Autor: Elea Brandt

Fantasy-Autorin, Vollzeit-Geek und Rollenspielfan

Release „Unter einem Banner“

Ganz ehrlich, die Kleinen werden so schnell erwachsen. Kaum anderthalb Jahre ist es her, dass ich das erste Wort an diesem Manuskript geschrieben habe. Eine erstaunlich kurze Zeit, bedenkt man, welchen Weg meine Jungs seitdem schon hinter sich gebracht haben.

Im Sommer 2016 hatte ich die Schnauze voll von meinem Young-Adult-Mammut-Projekt, ich brauchte etwas Neues, etwas Erfrischendes. Irgendwo im Hinterkopf war da noch eine Idee. Ein Plotbunny, das ursprünglich einmal als Kurzgeschichte für die Helden-WG-Ausschreibung gedacht war. IMG_3450

Ich begann zu plotten, entwickelte die Figuren, die Hintergrundwelt und die Konflikte. Draußen hatte es ungefähr 30 ° C – in meinem Manuskript herrschte eisiger Winter und kühler Herbst. Ich hatte Lust auf ein raues Setting, nördlich gelegen, mit dichten Wäldern, eisigen Nächten und unheimlichen Kreaturen, die durch die Gebirge streifen. Mit kruden Festungen, harten Kerlen und deftigem Essen. Kurzum, ein klassisches Bilderbuch-Low-Fantasy-Szenario. Nur ein Aspekt bricht mit diesen Stereotypen, nämlich die Liebesgeschichte zwischen den beiden männlichen Protagonisten.

Begleitet hat mich auf dieser Reise vor allem meine bezaubernde Buchpatin Anna, die von Anfang an immer mit Rat und Tat zur Seite stand, auch nicht mit Kritik gezögert hat, wenn sie notwendig war, aber vor allem sehr viel Lob im Gepäck hatte. Auch die wunderbaren Damen von der „Magischen Jungs“-Plotgruppe und den Dirrty Stars im Tintenzirkel waren eine große Hilfe. Nur knapp acht Wochen hat es gedauert, bis die Rohfassung fertig war – ein gutes Indiz dafür, dass die Chemie zwischen mir, Reykan und Benrik einfach stimmte.

Deadsoft_VertragMeine beiden großartigen Betaleserinnen Mona und Michaela hatten dann noch den entscheidenden Blick für die Details, die Stringenz der Handlung und die angelegten Konflikte, sodass ich mit gutem Gefühl im März 2017 meine Bewerbung an den Dead Soft Verlag schickte. Kaum acht Wochen später kam die Zusage. Reibungsloser kann es kaum laufen.

Ich hatte das große Glück, mit Rebecca Andel eine unheimlich motivierte und sympathische Lektorin zu bekommen, die sich gemeinsam mit mir in das Manuskript verliebt hat und mit sehr viel Fingerspitzengefühl das letzte bisschen aus der Geschichte herauskitzeln konnte. Na ja, und sie hat geholfen, die zahlreichen kardiovaskulären Vorfälle und Magenverstimmungen meiner Protas zu reduzieren. *hust*


Und ja, jetzt ist das Baby da. Wahnsinn. Das Cover von DaylinArt gefällt mir unheimlich gut und ich bin mir sicher, auf dem Print wird es umwerfend aussehen.

So. Jetzt habe ich genug erzählt. „Unter einem Banner“ ist ab jetzt auf Amazon und im Verlagsshop als Ebook erhältlich. Das Taschenbuch erscheint am 28. Januar.

Wie immer freue ich mich wahnsinnig über euer Feedback. Lasst mich wissen, wie euch die Geschichte gefallen hat, und erzählt es euren Freunden und Bekannten weiter.


 

1400

Jede Nacht durchleidet Reykan erneut die Schrecken des Krieges, in dem er mehr verloren hat als nur eine Schlacht. Reykan sehnt sich nach Frieden, aber sein Pflichtgefühl kettet ihn an den Königshof und zwingt ihn mitten in die Unruhen, welche die Hauptstadt in Atem halten. Als feindliche Truppen die Mauern stürmen und der König vor Reykans Augen stirbt, fällt ihm die undankbare Aufgabe zu, den verwöhnten Kronprinzen Benrik in Sicherheit zu bringen. Gejagt von skrupellosen Gegnern geraten die beiden ungleichen Männer immer wieder aneinander, bis Reykan beginnt, hinter Benriks Fassade zu blicken. Doch ihre Verfolger kommen näher und Reykan muss sich fragen, wie viel er wirklich für Benrik empfindet und was er bereit ist, für ihn zu opfern.

Verflucht & zugenäht

Derbe Sprache in der Fantasy-Literatur – Top oder Flop?

Ihr kennt das: In Filmen wird ständig geflucht. Kaum ein Hollywood-Blockbuster, in dem das F-Wort nicht am laufenden Band über die Lippen fließt. Für Alien 2 und 3 von Ridley Scott gibt es sogar ein passendes Trinkspiel: ein Shot für jeden Fluch. Aus sicheren Quellen weiß ich, man bleibt nicht lange nüchtern.

Aber wie ist das in Büchern, vor allem in der Fantasy, bei der man in der Regel einen sehr getragenen, blumigen, metaphorischen Schreibstil erwartet? Passen da Flüche oder Schimpfwörter überhaupt ins Repertoire der fantastischen Helden?

Fantastische Flüche und wo sie zu finden sind

Ich gebe unumwunden zu, bei „Opfermond“ würde sich ein Schimpfwörter-Trinkspiel ausgesprochen lohnen, zumindest dann, wenn ihr besoffen unter dem Tisch liegen wollt. Ja, es wird viel geflucht, vor allem in den Kapiteln, in denen Idra zu Wort kommt. Ihr loses Mundwerk ist Teil ihres Charakters und intensiv geprägt von der harschen, rauen Umgebung, in der sie aufgewachsen ist.

Generell ist derbe Sprache und die Verwendung von Flüchen und Schimpfwörtern ein charakteristisches Element düsterer Fantasy. In Jay Kristoffs „Nevernight“ übertrumpfen sich die Akteure regelmäßig in der Verwendung vulgärer Sprache, ebenso in Joe Abercrombies Klingenreihe oder in Susanne Pavlovics „Feuerjäger“-Trilogie. Schnell wird auf diese Weise deutlich, in welche Art von Welt sich der Leser hier verirrt hat und mit welchen Individuen er es zu tun bekommt. Hier gibt es keine romantischen Märchen, keine zuckerguss-rosa Regenbogenwelten und keine blumigen Beschreibungen. Hier geht es knallhart zur Sache.

IMG_20180112_163136Mia nickte. „Oh ja. Er ist so gefährlich wie ein Sack Schwarzflecknattern. Und eine echte Fotze, das steht fest.“
Der Junge hob die Augenbrauen, den Mund staunend geöffnet.
„Was?“
„Meine Mutter sagte, das sei ein schlimmes Wort“, erklärte Tric mit gerunzelter Stirn. „Das schlimmste überhaupt.“ […]
„Ach, tatsächlich?“ Das Mädchen zog wieder an ihrem Zigarillo. „Und wieso?“
„Weiß ich nicht“, brummte Tric verlegen. „Das hat sie eben gesagt.“
– Aus „Nevernight – Die Prüfung“ von Jay Kristoff (Verlag Fischer TOR)

Gib mir Tiernamen!

Wie alle sprachlichen Stilmittel erfüllt auch die Verwendung derber Sprache eine Funktion – oder sollte das zumindest, um vom Leser auch als Mittel zum Zweck erkannt zu werden und nicht nur als substanzlose Provokation. In Zeiten, in denen Flüche ihren Schrecken in der Gesellschaft verloren haben, kann die bloße Nennung solcher Worte ohnehin nicht mehr schockieren.

Derbe Sprache kann verschiedene Aufgaben im Text erfüllen. Zum einen kann sie helfen, Figuren zu charakterisieren. Ein verlottertes Straßenmädchen oder ein rauer Space-Marine haben vielleicht einen anderen Bezug zu Schimpfwörtern als ein Sohn aus gutem Hause. Oder flucht die elegante Fürstin vielleicht sogar besonders oft, weil sie sich von der spießigen Gesellschaft um sie her abgrenzen will? Oder um zu schockieren? Kurzum, Erzählstimmen oder Dialoganteile lassen sich durch sprachliche Entgleisungen angenehm variieren und schenken dem Leser ein Gefühl für die Persönlichkeit oder Geschichte des Charakters.

Zum anderen vermittelt derbe Sprache auch einen Eindruck von Authentizität. Menschen fluchen nun einmal laut und herzlich, wenn sie in einen Legostein treten, mit dem Kopf gegen das offene Fenster knallen oder einen fatalen Fehler zu spät bemerken. Flüche lassen einen Menschen überzeugender, glaubwürdiger und manchmal sogar sympathischer wirken – klingt absurd, ist aber sogar wissenschaftlich belegt. Auch Gefühle werden über Flüche oft besser und ehrlicher transportiert als über langwierige Beschreibungen. Eine im Zorn ausgestoßene Verwünschung oder eine fiese Beleidigung lässt den Leser intensiv an der Gefühlswelt des Protagonisten teilhaben und macht unmissverständlich klar, wie es ihm gerade geht: ziemlich bescheiden (das war übrigens ein Test – „beschissen“ hätte euch an dieser Stelle sehr viel stärker emotional involviert oder? Gebt es zu.)

Ganz abseits dieser sehr technischen Aspekte können Flüche auch eine tragende Funktion innerhalb einer Geschichte haben, nämlich dann, wenn sie – ganz unaufdringlich – Weltenbauelemente vermitteln. Der raue Fantasy-Held flucht eben nicht „verdammt“ oder „zum Henker“ oder „ach Gottchen“, sondern „bei den bebenden Möpsen Trelenes“ (Nevernight) oder „Meridias nackter Arsch“ (Feuerjäger). Solche Anspielungen lockern das Geschehen auf, bringen den Leser zum Schmunzeln (vielleicht) und geben ihm gleichzeitig das Gefühl, wirklich voll und ganz ins Geschehen eingetaucht zu sein. Kleine Details, aber mit großer Wirkung.

In puncto „Flüche und Weltenbau“ ist aber auch Vorsicht angezeigt. Viele Schimpfworte und Flüche in unserem Sprachgebrauch haben einen religiösen bzw. regionalen Hintergrund, der sich nicht eins zu eins auf ein Fantasy-Szenario übertragen lässt. Manche sind dagegen eng mit modernem Slang oder Jugendsprache assoziiert und daher nicht für alle Szenarien geeignet. Aber genau das lässt wiederum Spielraum für eigene Kreationen.

Muss das wirklich?

Natürlich darf man sich die Frage stellen: Muss das sein? Muss der Held oder die Heldin auf jeder Seite fünf verschiedene Personen als Bastard, Hurensohn oder Schlimmeres bezeichnen? Nein, natürlich nicht. Wie bei allen Stilmitteln gilt: Die Dosis macht das Gift. Nicht jedes Genre, nicht jeder Charakter, nicht jede Geschichte wird dadurch aufgewertet, im Gegenteil, manchmal kann der Schuss auch nach hinten losgehen. Gerade bei stark diskriminierenden, beleidigenden oder gar rassistischen Schimpfworten ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Bei rassistischen, homophoben oder frauenfeindlichen Charakteren mag es sinnvoll und authentisch sein, sie entsprechende Beleidigungen ausspucken zu lassen, doch sollte man sich der Wirkung dessen bewusst sein. Einen Bösewicht nur über seine derbe Sprache zu definieren ist darüber hinaus ziemlich plump.

In der Fantasy gefällt es mir gut, wenn auch Beleidigungen oder Schimpfwörter im Sinne des Weltenbaus variiert werden. In „Harry Potter“ gilt Schlammblut als schreckliche Beleidigung für muggelstämmige Zauberer. In der Königsmörder-Chronik ist das vermeintlich harmlose Wort Rabauke eine schlimme rassistische Beleidigung für das fahrende Volk der Edema Ruh. Natürlich entfalten diese Bezeichnungen nicht sofort dieselbe emotionale Wucht und erzeugen nicht dieselbe Empörung wie irdische Beleidigungen, gleichzeitig bergen sie aber auch nicht die Gefahr, Leser zu verletzen. Ganz abgesehen davon, dass solche Anekdoten auch dabei helfen, die Welt, in die man eingetaucht ist, intensiver zu illustrieren.

Fazit

Fassen wir zusammen. Derbe Sprache kann auch in Fantasy-Welten ihren berechtigten Platz haben, wenn sie hilft, die Welt oder die Figuren näher zu charakterisieren oder wenn sie der Authentizität der Charaktere zuträglich ist. Also, scheiße nochmal, lasst eure Figuren fluchen, wenn es zu ihnen passt. Überlegt euch kreative, interessante und spannende Möglichkeiten, die Welt eurer Figuren in ihre Flüche einzuweben. Dann haben eure Leser sich auch Spaß daran.

Was denkt ihr darüber, mögt ihr vulgäre Sprache in Büchern oder stört es euch eher? Wie geht ihr als Autor oder Autorin damit um? Habt ihr euch schon mal kreative Schimpfwörter für eure Romane ausgedacht? Wenn ja, erzählt doch mal. ^_^

[Ankündigung] Release „Unter einem Banner“

Ihr Lieben, das Jahr 2018 startet gleich mit tollen Neuigkeiten. Mein Low Fantasy Roman „Unter einem Banner“ erscheint spätestens im Februar im Dead Soft Verlag.

Das zweite Mal ist natürlich nicht mehr so aufregend wie das erste, aber ich hab doch ein bisschen Herzklopfen, denn Reykan und Benrik sind mir sehr ans Herz gewachsen. Was anfangs nur die Idee zu einer Kurzgeschichte sein sollte, wuchs sich zu einer Roman-Idee aus – eine gute Entscheidung, wenn ihr mich fragt.

Heute möchte ich euch schon einmal das Cover und den vorläufigen Klappentext zeigen.

Unbenannt

Wer Reykan übrigens schon vor Veröffentlichung kennen lernen möchte, kann sich noch heute bis Mitternacht für meinen Newsletter anmelden. Für alle Abonnenten gibt es eine Gratis-Kurzgeschichte, die euch in Reykans Jugend 20 Jahre vor den Ereignissen aus „Unter einem Banner“ entführt.

Na, was meint ihr? Seid ihr neugierig?

Eleas Jahresrückblick 2017

Ein ausgesprochen aufregendes und außergewöhnliches Jahr neigt sich dem Ende zu und es wird Zeit, eine kurze Bilanz zu ziehen. Was habe ich 2017 erreicht? Was hat sich literarisch für mich verändert? Was ist noch offengeblieben? Begleitet mich auf einem Streifzug durch das Jahr 2017.

2017Statistik

Das Jahr der Vernetzung

IMG_20170626_075054_794Auch wenn die obigen Zahlen das vielleicht nicht nahelegen, 2017 war ein eher ruhiges Jahr für mich. Weder habe ich mir eine verbindliche Wortzahl gesetzt, noch eine bestimmte Anzahl an fertigzustellenden Manuskripten definiert. Dadurch habe ich 2017 tatsächlich nur einen Roman beendet, was sich nicht sonderlich produktiv anfühlt, zumal drei Fragmente darauf warten, beendet zu werden. Ich hasse unbeendete Dinge. 😉 Beachtet man allerdings, was sonst noch alles passiert ist, ist dieser „Einbruch“ durchaus verständlich.

Das Jahr der Vernetzung

Müsste ich 2017 in einem Wort beschreiben, dann war es für mich das Jahr der Vernetzung. Begonnen hat es im Februar 2017 mit der Einrichtung meines Twitter-Accounts, denn ohne Twitter hätte ich niemals das Nornennetz kennen gelernt, bei dem ich seit Sommer festes Mitglied bin, und auch nicht vom LitCamp in Heidelberg erfahren, das mich mit unheimlich vielen tollen Buchmenschen zusammengebracht hat.

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Im Nachhinein kann ich kaum glauben, dass es eine Zeit gab, in der all diese Menschen nicht zu meinem Leben gehörten – denn die Unterhaltungen mit ihnen, der Austausch und die Diskussion hat mich nicht nur literarisch, sondern auch menschlich weitergebracht. Im Oktober habe ich mich außerdem auf meine erste Buchmesse getraut, mit Buchhändlern und Fans gesprochen und neue Weichen für die Zukunft gestellt.

Natürlich durften auch meine jährlichen sozialen Highlights nicht fehlen, die RPC, das Tintenzirkeltreffen im Schieferpark und der jährliche Buchmesse Convent in Dreieich, auf dem ich dieses Jahr sogar lesen durfte. Ich bin unheimlich glücklich und dankbar, mittlerweile ein so festes Bestandteil der Indie-Phantastik-Szene zu sein und überall bekannte Gesichter zu treffen. Das ist ein großartiges Gefühl.

Der Opfermond geht auf

Opfermond_5Apropos großartig: Natürlich war 2017 auch das Jahr meines Roman-Debüts. Im September ist „Opfermond“ im Mantikore-Verlag erschienen und hat mir schlaflose Nächte, abgekaute Fingernägel und Freudenstürme beschert. Das Gefühl, zum ersten Mal den eigenen Roman in den Händen zu halten und zu signieren, ist kaum in Worte zu fassen. Ich bin auch immer noch absolut überwältigt von der tollen Resonanz, die der Roman erhalten hat, von dem Lob und den großen Worten, die ihr – meine Leser – mir geschenkt habt. Vielen, vielen Dank dafür – ihr seid wundervoll!

Nicht nur „Opfermond“ hat dieses Jahr das Licht der Welt erblickt, es sind auch vier Kurzgeschichten aus meiner Feder in Anthologien erschienen und seit Ende Februar betreibe ich diesen kleinen Blog, der sich zusehends mit Inhalten gefüllt hat. Was sich anfangs noch recht schleppend anfühlte, ist zu einer liebenswerten Routine für mich geworden, und gerade die „Charaktere auf der Couch“-Reihe hat mir großen Spaß gemacht.

Auch literarisch habe ich 2017 vieles gelernt. Gerade befindet sich der dritte Roman im Lektorat und dank der intensiven Zusammenarbeit mit meinen Lektorinnen und Verlegern bzw. Verlegerinnen blicke ich mit ganz neuen Augen auf meine Texte, entdecke alte Fehler und mache neue. 😉 Ich habe in Schreibratgebern geschmökert, Podcasts gehört und mich mit Kolleginnen und Kollegen ausgetauscht. Ich glaube, schön langsam kristallisiert sich eine gewisse Routine für mich heraus, mit der ich gut arbeiten kann. Das heißt aber nicht, dass ich nicht noch ein ganzes Stück besser werden will.

Das Jahr privat

IMG_20171030_160759Privat hat sich mein Leben solide stabilisiert, ich stehe mit beiden Beinen im Brotjob, finanziell bin ich gut abgesichert, nur meine Wohnsituation und das Pendeln schlauchen immer noch. Ich hoffe, da ergibt sich 2018 eine neue Lösung. Mit der 30-Stunden-Stelle bleibt etwas weniger Zeit für das Schreiben, dafür fühle ich mich im Brotjob wesentlich ausgelasteter und besser wertgeschätzt.  Und das ist ja auch wichtig. 😊 Außerdem war zeitlich und finanziell ein toller Venedig-Urlaub drin.

Ausblick – was bringt 2018?

Aber nun verlassen wir 2017 und werfen einen Blick in die Zukunft. Was hält 2018 für mich und für euch bereit? Zwei Romane aus meiner Feder stehen in der Warteschlange und ich freue mich auf beide schon riesig.

Anfang des Jahres wird „Unter einem Banner“ im Dead soft Verlag erscheinen, ein rauer Low Fantasy Roman über Krieg, Verantwortung, Schuld und die Beziehung zwischen zwei ungleichen Männern, die beide mit ihrer Vergangenheit kämpfen. Wer neugierig ist, kann sich noch bis zum 8. Januar für meinen Newsletter anmelden und eine Kurzgeschichte als kleinen Vorgeschmack auf den Roman erhalten.

Im Sommer erscheint dann im Verlag Ohneohren „Sand & Wind“, ein phantastisches, witziges und romantisches Orient-Märchen im Stil von 1001 Nacht mit jede Menge Action und Aladdin-Flair. Auch darauf freue ich mich schon sehr, denn dieser Roman hat mir 2014 meinen bisher produktivsten und gleichzeitig lustigsten Nanowrimo beschert. Ich hoffe, ich kann ein bisschen von dieser Schreibfreude an euch weitergeben.

Vier Anthologien mit Kurzgeschichten aus meiner Feder stehen außerdem in den Startlöchern, ich werde zum ersten Mal die Leipziger Buchmesse besuchen und darf im September auf dem Festival Mediaval, dem größten Mittelalter-Festival Deutschland, aus „Opfermond“ lesen. Wow. Ehrlich, Leute, ich bin schon voll gehyped auf dieses Jahr. Es wird toll!

2018 soll außerdem wieder ein produktives Jahr werden. Vier Romane warten darauf, fertiggestellt zu werden, und vielleicht ergibt sich ja sogar der eine oder andere Vertrag für 2019. The show must go on – und so. Wisst ihr ja.

Prosit Neujahr!

In diesem Sinne, ihr Lieben, danke ich jedem Einzelnen von euch, der mich in diesem turbulenten Jahr unterstützt hat, und hoffe sehr, dass ihr auch nächstes Jahr weiter an meiner Seite seid. Ich wünsche euch allen ein erfolgreiches, harmonisches und kreatives Jahr 2018, das viele schöne Überraschungen, Momente und Erlebnisse für euch bereithält und euch euren Wünschen und Träumen etwas näherbringt. Ich habe dieses Jahr ein gutes Stück meines Traums gelebt. Ihr könnt das auch!

Alles Liebe und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Eure Elea

Phantastische Weihnachten

Fantasy-Lesetipps für den Weihnachtsbaum

Ho, ho, ho, nur noch wenige Tage bis Weihnachten! Habt ihr schon alle Geschenke zusammen? Ich auch nicht, zugegeben. Aber Bücher sind doch immer schöne Ideen. Zugegeben, im letzten Jahr habe ich wenig Neuerscheinungen gelesen, aber ein paar davon möchte ich euch heute in diesem Beitrag vorstellen, vielleicht ist ja etwas für euch oder eure Lieben dabei.

Ich hab mich entschieden, euch ein paar Werke abseits des Mainstreams zu zeigen, die – obwohl sie alle Fantasy sind – ganz unterschiedliche Vorlieben bedienen. Wenn ihr euch lieber bei den Publikumsmagneten umsehen wollt, dann könnt ihr ja einen Blick auf die Phantastik-Bestenliste werfen oder euch die Fantasy-Gewinner des Lovelybook-Awards näher anschauen.

Die Taschenbücher habe ich auf den Autorenwelt-Shop verlinkt, dort könnt ihr schnell und einfach Bücher bestellen und noch dazu Autorinnen und Autoren unterstützen. Die Ebook-Links führen zu Amazon.


Intergalaktische Weihnachten

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Titel: Blind (Sternenbrand 1)
Autorin: Annette Juretzki
Erschienen bei: Traumtänzer Verlag
Genre: Science Fiction

Klappentext: Söldner landen auf Xenens rückständigem Planeten und so charmant ihr Anführer Jonas Brand auch sein mag, so kompromisslos ist er bei seinen Zielen. Als eine friedliche Verhandlung scheitert, findet sich Xenen schwerverletzt auf ihrem Raumschiff wieder – was ihm ziemlich schnell besser gefällt, als gut für ihn ist. Seine Neugierde treibt ihn in immer größere Gefahren, vor denen ihn auch der Außerirdische Zeyn nicht schützen kann. Selbst als ein Attentäter nach seinem Leben trachtet, wählt Xenen Freiheit über Sicherheit. Aber warum wünscht ein völlig Fremder seinen Tod? Und welches Geheimnis umgibt seinen Heimatplaneten? Manche Antworten wiegen Jahrhunderte schwer …

Warum solltest du dieses Buch lesen? „Blind“ war mein Jahreshighlight 2017. Annette Juretzkis Schreibstil ist unglaublich bildhaft und mitreißend, voll außergewöhnlichen Metaphern. Mit viel Einfühlsamkeit und Geschick beschreibt die Autorin die Konflikte und Beziehungen zwischen den Charakteren, die durchweg authentisch wirken. Die verschiedenen intergalaktischen Spezies sind mit viel Einfallsreichtum und Kreativität geschaffen und bieten eine ganz eigene Welt, in der auch queere und diverse Figuren stark repräsentiert sind. Hinzukommt ein spannender Hintergrundplot von Verrat, Intrigen und Geheimnissen, der den Roman zusätzlich zu einem Pageturner macht.

Für wen ist es geeignet? Für erwachsene Fans von ungewöhnlichen, vielschichtigen Charakteren, spannenden Plots und intensiven zwischenmenschlichen Konflikten, die ganz ohne Kitsch und Pathos auskommen.

Themen: Identität, Verrat, Loyalität, Xenophobie, Verantwortung, Glaube, Gefühle, Beziehungen

Erhältlich als: Taschenbuch und Ebook; der zweite Teil „Blau“ ist bereits Anfang Dezember erschienen


 

Cyberpunkige Weihnachten

Titel: Toten51CPq3H2qWL._SY346_nacht (Der Nekromant, Teil 1)
Autor: M.R. Forbes
Erschienen bei: Mantikore Verlag
Genre: Urban Fantasy, Cyberpunk

Klappentext: In einer Zeit, in der die Magie in die Welt zurückgekehrt ist, schlägt sich Conor Night mit dubiosen Gelegenheitsjobs durchs Leben. Er hat die Fähigkeit Tote zum Leben zu erwecken, doch er selbst ist todkrank. Nur eine verbotene Substanz erhält ihn am Leben. Als er ein lukratives Jobangebot bekommt, kann er nicht widerstehen. Schon bald steht er Mächten gegenüber, die ihm weit überlegen sind. Doch auch Conor hat ein paar Tricks auf Lager, mit denen seine Gegner nicht rechnen …

Warum solltest du dieses Buch lesen? M.R. Forbes hat einen ausgesprochen zynischen, schwarz-humorigen Erzählstil, der beim Lesen sehr viel Spaß macht. Die Welt, die er geschaffen hat, erinnert in vielen Aspekten an das Rollenspiel „Shadowrun“, bietet aber genug eigene Ideen, um keine reine Kopie zu sein. Die Figuren sind schnoddrig, kühl, verbittert, aber taff und durchgehend interessant. Ein spannender Auftakt zu der dreiteiligen Reihe um Conor Night.

Für wen ist es geeignet? Für Fans von Urban Fantasy, die auf erwachsene Akteure und Geschichten ohne kitschige oder fragwürdige Romanzen stehen und eine gute Portion Zynismus und dreckigen Humor abkönnen. Vor allem Shadowrun-Fans kommen hier auf ihre Kosten.

Themen: Leben, Tod, Magie, Technisierung, Intrigen, Politik, Xenophobie

Erhältlich als: Taschenbuch und Ebook


 

Märchenhafte Weihnachten

51Upa3fHx+L._SY346_Titel: Tanz der Feuerblüten
Autorin: Janna Ruth
Erschienen bei: Ueberreuther Verlag
Genre: Fantasy, Märchen, Young Adult

Klappentext: Im Palast des Abendrots strebt alles nach vollkommener Schönheit: Wasser, Metall, Holz und Luft werden zu bewundernswerten Kunstwerken geformt, an denen sich die höfische Gesellschaft ergötzen kann. Als der junge Schwerttänzer Jinnan aus der Provinz den Hof betritt, fühlt er sich unbeholfen und von der komplizierten Etikette überfordert. Dann jedoch trifft er auf die bildhübsche Ayaka und lässt sich von ihrem Luftspiel verzaubern. Wider jegliche Vernunft versucht Jinnan, Ayakas Herz zu erobern – wohl wissend, dass er mit dem Feuer spielt …

Warum solltest du dieses Buch lesen? Janna Ruth Debüt ist ein Märchen von besinnlicher Schönheit. Die Autorin erzählt nicht nur eine einfühlsame, stimmige Liebesgeschichte, sondern hält obendrein ein starkes Plädoyer für die Macht der Natur und die Betonung innerer Werte über äußere Schönheit. Geschickt verbindet sie Elemente fernöstlicher Märchen mit einer zarten, liebevoll inszenierten Romanze und einer spannenden Geschichte über dunkle Mächte und den Hochmut der Zivilisation. Eine tolle Lektüre, gerade für trostlose Wintertage.

Für wen ist es geeignet? Für jugendliche und erwachsene Leser, die gerne im Märchen versinken, authentische Liebesgeschichten mögen und sich in einem traumhaften magisch-fernöstlichen Setting verlieren wollen.

Themen: Liebe, Natur, Magie, Märchen, Naturgeister, Ästhetik, Identität

Erhältlich als: Ebook


Klassisch phantastische Weihnachten

51aqOI+oplL._SY346_Titel: Das Relikt der Fladrea (Teil 1 der Fladremin-Reihe)
Autor: Dominik Schmeller
Erschienen bei: Mantikore Verlag
Genre: High Fantasy, Young Adult, All Age

Klappentext: Ein magisches Relikt. Ein verschollenes Volk. Ein Mädchen, das seine Geschichte sucht.

Die lebhafte Larima wurde als Säugling im Wald gefunden. Den einzigen Hinweis zu ihrer Herkunft findet sie auf einem Amulett mit seltsamen Symbolen. Als sie erfährt, dass sie verheiratet werden soll, reißt sie aus und versucht gemeinsam mit ihrem Ziehbruder dem Geheimnis um ihre eigene Geschichte auf die Spur zu kommen. Eine gefährliche Reise beginnt, denn dieses Geheimnis hat nicht nur für Larima einen hohen Wert…

„Das Relikt der Fladrea“ ist der erste Band der dreiteiligen Fladremin-Fantasy Reihe

Warum solltest du dieses Buch lesen? Dominik Schmeller entführt seinen Leser in eine nordisch angehauchte Fantasy-Welt, die dank anschaulicher Beschreibungen und viel Detailliebe im Kopf lebendig wird. Mit seiner Protagonistin Larima schafft er eine sympathische Heldin, mit der sich vor allem jugendliche Fantasy-Leserinnen schnell identifizieren können. Als Auftakt zu einer Trilogie bietet die Fladremin-Saga damit viele, spannende Lesestunden.

Für wen ist es geeignet? Für Fantasy-Fans allen Alters, die klassische Geschichten über alte Artefakte, boshafte Schurken und magische Geheimnisse lieben und gerne eine junge Heldin auf dem Weg zu ihren Wurzeln begleiten wollen.

Themen: Identität, Magie, Familie, Geheimnisse

Erhältlich als: Taschenbuch und Ebook


 

Na, ist da etwas für euch dabei? Kennt ihr die Bücher schon? Welche Fantasy-Geschichten wollt ihr zu Weihnachten verschenken?

Charaktere auf der Couch: #10 Lukas

Nach 4 Wochen Nanowrimo-bedingtem Praxisurlaub gibt es heute einen neuen Patienten auf meine virtuellen Couch. Der junge Mann hört auf den ausgesprochen klangvollen Namen Lukas Schmalenbach-Fauchet, ist neunundzwanzig Jahre alt, knapp 1,90 m groß und sehr schlank gebaut. Die heutige Sitzung ist nicht seine erste Begegnung mit einem Therapeuten, denn Lukas befindet sich schon länger in Behandlung. Antriebslosigkeit, Kokain und ein exzessiver Hang zur Selbstreflexion sind eben keine gesunde Mischung. Trotzdem hat Lukas sein Leben nach einigen turbulenten Ereignissen ziemlich gut im Griff. Zumindest bis jetzt.

Guten Morgen Lukas, nehmen Sie doch Platz. Was ist denn vorgefallen, dass Sie so schnell einen Termin gebraucht haben?

Steht verloren im Raum und fährt sich nervös durch die Haare, ehe er Portemonnaie und Handy aus der Hosentasche zieht und sich setzt.

Danke, dass Sie sich so kurzfristig Zeit nehmen konnten, ich habe das Gefühl, heute ist Weltuntergang und fühle mich noch nicht bereit zum Abtreten. Gestern Abend habe ich mit meiner Freundin Louise schlussgemacht. Atmet tief durch. Und heute? Saß Sie, die Eine in meiner Vorlesung und will mich heute Abend treffen.

Ganz langsam, eins nach dem anderen. Sie haben Schluss gemacht? Wie kam es dazu?

Ach, ich weiß nicht – das hat sich schon ein paar Monate aufgestaut. Louise hat sehr geklammert und ich war nicht frei im Kopf. Als sie mir im Dezember dann zum ersten Mal gesagt hat, dass sie mich liebt, ist bei mir die Panik ausgebrochen. Außer meiner ersten festen Freundin, Inga, habe ich keiner anderen Person gesagt, dass ich sie liebe und ich glaube, ich will das auch nicht. Und weil ich Louise sehr wahrscheinlich auch irgendwie liebe, wurde mir das zu viel.

Verstehe. Und wen haben Sie heute getroffen?

Inga. Sie ist einfach bei mir auf der Arbeit aufgetaucht.

Ah, ich erinnere mich, Sie hatten sich von ihr getrennt, als Sie nach Paris kamen, nicht wahr?

Weil ich ihr mein Leben nie ganz anvertraut habe, ja. Ich kam mir vor wie ein Verräter und habe diese Halbwahrheiten irgendwann nicht mehr ausgehalten.

Das scheint Sie ja noch ganz schon aufzuwühlen. Welche Gefühle verbinden Sie denn im Moment mit Inga?

Ich weiß es nicht, ehrlich. Ich bin völlig durch den Wind, Louise und Inga innerhalb von vierundzwanzig Stunden haben einen Kurzschluss in meinem Kopf verursacht. Ich meine, das gestern war ja schon ein Drama, wieso muss es heute sofort mit noch mehr davon weitergehen? Inga und ich haben uns drei Jahre nicht gesehen, ich kenne sie gar nicht mehr – aber es tut weh, sie zu sehen. Vorhin dachte ich, ich kriege einen Herzinfarkt, als ich sie gesehen habe. Sie wollte Antworten. Echt jetzt? Nach so langer Zeit noch? In meinem Kopf waren tausende Gedanken, ich war ehrlich und habe ihr gesagt, dass ich dachte, sie vergisst mich einfach. Daraufhin hat sie mir eine gescheuert und mich nach einem Date gefragt. Hallo? Ich weiß nicht, was ich nachher mit ihr machen soll.

Das klingt ziemlich chaotisch. Und ziemlich typisch, wenn ich das so sagen darf. Hat Inga denn in der Zeit mal versucht, Kontakt zu Ihnen aufzunehmen?

Nein, hat sie nicht. Ich habe ihre Oma letzten Sommer spontan besucht, aber die hat ziemlich sicher dicht gehalten.

Gut, Spielen wir das durch. Das Date mit Inga. Wenn Sie jetzt vor Ihnen stünde, was würden Sie ihr sagen?

Dass es mir leidtut, ich ihr aber keine schnellen, einfachen Antworten geben kann. Wenn ich ihr überhaupt irgendwann welche geben kann, die Sinn machen.

Wie, denken Sie, wie würde sie reagieren?

Er schüttelt ironisch lächelnd den Kopf. Nach der Ohrfeige traue ich ihr alles zu, sie wirkte ziemlich angepisst. Keine Ahnung – ich vermute, sie würde mir ein Ultimatum setzen, mich zu erklären und oder mir Vorwürfe machen, rumstreiten und endgültig einen Schlussstrich ziehen, ehe ich ihr irgendwas erklärt habe.

Das klingt ziemlich realistisch. Was wäre das Schlimmste für Sie, das passieren könnte?

Dass sie etwas in mir sieht, das ich nicht bin und ich sie wieder verletze. Und, dass die beiden Frauen sich über den Weg laufen.

Blicken wir noch mal zurück auf die letzten drei Jahre. Wie haben Sie sich in dieser Zeit verändert, was denken Sie? Was ist anders geworden, seit Sie sich von Inga getrennt haben?

Lukas zuckt die Achseln. Na ja, ich würde sagen, mein Leben war nach all den Eskapaden und Abstürzen gerade halbwegs organisiert. Mal davon abgesehen, dass ich mich auf keine andere Frau einlassen kann, weil ich mit Inga noch immer nicht abgeschlossen habe.

Dann ist das Date mit Inga aber doch eine Chance, oder nicht? Wenn sie immer noch in Ihrem Kopf herumspukt, wäre das doch die Gelegenheit, alles zu bereinigen?

Also, ich bin vielleicht nicht mehr ganz so am Arsch wie vor ein, zwei Jahren, aber ob ich ihr das in einem Zug alles erklären kann, bezweifle ich.

Ich bin da optimistisch. Sie sind psychisch stabiler als früher und gehen sehr viel konstruktiver mit Ihren Problemen um. Was mit den Drogen, sind Sie immer noch clean?

Ja und ja. Zum Glück.

Das ist gut. Ich glaube, da liegt eine große Chance vor Ihnen. Eine Chance und eine Herausforderung. Denken Sie, Sie sind dem gewachsen?

Das Einzige, das gerade wächst, ist mein Drang, zu flüchten. Aber ja, wahrscheinlich haben Sie recht. Immerhin habe ich mir diese Chance ja an Neujahr gewünscht. War ja klar, dass alles seinen Preis hat und Chancen immer dann kommen, wenn man gerade keine Nerv für sie hat.

Weglaufen hat Ihnen beim letzten Mal schließlich auch nicht geholfen, Lukas, denken Sie daran. Aber konzentrieren wir uns auf die Zukunft: Was könnte Ihnen helfen, sich mit Inga auszusprechen?

Kokain? Er schmunzelt. Spaß beiseite. Wenn ich ein bisschen mehr Zeit habe, mich zu erklären: mein Bruder. Ich halte ihn für den diplomatischeren von uns beiden und hoffe, dass er einen Rat für mich hat. Wenn ich Inga seine Existenz klarmachen kann, ohne dass sie mich dafür umbringt, bin ich ein ganzes Stück weiter. Ich muss ihn gleich anrufen. Vielleicht. Vielleicht macht das aber auch alles nur noch schlimmer, wer weiß? Seine Methoden sind manchmal zwar diplomatisch, aber auch ziemlich radikal. Ob Inga ein Typ für solche Lösungen ist, weiß ich nicht. Ich hoffe, dass ich das nach heute Abend besser einschätzen kann.

Ich schätze, es ist eine gute Idee, wenn Sie Ihren Bruder einweihen. Zerdenken Sie die Situation nicht zu sehr, bleiben Sie klar und realistisch.

Sie schenkt Lukas ein aufmunterndes Lächeln.

Das heißt, Sie treffen Inga? Das ist fest beschlossen?

Ein anderer Tag wäre mir dafür definitiv lieber, aber so wie es aussieht habe ich ja keine andere Wahl, wenn ich die Chance nicht vergeigen will, oder?

Versprechen Sie mir, dass Sie nicht davor weglaufen?

Ungern, dann muss ich ja erwachsen werden! Aber ja, ausnahmsweise.


 

SchneepoetCoverPuh, da kommt ja einiges auf Lukas zu. Wenn ihr mehr über ihn und seine ungewöhnliche Lebensgeschichte erfahren und noch tiefer in seine unkonventionelle Gedankenwelt eintauchen wollt, dann holt euch „Schneepoet“ von Nika Sachs (erschienen bei Twentysix). Dieses kleine therapeutische Interview gibt euch außerdem schon einen Vorgeschmack auf Lukas‘ weiteren Lebensweg, den ihr ab Februar mitverfolgen könnt.

Internetseite & Blog der Autorin: http://bordsteinprosa.blogspot.de/


 

InfokastenBipolar


Quellen:

Meyer, T.D. (2005). Bipolar-affektive Störungen. In: M. Linden & M. Hautzinger. Verhaltenstherapiemanual (5. Auflage), S. 429-437, Heidelberg: Springer Medizin Verlag.

Wittchen, H.-U. & Jacobi, F. (2012). Was sind die häufigsten psychischen Störungen in Deutschland? Vortrag zum DEGS-Symposium, abgerufen am 02.12.2017 unter DEGS Symposium


 

Habt ihr Fragen an die Therapeutin oder an Lukas selbst? Dann stellt sie gerne.

Eine Übersicht über alle bisherigen Sitzungen findet ihr hier.

Ab Januar gibt es auch wieder freie Plätze für Romanfiguren mit Redebedarf.Es gibt keine Genre-Eingrenzung, nur sollten die Werke bereits veröffentlicht sein. Meldet euch gerne bei mir, wenn ihr Interesse habt.

[Bericht] Lesung im Drachenzirkel

Hier kommt ein kurzes Lebenszeichen von mir aus der Nanowrimo-Schreibhöhle. Ich möchte es nämlich nicht versäumen, euch von meiner Lesung in der „Steinhauser Einkehr“ in München vor zwei Wochen zu erzählen.

Am 4. November durfte ich zusammen mit meinem Verlags-Kollegen Dominik Schmeller, der gemeinsam mit mir dieses Jahr im Mantikore-Verlag seinen Fantasy-Roman „Das Relikt der Fladrea“ veröffentlich hat, die neu gegründete Fantasy-Lesungsreihe des Drachenzirkel München eröffnen und dort mein Debüt „Opfermond“ vorstellen.

 

Fotos (c) Benedikt Schreiber, Flamboyant Media

 

In den nächsten Monaten werden euch im Drachenzirkel unterschiedliche Fantasy-Autorinnen und -Autoren ihre Werke präsentieren und daraus vorlesen, wenn ihr also aus der Gegend seid, schaut doch mal auf der Facebook-Seite vorbei, dort findet ihr alle Termine.

Da es sich um die Auftaktveranstaltung handelte, war ich zunächst skeptisch, ob wir den Raum würden füllen können, letztlich haben sich aber doch 20 bis 30 Interessierte eingefunden und andächtig gelauscht. Vor allem hat mich der Überraschungsbesuch meiner Familie gefreut, die ohne Ankündigung vorbei kam, um mich zu unterstützen.

 

Meine etwa 30-minütige Lesung aus „Opfermond“ könnt ihr dank der professionellen Technik von Flamboyant Media auch als Youtube-Video ansehen, die Qualität der Aufnahme ist wirklich hervorragend. Und keine Sorge, es gibt keine Spoiler. 🙂

Die Veranstalter und ich freuen uns über euer Feedback.

Eure Elea

5 Tipps für 50.000 Wörter

Er ist wieder da.

Nein, nicht, was ihr denkt – ich meine natürlich den „Nanowrimo“. Jedes Jahr im November setzen sich tausende tapferer Autorinnen und Autoren das Ziel, in 30 Tagen mindestens 50.000 Wörter an einem Roman zu schreiben. Ein ehrgeiziges Ziel, das aber durchaus erreichbar ist. Vor allem dann, wenn man ein paar Tipps zur Hand hat.

Ich habe für diesen Beitrag ein paar Ratschläge zusammen gekramt, die mir in den letzten Jahren eine große Hilfe waren. Vielleicht helfen sie ja auch euch.

Etappenziele setzen

„Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muß nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.“
Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: „Dann machte es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“
– Michael Ende, „Momo“

Große Ziele erreicht man mit kleinen Schritten, das gilt auch für den Nanowrimo. Wer nur auf den Berg aus Wörtern starrt, der vielleicht noch vor ihm liegt, schüchtert sich selbst unnötig ein. Kleine, erreichbare, aber trotzdem herausfordernde Ziele sind ideal, um die Motivation anzukurbeln.

Beispiele dafür?

Wie wäre es mit „30 min konzentriert schreiben“? Oder „in einer Stunde 1.000 Wörter schaffen“? Oder „jeden Tag das Tagessoll erfüllen“? Auch auf der Nanowrimo-Seite gibt es schöne Meilensteine, die man als Zwischenetappe anvisieren kann.

Wichtig ist, die eigene Leistungsfähigkeit zu kennen und die Ziele entsprechen sinnvoll zu setzen. Nicht zu leicht, das schafft keinen Ansporn, aber auch nicht zu schwer, um die Lust nicht zu verlieren.

Besonders effektiv sind solche Zieletappen übrigens dann, wenn ihr sie euch visualisiert. Macht zum Beispiel ein Kreuzchen in den Kalender, klebt ein Herzchen auf eure Pinnwand oder belohnt euch mit kleinen Süßigkeiten. Macht eure Erfolge sichtbar, für euch und für andere. Denn selbst wenn ihr am großen 50.000-Wörter-Ziel scheitert habt ihr eine tolle Übersicht über das, was ihr trotzdem geschafft habt.

 

Kleine Zeiteinheiten planen

Es ist Samstag und ihr habt den ganzen Tag Zeit für den Nano? Toll, da geht doch was. Da kann man auch mal zwischendurch ein paar Folgen auf Netflix gucken. Oder auf Twitter rumhängen. Noch ein Kapitel lesen. Einen Spaziergang machen. Äh, ups? Wohin ist der Tag verschwunden?

Kennt ihr das? Ich schon. Deswegen, teilt euch kleine, aber effektive Zeiteinheiten für die Arbeit ein. Die Pomodoro-Technik ist eine hervorragende Möglichkeit dafür. Ihr stellt einen Wecker auf 20, 25, 30 oder auch 45 min, je nachdem, was euch am besten liegt (da kann man ruhig ein wenig herumprobieren) und dann arbeitet ihr konzentriert, bis der Wecker klingelt. Keine Ablenkungen, kein Facebook, nur fokussiertes Schreiben. Nach Ablauf der Zeit gönnt ihr euch fünf Minuten Pause, macht euch einen Kaffee, geht aufs Klo, checkt die Emails – und dann geht es weiter. Je nachdem, wie viel Zeit ihr habt, könnt ihr dieses Prozedere beliebig oft wiederholen, bis ihr euch eine längere Pause gönnt, zum Beispiel für eine Serienfolge oder einen Spaziergang.

Auch Wordsprints (z.B. bei GerNoWriMo), Wort-Battles gegen andere Naniten, Wordcrawls (zum Beispiel unter dem Hashtag #nornencrawl) oder andere kurze Schreibaufgaben können helfen, die Zeit so produktiv wie möglich zu strukturieren.

 

Ablenkungen eliminieren

Manchmal bleiben am Tag nur wenige Minuten Zeit für konzentriertes Arbeiten – nutzt diese Zeit, sie gehört allein euch und eurem Nano-Projekt. Schaltet das Internet ab, sofern ihr nicht recherchieren müsst, macht das Handy aus oder loggt euch zumindest bei Twitter, Facebook und anderen Social Media Plattformen aus. Informiert eure Mitbewohner/Partner, dass ihr jetzt etwas Ruhe braucht. Sucht euch, wenn möglich, einen Ort, an dem ihr ungestört bleiben könnt.

Ihr kennt das, je weniger man sich selbst in Versuchung führt, zu prokrastinieren, desto schwieriger wird es. Verbindet das Ganze am besten mit Tipp Nummer 2.

 

Austausch suchen

Der Nanowrimo ist kein einsamer Schreibmonat, außer, ihr wollt es so. Aber, das zeigt meine Erfahrung, im Team läuft vieles einfacher. Im Nanowrimo-Forum, auf Twitter, in Facebook-Gruppen und zahlreichen Schreibforen findet ihr überall Mitstreiter auf eurer tapferen Quest zu den 50.000 Wörtern und steigert damit nicht nur eure Produktivität, sondern vor allem den Spaß an der Sache. Ihr findet Ansprechpartner, wenn ihr gerade in einem Loch steckt, Motivatoren, die euch anfeuern, Battlepartner, um euch zu Höchstleistungen aufzuschwingen, und Streicheleinheiten, wenn ihr euch auskotzen müsst.

So wird aus dem Nanowrimo kein verbissener Einzelkampf, sondern ein echtes Happening. In zahlreichen Städten gibt es übrigens auch gemeinsame Schreibtreffen während des Nanos. Informationen dazu findet ihr in der deutschen Sektion des Nanowrimo-Forums.

 

Den Spaß nicht vergessen

Der letzte Punkt ist vielleicht der Wichtigste. Der Nanowrimo soll Freude machen, motivieren, anspornen. Es ist eure Chance, eurem Schreibprojekt eine ganz besondere Position in eurem Alltag einzugestehen, die ihr ihm sonst vielleicht nicht einräumen könnt, und gemeinsam mit anderen Autorinnen und Autoren etwas Neues zu schaffen.

Wenn aus dem Miteinander ein Gegeneinander wird, aus der täglichen Motivation unerträglicher Druck oder wenn ihr über eurem Projekt euer Wohlbefinden, eure Gesundheit oder euer Sozialleben vernachlässigt, zieht lieber die Reißleine. An den 50.000 zu scheitern ist keine Schande, auch 10 oder 20.000 Wörter sind eine enorme Leistung. Was zählt ist eure Freude am Projekt, euer Ehrgeiz, etwas zu erreichen, und der Spaß am Miteinander.

Macht eine Pause, wenn es zu viel wird. Verzichtet auf ein paar Wörter, wenn es euch gerade guttut. Vielleicht könnt ihr damit neue Energie tanken und Schwung holen für die nächste Etappe.

 


So, ich hoffe, diese kleine Sammlung an Ideen hilft euch vielleicht ein bisschen, nicht nur im Nano, sondern auch in der täglichen Routine.

Allen Naniten wünsche ich einen tollen, produktiven Monat und viel Freude an eurem Roman. Haut rein!

Eure Elea

Das böse K-Wort

Klischees in der Literatur – akzeptieren, umgehen oder modifizieren?

„Wer Klischees bedient, hat die treuesten Stammgäste.“
– Karl-Heinz Karius

Mit dem Hashtag #buchbingo hat Buchnom auf Twitter vor wenigen Tagen einen regelrechten Sturm ausgelöst. Hunderte Literatur-Fans fassten darunter lästige Buchklischees zusammen, die sie nicht mehr lesen möchten. Häufig ging es dabei um altbackene Liebesgeschichten, abgedroschene Phrasen oder ausgelutschte Plot-Elemente.

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Beispieltweets zu #buchbingo

Der überraschende Hype wurde zwiespältig aufgenommen. Sind Klischees wirklich so schlecht? Sollte man sie verdammen – oder ist eine Spur Klischee sogar wichtig? Und kann man Klischees denn überhaupt grundsätzlich vermeiden?

Starten wir mit der ganz basalen Frage: Was sind überhaupt Klischees?

Kognitive Abkürzungen

Klischees – auch Stereoytpe – sind im Grunde nichts anderes als kognitive Abkürzungen, so genannte „Heuristiken“. Gewisse Eigenschaften einer Person bzw. Personengruppe oder auch bestimmte Handlungsverläufe sind in unserem Gehirn nahe beieinander abgespeichert und werden deswegen bevorzugt gemeinsam abgerufen. Sie werden durch eigene Erfahrungen, Erziehung oder auch durch die Medien geprägt und verfestigen sich im Laufe der Jahre. Gegenläufige Erfahrungen, die diesen Klischees oder Stereotypen nicht entsprechen, können diese ins Bröckeln bringen, in der Regel ist dafür aber ein längerer Zeitraum erforderlich. Außerdem belegen Studien, dass Menschen besonders häufig nach solchen Informationen suchen, die ihre Einstellungen und Weltbilder unterstützen, dadurch werden auch Klischees verfestigt (Stichworte für Interessierte: „shared information bias“, „selective exposure effect“).

Klischees sind eine weit verbreitete Wohlfühlzone. Sie sind einfach, simpel und erfordern wenig mentale Kapazität. Wie viel einfacher ist es, zum Beispiel, einer taffen Karrierefrau sofort die Attribute „kühl“, „berechnend“ und „ehrgeizig“ zuzuschreiben, als sie zu beobachten, sich mit ihr auseinanderzusetzen und ihren Charakter über längeren Zeitraum hinweg zu ergründen. Bei Romanen und Plotstrukturen gilt dasselbe: Es ist viel entspannter, von vorneherein mit einem fröhlichen Happy End zu rechnen, bei dem sich Protagonist/in und Love Interest in den Armen liegen, als zu abstrahieren, was sonst noch passieren könnte. Klischees sitzen in jedem von uns, sie sind normal und menschlich. Genau deswegen müssen wir uns ihrer auch bewusst werden und uns überlegen, wie wir damit umgehen.

Was Klischees so prägnant macht

Stereotype und Klischees haben die Eigenheit, in sich schlüssig und stimmig zu sein, deswegen sind sie einfach zu bedienen und zu merken. Ein Beispiel: Der Nerd, der am liebsten „World of Warcraft“ zockt, hat wenig Interesse an Sport, deswegen ist er übergewichtig, isst Fast Food und bleibt lieber für sich. Ein stimmiges Konzept, aber eine Spur zu einfach. Nicht alle Nerds sind übergewichtig. Nicht alle Übergewichtigen meiden Sport. Und so weiter und so fort. Klischeefalle. Das ist das gemeine an Klischees, wir begegnen ihnen – vermeintlich – an jeder Ecke. In Wahrheit ist das aber nur ein Trugschluss, denn obwohl zwischen manchen Eigenschaften mit Sicherheit ein Zusammenhang besteht (z.B. Musikgeschmack und Kleidungsstil) neigen wir dazu, Klischees besonders leicht im Gedächtnis zu behalten. Wenn jemand dem Idealbild eines gewissen Personentypus entspricht, positiv wie negativ, dann merken wir uns das besser, als wenn er in einem oder zwei Punkten davon abweicht.

Zusätzlich sind Klischees oft erschreckend präsent. Nehmen wir als kontroverses Beispiel den „kriminellen Außenseiter“. Kommt es zu einem Amoklauf, sind die Medien anschließend voll von Informationen über die schlechte soziale Anpassung des Täters, seine „gestörten“ Vorlieben (Ballerspiele o.ä.) und seine Faszination für Waffen. Dadurch entsteht in den Köpfen der Konsumenten ein vermeintlich konsistentes Bild des „Amokläufers“. Dass es in Deutschland Tausende junger Menschen gibt, auf die dieselben Eigenschaften zutreffen, ohne dass sie je gewalttätig werden, nimmt die Masse nicht wahr. Ebenso wenig, wenn einzelne Täter nicht dem klassischen Profil entsprechen. Genau dieser Wahrnehmungsfehler macht uns so anfällig dafür zu glauben, Klischees würden die Welt beherrschen.

Positive Klischees

Grundsätzlich sollte man, nach meiner Ansicht, zwei Typen von Klischees unterscheiden, die positiven und die negativen. Positive Klischees sind Stereotype, mit denen wir uns wohlfühlen: Die kauzige, aber liebevolle alte Dame von nebenan. Der charmant-freche Draufgänger mit dem Herz aus Gold. Das Pärchen, das sich zuerst nicht ausstehen kann, aber am Ende zueinander findet.

Märchen, Disneyfilme und Hollywood-Blockbuster arbeiten häufig mit diesen Klischees. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, abgesehen von der Tatsache, dass sie schnell langweilig und abgedroschen werden. In einer gewissen Dosis sind sie nett, schaffen Vertrautheit, Komfort und Wiedererkennungswert  – nehmen sie überhand, sind sie lästig oder fade.

Problematisch wird es an dem Punkt, an dem positive Klischees ihrerseits in Vorurteile münden können, Beispiele dafür sind positiver Rassismus oder die „Überhöhung“ bestimmter Personengruppen als übermäßig klug, begabt oder schön. Hier ist definitiv Vorsicht geboten.

Negative Klischees

Unter den Punkt negative Klischees subsummiere ich jede Form von Pauschalisierung und Diskriminierung. Die Außenseiterin mit dem seltsamen Kleidungsgeschmack, die zur Killerin wird. Der tuckige Schwule mit dem Faible für Schuhe. Das hässliche, unglückliche Entlein, das nach Diät und Schönheitskur zur glücklichen Märchenprinzessin mutiert und den Traumboy abbekommt.

Diese Form von Klischee ist gefährlich, denn dadurch können Vorurteile verstärkt und in Folge dessen Diskriminierung vorangetrieben werden, z.B. Fat shaming, homophobes oder sogar rassistisches Gedankengut. Vor dieser Verantwortung sind auch Autoren fiktionaler Werke nicht gefeit, denn egal ob fiktiv oder real, Verbindungen im Gehirn bilden sich durch Wiederholung. Je häufiger man also mit diesen negativen Klischees konfrontiert wird, desto höher die Gefahr, dass sie sich als festes Vorurteil im Kopf verankern.

Wie gehe ich mit Klischees um?

Grundsätzlich stehen einem Autor drei Möglichkeiten offen, mit Klischees oder Stereotypen umzugehen.

Ich benutze sie!

Gute Klischees sind nichts Schlimmes, sofern sie in Maßen dosiert werden. Gewisse Archetypen sorgen Leserinnen und Lesern für Sympathie und Wiedererkennungswert, sie erinnern sie an ähnliche Figuren oder Menschen aus dem echten Leben, die sie schätzen. Wichtig ist nur, diese Charaktere nicht zu Abziehbildern zu degradieren, sondern ihnen eine Persönlichkeit zu geben, sonst droht es langweilig und flach zu werden. Was grenzt die nette Dame von nebenan von allen freundlichen alten Frauen ab, die es so gibt? Was macht aus ihr einen Menschen anstelle eines Archetyps? Oft ist gar keine Hexerei erforderlich, sondern nur eine Beschäftigung mit der Frage: Warum ist diese Figur so, wie sie ist? Welche Stärken und Schwächen hat sie? Wie wirkt sie auf den Betrachter? Mit etwas Fingerspitzengefühl und Liebe zum Detail wird so aus einem abgedroschenen Klischee eine stimmige, interessante Figur.

Viele Klischees machen auch einfach Spaß, seien wir ehrlich, und es ist nichts Verwerfliches daran, Freude an bestimmten Tropes und Handlungselementen zu haben. Kein Autor wird das Rad neu erfinden, und wenn ein klassisches Element schön, interessant und stimmig umgesetzt wird, gibt es keinen Grund, das zu verdammen.

Ich umgehe sie!

Schlechte Klischees sollte man vermeiden, gerade weil wir ihnen – vermeintlich – so oft begegnen und die Gefahr besteht, dass sich das Vorurteil noch tiefer in den Köpfen einbrennt. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob es sich um einen Contemporary oder einen Fantasy-Roman handelt. Sicherlich ist die Gefahr, ein Klischee in die Realität zu übertragen, bei realistischen Geschichten höher, sie existiert aber immer. Für jeden Charakter können wir eine Entsprechung in unserer Realität finden und unsere Antipathien oder vorgefertigten Meinungen auf ihn übertragen.

Oft ist es nicht leicht, solche Klischees zu erkennen, denn auch Autorinnen und Autoren sind nur Menschen. Klischees oder Stereotype im Kopf zu haben ist kein Anzeichen von mangelnder Intelligenz oder Engstirnigkeit, sondern ein Effekt unserer Umwelt und unserer menschlichen Natur. Gerade deswegen müssen wir aber besonders genau hinsehen, uns immer wieder daran erinnern und reflektieren. Diesem Anspruch können wir nicht enftliehen.

Ich spiele mit ihnen!

Das ist sicherlich die Königsdisziplin im Umgang mit Klischees und erfordert ein gewisses Fingerspitzengefühl. Klischees können bewusst ausgenutzt und aufgebrochen werden. Vielleicht entpuppt sich die nette alte Dame ja als hinterhältiges Biest. Der knallharte Badboy guckt am liebsten Gilmore Girls und lebt in einer stabilen, glücklichen Beziehung. Die mollige schwarz gekleidete Außenseiterin ist die Beste im Hockeyteam und dort unheimlich beliebt. Klischees sind eine schöne Möglichkeit, mit Lesererwartungen zu spielen und diese bewusst aufzubrechen, um damit Spannung zu erzeugen und Vorurteile oder Stereotype Lügen zu strafen.

Wichtig ist natürlich, dass dieser Bruch trotzdem stimmig wirkt und schlüssig erklärt werden kann. Starkes Übergewicht und Hochleistungssport schließen sich zum Beispiel in vielen Bereichen aus. Auch bestimmte Persönlichkeitseigenschaften passen mitunter nicht gut zusammen. Recherche und eine intensive Beschäftigung mit den eigenen Figuren und Plots ist also in jedem Fall unerlässlich. Nachteilhaft ist zudem, dass die meisten Klischee-Brüche mittlerweile selbst zu Klischees geworden sind. Der Klassiker ist die rebellische Prinzessin, die nicht im Turm eingesperrt auf ihren Traumprinzen wartet, sondern selbst das Schwert schwingt. Ursprünglich war die Märchenprinzessin selbst das Klischee, mittlerweile ist ihre Umkehrung auch zu einem geworden.

Fazit und Ausblick

Kommen wir zu einem Fazit: Was machen wir mit den Klischees? Fakt ist, es ist immer wichtig, den eigenen Plot und die Hauptfiguren auf unnötige, vielleicht sogar negative Klischees abzuklopfen. Bin ich in eine Klischeefalle getappt? Wenn ja, ist es schlimm, rückt es die betreffenden Personen in ein schlechtes Licht? Hier kann es helfen, bei Unsicherheiten Betroffene zu fragen und z.B. „Sensitivity Reader“ zu suchen.

Auch auf Handlungsebene ist es ratsam, klischeehafte Wendungen oder altbackene Plotelemente genauer anzuschauen, Testleser/innen dafür zu sensibilieren oder Lektoren/innen darauf hinzuweisen. Manchmal machen Klischees einfach Spaß oder gehören zur Konvention einzelner Genres. Ein Märchen erfordert z.B. andere Strukturen und Ideen als ein Science-Fiction-Epos undin der Regel ist es nicht ratsam, Lesererwartungen zu arg zu enttäuschen. Eine locker-flockige Stadt-Romanze, die am Ende in einem Massaker endet, ist zwar untypisch, könnte die Zielgruppe aber arg verstören. 😉

Klischees müssen also nichts Schlechtes sein, im Gegenteil, gut umgesetzt und interessant aufbereitet schaffen sie Vertrautheit und einen Wiedererkennungswert.  Es schadet aber nicht, sie hin und wieder auch zu hinterfragen. Hashtags wie #buchbingo sind dabei gute Wegweiser, solange man sie nicht verabsolutiert.


Ich gebe ja offen zu, es gibt einige Klischees, die liebe ich abgöttisch. Der sarkastische Draufgänger, zum Beispiel, der nichts ernst nehmen kann, oder der verbitterte Haudegen, der schon mit dem Leben abgeschlossen hat, bevor … ihr wisst schon. 😉 Und auf den „wir finden uns zuerst total blöd und am Ende verlieben wir uns doch“-Trope stehe ich auch ziemlich. Was ich dagegen gar nicht leiden kann, sind platt konstruierte Romanzen nach Schema F und alles, was mit Auserwählten zu tun hat.

Wie ist das bei euch, welche Klischees habt ihr gern, welche könnt ihr nicht mehr sehen? Und wie geht ihr als Autoren/innen mit Klischeefallen um? Bin gespannt. 🙂


Vielen Dank an Christian Milkus, Melanie Vogltanz, Herrn Booknerd und Buchnom für die Erlaubnis, ihre Tweets einzubinden.

 

 

Anm.: Ich bin ab Samstag im Urlaub, werde also ab diesem Zeitpunkt auf Kommentare erst Mitte nächster Woche reagieren können.

 

Charaktere auf der Couch #9: Charlie

Meine heutige Patientin ist die bislang Jüngste auf meiner Couch. Charlie stammt aus der Feder von Elenor Avelle, ist 14 Jahre alt und eine der wenigen Überlebenden einer schrecklichen Seuche, die die Welt in ein post-apokalyptisches Trümmerfeld verwandelt hat. Seitdem schlägt sich Charlie mehr oder weniger allein durchs Leben, ein Zustand, der ihrer psychischen Verfassung nicht unbedingt gut tut.

Hallo Charlie, komm doch rein. Du musst dir keine Sorgen machen, hier drinnen bist du sicher. Die Therapeutin mustert die Jugendliche prüfend. Was ist denn passiert? Ist das … Blut?

Charlie sieht auf ihre verschmierten Hände. Sie zittern.
Ja. Sie haucht das Wort nur.
Die Infizierten waren überall. Ich habe sie umgebracht.

Mein Gott, das klingt ja furchtbar. Setz dich erst einmal, hier passiert dir nichts. Warst du denn mutterseelenallein unterwegs?

Gehetzt blick Charlie auf.
Ich setze mich besser nicht. Dann ist das Blut auf dem Sofa. Es ist der Tod. Sie sind alle tot. Was ich auch tue, keiner von ihnen schafft es.
Ihre Augen werden feucht, aber sie weint nicht.

Die Therapeutin reicht ihr ein Päckchen Taschentücher. Mach dir keine Sorgen wegen der Couch, du kannst dich trotzdem setzen. Atme erst einmal tief durch. Elenor hat mir schon ein wenig von dir erzählt. Du bist eine starke Persönlichkeit und weiß, was du willst. Du bist eine Überlebenskünstlerin. Wenn du dir ein Tier aussuchen könntest, das dich am besten repräsentiert, welches wäre das?

Sie blinzelt Irritiert.
Tier? Ist das jetzt noch wichtig? Nicht, dass ich mir vor der Seuche Gedanken über so etwas gemacht habe.
Sie setzt sich vorsichtig auf die Sofalehne, überprüft, ob sie auch ja kein Blut abschmiert.
Ich bin kein emotionaler Mensch, wissen sie? Das macht es mir leichter in dieser Welt. Ich treffe Entscheidungen, weil sie getroffen werden müssen, so einfach ist das. Aber ich bin auch kein Stein. Die Leute immerzu nur sterben zu sehen…
Sie starrt vor sich hin.
Ein Tier… vielleicht ein Luchs.

Ich verstehe, dass das alles nicht leicht für dich ist, aber ich verspreche dir, hier kannst du offen reden. Warum hast du dir den Luchs ausgesucht?

Ich bin ein Raubtier.
Sie sagt es resignierend. Dann schaut sie auf, ruhig und gesammelt.
Meine Stärken kenne ich gut. Das muss man dort draußen. Wissen Sie, wieso ich so selten auf Infizierte treffe, wenn ich alleine unterwegs bin? Ich gehe über die Dächer. Ich klettere richtig gut. Aber für einen Affen bin ich wohl nicht gesellig genug.
Ein trauriges Lächeln huscht über ihr Gesicht.

Du warst in den letzten Jahren sehr viel auf dich allein gestellt – wie, denkst du, hat dich diese Erfahrung verändert?

Ich war immer schon auf mich alleine gestellt. Meine Mutter habe ich nie kennen gelernt und meinen Vater habe ich kaum zu Gesicht bekommen. Das hat es aber auch leichter für mich gemacht. Ich habe niemanden verloren, der mir wichtig war, als die Seuche ausbrach und ich wusste, wie ich mich um mich selbst kümmern kann.

Ich verstehe, du musstest dich also vor allem auf dich selbst verlassen. Gibt es jemandem, dem du in dieser Zeit wirklich vertrauen konntest?

Vertrauen kann man nur sich selbst. Wenn es hart auf hart kommt, zeigt jeder sein wahres Gesicht und das ist bei den meisten wirklich nicht die Schokoladenseite.
Ihre Augen füllen sich wieder mit Tränen und dieses Mal läuft ihr eine über die Wange.

Die Therapeutin reicht ihr ein Taschentuch. Kein Problem, lass es raus. Hättest du dir in der Zeit eine Vertrauensperson gewünscht?

Was spielt das denn für eine Rolle? Sie leben eh nicht lange.
Sie schlingt die Arme um ihren Körper.
Ich bin manchmal so einsam.

Das tut mir furchtbar leid für dich Charlie. Weißt du, welchen Eindruck ich von dir habe? Ich glaube, du hast eine Mauer um dich her errichtet, kann das sein? Sie beschützt dich, aber sie hält andere Menschen auch von dir fern. Vor allem von deinen Gefühlen und deinen wahren Gedanken. Denkst du, das stimmt?

Charlie zuckt mit den Schultern.
Ich weiß nicht. Gefühle waren nie mein Ding. Vielleicht erwarten die anderen Menschen zu viel, wenn sie von mir alles wissen wollen. Ich bin zufrieden damit, nichts zu sagen. Was soll daran falsch sein?
Sie wischt sich die Tränen mit dem Ärmel ab. Rote Schlieren bleiben auf ihrem Gesicht zurück.
Wenn sie nur nicht so schnell sterben würden.

Wieso, glaubst du, ist es so gekommen? War das deine Entscheidung oder haben andere dich dazu gebracht?

Sie lacht auf.
Sie denken auch, dass jeder offen sein muss und ständig über seine Sorgen reden sollte, nicht wahr? Als ob die anderen sich besser damit fühlen, wenn sie wieder und wieder ihre Verluste betrauern. Wissen sie, weshalb ihre Frage nach dem Tier gar nicht so blöd war? Weil es passt. Tiere leben im Hier und Jetzt und genau das mache ich auch. Wenn andere glücklicher damit sind, sich selbst zu quälen, dann sei es drum, aber sie sterben und ich nicht.

Was müsste passieren, damit du es schaffst, diese Mauer fallen zu lassen oder langsam abzubauen?

Sie seufzt genervt.
Keine Ahnung. Vielleicht muss einer daherkommen, bei dem ich das Gefühl habe, das er durchhält.
Verlegen presst sie die Lippen aufeinander.

Was, denkst du, unterscheidet dich von den anderen Leuten? Warum bist du noch hier und sie nicht?

Unruhig rutscht sie herum.
Vielleicht bin ich verhext, eine Infizierte ohne es zu merken.
Sie schüttelt den Kopf und lächelt über sich selbst.
Oder ich bin zu dumm zum Sterben. Manchmal denke ich, dass es einfacher wäre zu gehen.

Das ist nie eine Lösung, Charlie. Was meinst du, runden wir das Ganze mit einem positiven Ausblick ab? Was ist dein Ziel für die kommenden Wochen und Monate?

Soweit denke ich nicht voraus. Vielleicht lebe ich bis dahin gar nicht mehr.
Sie schaut auf ihre schmutzigen Ärmel.
Doch, wahrscheinlich schon.

Das denke ich auch, du bist eine starke Persönlichkeit. Was möchtest du in dieser Zeit an dir verändern?

Charlie reibt sich unbewusst über die Brust.
Den Schmerz abschütteln, wieder einfach leben. Denn darum geht es doch, oder? Ich lebe.

Denkst du, du wirst das schaffen?

Ja, ich schaffe das. Das habe ich schon immer. Und wenn nicht, tja, dann bin ich tot und dann ist es auch egal.

 


Elenor_Avelle_-_Infiziert_E-Book_Cover

Ach Mensch, armes Mädchen. Wird es Charlie gelingen, in einer zerstörten, von Infizierten beherrschten Welt zu überleben? Kann sie ihre Einsamkeit überwinden und das Geheimnis ihrer Vergangenheit entschlüsseln? Findet es heraus, in Elenor Avelles Fantasy-Debüt „Infiziert – Geheime Sehnsucht“.

Zur Homepage der Autorin: https://elenoravelle.wordpress.com/

 


Wollt ihr noch etwas von mir oder Charlie wissen? Nur zu, wir versuchen, euch zu antworten.

Während des Nanowrimo im November bleibt die Praxis geschlossen, der nächste Termin ist deswegen erst wieder am 4. Dezember. Da wird es sich „Schneepoet“ Luc von Nika Sachs auf der Couch bequem machen.

Eine Übersicht über alle bisherigen Termine findet ihr hier.

Ab Januar 2018 sind wieder Sitzungstermine für Romanfiguren frei. Bei Interesse, schreibt einfach eine Mail über das Kontaktformular.