere Studie aus den USA konnte darüber hinaus zeigen, dass Frauen, die zumindest einen Teil der „50 shades“-Reihe gelesen hatten, stärkere sexistische Tendenzen aufwiesen als solche, die keines der Bücher gelesen hatten. Zum Beispiel stimmten sie Aussagen wie „Frauen sollten von Männern beschützt werden“ stärker zu als andere. Das galt im Besonderen für jene Frauen, die den Roman als „romantisch“ einstuften. Diese wiesen nicht nur stärkere Formen von „wohlwollendem Sexismus“ gegenüber Männern auf („der Mann ist das starke Geschlecht und der Beschützer“), sondern auch von feindseligem Sexismus gegenüber Frauen („Frauen nutzen Männer aus und erringen Macht, indem sie Kontrolle ausüben“). Eine andere Forschergruppe fand heraus, dass Frauen, die „50 shades“ gelesen hatten, häufiger mit verbal aggressiven Partnern zusammen waren als solche, die es nicht gelesen hatten (allerdings gab es keinen Unterschied in Bezug auf erlebte Partnergewalt oder negative sexuelle Erfahrungen). Bei diesen Befunden handelt es sich um querschnittlich erhobene Daten, d.h. es darf hier kein Rückschluss auf eine Kausalität gezogen werden. Zu schlussfolgern, dass die Lektüre von „50 shades“ Frauen zu Sexistinnen oder Männer zu Vergewaltigern macht, ist falsch. Ebenso gut ist möglich, dass ein bestimmter Typus von Frauen von solchen Büchern besonders angezogen wird. Abgesehen davon handelt es sich um Aussagen, die sich auf eine sehr große Gruppe von Frauen beziehen, und daher nicht den Einzelfall repräsentieren.

Medien und Manipulation

Zusammenfassend lässt sich sagen: Es scheint einen Zusammenhang zu geben zwischen der Romantisierung von Missbrauchserfahrungen in Büchern und persönlichen Einstellungen zu Genderrollen und Beziehungsdynamiken. Ganz gleich, wie dieser Zusammenhang gestaltet ist, er ist nicht unproblematisch. Frauen, die bereits eine missbräuchliche Beziehung erlebt haben, finden in entsprechenden Erotik-Romanen unter Umständen eigene Erfahrungen wieder, die hier als romantisch verkauft werden (z.B. Stalking, Einschüchterung, Gefügig machen mittels Alkohol oder soziale Isolierung des Partners) und könnten dadurch in der Wahrnehmung ihrer eigenen Situation beeinflusst werden. Auch bereits vorhandene stereotype Einstellungen zu Männer- und Frauenrollen können durch die wiederholte Konfrontation mit Literatur, die diese Einstellungen vertritt und in ein positives Licht rückt, gefestigt werden.

Wer hingegen fest mit beiden Beinen im Leben steht, eine gesunde Beziehung führt, eine klare Einstellung zu sich und der Welt hat und sich bewusst von Gender-Klischees distanziert, wird mit Sicherheit auch nach der Lektüre nicht Gefahr laufen, diese Einstellungen zu übernehmen. Die Empfehlung kann und darf also nicht heißen, solche Bücher nicht mehr zu lesen, sondern sich kritisch mit den Inhalten auseinanderzusetzen, zu reflektieren und über das Gelesene nachzudenken.

Die Schönheit von Guilty Pleasures

Hand aufs Herz, wir alle haben unsere Guilty Pleasures, Vorlieben, für die wir uns ein bisschen schämen, die aber trotzdem Spaß machen. Wir schauen das „Dschungelcamp“, obwohl wir wissen, dass es entwürdigend ist. Wir lesen Klatschzeitschriften über den neuesten Promi-Tratsch. Wir schauen den „Bachelor“, „Bauer sucht Frau“ oder andere Kuppelshows, obwohl uns klar ist, wie sexistisch die Darstellungen teilweise sind. Forschungen zeigen, dass der Konsum solcher Shows den sozialen Vergleich anregt – und verglichen mit den armseligen Gestalten aus gängigen Reality Shows kommen wir als Konsumenten ja ziemlich gut weg. Das unterstützt den positiven Selbstwert.

Bei aller Liebe zum voyeuristischen Medienkonsum dürfen wir aber nicht vergessen, solche Format zu hinterfragen und ihre Wirkung auf uns kritisch zu beleuchten. Das gilt auch – und vor allem – für Romane aus dem Erotik/Romantik-Spektrum, die missbräuchliche Beziehungsmuster romantisieren.

Ganz ehrlich? Es ist doch paradox, dass wir einerseits eine Me-Too-Debatte führen und andererseits den „Mächtiger Millionär macht sich junges Mädchen gefügig“-Trope als romantisches Beziehungsbild hinnehmen. Der Aschenputtel-Traum ist in Zeiten von Weinstein, Wedel und wie sie alle heißen zu einem realen Alptraum geworden, und da erscheint es sehr suspekt, wenn wir diese auf Machtgefälle basierenden Beziehungen wie in „50 Shades“ als romantisches Märchen abtun.

Fazit

So, puh, das ist ein langer Text geworden, aber es ist ja auch kein einfaches Thema und blinde schwarz-weiß-Malerei hilft einer Diskussion auch nicht auf die Sprünge, sondern würgt sie meistens nach wenigen Worten ab. Deswegen noch einmal kurz zusammengefasst meine Take-Home-Message:

  • Romane, in denen missbräuchliche Beziehungen romantisiert werden, sind nicht unproblematisch. Vor allem auf vulnerable Menschen können solche Medieninhalte einen gewissen Einfluss ausüben und bestehende Stereotype festigen oder eigene Erfahrungen in ein falsches Licht rücken.
  • Das Lesen solcher Literatur macht einen Menschen nicht zum Sexisten, umgekehrt ist auch nicht jeder Sexist, nur, weil er diese Bücher liest. Wichtig ist, Inhalte zu hinterfragen, zu reflektieren und sich Gedanken darüber zu machen. Solange man das tut, kann und darf man lesen, was man will. Guilty Pleasures können Spaß machen und sogar den Selbstwert eines Menschen positiv beeinflussen, doch eine gewisse Distanz zu den Inhalten kann trotzdem nicht schaden, vor allem auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene.
  • Auch AutorInnen fiktionaler Texte haben eine Verantwortung. Die Ausrede „das ist doch Fantasy/reine Fiktion, das muss man nicht ernst nehmen“ zählt nicht. Jedes Medium übt Einfluss auf die Leser aus, vor allem dann, wenn bewusst Identifikationsfiguren geschaffen werden, die (junge) Frauen für sich adaptieren. Diesen Fakt zu ignorieren ist fahrlässig.

So, und jetzt bin ich natürlich gespannt auf eure Meinung. Wie geht ihr mit solchen Büchern um? Wie schwerwiegend seht ihr die Problematik dahinter? Was wären gute Strategien, um sich dem Diskurs zu nähern? Lasst es mich gerne wissen.


Wer sich weiter mit dem Thema befassen möchte, für den verlinke ich gerne weitere Blogartikel oder Statements. Postet weitere Links gerne in den Kommentaren, dann füge ich sie an.

Rape Fiction – Muss das wirklich sein? (Frau Schreibseele)

Rapefiction Debatte – es geht um alles, aber nicht um Sex (Geekgeflüster)

Rezension zu „Paper Princess“ (Kitsune Books)

Kommentar zu „Paper Princess“ (Kielfelder Blog)

„Man darf ja bald gar nichts mehr sagen!“ oder: Wie man unmoralische Handlungen handwerklich gut in fiktionalen Texten verpackt (Schreib‘ Kunst!)

 

[1] Alle wissenschaftlichen Studien, die ich hier konkret nenne, habe ich verlinkt, allerdings sind einige nicht offen zugänglich. Sollte daran Interesse bestehen, schreibt mir eine Email.

18 Kommentare

  1. „Wichtig ist, Inhalte zu hinterfragen, zu reflektieren und sich Gedanken darüber zu machen. Solange man das tut, kann und darf man lesen, was man will. Guilty Pleasures können Spaß machen und sogar den Selbstwert eines Menschen positiv beeinflussen, doch eine gewisse Distanz zu den Inhalten kann trotzdem nicht schaden, vor allem auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene.“

    Ich finde, genau diese Erklärung, was mit ‚Kritik‘ eigentlich gemeint ist, sollte am besten am Anfang jedes kritischen Beitrages zu jedem beliebigen Text / Film / Spiel stehen – all zu viele Leute verstehen unter ‚Kritik‘ einfach leider immer den Fazit ‚das darf man nicht konsumieren, weil…‘ usw. usw.

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    1. Hallo Endolex, danke für deinen Kommentar. Ich würde mir ja wünschen, dass solche „Disclaimer“ gar nicht notwendig sind, weil das – in meinen Augen – selbstverständlich sein sollte, aber leider ist es häufig nicht so. Je stärker und mächtiger ein Fandom, desto schwieriger ist es, auf einer sachlichen Ebene zu argumentieren und zu kritisieren. Jedes Medium lebt ja auch durch die Art und Weise, wie es rezipiert und interpretiert wird, und es ist normal, menschlich und sogar gewünscht, dass sich da die Geister scheiden. Das macht ja eine gute (Literatur-)Debatte aus. 🙂

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  2. Wären „50 Shades“ und „Twilight“ von Männern verfasst worden, dann wäre die Kritik daran sicherlich noch stärker hochgekocht. Weil Männerfantasien… Aber diese beiden Geschichten wurden von Frauen verfasst.
    Ein Witz an Rande: „50 Shades“ fing als „Twilight“ Fanfiction an.
    Autoren schreiben Generell nur ihre Fantasien auf. Egal in welchen Genre die Geschichte spielt. Autoren teilen diese Fantasien mit den Lesern. Das kann dann dazu führen das diese Fantasien von Leuten gelesen werden, die diese nicht gut heißen.

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    1. Hallo Leerseiten,

      ja, das mit der Fanfiction weiß ich, drum ergibt es durchaus Sinn, „Twilight“ und „50 shades“ hier in einen Topf zu werfen, denn an der Grundthematik hat sich wenig geändert. Sie hat sich, so gesehen, eher noch verschärft, weil der Fantasy- und Vampir-Aspekt weggefallen ist.

      Den letzten Abschnitt kann und mag ich so nicht unterschreiben. Sicher spielen persönliche Vorlieben, Fantasien und Ideen eine große Rolle beim Schaffensprozess, aber man darf die Autorenpersönlichkeit nicht mit der Persönlichkeit der Protagonisten gleichsetzen. Wäre dem so, wären ja alle Thriller- oder Krimiautoren verkappte Triebtäter. Und ich dürfte mich mit meiner Protagonisten-Paarung aus Assassine und Prostuierter auch ziemlich schnell in Therapie begeben … Von daher: Ein bisschen Distanz ist schon angebracht. Trotzdem sollte man sich als Autor/in aber gut überlegen, wie man ein Thema angeht, denn am Ende fällt es doch wieder auf einen zurück, das lässt sich nicht ganz wegdiskutieren.

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      1. Es kann ja durchaus sein, das E.L James davon träumte mit Edward zusammen zu sein. Warum sonst sollte sie von so etwas eine Fanfiction schreiben? Der Gedanke muss ihr gefallen haben. Ich würde so etwas nicht schreiben.
        Eine Geschichte entspringt dem Kopf des Schreibers. Sie ist ausgedacht. Sie beruht auf dem was sie Wissen und dachten. Oder was sie sich wünschen. All das ist Fantasie. Also schreibt man Fantastereien auf. Die Figuren, die Orte, die Handlungen der Figuren und deren Gefühle. All das sind Fantasien. Sie sind nicht real.

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  3. Möglich ist es, ich würde es aber nicht verabsolutieren. Natürlich fabuliert man Geschichten, aber man erzählt nicht notwendigerweise Geschichten über sich selbst oder Dinge, die man erleben möchte. Wie gesagt – das hieße ja sonst im Umkehrschluss, dass alle Thrillerautoren, die aus Sicht des Täters erzählen, gerne mal jemandem umbringen würden. Das hoffe ich doch lieber nicht. 😉 Dass E.L. James von Twilight fasziniert war, ist klar. Aber ich würde nicht so weit gehen zu behaupten, dass sie sich selber in diese Bücher reingeschrieben hat. Dazu kenne ich sie dann doch zu wenig.

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    1. Stephen King soll gesagt haben, dass er sich seine Ängste aufschreibt.
      Ich denke halt, das man beim schreiben seine Persönlichkeit nicht ganz verbergen kann. Und wenn es nur unbewusste Ängste sind.
      Geht halt um die Frage; Warum schreibt jemand über diese Dinge?
      Man muss ein gewisses Interesse an solchen Themen haben, sonst hat man ja auch nicht den Wunsch darüber zu schreiben.
      Es kann ja auch sein das man Fan eines Genres ist; und man gerne Thriller liest, oder Fantasy. Wer Harry Potter oder Herr der Ringe mag, würde eher dazu neigen, eine ähnliche Geschichte zu schreiben. Genauso, wenn man gerne was von Stephen King liest. Wer keine blutigen Geschichten mag, der will auch nicht darüber schreiben.

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  4. Toll geschrieben und sehr sachlich! Was das Thema fordert, denn sobald sich auch nur auf bspw. ein Buch gezielt bezogen wird, geht der Kern der Thematik verloren! Dies musste ich mit Kerstin leider schon feststellen …

    Ich kann deine Worte nur unterschreiben und dem gar nicht mehr wirklich was hinzufügen. Ich finde es erschreckend das es in Büchern & Filmen für viele okay ist – gut, muss jede*r für sich selbst wissen – aber anderen ihre Kritik daran absprechen? Ich habe z.B. den ersten Band der Trinity-Reihe gelesen (ja, frag nicht *lach) und ja, solche Bücher gehören überhaupt nicht in mein Leseschema. Aber man versucht ja dann doch mal über den Tellerrand zu schauen und ich war von dem Inhalt erschrocken! Und ja, ich bin auch erschrocken, das dieses Buch so gut ankommt/ankam. Eine sehr ungesunde Beziehung, welches spätestens in einer Szene ganz deutlich herauszulesen ist!
    Oder aber bei einem meiner aktuellen Hörbücher – ich habe im Anschluss abgebrochen (worauf auch noch eine Rezi folgen wird) – ganz klar hat der Autor sich keinerlei Gedanken über die Auswirkungen der beschriebenen Szene gemacht!

    Und da sind wir doch auch bei einem der Probleme – Filme und Literatur nehmen Einfluss. Bei manchen kaum bis gar nicht, bei anderen stark – völlig unabhängig vom Alter o.ä. und wenn ein sexuelles Bild in der Literatur geschaffen wird, welches klar Grenzen überschreitet (ich rede jetzt nicht von versch. Formen einer einvernehmlichen SM-Beziehung z.B.), Leser*in und Protagonist*in dies auch als solche empfinden und es dennoch romantisch verpackt oder weiter beschrieben wird – so sehe ich das ganz klar als eine Problematik die sich bewusst gemacht werden muss!

    Sorry, dafür das ich deinen Worten nichts mehr hinzufügen wollte, kam nun doch einiges (=

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    1. Danke für deinen Kommentar, Janna, und natürlich für dein Lob.

      Leider entsteht bei mir auch der Eindruck, dass sich manche Autoren über die Wirkung ihrer Werke nicht wirklich bewusst sind oder das bewusst ignorieren. Daduch entsteht halt dann ein gewisser Teufelskreis: Dieselben Tropes finden sich in unterschiedlichen Romanen oder Filmen wieder und werden dadurch „salonfähig“ und sogar zur Genrekonvention. Das halte ich für den gefährlichsten Trend, ehrlich gesagt. Sobald etwas so fest in einem Genre verankert ist, wie es die Missbrauchsbeziehungen mittlerweile schon zu sein scheinen, wird Kritik immer schwieriger.

      Ich stimme dir auch voll und ganz zu, dass es nicht darum geht, die Darstellung bestimmter sexueller Praktiken zu kritisieren, solange diese einvernehmlich (!) passieren. Das ist ja die Crux an „50 shades“, dass es dort gar nicht um BDSM geht, denn der funktioniert nur mit klaren Regeln und klaren Rollen, die von beiden Seiten als solche gesehen werden und nur im Bett stattfinden. Das ist in den entsprechenden Werken halt nicht der Fall.

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  5. Da will ich dir gar nicht widersprechen, man schreibt natürlich nicht über Dinge, die einen nicht irgendwie interessieren oder faszinieren. Ich wollte nur in Frage stellen, dass man sich als Autor/in automatisch in die Rolle des Protagonisten „hineinschreibt“. Also, nur weil ich mich für die Beweggründe von Mördern interessiere, stelle ich mir noch lange nicht vor, der Mörder zu sein. Das kann man, denke ich, auch auf E.L. James übertragen. Sicherlich fand sie Edward als Figur irgendwie spannend und hat sich vorgestellt, wie es wäre, wenn er kein Vampir, sondern ein SM-Millionär wäre. Ich würde aber nicht automatisch davon ausgehen, dass sie diese sexuellen Fantasien auch selber hat und sich vorgestellt hat, selber in der Rolle von Bella/Anastasia zu sein.

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  6. Spannender Eintrag über ein durchaus kontroverses Thema.
    Grundsätzlich stimme ich dir dabei auch zu, aber was mich (als Frau, die „rape fiction“ bzw Manipulation/Kontrolle von Männer über Frauen durchaus zu ihren „Guilty Pleasures“ zählt wenn es gut gemacht ist, auch wenn ich mich dabei nicht in die Rolle der Frau hineinversetze) mal ernsthaft interessieren würde:
    Könntest du dir eine Möglichkeit vorstellen einen Roman mit einem solchen Inhalt zu vermarkten ohne an ihm dabei die (egal wie unbeabsichtigte) Zementierung dieser Klischees und negativen Rollenbilder zu kritisieren?
    Bzw, was kann man deiner Meinung nach tun, um dieses „der Roman könnte einer bestimmten Gruppe Menschen suggerieren, dass das, was darin passiert eine gute Idee ist“ zu vermindern?

    Ich persönlich bin zwar kein Fan von Twilight oder 50 Shades, aber grundsätzlich gibt es bestimmte Tropes in dieser Richtung – die größtenteils im realen Leben eher als missbräuchlich zu definieren wären (und die ich mir für meine reale Beziehung definitiv nicht wünschen würde!) – die aber solange es um die reine Fiktion geht durchaus faszinieren können.
    Natürlich sollte man es vielleicht nicht unbedingt als romantisch hinstellen, man könnte also andere Charaktere negativ darauf reagieren lassen, aber was ist wenn das nicht erwünscht ist weil man sich einfach mal der Fantasie hingeben möchte?
    Wäre beispielsweise eine Art „Disclaimer“ am Anfang des Buches, dass die darin enthaltenen Sichtweisen nicht die eigenen Widerspiegeln und solch ein Verhalten in der Realität nichts zu suchen hat, eine Option? Oder würde das eher wie der erhobene Zeigefinger, oder gar ebenfalls wie eine billige Entschuldigung wirken?

    Tatsächlich beschäftigt mich diese Frage schon seit einer Weile und ich hoffe, dein Beitrag war die richtige Stelle um sie einmal loszuwerden, denn er erschien mir durchaus differenziert an die Sache heranzugehen und durchaus auch den Unterschied zwischen Menschen, die sich den Inhalt solcher Romane als Vorbild nehmen und solcher, die es einfach „zum Spaß“ lesen zu sehen. 🙂

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    1. Hallo Silentlluvia, danke für deinen Kommentar.

      Ich fürchte, sobald eine Geschichte von vorneherein ein Machtgefälle zwischen Mann und Frau zementiert (das gilt natürlich auch für alle anderen Pairings, aber die bekannten Vertreter betreffen ja immer Hetereo-Paare) und dieses Machtgefälle nicht nur in sexueller Hinsicht relevant ist, sondern auch im Privatleben der Personen (mächtige Person A schreibt unbedeutender Person B vor, wie sie ihr Leben zu gestalten hat o.ä.), wird es sehr schwierig, nicht in Klischeefallen zu tappen und keine Muster von Missbrauchsbeziehungen zu replizieren. Ich frage mich ja ehrlich gesagt, warum das überhaupt sein muss. Warum können zwei Personen nicht auf einer Ebene agieren, sich als gleichberechtigte Partner ansehen und gegenseitig ihre Bedürfnisse durchsetzen, ohne dass einer der Ton angebende sein muss? Ist eine gleichberechtigte Beziehung nicht eher das Bild, das man als romantisch ansehen möchte? Da darf ja gerne (im Bett) Dominanz im Spiel sein, wenn es ein Rollenspiel bleibt – aber im echten Leben hat das eben nichts zu suchen. Man stelle sich z.B. mal vor, man würde das Bild umdrehen: Eine reiche, mächtige Frau, die sich einen jüngeren Mann „angelt“ und anfängt, sich in sein Leben einzumischen. Das würde nie im selben Ausmaß funktionieren. Von daher sind hier durchaus stereotype Genderrollen im Spiel – schon von Anfang an. Wenn man das nicht gleich aufbricht, halte ich es für schwierig, noch auf einen klischee-freien grünen Zweig zu kommen.

      Von der Disclaimer-Idee halte ich nicht so viel, um ehrlich zu sein. Ich fürchte, auf mich würde das wirklich eher wie eine billige Ausrede wirken. 😉 Entweder befasse ich mich als Autor/in mit der Wirkung meiner Werke oder ich lasse es bleiben . Ich glaube, ich würde es sogar als besonders dreist empfinden, wenn ich wüsste, dass sich der Autor/die Autorin der Wirkung ihrer Texte bewusst ist, sie aber trotzdem unter die Leute bringt. Wenn das nicht der Fall ist, kann ich zumindest noch annehmen, dass es aus reiner Unkenntnis oder mangelnder Recherche passiert ist und nicht mit voller Absicht. Zumal der unbewusste Einfluss solcher Texte selbst mit einem Disclaimer nicht auszuschließen ist.

      Grundlegend würde ich also sagen: Was wir wirklich bräuchten, sind Gegenentwürfe zu diesen Missbrauchsbeziehungen. Romane, die aufzeigen, dass ein Mann auch ein guter Liebhaber und ein taffer Typ sein kann, wenn er die Frau nicht dominiert und manipuliert. Oder – wahlweise – Romane, in denen Männer, die ihre Macht missbrauchen, in ihre Schranken gewiesen werden. Leider habe ich schon gehört, dass Verlage Romance oder Erotik mit taffen Frauen skeptisch gegenüberstehen und lieber die alten Rollenbilder replizieren wollen. Das macht das Problem nicht besser.

      Wenn jemand gute Vorschläge für alternative Erotik-/Romance-Romane hat, dann postet sie gerne hier.

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      1. Vielen Dank für deine Antwort.

        Tatsächlich ist mir beim Lesen und nochmaligem darüber nachdenken aufgefallen, dass es schon eher der sexuelle Teil ist, bei dem ich das Machtgefälle spannend finde. Sobald es tatsächlich in diese „Mann will Frau vorschreiben, was sie ansonsten in ihrem Privatleben zu tun hat“ Schiene geht verliert es eher den Reiz. Insbesondere wenn die Frau nie lernt, Kontra zu geben oder anderweitig Macht erlangt um dort zumindest einen Ausgleich zu schaffen. Hmm…

        Andererseits finde ich auch den Grundgedanken von einer mächtigen Frau, welche schwache Männer dominiert irgendwo reizvoll. Vielleicht hat es also eher etwas mit der sexuellen Dominanz an sich zu tun und nicht zwangsweise mit Missbrauchsbeziehungen.

        Wobei ich es zugegeben dennoch interessant finde, wenn sich Machtgefälle (die ja leider grundsätzlich sehr schnell zu einer missbräuchlichen Beziehung führen können) im Laufe der Zeit auflösen, sodass der vorher dominierte Part zu einer gleichberechtigten Position aufsteigt.
        Ich geben zu, dass das nicht sonderlich realistisch klingt, und tatsächlich kann ich mir das auch nicht bei so „hardcore“ Fällen wie Christian & Ana vorstellen (ganz ehrlich, bei ihr liest man ja direkt dass sie teils Angst vor ihm hat oder bestimmte Dinge nicht will, die er aber trotzdem durchsetzt!) aber wenn es mehr in die Richtung geht, dass Dinge größtenteils von einer Seite vorgeschlagen werden, dann aber auch ohne tatsächlichen Zwang angenommen, dann gibt das wohl ein Machtgefälle, aber schon eines, welches veränderbar ist. Denke ich.
        (Ich hoffe ich hab das jetzt so rüber gebracht wie ich es meinte… dieses Thema ist wirklich schwierig. Seufz.)

        Ich denke, dass mein Standpunkt vermutlich etwas seltsam ist und kann nachvollziehen wieso ihn die meisten nicht teilen werden, weil derartige „Guilty Pleasures“ im normalen Alltag natürlich ungesund sind und daher oft in der Literatur verteufelt, da Gelesenes schnell Meinungen/Klischees zementieren kann und alles, aber… ich fand es wichtig ihn mal zu äußern. Insbesondere, da mich das Ganze doch etwas zum Nachdenken angeregt hat welcher Teil davon eigentlich tatsächlich der Spannende ist. Bin etwas froh, dass ich wohl insbesondere auf den „Frau lässt sich rückgratlos alles vorschreiben und Mann geht voll ab darauf“ Teil gut verzichten kann. 😉

        Danke auch für die Meinung zur Disclaimer-Idee. Das hatte ich zwar bereits befürchtet, aber es war trotzdem eine Frage, die sich mir länger stellte. Es ist wohl einfach schwierig derartige Literatur im Allgemeinen zu veröffentlichen. Und während ich es einerseits gut verstehen kann, ist es doch irgendwo ein bisschen schade, dass bestimmte Fantasien eher kritisch betrachtet werden als andere, solange es bei Fantasien bleibt. (Aber natürlich ist die Wirkung und Bagatellisierung usw. nicht zu verachten. Deshalb ja schwieriges Thema.)

        Wobei ich es anders herum auch schade finde, dass es kaum coole Protagonistinnen in Romanen gibt, unabhängig des Genres. Abseits von dieser bestimmten Art Erotik lese ich tatsächlich eher selten reine Romance, bin eher im Urban Fantasy Bereich unterwegs. Dort findet man aber gefühlt fast nur „Romantasy“, die dann schon sehr oft allein ob des Klappentextes sehr Twilight-esque wirkt. Was nun auch nicht so meins ist. Aber auch dort finden sich wenig wirklich coole Frauen in den Hauptrollen, das stimmt. Die scheinen dann oft entweder unter dem Mann komplett einzuknicken oder kleine Miststücke zu werden, was mir nun auch nicht nach „taff“ aussieht, sondern eher nach „gut gewollt aber schlecht gekonnt“.
        Es kommt halt auch immer stark aufs Genre an. Erotik hat in meinen Augen nochmal einen anderen Stellenwert, da muss es nicht immer realistisch und gleichberechtigt zu gehen (wenngleich 50 Shades schon wieder übertreibt, aber das finde ich auch nicht erotisch…), da es noch eher Fantasie ist als wenn man Romanzen mit Hauptcharakteren ist, in die man sich hinein versetzen möchte. Denke ich. In der Hoffnung, mit der Meinung zumindest nicht alleine dazustehen. 🙂

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  7. Interessant, die Diskussion ist völlig an mir vorbei gegangen (oder zumindest, dass es so hochkocht). Toller Beitrag dazu.

    Während des Lesens gingen mir dann auch so meine Leseerfahrungen im Yaoi-/ Boy’s Love-Bereich durch den Kopf, bei denen ich den Eindruck hatte, dass so ein Master/Slave-Machtgefälle zum Standart gehört. Das kann jetzt natürlich auch an den kulturellen Unterschieden liegen, die über die japanischen Originale rübergeschwappt sind. (Ich denke, Japan hat immer noch ein deutlich anderes Bild von einer idealen Frau/ einem idealen Mann als wir in Deutschland.)
    Mir ist auch aufgefallen, dass du dich vornehmlich auf amerikanische Studien beziehst, die auch noch an entsprechenden Studenten durchgeführt wurden. Ist das/ kann das, im Rahmen der Diskussion in Deutschland/ den deutschsprachigen Ländern, nicht ein bisschen verzerrend sein?

    Zitat: „(…) sondern auch im Privatleben der Personen (mächtige Person A schreibt unbedeutender Person B vor, wie sie ihr Leben zu gestalten hat o.ä.), wird es sehr schwierig, nicht in Klischeefallen zu tappen und keine Muster von Missbrauchsbeziehungen zu replizieren.“

    Ah, hab letztens Sunset Boulevard gesehen, der in vielerlei Hinsicht interessant war, aber auch eine weibliche Hauptfigur hat, die die männliche Hauptfigur beherrscht und vorschreibt, was er zu tun und zu lassen hat. Dafür, dass der Film so alt ist (und die Filmdiva in noch älteren Zeiten festhängt), fand ich ihn erstaunlich un-sexistisch. (Halt in Relation zur Datierung etc.)

    Zu der Frage nach dem Warum: Vielleicht ist das Machtgefälle ein Gegenentwurf zur Realität (SM wird ja auch als Entspannung angesehen und ist nur vordergründig unausgewogen)? Oder vielleicht hängen die Leser noch in alten Rollenbildern fest? Vielleicht können sie sich auch kaum ändern, weil, wie du schon sagst, weiterhin nur alte Rollenbilder publiziert werden. Ich denke, dass wir gerade in Deutschland noch einen langen Weg vor uns haben, Rassismus und Sexismus (und alle anderen -ismen) aus unseren Köpfen loszuwerden und auch eben Rollenbilder/ Beziehungen divers abzubilden.

    (Wobei so ein Machtgefälle vielleicht auch nicht so blöd ist, damit der/die Protagonist/in lernt, dass das ziemlich blöd ist und mit Romantik nichts zu tun hat. Das könnte auch Raum für ein paar Thrillerelemente bieten. Zumindest würde ich mir so einen reflektierten Umgang damit innerhalb des Romans vorstellen.)

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    1. Hallo Zitkalasa, danke für deinen Kommentar.

      Was den japanischen Kulturraum angeht, kenne ich mich zu wenig aus, um da fundierte Aussagen treffen zu können, drum habe ich mich da lieber zurückgehalten. Ich hab allerdings mal gehört, dass es in Japan wohl üblich sei, fiktionale Texte und Realität stärker voneinander zu trennen als bei uns. Das heißt, das Argument „das ist ja nur Fiktion, das ist nicht echt“ scheint dort ein sehr starkes Gewicht zu haben. Dadurch lassen sich natürlich auch mehr problematische Inhalte rechtfertigen. Dadurch, dass die japanische Film- und Literaturszene ja sehr stark von Mangas und Animes geprägt ist, ist hier der Verfremdungseffekt vielleicht auch stärker, allein dadurch, dass es Comics bzw. Zeichentrick ist. Aber das sind nur so Gedanken, das kann ich nicht belegen.

      Das Problem mit der Aussagekraft von Studien ist natürlich ein allgegenwärtiges, da gebe ich dir völlig recht. Die erste oben zitierte Studie (die mit den Erotik-Geschichten) ist an einer Stichprobe aus der Gesamtbevölkerung durchgeführt worden, die anderen waren tatsächlich Studentinnen. Das ist sicher nicht unproblematisch, allerdings weiß man aus der Sozialpsychologie, dass Phänomene wie Priming (Reize, die sich durch wiederholte Wahrnehmung im Gehirn festsetzen) oder auch Beobachtungs- bzw. Nachahmungslernen nicht auf spezielle Bevölkerungsgruppen beschränkt sind. Man kann hier also von einer Generalisierbarkeit ausgehen, zumal es sich bei der getesteten Stichprobe ja durchaus um eine relevante Zielgruppe der jeweiligen Werke handelt.

      Zitat: „Ich denke, dass wir gerade in Deutschland noch einen langen Weg vor uns haben, Rassismus und Sexismus (und alle anderen -ismen) aus unseren Köpfen loszuwerden und auch eben Rollenbilder/ Beziehungen divers abzubilden.“
      Da bin ich absolut mit dir einer Meinung. Es ist ja auch ein kleiner Teufelskreis: Wie du schon sagst, so lange veraltete Rollenbilder publiziert und gelesen werden, können sie nicht aus den Köpfen verschwinden.

      Machtgefälle im Thriller-Kontext könnte ich mir auch total gut vorstellen, auch eine Story, in der das Ganze eben „kippt“ (so ein Plotbunny hoppelt noch irgendwo bei mir rum *hust*). Aber dann wird es eben nicht romantisch. 😉

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