Autor: Elea Brandt

Fantasy-Autorin, Vollzeit-Geek und Rollenspielfan

„Sand & Wind“ ist erschienen

Ein Hauch von Wüstenwind weht durch die Buchlandschaft – seit Montag ist „Sand & Wind“ als Ebook erschienen.

Ich bin schon sehr gespannt, wie mein Herzensprojekt bei euch ankommen wird – ich hoffe, ihr werdet es mögen.

Um euch ein bisschen neugierig zu machen, zeige ich euch hier noch einmal die wundervollen Charakterportraits, die Elif Siebenpfeiffer für mich angefertigt hat. Sind sie nicht atemberaubend?

CharakterePinboard

Mehr über die Charaktere, die Schauplätze des Romans und Einblicke in die zarbahanische Küche findet ihr hier (einfach den Links folgen).

Wenn ihr Lust habt, „Sand & Wind“ für nur 3,49 € zu erstehen, dann bekommt ihr das Ebook auf Amazon, auf Xinxi und im Verlagsshop. Weitere Shops (z.B. Tolino, iBooks) folgen demnächst.n

Auf Xinxi findet ihr außerdem eine Leseprobe aus den ersten Kapiteln.

Lasst euch ins orientalische Zarbahan entführen. 🙂 Viel Spaß!

 

Gewinnspiel „Sand & Wind“

Ihr Lieben, am 25. Juni erscheint mein Orient Fantasy-Roman „Sand & Wind“ als Ebook im Verlag Ohneohren – und passend dazu gibt es ein kleines Rätsel mit Gewinnspiel für euch.

Seit Anfang der Woche findet übrigens auf Facebook auch die passende Releaseparty statt, nämlich die Verlobung von Schah Elis ben Sidef mit Prinzessin Arazin. Noch könnt ihr vorbeischauen und euch das tolle Programm ansehen: Klick (Facebook-Link)

Die perfekte Sitzordnung

Das Bankett zur Verlobungsfeier in Zarbahan ist eröffnet, und der Haushofmeister des Schahs steht vor einer großen Herausforderung: Er muss die richtige Sitzordnung für diesen Anlass wählen und allen Gästen einen der sieben Plätze (siehe Bild) zuweisen.

Tischordnung

Leider haben alle eigene Ansprüche, denen er nachkommen muss.

  • Elis, der Schah, nimmt am Kopfende Platz.
  • Prinzessin Arazin will aus Trotz so weit wie möglich von ihrem Verlobten entfernt sitzen.
  • Kareff, der Kämmerer, will Arazin im Auge behalten und sitzt ihr gegenüber.
  • Izafar, der Wesir, möchte selbstverständlich neben Elis sitzen.
  • Simani, die Zofe der Prinzessin, leistet ihrer Herrin Arazin Gesellschaft und nimmt neben ihr Platz.
  • Die Hofmarschallin Aqiru will zu Izafars Rechter sitzen, aber auf gar keinen Fall neben Prinzessin Arazin.
  • Der Hauptmann nimmt den letzten freien Platz.

GEWINNSPIELFRAGE: Auf welchem Platz sitzt der Hauptmann?

Zu gewinnen gibt es 2 x das Ebook zu „Sand & Wind“ im Wunschformat mit einem kleinen Goodie-Päckchen

Schickt eure Antwort (nur die Zahl des Sitzplatzes) per Mail an meine Email-Adresse im Impressum (Betreff „Gewinnspiel Sand&Wind“) oder per Twitter/Facebook als Privatnachricht. Aus allen richtigen Einsendungen werden zufällig die drei Gewinner/innen gezogen und zeitnah auf meiner Facebookseite bekannt gegeben.

Teilnahme ist bis 29. Juni um 23.59 Uhr möglich.

Viel Erfolg!

Bitte postet die Antwort NICHT unter diesem Beitrag und gebt keine Hinweise auf die Lösung, um anderen auch ihren Rätselspaß zu gönnen. Posts, die in diese Richtung gehen, werden sofort von mir gelöscht. Bitte seid fair. Fragen sind natürlich jederzeit erlaubt.

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Gewinnspielbedingungen und Datenschutz

TeilnehmerInnen des Gewinnspiels müssen mind. 18 Jahre alt sein und einen festen Wohnsitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz haben. Jede natürliche Person darf nur einmal am Gewinnspiel teilnehmen, bei Verstoß wird die Person von der Gewinnspielteilnahme ausgeschlossen.

Facebook, Twitter und WordPress haben nichts mit dem Gewinnspiel zu tun und steht nicht als Ansprechpartner zur Verfügung. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die TeilnehmerInnen erklären sich bereit, Elea Brandt im Gewinnfall ihre Email und Post-Adresse ausschließlich für den Gewinnversand zur Verfügung zu stellen. Dies kann per Facebook-Messenger oder per Email (siehe Impressum) erfolgen. Die Informationen werden nicht an Dritte weitergegeben, nicht gespeichert oder weiterverarbeitet und nach Ablauf des Gewinnspiels unverzüglich gelöscht. Dies gil ebenfalls für alle Email-Adressen, wenn die Teilnahme am Gewinnspiel per Mail erfolgt. TeilnehmerInnen erklären sich bereit, dass ihr Name im Gewinnfall auf der Facebookseite „Elea Brandt“ veröffentlicht wird.

Sollten sich eine/r oder mehrere GewinnerInnen binnen 7 Tagen nach Bekanntgabe nicht zurückmelden, wird der Gewinn erneut verlost. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.

Bildgrafik von https://de.freepik.com/…/mobel-symbole-in-der-architektur-p…, entworfen durch Freepik

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Guilty Pleasure oder Gesellschaftsproblem?

Über die Romantisierung von Missbrauchsbeziehungen in der Literatur und die Probleme dahinter

Ich gebe zu, diese Debatte ist nicht neu. Seit dem Erfolg von „50 shades of Grey“ diskutiert die Internet-Community immer wieder über die Repräsentation von sexueller Gewalt, Machtmissbrauch und Sexismus in Romanen, die als Erotik, romantische Literatur oder auch als Literatur für junge Erwachsene verkauft werden. Sehr schnell kommt es bei dieser Debatte zu emotionalen Konflikten, da sich die Fans der Bücher durch die Kritik an den Werken oft persönlich in ihrem Leseverhalten angegriffen fühlen und die Notwendigkeit sehen, die Inhalte (und damit sich selbst) zu verteidigen.

Deswegen habe ich beschlossen, mich diesem Thema – das mir durchaus wichtig ist – auf einer sachlichen Ebene zu nähern, nämlich vom Standpunkt der Wissenschaft aus [1]. Ich gehöre nämlich auch zu diesen viel kritisierten Leuten, die solche Bücher nicht gerne lesen und auch nicht gelesen haben. Trotzdem ist eine Auseinandersetzung mit der Grundthematik möglich, denn meine Argumentation richtet sich weder gegen die Leser, noch gegen bestimmte Werke, sondern soll die Problematik als Ganzes umreißen.

Als Beispiel wird trotzdem einige Male „50 shades“ herhalten müssen, da es dazu schon sehr viel wissenschaftlichen Hintergrund und Material gibt. Die Erkenntnisse lassen sich aber sicherlich auf das grundlegende Problem der „Rape Fictions“ generalisieren.

Was ist überhaupt „Rape Fiction“?

Hier stoßen wir gleich auf das erste Problem. Im Zuge der Debatte hat sich die Bezeichnung „Rape Fiction“ eingebürgert als Überbegriff für fiktionale Texte , in denen Missbrauch in Beziehungen bagatellisiert oder romantisiert wird. Häufig geht es dabei aber nicht um Vergewaltigung im eigentlichen Sinne, sondern sehr häufig um missbräuchliche Beziehungsgestaltung, emotionalen Missbrauch oder sexuelle Belästigung. Der Begriff „rape“ kann also irreführen. Ich werde im Folgenden daher vor allem „Missbrauchsbeziehungen“ sprechen und meine damit jede Art von Beziehung, in der

  • Statusvorteile ausgenutzt werden (z.B. Geld, Macht)
  • emotionaler Missbrauch betrieben wird (z.B. Manipulation, Stalking, soziale Isolierung durch den Partner, Ausübung von Kontrolle)
  • sexuelle Gewalt ausgeübt wird (z.B. Gefügigmachen des Opfers durch Alkohol oder Drogen, Ausnutzen von Zwangslagen oder fehlendem Bewusstsein des Opfers für die Situation)

Im englischen Sprachgebrauch wird hier auch von „intimate partner violence“ (IPV) gesprochen. Eine Definition findet sich auf der Seite des Centers for Disease Control and prevention.

Sexueller Missbrauch als Thema in der Literatur

Genau wie alle anderen gesellschaftlich relevanten Themen sollten Missbrauchsbeziehungen, sexuelle Gewalt und deren Folgen vor allem seit der #metoo-Debatte wichtiger Bestandteil zeitgenössischer Literatur sein. Die Forderung kann also nicht darin bestehen, diese Themen totzuschweigen oder eine heile Blümchenwelt vorzugaukeln, in der es keine missbräuchlichen Beziehungen gibt, sondern sich kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Genau da hapert es allerdings bei vielen der kritisierten Werke.

A critical text is a text that confronts difficult issues in society—a text that does not break down into meaningless clichés and predictable plot patterns. A critical text could also be called a resistant text, because it is not only resists some of the “rules” of its genre but also encourages its readers to resist the “rules” for mindless, complacent reading. (Janet Alsup: Critical Representations of Sexual Assault in Young Adult Literature)

Gerade Gender-Klischees (der mächtige Mann vs. die schüchterne Jungfrau) oder stereotype Tropes (der Bad Boy, der durch Zuneigung von seinen schlechten Charaktereigenschaften geheilt wird) verhindern eine konstruktive Auseinandersetzung mit Missbrauchsbeziehungen und lassen eine Märchenwelt entstehen, die nicht mehr mit der realen Situation in Einklang gebracht, sondern als reine Fiktion verstanden wird. Dieser Verfremdungseffekt führt dazu, dass die dargestellten Beziehungsmuster nicht mehr hinterfragt, sondern als genre-typisch hingenommen werden, nach dem Motto „das ist doch in allen Erotik/Romance-Romanen so“.

Stephenie Meyer, die Autorin der „Twilight“-Bücher, rechtfertigte die missbräuchlichen Aspekte in der Beziehung zwischen ihren Protagonisten Edward und Bella zum Beispiel wie folgt: “This is not even realistic fiction, it is a fantasy with vampires and werewolves, so no one could ever make her exact choices. […] Bella is constrained by fantastic circumstances [not Edward].” Kurz gefasst: Was in der Realität als Missbrauchsbeziehung gelten würde, ist in Romanen romantisch, weil es sich schließlich um Fiktion oder – in diesem Fall – Fantasy handelt.

Ehrlich gesagt ärgert mich diese Argumentation. Als Fantasy-Autorin sehe ich mich oft dem Vorwurf ausgesetzt, mich nur mit fernen Märchenwelten zu befassen und dabei keinerlei Bezug zur Realität herzustellen – doch genau das Gegenteil ist der Fall. Auch Fantasy schafft Identifikationsfiguren, kann sich mit gesellschaftlichen Tabus und Problemen auseinandersetzen und eine reale Botschaft vermitteln. Diesem Anspruch muss sich jede/r einzelne Autor/in stellen, egal, in welchem Genre er oder sie schreibt.

Auswirkungen auf die Leser/innen

Dieser Anspruch wird besonders immanent, wenn man sich vergegenwärtigt, welchen Einfluss fiktionale Texte auf den Leser haben können, vor allem wenn es sich um junge Leser (Jugendliche, junge Erwachsene) handelt. Der berühmte Sozialpsychologe Albert Bandura konnte in verschiedenen Studien zu seiner sozialkognitiven Lerntheorie zeigen, dass sich Menschen durch Medienkonsum in ihren Einstellungen und Verhaltensweisen beeinflussen lassen, ganz egal ob es dabei um Aggression oder Gender-Rollen geht. Dass auch moderne Literatur geeignet ist, bestimmte Effekte hervorzurufen, zeigen aktuelle Studien.

Psychologen der University of Queensland, zum Beispiel, gaben ihren 480 Studienteilnehmern eine von drei erotischen Geschichten zu lesen. In einer zeigte sich der Mann besonders dominant, in einer die Frau und in der dritten gab es keinerlei Dominanz. Jene Frauen, die über den dominanten Männerpart lasen, berichteten danach über mehr sexistische Einstellungen als die Männer, umgekehrt gaben die Männer eine höhere Akzeptanz von Vergewaltigungsmythen an (z.B. Frauen, die sich aufreizend kleiden, sind selbst schuld, wenn sie belästigt werden oder „nein heißt ja“). Schon der kurze Konsum von erotischen Texten, die männliche Dominanz beinhalten, zeigte hier also einen – möglicherweise aber nur temporären – Einfluss auf die Psyche der Probanden. Andere Arbeiten zeigten ähnliche Effekte für den Konsum von sexistischen Videos, Videospielen oder Pornographie, zugleich gibt es aber auch Studien, die keine Effekte fanden. Die Wirkung solcher Materialen auf die Betrachter ist also immer noch umstritten und vermutlich stark von der Persönlichkeit, von früheren Erfahrungen und situativen Einflüssen abhängig. Ähnlich wie bei der Debatte um „Killerspiele“ darf man also nicht verallgemeinernd schlussfolgern, dass alle Leser zweifelhafter erotischer Texte zwangsläufig sexistische, frauenfeindliche oder gewaltverherrlichende Tendenzen entwickeln. Ein gewisses Risiko ist aber trotzdem vorhanden.

Eine weitere Studie aus den USA konnte darüber hinaus zeigen, dass Frauen, die zumindest einen Teil der „50 shades“-Reihe gelesen hatten, stärkere sexistische Tendenzen aufwiesen als solche, die keines der Bücher gelesen hatten. Zum Beispiel stimmten sie Aussagen wie „Frauen sollten von Männern beschützt werden“ stärker zu als andere. Das galt im Besonderen für jene Frauen, die den Roman als „romantisch“ einstuften. Diese wiesen nicht nur stärkere Formen von „wohlwollendem Sexismus“ gegenüber Männern auf („der Mann ist das starke Geschlecht und der Beschützer“), sondern auch von feindseligem Sexismus gegenüber Frauen („Frauen nutzen Männer aus und erringen Macht, indem sie Kontrolle ausüben“). Eine andere Forschergruppe fand heraus, dass Frauen, die „50 shades“ gelesen hatten, häufiger mit verbal aggressiven Partnern zusammen waren als solche, die es nicht gelesen hatten (allerdings gab es keinen Unterschied in Bezug auf erlebte Partnergewalt oder negative sexuelle Erfahrungen). Bei diesen Befunden handelt es sich um querschnittlich erhobene Daten, d.h. es darf hier kein Rückschluss auf eine Kausalität gezogen werden. Zu schlussfolgern, dass die Lektüre von „50 shades“ Frauen zu Sexistinnen oder Männer zu Vergewaltigern macht, ist falsch. Ebenso gut ist möglich, dass ein bestimmter Typus von Frauen von solchen Büchern besonders angezogen wird. Abgesehen davon handelt es sich um Aussagen, die sich auf eine sehr große Gruppe von Frauen beziehen, und daher nicht den Einzelfall repräsentieren.

Medien und Manipulation

Zusammenfassend lässt sich sagen: Es scheint einen Zusammenhang zu geben zwischen der Romantisierung von Missbrauchserfahrungen in Büchern und persönlichen Einstellungen zu Genderrollen und Beziehungsdynamiken. Ganz gleich, wie dieser Zusammenhang gestaltet ist, er ist nicht unproblematisch. Frauen, die bereits eine missbräuchliche Beziehung erlebt haben, finden in entsprechenden Erotik-Romanen unter Umständen eigene Erfahrungen wieder, die hier als romantisch verkauft werden (z.B. Stalking, Einschüchterung, Gefügig machen mittels Alkohol oder soziale Isolierung des Partners) und könnten dadurch in der Wahrnehmung ihrer eigenen Situation beeinflusst werden. Auch bereits vorhandene stereotype Einstellungen zu Männer- und Frauenrollen können durch die wiederholte Konfrontation mit Literatur, die diese Einstellungen vertritt und in ein positives Licht rückt, gefestigt werden.

Wer hingegen fest mit beiden Beinen im Leben steht, eine gesunde Beziehung führt, eine klare Einstellung zu sich und der Welt hat und sich bewusst von Gender-Klischees distanziert, wird mit Sicherheit auch nach der Lektüre nicht Gefahr laufen, diese Einstellungen zu übernehmen. Die Empfehlung kann und darf also nicht heißen, solche Bücher nicht mehr zu lesen, sondern sich kritisch mit den Inhalten auseinanderzusetzen, zu reflektieren und über das Gelesene nachzudenken.

Die Schönheit von Guilty Pleasures

Hand aufs Herz, wir alle haben unsere Guilty Pleasures, Vorlieben, für die wir uns ein bisschen schämen, die aber trotzdem Spaß machen. Wir schauen das „Dschungelcamp“, obwohl wir wissen, dass es entwürdigend ist. Wir lesen Klatschzeitschriften über den neuesten Promi-Tratsch. Wir schauen den „Bachelor“, „Bauer sucht Frau“ oder andere Kuppelshows, obwohl uns klar ist, wie sexistisch die Darstellungen teilweise sind. Forschungen zeigen, dass der Konsum solcher Shows den sozialen Vergleich anregt – und verglichen mit den armseligen Gestalten aus gängigen Reality Shows kommen wir als Konsumenten ja ziemlich gut weg. Das unterstützt den positiven Selbstwert.

Bei aller Liebe zum voyeuristischen Medienkonsum dürfen wir aber nicht vergessen, solche Format zu hinterfragen und ihre Wirkung auf uns kritisch zu beleuchten. Das gilt auch – und vor allem – für Romane aus dem Erotik/Romantik-Spektrum, die missbräuchliche Beziehungsmuster romantisieren.

Ganz ehrlich? Es ist doch paradox, dass wir einerseits eine Me-Too-Debatte führen und andererseits den „Mächtiger Millionär macht sich junges Mädchen gefügig“-Trope als romantisches Beziehungsbild hinnehmen. Der Aschenputtel-Traum ist in Zeiten von Weinstein, Wedel und wie sie alle heißen zu einem realen Alptraum geworden, und da erscheint es sehr suspekt, wenn wir diese auf Machtgefälle basierenden Beziehungen wie in „50 Shades“ als romantisches Märchen abtun.

Fazit

So, puh, das ist ein langer Text geworden, aber es ist ja auch kein einfaches Thema und blinde schwarz-weiß-Malerei hilft einer Diskussion auch nicht auf die Sprünge, sondern würgt sie meistens nach wenigen Worten ab. Deswegen noch einmal kurz zusammengefasst meine Take-Home-Message:

  • Romane, in denen missbräuchliche Beziehungen romantisiert werden, sind nicht unproblematisch. Vor allem auf vulnerable Menschen können solche Medieninhalte einen gewissen Einfluss ausüben und bestehende Stereotype festigen oder eigene Erfahrungen in ein falsches Licht rücken.
  • Das Lesen solcher Literatur macht einen Menschen nicht zum Sexisten, umgekehrt ist auch nicht jeder Sexist, nur, weil er diese Bücher liest. Wichtig ist, Inhalte zu hinterfragen, zu reflektieren und sich Gedanken darüber zu machen. Solange man das tut, kann und darf man lesen, was man will. Guilty Pleasures können Spaß machen und sogar den Selbstwert eines Menschen positiv beeinflussen, doch eine gewisse Distanz zu den Inhalten kann trotzdem nicht schaden, vor allem auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene.
  • Auch AutorInnen fiktionaler Texte haben eine Verantwortung. Die Ausrede „das ist doch Fantasy/reine Fiktion, das muss man nicht ernst nehmen“ zählt nicht. Jedes Medium übt Einfluss auf die Leser aus, vor allem dann, wenn bewusst Identifikationsfiguren geschaffen werden, die (junge) Frauen für sich adaptieren. Diesen Fakt zu ignorieren ist fahrlässig.

So, und jetzt bin ich natürlich gespannt auf eure Meinung. Wie geht ihr mit solchen Büchern um? Wie schwerwiegend seht ihr die Problematik dahinter? Was wären gute Strategien, um sich dem Diskurs zu nähern? Lasst es mich gerne wissen.


Wer sich weiter mit dem Thema befassen möchte, für den verlinke ich gerne weitere Blogartikel oder Statements. Postet weitere Links gerne in den Kommentaren, dann füge ich sie an.

Rape Fiction – Muss das wirklich sein? (Frau Schreibseele)

Rapefiction Debatte – es geht um alles, aber nicht um Sex (Geekgeflüster)

Rezension zu „Paper Princess“ (Kitsune Books)

Kommentar zu „Paper Princess“ (Kielfelder Blog)

„Man darf ja bald gar nichts mehr sagen!“ oder: Wie man unmoralische Handlungen handwerklich gut in fiktionalen Texten verpackt (Schreib‘ Kunst!)

 

[1] Alle wissenschaftlichen Studien, die ich hier konkret nenne, habe ich verlinkt, allerdings sind einige nicht offen zugänglich. Sollte daran Interesse bestehen, schreibt mir eine Email.

Das Wirtshaus am Wegesrand – eine kulinarische Leseprobe

Im Fantasy-Rollenspiel gibt es einige wiederkehrende Elemente, die einfach jeder kennt. Eines davon ist das obligatorische Gasthaus am Wegesrand, in dem sich die Heldengruppe bei Bier und Schmalzbrot zum ersten Mal begegnet und überraschend bemerkt, dass sie a) dasselbe Ziel verfolgen oder b) denselben Weg einschlagen wollen. Meistens bietet dieses Szenario dann den Ausgangspunkt für das nächste große gemeinsame Abenteuer. In der Heldenreise nach Campbell würde man wohl vom „Überschreiten der ersten Schwelle“ sprechen.

Auch in „Unter einem Banner“ gibt es eine solche Wirtshausszene. Zugegeben, meine „Helden“ (bewusst in Anführungszeichen) kennen sich schon vorher und ihr Abenteuer hat bereits begonnen, trotzdem hat diese Szene – und die darauf folgenden – eine gewisse Schwellenfunktion. Die Protagonisten begreifen, dass es kein Zurück gibt und stehen vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe.

Einen kurzen Ausschnitt daraus gibt es heute in einer Leseprobe. Um alte Traditionen nicht abreißen zu lassen, garniere ich auch diesen Textausschnitt mit einer kleinen Rezeptidee. Solange die Tage noch grau und kalt sind definitiv empfehlenswert.


Beginn der Leseprobe

Schweigen hüllte den Wagen ein, der schmatzend durch den Schlamm pflügte. Der Kutscher pfiff ein fröhliches Liedchen, als würden weder die Ereignisse in Arlis noch das grässliche Wetter seine Laune trüben. Reykan rollte währenddessen eine der Decken auseinander und reichte sie Benrik. Die Wolle hatte sich zwar schon mit Wasser vollgesogen, doch der Prinz schlang sie trotzdem dankbar um seine Schultern. »Wir kommen jetzt nach Arnshof«, erklang wenig später die Stimme des Fuhrmanns. »Werd’ dann an der Brücke nach Osten abzweigen, Richtung Jachen. Wie sieht’s mit Euch aus?« 

»Wir bleiben hier«, entschied Reykan. »Gibt es eine Herberge in Arnshof?« 

»Sicher«, der Fuhrmann nickte, »Elmas Stube. Gutes Haus, süffiges Bier. Die haben da auch Zimmer.« 

Reykan atmete auf und sah zu, wie der Kutscher seinen Karren durch die kleine Ortschaft lenkte. Die Sonne war untergegangen und feuchter Dunst umfing die Bauernhäuser wie ein weißer Schleier. Im strömenden Regen wagte sich kaum jemand auf die Straße, doch aus dem Inneren eines ansehnlichen Fachwerkhauses drang Licht und erleuchtete das bronzene Wirtshausschild. 

»Habt vielen Dank«, murmelte Reykan, als er aus der Kutsche kletterte. Schmatzend gruben sich seine Stiefel in den Schlamm. »Ihr habt uns wirklich sehr geholfen.« Es nagte an ihm, dass er den Mann nicht bezahlen konnte, aber im Moment blieb ihnen gerade noch genug für eine Nacht im Gasthaus und zwei Abendessen. 

Der Fuhrmann winkte ab und lüpfte seinen breitkrempigen Hut. »Nichts zu danken. Gute Weiterreise.« Er schnalzte mit der Zunge, trieb seine Rösser an und Reykan stieß die Tür zur Herberge auf. Rauchige Hitze umfing ihn wie eine warme Decke und Benrik hinter ihm stöhnte erleichtert auf. 

»Guten Abend, die Herren.« Die pausbäckige Wirtin, die ihre Rundungen in ein viel zu enges Mieder gezwängt hatte, lächelte ihnen fröhlich entgegen. »Grässliches Wetter, nicht wahr? Nehmt doch Platz.« 

Während sich Benrik überschwänglich bedankte, ließ Reykan routiniert seinen Blick durch den Schankraum gleiten. Einige Bauern saßen an klobigen Holztischen beisammen und spielten Karten. Zwei weitere Männer sahen nach Reisenden aus, die der Regen ins Gasthaus getrieben hatte. Ein einzelner Bursche in Reitkleidern hockte am Tresen über seinem Bier. Keine Waffen in Sichtweite. Dennoch entschied sich Reykan für einen der Tische am Fenster und platzierte den Prinzen mit dem Rücken zur Wand. 

Ungefragt stellte die Wirtin zwei dampfende Becher mit Gewürzwein vor ihnen auf den Tisch und strahlte von einem Ohr zum anderen. »Ihr seht aus, als würden Euch die guttun, nicht wahr?« 

»Und wie!« Benrik umschloss den Tonbecher erleichtert mit den Händen. »Habt Ihr auch ein Abendessen für uns?« 

»Gewiss«, erwiderte die Wirtin heiter. »Schwarzbrot mit Griebenschmalz, eine deftige Gemüsebrühe oder etwas Räucherschinken?« 

»Von allem etwas«, bestellte Benrik eifrig. »Seid ruhig großzügig mit dem Schinken, und …« 

»Sachte.« Reykan gebot ihm mit einer Geste Einhalt, linste beklommen in seine Geldkatze und leerte den kargen Inhalt auf den Tisch. »Bekommen wir dafür zwei Zimmer, Abendessen und etwas Proviant?« 

Die Wirtin zählte die Münzen, zog die Nase kraus und lächelte dann bemüht höflich. »Nun, da lässt sich bestimmt etwas machen. Wir haben allerdings nur noch ein Doppelzimmer. Die beiden Einzelzimmer haben die Herren dort drüben für sich beansprucht.« 

»Ein Zimmer?« Benrik warf Reykan einen spöttischen Blick zu und grinste. »Gut, warum nicht. Kalte Nächte, nicht wahr?« 

Reykan knurrte nur beiläufig und wandte sich der Wirtin zu. Das Herzklopfen ignorierte er. »Dann sagen wir zwei Kupfer für das Abendessen, vier für das Zimmer … und anderthalb für einen warmen Zuber?« 

Die Wirtin zählte die Münzen ab und nickte. »Natürlich, meine Herren. Ich bringe Euch das Abendbrot, danach sollte der Zuber fertig sein.« 

Als sie hinter dem Tresen verschwand und den Reiter abkassierte, beugte sich Benrik grinsend über den Tisch. Das Feuer war in seine graublauen Augen zurückgekehrt und verwandelte sie vom trüben Sturmmeer in leuchtende Aquamarine. »Das klingt doch nach einem vielversprechenden Abend, findet Ihr nicht? Genau richtig in einer grässlichen Situation wie dieser. Wein, ein warmer Zuber, ein gemeinsames Bett …« 

Reykan schnaubte und verschränkte die Arme vor der Brust. Seine Wangen brannten unangenehm. »Euer Vater ist tot«, zischte er angespannt, »Arlis steht in Flammen – und alles, woran Ihr denken könnt, ist Euer Vergnügen?« 

Benrik blähte die Nasenflügel, schlagartig war das Leuchten aus seinen Augen verschwunden. »Danke für die Erinnerung«, knurrte er. »Soll ich weinen und schreien, wäre Euch das lieber? Mit meinem Schicksal hadern, die Welt verfluchen und mich in den Alkohol flüchten?« 

»Nein«, beantwortete Reykan die rhetorische Frage und ignorierte den Seitenhieb, »aber ein wenig Anteilnahme stünde Euch gut zu Gesicht.« 

Benrik schnaubte. »Vielleicht solltet Ihr mir die Entscheidung überlassen, wie ich mit dem Tod meines Vaters umgehe? Wenn Ihr schon keine Lust auf eine angenehme Konversation habt, dann bohrt wenigstens nicht mit dem Finger in meinen Wunden.« 

Reykan presste die Lippen zusammen und schwieg. Er spürte, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg, und schämte sich für seine heftige Reaktion. Benrik versuchte ihn lediglich zu provozieren, das war alles. »Eine angenehme Konversation stelle ich mir anders vor«, erwiderte er brüsk. »Aber vielleicht bin ich einfach immun gegen Euren Charme.« 

Benrik lachte bitter. »Das werden wir noch sehen, Herr von Torat.«


 

Rezept für Gewürzwein (Hypocras)

1 Flasche trockener Rotwein
100 g Zucker
je 1-2 TL Nelkenpulver, Zimt, Kardamom, Chili, Ingwer und Muskat
1-2 EL Rosenwasser

Rotwein in einem Topf erhitzen bis knapp vor den Siedepunkt, Zucker unterrühren und kurz aufkochen. Die Gewürze vermengen und etwa die Hälfte davon in den Topf geben. Umrühren und ca. 10-15 min bei niedriger Hitze ziehen lassen. Danach abschmecken und ggf. mehr Gewürze und das Rosenwasser hinzufügen. Abschließend durch ein feines Sieb oder ein Tuch gießen, um die Rückstände aufzufangen.

Schmeckt heiß besonders gut, im Sommer aber auch eisgekühlt. Am besten innerhalb von 7 Tagen aufbrauchen.


 

Neugierig?

„Unter einem Banner“ ist als Ebook und bald auch als Taschenbuch erhältlich.

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Release „Unter einem Banner“

Ganz ehrlich, die Kleinen werden so schnell erwachsen. Kaum anderthalb Jahre ist es her, dass ich das erste Wort an diesem Manuskript geschrieben habe. Eine erstaunlich kurze Zeit, bedenkt man, welchen Weg meine Jungs seitdem schon hinter sich gebracht haben.

Im Sommer 2016 hatte ich die Schnauze voll von meinem Young-Adult-Mammut-Projekt, ich brauchte etwas Neues, etwas Erfrischendes. Irgendwo im Hinterkopf war da noch eine Idee. Ein Plotbunny, das ursprünglich einmal als Kurzgeschichte für die Helden-WG-Ausschreibung gedacht war. IMG_3450

Ich begann zu plotten, entwickelte die Figuren, die Hintergrundwelt und die Konflikte. Draußen hatte es ungefähr 30 ° C – in meinem Manuskript herrschte eisiger Winter und kühler Herbst. Ich hatte Lust auf ein raues Setting, nördlich gelegen, mit dichten Wäldern, eisigen Nächten und unheimlichen Kreaturen, die durch die Gebirge streifen. Mit kruden Festungen, harten Kerlen und deftigem Essen. Kurzum, ein klassisches Bilderbuch-Low-Fantasy-Szenario. Nur ein Aspekt bricht mit diesen Stereotypen, nämlich die Liebesgeschichte zwischen den beiden männlichen Protagonisten.

Begleitet hat mich auf dieser Reise vor allem meine bezaubernde Buchpatin Anna, die von Anfang an immer mit Rat und Tat zur Seite stand, auch nicht mit Kritik gezögert hat, wenn sie notwendig war, aber vor allem sehr viel Lob im Gepäck hatte. Auch die wunderbaren Damen von der „Magischen Jungs“-Plotgruppe und den Dirrty Stars im Tintenzirkel waren eine große Hilfe. Nur knapp acht Wochen hat es gedauert, bis die Rohfassung fertig war – ein gutes Indiz dafür, dass die Chemie zwischen mir, Reykan und Benrik einfach stimmte.

Deadsoft_VertragMeine beiden großartigen Betaleserinnen Mona und Michaela hatten dann noch den entscheidenden Blick für die Details, die Stringenz der Handlung und die angelegten Konflikte, sodass ich mit gutem Gefühl im März 2017 meine Bewerbung an den Dead Soft Verlag schickte. Kaum acht Wochen später kam die Zusage. Reibungsloser kann es kaum laufen.

Ich hatte das große Glück, mit Rebecca Andel eine unheimlich motivierte und sympathische Lektorin zu bekommen, die sich gemeinsam mit mir in das Manuskript verliebt hat und mit sehr viel Fingerspitzengefühl das letzte bisschen aus der Geschichte herauskitzeln konnte. Na ja, und sie hat geholfen, die zahlreichen kardiovaskulären Vorfälle und Magenverstimmungen meiner Protas zu reduzieren. *hust*


Und ja, jetzt ist das Baby da. Wahnsinn. Das Cover von DaylinArt gefällt mir unheimlich gut und ich bin mir sicher, auf dem Print wird es umwerfend aussehen.

So. Jetzt habe ich genug erzählt. „Unter einem Banner“ ist ab jetzt auf Amazon und im Verlagsshop als Ebook erhältlich. Das Taschenbuch erscheint am 28. Januar.

Wie immer freue ich mich wahnsinnig über euer Feedback. Lasst mich wissen, wie euch die Geschichte gefallen hat, und erzählt es euren Freunden und Bekannten weiter.


 

1400

Jede Nacht durchleidet Reykan erneut die Schrecken des Krieges, in dem er mehr verloren hat als nur eine Schlacht. Reykan sehnt sich nach Frieden, aber sein Pflichtgefühl kettet ihn an den Königshof und zwingt ihn mitten in die Unruhen, welche die Hauptstadt in Atem halten. Als feindliche Truppen die Mauern stürmen und der König vor Reykans Augen stirbt, fällt ihm die undankbare Aufgabe zu, den verwöhnten Kronprinzen Benrik in Sicherheit zu bringen. Gejagt von skrupellosen Gegnern geraten die beiden ungleichen Männer immer wieder aneinander, bis Reykan beginnt, hinter Benriks Fassade zu blicken. Doch ihre Verfolger kommen näher und Reykan muss sich fragen, wie viel er wirklich für Benrik empfindet und was er bereit ist, für ihn zu opfern.

Verflucht & zugenäht

Derbe Sprache in der Fantasy-Literatur – Top oder Flop?

Ihr kennt das: In Filmen wird ständig geflucht. Kaum ein Hollywood-Blockbuster, in dem das F-Wort nicht am laufenden Band über die Lippen fließt. Für Alien 2 und 3 von Ridley Scott gibt es sogar ein passendes Trinkspiel: ein Shot für jeden Fluch. Aus sicheren Quellen weiß ich, man bleibt nicht lange nüchtern.

Aber wie ist das in Büchern, vor allem in der Fantasy, bei der man in der Regel einen sehr getragenen, blumigen, metaphorischen Schreibstil erwartet? Passen da Flüche oder Schimpfwörter überhaupt ins Repertoire der fantastischen Helden?

Fantastische Flüche und wo sie zu finden sind

Ich gebe unumwunden zu, bei „Opfermond“ würde sich ein Schimpfwörter-Trinkspiel ausgesprochen lohnen, zumindest dann, wenn ihr besoffen unter dem Tisch liegen wollt. Ja, es wird viel geflucht, vor allem in den Kapiteln, in denen Idra zu Wort kommt. Ihr loses Mundwerk ist Teil ihres Charakters und intensiv geprägt von der harschen, rauen Umgebung, in der sie aufgewachsen ist.

Generell ist derbe Sprache und die Verwendung von Flüchen und Schimpfwörtern ein charakteristisches Element düsterer Fantasy. In Jay Kristoffs „Nevernight“ übertrumpfen sich die Akteure regelmäßig in der Verwendung vulgärer Sprache, ebenso in Joe Abercrombies Klingenreihe oder in Susanne Pavlovics „Feuerjäger“-Trilogie. Schnell wird auf diese Weise deutlich, in welche Art von Welt sich der Leser hier verirrt hat und mit welchen Individuen er es zu tun bekommt. Hier gibt es keine romantischen Märchen, keine zuckerguss-rosa Regenbogenwelten und keine blumigen Beschreibungen. Hier geht es knallhart zur Sache.

IMG_20180112_163136Mia nickte. „Oh ja. Er ist so gefährlich wie ein Sack Schwarzflecknattern. Und eine echte Fotze, das steht fest.“
Der Junge hob die Augenbrauen, den Mund staunend geöffnet.
„Was?“
„Meine Mutter sagte, das sei ein schlimmes Wort“, erklärte Tric mit gerunzelter Stirn. „Das schlimmste überhaupt.“ […]
„Ach, tatsächlich?“ Das Mädchen zog wieder an ihrem Zigarillo. „Und wieso?“
„Weiß ich nicht“, brummte Tric verlegen. „Das hat sie eben gesagt.“
– Aus „Nevernight – Die Prüfung“ von Jay Kristoff (Verlag Fischer TOR)

Gib mir Tiernamen!

Wie alle sprachlichen Stilmittel erfüllt auch die Verwendung derber Sprache eine Funktion – oder sollte das zumindest, um vom Leser auch als Mittel zum Zweck erkannt zu werden und nicht nur als substanzlose Provokation. In Zeiten, in denen Flüche ihren Schrecken in der Gesellschaft verloren haben, kann die bloße Nennung solcher Worte ohnehin nicht mehr schockieren.

Derbe Sprache kann verschiedene Aufgaben im Text erfüllen. Zum einen kann sie helfen, Figuren zu charakterisieren. Ein verlottertes Straßenmädchen oder ein rauer Space-Marine haben vielleicht einen anderen Bezug zu Schimpfwörtern als ein Sohn aus gutem Hause. Oder flucht die elegante Fürstin vielleicht sogar besonders oft, weil sie sich von der spießigen Gesellschaft um sie her abgrenzen will? Oder um zu schockieren? Kurzum, Erzählstimmen oder Dialoganteile lassen sich durch sprachliche Entgleisungen angenehm variieren und schenken dem Leser ein Gefühl für die Persönlichkeit oder Geschichte des Charakters.

Zum anderen vermittelt derbe Sprache auch einen Eindruck von Authentizität. Menschen fluchen nun einmal laut und herzlich, wenn sie in einen Legostein treten, mit dem Kopf gegen das offene Fenster knallen oder einen fatalen Fehler zu spät bemerken. Flüche lassen einen Menschen überzeugender, glaubwürdiger und manchmal sogar sympathischer wirken – klingt absurd, ist aber sogar wissenschaftlich belegt. Auch Gefühle werden über Flüche oft besser und ehrlicher transportiert als über langwierige Beschreibungen. Eine im Zorn ausgestoßene Verwünschung oder eine fiese Beleidigung lässt den Leser intensiv an der Gefühlswelt des Protagonisten teilhaben und macht unmissverständlich klar, wie es ihm gerade geht: ziemlich bescheiden (das war übrigens ein Test – „beschissen“ hätte euch an dieser Stelle sehr viel stärker emotional involviert oder? Gebt es zu.)

Ganz abseits dieser sehr technischen Aspekte können Flüche auch eine tragende Funktion innerhalb einer Geschichte haben, nämlich dann, wenn sie – ganz unaufdringlich – Weltenbauelemente vermitteln. Der raue Fantasy-Held flucht eben nicht „verdammt“ oder „zum Henker“ oder „ach Gottchen“, sondern „bei den bebenden Möpsen Trelenes“ (Nevernight) oder „Meridias nackter Arsch“ (Feuerjäger). Solche Anspielungen lockern das Geschehen auf, bringen den Leser zum Schmunzeln (vielleicht) und geben ihm gleichzeitig das Gefühl, wirklich voll und ganz ins Geschehen eingetaucht zu sein. Kleine Details, aber mit großer Wirkung.

In puncto „Flüche und Weltenbau“ ist aber auch Vorsicht angezeigt. Viele Schimpfworte und Flüche in unserem Sprachgebrauch haben einen religiösen bzw. regionalen Hintergrund, der sich nicht eins zu eins auf ein Fantasy-Szenario übertragen lässt. Manche sind dagegen eng mit modernem Slang oder Jugendsprache assoziiert und daher nicht für alle Szenarien geeignet. Aber genau das lässt wiederum Spielraum für eigene Kreationen.

Muss das wirklich?

Natürlich darf man sich die Frage stellen: Muss das sein? Muss der Held oder die Heldin auf jeder Seite fünf verschiedene Personen als Bastard, Hurensohn oder Schlimmeres bezeichnen? Nein, natürlich nicht. Wie bei allen Stilmitteln gilt: Die Dosis macht das Gift. Nicht jedes Genre, nicht jeder Charakter, nicht jede Geschichte wird dadurch aufgewertet, im Gegenteil, manchmal kann der Schuss auch nach hinten losgehen. Gerade bei stark diskriminierenden, beleidigenden oder gar rassistischen Schimpfworten ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Bei rassistischen, homophoben oder frauenfeindlichen Charakteren mag es sinnvoll und authentisch sein, sie entsprechende Beleidigungen ausspucken zu lassen, doch sollte man sich der Wirkung dessen bewusst sein. Einen Bösewicht nur über seine derbe Sprache zu definieren ist darüber hinaus ziemlich plump.

In der Fantasy gefällt es mir gut, wenn auch Beleidigungen oder Schimpfwörter im Sinne des Weltenbaus variiert werden. In „Harry Potter“ gilt Schlammblut als schreckliche Beleidigung für muggelstämmige Zauberer. In der Königsmörder-Chronik ist das vermeintlich harmlose Wort Rabauke eine schlimme rassistische Beleidigung für das fahrende Volk der Edema Ruh. Natürlich entfalten diese Bezeichnungen nicht sofort dieselbe emotionale Wucht und erzeugen nicht dieselbe Empörung wie irdische Beleidigungen, gleichzeitig bergen sie aber auch nicht die Gefahr, Leser zu verletzen. Ganz abgesehen davon, dass solche Anekdoten auch dabei helfen, die Welt, in die man eingetaucht ist, intensiver zu illustrieren.

Fazit

Fassen wir zusammen. Derbe Sprache kann auch in Fantasy-Welten ihren berechtigten Platz haben, wenn sie hilft, die Welt oder die Figuren näher zu charakterisieren oder wenn sie der Authentizität der Charaktere zuträglich ist. Also, scheiße nochmal, lasst eure Figuren fluchen, wenn es zu ihnen passt. Überlegt euch kreative, interessante und spannende Möglichkeiten, die Welt eurer Figuren in ihre Flüche einzuweben. Dann haben eure Leser sich auch Spaß daran.

Was denkt ihr darüber, mögt ihr vulgäre Sprache in Büchern oder stört es euch eher? Wie geht ihr als Autor oder Autorin damit um? Habt ihr euch schon mal kreative Schimpfwörter für eure Romane ausgedacht? Wenn ja, erzählt doch mal. ^_^

[Ankündigung] Release „Unter einem Banner“

Ihr Lieben, das Jahr 2018 startet gleich mit tollen Neuigkeiten. Mein Low Fantasy Roman „Unter einem Banner“ erscheint spätestens im Februar im Dead Soft Verlag.

Das zweite Mal ist natürlich nicht mehr so aufregend wie das erste, aber ich hab doch ein bisschen Herzklopfen, denn Reykan und Benrik sind mir sehr ans Herz gewachsen. Was anfangs nur die Idee zu einer Kurzgeschichte sein sollte, wuchs sich zu einer Roman-Idee aus – eine gute Entscheidung, wenn ihr mich fragt.

Heute möchte ich euch schon einmal das Cover und den vorläufigen Klappentext zeigen.

Unbenannt

Wer Reykan übrigens schon vor Veröffentlichung kennen lernen möchte, kann sich noch heute bis Mitternacht für meinen Newsletter anmelden. Für alle Abonnenten gibt es eine Gratis-Kurzgeschichte, die euch in Reykans Jugend 20 Jahre vor den Ereignissen aus „Unter einem Banner“ entführt.

Na, was meint ihr? Seid ihr neugierig?

Eleas Jahresrückblick 2017

Ein ausgesprochen aufregendes und außergewöhnliches Jahr neigt sich dem Ende zu und es wird Zeit, eine kurze Bilanz zu ziehen. Was habe ich 2017 erreicht? Was hat sich literarisch für mich verändert? Was ist noch offengeblieben? Begleitet mich auf einem Streifzug durch das Jahr 2017.

2017Statistik

Das Jahr der Vernetzung

IMG_20170626_075054_794Auch wenn die obigen Zahlen das vielleicht nicht nahelegen, 2017 war ein eher ruhiges Jahr für mich. Weder habe ich mir eine verbindliche Wortzahl gesetzt, noch eine bestimmte Anzahl an fertigzustellenden Manuskripten definiert. Dadurch habe ich 2017 tatsächlich nur einen Roman beendet, was sich nicht sonderlich produktiv anfühlt, zumal drei Fragmente darauf warten, beendet zu werden. Ich hasse unbeendete Dinge. 😉 Beachtet man allerdings, was sonst noch alles passiert ist, ist dieser „Einbruch“ durchaus verständlich.

Das Jahr der Vernetzung

Müsste ich 2017 in einem Wort beschreiben, dann war es für mich das Jahr der Vernetzung. Begonnen hat es im Februar 2017 mit der Einrichtung meines Twitter-Accounts, denn ohne Twitter hätte ich niemals das Nornennetz kennen gelernt, bei dem ich seit Sommer festes Mitglied bin, und auch nicht vom LitCamp in Heidelberg erfahren, das mich mit unheimlich vielen tollen Buchmenschen zusammengebracht hat.

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Im Nachhinein kann ich kaum glauben, dass es eine Zeit gab, in der all diese Menschen nicht zu meinem Leben gehörten – denn die Unterhaltungen mit ihnen, der Austausch und die Diskussion hat mich nicht nur literarisch, sondern auch menschlich weitergebracht. Im Oktober habe ich mich außerdem auf meine erste Buchmesse getraut, mit Buchhändlern und Fans gesprochen und neue Weichen für die Zukunft gestellt.

Natürlich durften auch meine jährlichen sozialen Highlights nicht fehlen, die RPC, das Tintenzirkeltreffen im Schieferpark und der jährliche Buchmesse Convent in Dreieich, auf dem ich dieses Jahr sogar lesen durfte. Ich bin unheimlich glücklich und dankbar, mittlerweile ein so festes Bestandteil der Indie-Phantastik-Szene zu sein und überall bekannte Gesichter zu treffen. Das ist ein großartiges Gefühl.

Der Opfermond geht auf

Opfermond_5Apropos großartig: Natürlich war 2017 auch das Jahr meines Roman-Debüts. Im September ist „Opfermond“ im Mantikore-Verlag erschienen und hat mir schlaflose Nächte, abgekaute Fingernägel und Freudenstürme beschert. Das Gefühl, zum ersten Mal den eigenen Roman in den Händen zu halten und zu signieren, ist kaum in Worte zu fassen. Ich bin auch immer noch absolut überwältigt von der tollen Resonanz, die der Roman erhalten hat, von dem Lob und den großen Worten, die ihr – meine Leser – mir geschenkt habt. Vielen, vielen Dank dafür – ihr seid wundervoll!

Nicht nur „Opfermond“ hat dieses Jahr das Licht der Welt erblickt, es sind auch vier Kurzgeschichten aus meiner Feder in Anthologien erschienen und seit Ende Februar betreibe ich diesen kleinen Blog, der sich zusehends mit Inhalten gefüllt hat. Was sich anfangs noch recht schleppend anfühlte, ist zu einer liebenswerten Routine für mich geworden, und gerade die „Charaktere auf der Couch“-Reihe hat mir großen Spaß gemacht.

Auch literarisch habe ich 2017 vieles gelernt. Gerade befindet sich der dritte Roman im Lektorat und dank der intensiven Zusammenarbeit mit meinen Lektorinnen und Verlegern bzw. Verlegerinnen blicke ich mit ganz neuen Augen auf meine Texte, entdecke alte Fehler und mache neue. 😉 Ich habe in Schreibratgebern geschmökert, Podcasts gehört und mich mit Kolleginnen und Kollegen ausgetauscht. Ich glaube, schön langsam kristallisiert sich eine gewisse Routine für mich heraus, mit der ich gut arbeiten kann. Das heißt aber nicht, dass ich nicht noch ein ganzes Stück besser werden will.

Das Jahr privat

IMG_20171030_160759Privat hat sich mein Leben solide stabilisiert, ich stehe mit beiden Beinen im Brotjob, finanziell bin ich gut abgesichert, nur meine Wohnsituation und das Pendeln schlauchen immer noch. Ich hoffe, da ergibt sich 2018 eine neue Lösung. Mit der 30-Stunden-Stelle bleibt etwas weniger Zeit für das Schreiben, dafür fühle ich mich im Brotjob wesentlich ausgelasteter und besser wertgeschätzt.  Und das ist ja auch wichtig. 😊 Außerdem war zeitlich und finanziell ein toller Venedig-Urlaub drin.

Ausblick – was bringt 2018?

Aber nun verlassen wir 2017 und werfen einen Blick in die Zukunft. Was hält 2018 für mich und für euch bereit? Zwei Romane aus meiner Feder stehen in der Warteschlange und ich freue mich auf beide schon riesig.

Anfang des Jahres wird „Unter einem Banner“ im Dead soft Verlag erscheinen, ein rauer Low Fantasy Roman über Krieg, Verantwortung, Schuld und die Beziehung zwischen zwei ungleichen Männern, die beide mit ihrer Vergangenheit kämpfen. Wer neugierig ist, kann sich noch bis zum 8. Januar für meinen Newsletter anmelden und eine Kurzgeschichte als kleinen Vorgeschmack auf den Roman erhalten.

Im Sommer erscheint dann im Verlag Ohneohren „Sand & Wind“, ein phantastisches, witziges und romantisches Orient-Märchen im Stil von 1001 Nacht mit jede Menge Action und Aladdin-Flair. Auch darauf freue ich mich schon sehr, denn dieser Roman hat mir 2014 meinen bisher produktivsten und gleichzeitig lustigsten Nanowrimo beschert. Ich hoffe, ich kann ein bisschen von dieser Schreibfreude an euch weitergeben.

Vier Anthologien mit Kurzgeschichten aus meiner Feder stehen außerdem in den Startlöchern, ich werde zum ersten Mal die Leipziger Buchmesse besuchen und darf im September auf dem Festival Mediaval, dem größten Mittelalter-Festival Deutschland, aus „Opfermond“ lesen. Wow. Ehrlich, Leute, ich bin schon voll gehyped auf dieses Jahr. Es wird toll!

2018 soll außerdem wieder ein produktives Jahr werden. Vier Romane warten darauf, fertiggestellt zu werden, und vielleicht ergibt sich ja sogar der eine oder andere Vertrag für 2019. The show must go on – und so. Wisst ihr ja.

Prosit Neujahr!

In diesem Sinne, ihr Lieben, danke ich jedem Einzelnen von euch, der mich in diesem turbulenten Jahr unterstützt hat, und hoffe sehr, dass ihr auch nächstes Jahr weiter an meiner Seite seid. Ich wünsche euch allen ein erfolgreiches, harmonisches und kreatives Jahr 2018, das viele schöne Überraschungen, Momente und Erlebnisse für euch bereithält und euch euren Wünschen und Träumen etwas näherbringt. Ich habe dieses Jahr ein gutes Stück meines Traums gelebt. Ihr könnt das auch!

Alles Liebe und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Eure Elea

Phantastische Weihnachten

Fantasy-Lesetipps für den Weihnachtsbaum

Ho, ho, ho, nur noch wenige Tage bis Weihnachten! Habt ihr schon alle Geschenke zusammen? Ich auch nicht, zugegeben. Aber Bücher sind doch immer schöne Ideen. Zugegeben, im letzten Jahr habe ich wenig Neuerscheinungen gelesen, aber ein paar davon möchte ich euch heute in diesem Beitrag vorstellen, vielleicht ist ja etwas für euch oder eure Lieben dabei.

Ich hab mich entschieden, euch ein paar Werke abseits des Mainstreams zu zeigen, die – obwohl sie alle Fantasy sind – ganz unterschiedliche Vorlieben bedienen. Wenn ihr euch lieber bei den Publikumsmagneten umsehen wollt, dann könnt ihr ja einen Blick auf die Phantastik-Bestenliste werfen oder euch die Fantasy-Gewinner des Lovelybook-Awards näher anschauen.

Die Taschenbücher habe ich auf den Autorenwelt-Shop verlinkt, dort könnt ihr schnell und einfach Bücher bestellen und noch dazu Autorinnen und Autoren unterstützen. Die Ebook-Links führen zu Amazon.


Intergalaktische Weihnachten

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Titel: Blind (Sternenbrand 1)
Autorin: Annette Juretzki
Erschienen bei: Traumtänzer Verlag
Genre: Science Fiction

Klappentext: Söldner landen auf Xenens rückständigem Planeten und so charmant ihr Anführer Jonas Brand auch sein mag, so kompromisslos ist er bei seinen Zielen. Als eine friedliche Verhandlung scheitert, findet sich Xenen schwerverletzt auf ihrem Raumschiff wieder – was ihm ziemlich schnell besser gefällt, als gut für ihn ist. Seine Neugierde treibt ihn in immer größere Gefahren, vor denen ihn auch der Außerirdische Zeyn nicht schützen kann. Selbst als ein Attentäter nach seinem Leben trachtet, wählt Xenen Freiheit über Sicherheit. Aber warum wünscht ein völlig Fremder seinen Tod? Und welches Geheimnis umgibt seinen Heimatplaneten? Manche Antworten wiegen Jahrhunderte schwer …

Warum solltest du dieses Buch lesen? „Blind“ war mein Jahreshighlight 2017. Annette Juretzkis Schreibstil ist unglaublich bildhaft und mitreißend, voll außergewöhnlichen Metaphern. Mit viel Einfühlsamkeit und Geschick beschreibt die Autorin die Konflikte und Beziehungen zwischen den Charakteren, die durchweg authentisch wirken. Die verschiedenen intergalaktischen Spezies sind mit viel Einfallsreichtum und Kreativität geschaffen und bieten eine ganz eigene Welt, in der auch queere und diverse Figuren stark repräsentiert sind. Hinzukommt ein spannender Hintergrundplot von Verrat, Intrigen und Geheimnissen, der den Roman zusätzlich zu einem Pageturner macht.

Für wen ist es geeignet? Für erwachsene Fans von ungewöhnlichen, vielschichtigen Charakteren, spannenden Plots und intensiven zwischenmenschlichen Konflikten, die ganz ohne Kitsch und Pathos auskommen.

Themen: Identität, Verrat, Loyalität, Xenophobie, Verantwortung, Glaube, Gefühle, Beziehungen

Erhältlich als: Taschenbuch und Ebook; der zweite Teil „Blau“ ist bereits Anfang Dezember erschienen


 

Cyberpunkige Weihnachten

Titel: Toten51CPq3H2qWL._SY346_nacht (Der Nekromant, Teil 1)
Autor: M.R. Forbes
Erschienen bei: Mantikore Verlag
Genre: Urban Fantasy, Cyberpunk

Klappentext: In einer Zeit, in der die Magie in die Welt zurückgekehrt ist, schlägt sich Conor Night mit dubiosen Gelegenheitsjobs durchs Leben. Er hat die Fähigkeit Tote zum Leben zu erwecken, doch er selbst ist todkrank. Nur eine verbotene Substanz erhält ihn am Leben. Als er ein lukratives Jobangebot bekommt, kann er nicht widerstehen. Schon bald steht er Mächten gegenüber, die ihm weit überlegen sind. Doch auch Conor hat ein paar Tricks auf Lager, mit denen seine Gegner nicht rechnen …

Warum solltest du dieses Buch lesen? M.R. Forbes hat einen ausgesprochen zynischen, schwarz-humorigen Erzählstil, der beim Lesen sehr viel Spaß macht. Die Welt, die er geschaffen hat, erinnert in vielen Aspekten an das Rollenspiel „Shadowrun“, bietet aber genug eigene Ideen, um keine reine Kopie zu sein. Die Figuren sind schnoddrig, kühl, verbittert, aber taff und durchgehend interessant. Ein spannender Auftakt zu der dreiteiligen Reihe um Conor Night.

Für wen ist es geeignet? Für Fans von Urban Fantasy, die auf erwachsene Akteure und Geschichten ohne kitschige oder fragwürdige Romanzen stehen und eine gute Portion Zynismus und dreckigen Humor abkönnen. Vor allem Shadowrun-Fans kommen hier auf ihre Kosten.

Themen: Leben, Tod, Magie, Technisierung, Intrigen, Politik, Xenophobie

Erhältlich als: Taschenbuch und Ebook


 

Märchenhafte Weihnachten

51Upa3fHx+L._SY346_Titel: Tanz der Feuerblüten
Autorin: Janna Ruth
Erschienen bei: Ueberreuther Verlag
Genre: Fantasy, Märchen, Young Adult

Klappentext: Im Palast des Abendrots strebt alles nach vollkommener Schönheit: Wasser, Metall, Holz und Luft werden zu bewundernswerten Kunstwerken geformt, an denen sich die höfische Gesellschaft ergötzen kann. Als der junge Schwerttänzer Jinnan aus der Provinz den Hof betritt, fühlt er sich unbeholfen und von der komplizierten Etikette überfordert. Dann jedoch trifft er auf die bildhübsche Ayaka und lässt sich von ihrem Luftspiel verzaubern. Wider jegliche Vernunft versucht Jinnan, Ayakas Herz zu erobern – wohl wissend, dass er mit dem Feuer spielt …

Warum solltest du dieses Buch lesen? Janna Ruth Debüt ist ein Märchen von besinnlicher Schönheit. Die Autorin erzählt nicht nur eine einfühlsame, stimmige Liebesgeschichte, sondern hält obendrein ein starkes Plädoyer für die Macht der Natur und die Betonung innerer Werte über äußere Schönheit. Geschickt verbindet sie Elemente fernöstlicher Märchen mit einer zarten, liebevoll inszenierten Romanze und einer spannenden Geschichte über dunkle Mächte und den Hochmut der Zivilisation. Eine tolle Lektüre, gerade für trostlose Wintertage.

Für wen ist es geeignet? Für jugendliche und erwachsene Leser, die gerne im Märchen versinken, authentische Liebesgeschichten mögen und sich in einem traumhaften magisch-fernöstlichen Setting verlieren wollen.

Themen: Liebe, Natur, Magie, Märchen, Naturgeister, Ästhetik, Identität

Erhältlich als: Ebook


Klassisch phantastische Weihnachten

51aqOI+oplL._SY346_Titel: Das Relikt der Fladrea (Teil 1 der Fladremin-Reihe)
Autor: Dominik Schmeller
Erschienen bei: Mantikore Verlag
Genre: High Fantasy, Young Adult, All Age

Klappentext: Ein magisches Relikt. Ein verschollenes Volk. Ein Mädchen, das seine Geschichte sucht.

Die lebhafte Larima wurde als Säugling im Wald gefunden. Den einzigen Hinweis zu ihrer Herkunft findet sie auf einem Amulett mit seltsamen Symbolen. Als sie erfährt, dass sie verheiratet werden soll, reißt sie aus und versucht gemeinsam mit ihrem Ziehbruder dem Geheimnis um ihre eigene Geschichte auf die Spur zu kommen. Eine gefährliche Reise beginnt, denn dieses Geheimnis hat nicht nur für Larima einen hohen Wert…

„Das Relikt der Fladrea“ ist der erste Band der dreiteiligen Fladremin-Fantasy Reihe

Warum solltest du dieses Buch lesen? Dominik Schmeller entführt seinen Leser in eine nordisch angehauchte Fantasy-Welt, die dank anschaulicher Beschreibungen und viel Detailliebe im Kopf lebendig wird. Mit seiner Protagonistin Larima schafft er eine sympathische Heldin, mit der sich vor allem jugendliche Fantasy-Leserinnen schnell identifizieren können. Als Auftakt zu einer Trilogie bietet die Fladremin-Saga damit viele, spannende Lesestunden.

Für wen ist es geeignet? Für Fantasy-Fans allen Alters, die klassische Geschichten über alte Artefakte, boshafte Schurken und magische Geheimnisse lieben und gerne eine junge Heldin auf dem Weg zu ihren Wurzeln begleiten wollen.

Themen: Identität, Magie, Familie, Geheimnisse

Erhältlich als: Taschenbuch und Ebook


 

Na, ist da etwas für euch dabei? Kennt ihr die Bücher schon? Welche Fantasy-Geschichten wollt ihr zu Weihnachten verschenken?

Charaktere auf der Couch: #10 Lukas

Nach 4 Wochen Nanowrimo-bedingtem Praxisurlaub gibt es heute einen neuen Patienten auf meine virtuellen Couch. Der junge Mann hört auf den ausgesprochen klangvollen Namen Lukas Schmalenbach-Fauchet, ist neunundzwanzig Jahre alt, knapp 1,90 m groß und sehr schlank gebaut. Die heutige Sitzung ist nicht seine erste Begegnung mit einem Therapeuten, denn Lukas befindet sich schon länger in Behandlung. Antriebslosigkeit, Kokain und ein exzessiver Hang zur Selbstreflexion sind eben keine gesunde Mischung. Trotzdem hat Lukas sein Leben nach einigen turbulenten Ereignissen ziemlich gut im Griff. Zumindest bis jetzt.

Guten Morgen Lukas, nehmen Sie doch Platz. Was ist denn vorgefallen, dass Sie so schnell einen Termin gebraucht haben?

Steht verloren im Raum und fährt sich nervös durch die Haare, ehe er Portemonnaie und Handy aus der Hosentasche zieht und sich setzt.

Danke, dass Sie sich so kurzfristig Zeit nehmen konnten, ich habe das Gefühl, heute ist Weltuntergang und fühle mich noch nicht bereit zum Abtreten. Gestern Abend habe ich mit meiner Freundin Louise schlussgemacht. Atmet tief durch. Und heute? Saß Sie, die Eine in meiner Vorlesung und will mich heute Abend treffen.

Ganz langsam, eins nach dem anderen. Sie haben Schluss gemacht? Wie kam es dazu?

Ach, ich weiß nicht – das hat sich schon ein paar Monate aufgestaut. Louise hat sehr geklammert und ich war nicht frei im Kopf. Als sie mir im Dezember dann zum ersten Mal gesagt hat, dass sie mich liebt, ist bei mir die Panik ausgebrochen. Außer meiner ersten festen Freundin, Inga, habe ich keiner anderen Person gesagt, dass ich sie liebe und ich glaube, ich will das auch nicht. Und weil ich Louise sehr wahrscheinlich auch irgendwie liebe, wurde mir das zu viel.

Verstehe. Und wen haben Sie heute getroffen?

Inga. Sie ist einfach bei mir auf der Arbeit aufgetaucht.

Ah, ich erinnere mich, Sie hatten sich von ihr getrennt, als Sie nach Paris kamen, nicht wahr?

Weil ich ihr mein Leben nie ganz anvertraut habe, ja. Ich kam mir vor wie ein Verräter und habe diese Halbwahrheiten irgendwann nicht mehr ausgehalten.

Das scheint Sie ja noch ganz schon aufzuwühlen. Welche Gefühle verbinden Sie denn im Moment mit Inga?

Ich weiß es nicht, ehrlich. Ich bin völlig durch den Wind, Louise und Inga innerhalb von vierundzwanzig Stunden haben einen Kurzschluss in meinem Kopf verursacht. Ich meine, das gestern war ja schon ein Drama, wieso muss es heute sofort mit noch mehr davon weitergehen? Inga und ich haben uns drei Jahre nicht gesehen, ich kenne sie gar nicht mehr – aber es tut weh, sie zu sehen. Vorhin dachte ich, ich kriege einen Herzinfarkt, als ich sie gesehen habe. Sie wollte Antworten. Echt jetzt? Nach so langer Zeit noch? In meinem Kopf waren tausende Gedanken, ich war ehrlich und habe ihr gesagt, dass ich dachte, sie vergisst mich einfach. Daraufhin hat sie mir eine gescheuert und mich nach einem Date gefragt. Hallo? Ich weiß nicht, was ich nachher mit ihr machen soll.

Das klingt ziemlich chaotisch. Und ziemlich typisch, wenn ich das so sagen darf. Hat Inga denn in der Zeit mal versucht, Kontakt zu Ihnen aufzunehmen?

Nein, hat sie nicht. Ich habe ihre Oma letzten Sommer spontan besucht, aber die hat ziemlich sicher dicht gehalten.

Gut, Spielen wir das durch. Das Date mit Inga. Wenn Sie jetzt vor Ihnen stünde, was würden Sie ihr sagen?

Dass es mir leidtut, ich ihr aber keine schnellen, einfachen Antworten geben kann. Wenn ich ihr überhaupt irgendwann welche geben kann, die Sinn machen.

Wie, denken Sie, wie würde sie reagieren?

Er schüttelt ironisch lächelnd den Kopf. Nach der Ohrfeige traue ich ihr alles zu, sie wirkte ziemlich angepisst. Keine Ahnung – ich vermute, sie würde mir ein Ultimatum setzen, mich zu erklären und oder mir Vorwürfe machen, rumstreiten und endgültig einen Schlussstrich ziehen, ehe ich ihr irgendwas erklärt habe.

Das klingt ziemlich realistisch. Was wäre das Schlimmste für Sie, das passieren könnte?

Dass sie etwas in mir sieht, das ich nicht bin und ich sie wieder verletze. Und, dass die beiden Frauen sich über den Weg laufen.

Blicken wir noch mal zurück auf die letzten drei Jahre. Wie haben Sie sich in dieser Zeit verändert, was denken Sie? Was ist anders geworden, seit Sie sich von Inga getrennt haben?

Lukas zuckt die Achseln. Na ja, ich würde sagen, mein Leben war nach all den Eskapaden und Abstürzen gerade halbwegs organisiert. Mal davon abgesehen, dass ich mich auf keine andere Frau einlassen kann, weil ich mit Inga noch immer nicht abgeschlossen habe.

Dann ist das Date mit Inga aber doch eine Chance, oder nicht? Wenn sie immer noch in Ihrem Kopf herumspukt, wäre das doch die Gelegenheit, alles zu bereinigen?

Also, ich bin vielleicht nicht mehr ganz so am Arsch wie vor ein, zwei Jahren, aber ob ich ihr das in einem Zug alles erklären kann, bezweifle ich.

Ich bin da optimistisch. Sie sind psychisch stabiler als früher und gehen sehr viel konstruktiver mit Ihren Problemen um. Was mit den Drogen, sind Sie immer noch clean?

Ja und ja. Zum Glück.

Das ist gut. Ich glaube, da liegt eine große Chance vor Ihnen. Eine Chance und eine Herausforderung. Denken Sie, Sie sind dem gewachsen?

Das Einzige, das gerade wächst, ist mein Drang, zu flüchten. Aber ja, wahrscheinlich haben Sie recht. Immerhin habe ich mir diese Chance ja an Neujahr gewünscht. War ja klar, dass alles seinen Preis hat und Chancen immer dann kommen, wenn man gerade keine Nerv für sie hat.

Weglaufen hat Ihnen beim letzten Mal schließlich auch nicht geholfen, Lukas, denken Sie daran. Aber konzentrieren wir uns auf die Zukunft: Was könnte Ihnen helfen, sich mit Inga auszusprechen?

Kokain? Er schmunzelt. Spaß beiseite. Wenn ich ein bisschen mehr Zeit habe, mich zu erklären: mein Bruder. Ich halte ihn für den diplomatischeren von uns beiden und hoffe, dass er einen Rat für mich hat. Wenn ich Inga seine Existenz klarmachen kann, ohne dass sie mich dafür umbringt, bin ich ein ganzes Stück weiter. Ich muss ihn gleich anrufen. Vielleicht. Vielleicht macht das aber auch alles nur noch schlimmer, wer weiß? Seine Methoden sind manchmal zwar diplomatisch, aber auch ziemlich radikal. Ob Inga ein Typ für solche Lösungen ist, weiß ich nicht. Ich hoffe, dass ich das nach heute Abend besser einschätzen kann.

Ich schätze, es ist eine gute Idee, wenn Sie Ihren Bruder einweihen. Zerdenken Sie die Situation nicht zu sehr, bleiben Sie klar und realistisch.

Sie schenkt Lukas ein aufmunterndes Lächeln.

Das heißt, Sie treffen Inga? Das ist fest beschlossen?

Ein anderer Tag wäre mir dafür definitiv lieber, aber so wie es aussieht habe ich ja keine andere Wahl, wenn ich die Chance nicht vergeigen will, oder?

Versprechen Sie mir, dass Sie nicht davor weglaufen?

Ungern, dann muss ich ja erwachsen werden! Aber ja, ausnahmsweise.


 

SchneepoetCoverPuh, da kommt ja einiges auf Lukas zu. Wenn ihr mehr über ihn und seine ungewöhnliche Lebensgeschichte erfahren und noch tiefer in seine unkonventionelle Gedankenwelt eintauchen wollt, dann holt euch „Schneepoet“ von Nika Sachs (erschienen bei Twentysix). Dieses kleine therapeutische Interview gibt euch außerdem schon einen Vorgeschmack auf Lukas‘ weiteren Lebensweg, den ihr ab Februar mitverfolgen könnt.

Internetseite & Blog der Autorin: http://bordsteinprosa.blogspot.de/


 

InfokastenBipolar


Quellen:

Meyer, T.D. (2005). Bipolar-affektive Störungen. In: M. Linden & M. Hautzinger. Verhaltenstherapiemanual (5. Auflage), S. 429-437, Heidelberg: Springer Medizin Verlag.

Wittchen, H.-U. & Jacobi, F. (2012). Was sind die häufigsten psychischen Störungen in Deutschland? Vortrag zum DEGS-Symposium, abgerufen am 02.12.2017 unter DEGS Symposium


 

Habt ihr Fragen an die Therapeutin oder an Lukas selbst? Dann stellt sie gerne.

Eine Übersicht über alle bisherigen Sitzungen findet ihr hier.

Ab Januar gibt es auch wieder freie Plätze für Romanfiguren mit Redebedarf.Es gibt keine Genre-Eingrenzung, nur sollten die Werke bereits veröffentlicht sein. Meldet euch gerne bei mir, wenn ihr Interesse habt.