Teaser: Charaktere auf der Couch

„Die Schöpferkraft eines Autors folgt leider nicht immer seinem Willen; das Werk gerät, wie es kann, und stellt sich dem Verfasser oft wie unabhängig, ja wie fremd, gegenüber.“
– Sigmund Freud

Wenn wir ehrlich sind, dann steckt in jedem Autor auch gleichzeitig ein Psychologe. Beide forschen nach Charakterzügen, nach Stärken und Schwächen, nach persönlichen Entwicklungen und Beziehungen. Beide versuchen, menschliches Verhalten zu verstehen, zu erklären und vorauszusagen. Zugegeben, als Autor neigt man dazu, seinen Figuren eher Probleme zu machen als diese zu lösen, aber am Ende bietet man ihnen doch immer die Chance, über sich hinau zu wachsen. Nun, meistens, zumindest.

Wie manche von euch wissen, habe ich selbst Psychologie studiert und das Erforschen von besonderen Charakterzügen und -entwicklungen ist für mich mit der spannendste Teil des Schriftsteller-Daseins. Nun bin ich aber sicherlich nicht die Einzige, die sich intensiv Gedanken über die psychologischen Hintergründe ihrer Charaktere macht – deswegen habe ich diese Blogreihe ins Leben gerufen.

Auf meiner Blog-Couch werden ein- bis zweimal pro Monat unterschiedliche Roman-Figuren über ihre Sorgen, Ängste und selischen Abgründe plaudern und euch ein bisschen mehr über sich verraten. Teils auf ernste, teils auf eher humorvolle Art. Spannend wird es aber mit Sicherheit.

Als Disclaimer möchte ich vorwegschicken: Ich bin keine ausgebildete Psychotherapeutin, und im Vordergrund dieser fiktiven Therapie-Gespräche sollen die Charaktere und ihre Geschichte stehen. Ich möchte mir Mühe geben, euch die Hintergründe so fundiert wie möglich nahe zu bringen, deswegen wird es auch immer eine kurze Information zu Störungsbildern oder Behandlungsmöglichkeiten geben, sofern sie zur Sprache kommen. Trotzdem dienen diese Blog-Beiträge in erster Linie der Unterhaltung. Wenn ihr also Fragen habt,  fragt mich gerne. Ich versuche sie nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten.

Seid ihr neugierig geworden? Dann schaut doch vorbei. Die erste Sitzung findet nächsten Dienstag statt. Wer dann bei mir auf der Couch sitzen wird? Lasst euch überraschen.


Bisherige Patienten:

06. Juni: Jonas von Janna Ruth („Im Bann der zertanzten Schuhe“)
19. Juni: Azzael von Bo Leander („Höllisches Intermezzo“)
08. Juli: Varek von Elea Brandt („Opfermond“)
20. Juli: Kurt von Sascha Raubal („Kurt – In göttlicher Mission“)
07. August: Horatio von Angela Stoll („Die Lügen des Horatio Harthorne“)
21. August: Theodora von Isabella Benz („Die Dämonen von Lorch“)
12. September: Zeyn von Annette Juretzki („Blind – Sternenbrand, Teil 1“)

[Characters of Septemer, #1] Celio: Bürokrat, Perfektionist, Kontrollfreak

Der Nanowrimo 2017 steht vor der Tür, also hab ich mich spät aber doch entschieden, an der tollen #charactersofseptember Challenge teilzunehmen.

In der Rubrik Romanprojekte gibt es auch schon eine kurze Zusammenfassung meines geplanten Mantel&Degen-Steam-Punk-Krimis, aus dem ich euch heute den Protagonisten vorstellen möchte.

Also, Vorhang auf für Celio.


Nun, wärt Ihr zu Beginn vielleicht so freundlich, Euch den geneigten Lesern unserer Gazette vorzustellen?

Mein Name ist Celio Farese, ich bin Kronbeamter der Principessa von Farcata und bin sehr beschäftigt. Also, wenn wir dann zum Punkt kommen könnten?

Selbstverständlich. Man hat mich schon informiert, dass man Euch nicht unbedingt als humorvollen Menschen kennt.

So? Nur, weil ich meine Zeit lieber mit Arbeit als mit unnützem Vergnügen fülle? Farcata ist nicht zur reichsten Stadt des Kontinents geworden, weil sich ihre Bürger dem Leichtsinn und dem frivolen Leben hingegeben haben, sondern durch harte        Arbeit.

Das klingt sehr … öde, wenn Ihr mich fragt. Seht Ihr die Dinge immer so negativ?

Negativ? Davon kann doch gar nicht die Rede sein. Ich schätze meine Arbeit und es ist mir eine Ehre, im Dienst unserer ehrenwerten Republik zu stehen. Aber in einem mögt Ihr recht haben, ich bin wohl kein besonders humorvoller Mensch, das sagen mir meine Freunde auch immer. Er lächelt verlegen.

Ihr definiert Euch also vor allem durch Eure Aufgabe?

Celio seufzt und schaut auf seine Füße. Ich tue eben, was ich kann. Wenn Ihr an meiner Stelle wärt, würdet Ihr genauso handeln. Seit dem – er schluckt – Tod meines Vaters bin ich der letzte Nachkomme unserer Familie und es ist an mir, unseren Ruf wiederherzustellen. Von den Schulden ganz zu schweigen. Und ich finde, ich mache meine Sache gut. Ich bin fleißig, zuverlässig und lerne schnell.

Denken das andere auch über Euch?

Nun, ich hoffe es. Vermutlich halten sie mich auch für steif, humorlos, bieder und kontrollsüchtig. Er lächelt. Damit haben sie auch nicht ganz unrecht. Ich schätze, mein Pflichtbewusstsein und alles, was daraus resultiert, ist zugleich meine größte Stärke und meine größte Schwäche.

Eure Mitarbeiter aus der Zollkommission haben durchweg positive Worte über Euch verloren, auch der Senat lobt Eure Arbeit in höchsten Tönen.

Celio macht eine wegwerfende Handbewegung. Das ist doch das Mindeste. Ich erfülle meine Pflicht, ich finde nicht, dass man das überbewerten sollte.

Gibt es denn auch eine Form von Lob, die Euch stolz macht?

Jedes Lob macht mich stolz. Ich ruhe mich nur ungern auf meinen Lorbeeren aus.

Sehen wir uns die andere Seite an, wie steht es um Kritik? Wie geht Ihr damit um, wenn Euch jemand kritisiert?

Celio kaut auf seiner Unterlippe. Ich würde gerne behaupten, dass mir Kritik nichts ausmacht, dass sie mir Anstöße gibt, noch besser zu werden. Aber das stimmt nicht. Die Angst zu scheitern ist jeden Tag so präsent, dass ich sie nie ganz ausblenden kann, und jede Form von Kritik scheint mich diesem Scheitern näher zu bringen.

Ist es das, wovor Ihr Euch am meisten fürchtet? Zu Versagen?

Das auch, ja. Und … Es schaudert ihn und er tupft sich die Stirn mit einem Taschentuch ab. Nun, Ihr wisst sicher, was meinem Vater zugestoßen ist. Er war ein außergewöhnlich tüchtiger Mann, doch plötzlich begann er sich zu verändern. Er wurde misstrauisch, paranoid, begann Dinge zu sehen, die nicht da waren, vernachlässigte seine Aufgaben. Irgendwann war er überhaupt nicht mehr er selbst, der Wahnsinn hatte ihn vollständig vereinnahmt. Die Vorstellung, dass auch mich dieser Wahnsinn eines Tages ereilen könnte … Er schüttelt entsetzt den Kopf. Das ist mehr als ich ertragen kann.

Eine beängstigende Vorstellung, durchaus. Nun, vertiefen wir dieses Kapitel nicht weiter, wir wollen unsere Leser ja nicht verschrecken. Kommen wir zu einem angenehmeren Thema. Die Damen und Herren von Farcata munkeln, Ihr wärt noch immer Junggeselle. Wie kommt’s?

Celio zuckt die Schultern. Ich bin mit meiner Arbeit verheiratet, da bleibt wenig Zeit für Empfänge, Bälle oder andere Festivitäten. Abgesehen davon dürfte ein verarmter, bis über beide Ohren verschuldeter Bürokrat wohl kaum als gute Partie durchgehen.

Nun, das ist nicht von der Hand zu weisen. Aber lassen wir Geld und Ansehen doch einmal außen vor, welche optischen Vorzüge könnten unsere Leser oder Leserinnen an Euch interessieren?

Celio verdreht die Augen. Als würde mich solcher Firlefanz interessieren. Ich bin zu mager, zu blass, meine Beine sind zu kurz und ich verstehe mich nicht besonders gut auf die Finessen der aktuellen Mode. Gebt Euch also nicht zu viel Mühe, mich verkuppeln zu wollen.

 


Fortsetzung folgt nächste Woche.

Charaktere auf der Couch: #7 Zeyn

Die heutige Therapiesitzung wird eine besondere Herausforderung, denn mit Zeyn habe ich heute den ersten extra-terrestrischen Charakter auf meiner Couch. Glücklicherweise kennen wir uns schon und ich weiß, dass er nicht so bedrohlich ist, wie er aussieht, was man bei einem Wesen, das Knochenplatten statt Haut hat nicht vermuten würde. An einigen Stellen sind die Platten gebrochen und haben sich übereinandergeschoben, um als Verwucherungen wieder zusammenzuwachsen. Statt Haaren hat er in sich verdrehte Knochenwirbel auf dem Schädel, statt einer Nase drei Atemschlitze und viele spitze Reißzähne stechen aus seinem Gebiss hervor, das aschfahl ist wie seine Haut.

 

Ein wunderschönen guten Tag, bitte, nehmen Sie doch Platz, Herr … ähm … Sie blättert in ihren Unterlagen und runzelt dann die Stirn. Havrerthokt Gratvar Djan Chet

Lacht. Zeyn. Das ist die einzige dieser vielen Silben, die mir gehört, und sie reicht vollkommen aus, solange hier nicht zufällig ein zweiter Zeyn rumsitzt. Bei uns Ghitanern steht der Name hinten, der Rest ist nur schmückendes Beiwerk: Kolonie, Stamm, meine Großmutter … sowas interessiert höchstens die Steuerbehörde.

Erleichtert. Ah, schön, Zeyn. Ist Ihnen bewusst, weswegen Sie hier sind?

Irgend so ein Arschloch bei Tercharkuhr will eins reinwürgen? Lass mich raten: ein Mensch von Stormcoast? Von denen werden in letzter Zeit eindeutig zu viele angeworben – als ob andere Spezies nicht auch gute Söldner abgeben würden!

Nun, nicht direkt. Ihr Arbeitgeber, Tercharkuhr, erwägt, Sie auf eine längere Mission zu entsenden, aber er wünscht ein ausführliches Gutachten über Ihre psychische Verfassung und Belastungsfähigkeit. Fangen wir doch ganz einfach an. Wie würden Sie selbst ihre aktuelle Befindlichkeit einschätzen?

Genervt. Er wartet ein paar Sekunden ab, ob diese Antwort ausreicht. Ach komm schon! Vor Tercharkuhr war ich 17 Jahre lang Soldat beim ghitanischen Militär, da hab ich monatelang an den Grenzen Patrouille geschoben, ohne einen Raumhafen auch nur von Weiten sehen zu dürfen. Und, bin ich ausgerastet? Also häufiger, als das auf einem ghitanischen Raumschiff normal wäre …

Ich gebe zu, Sie sind der erste Ghitaner, den ich persönlich kennen lerne. Vielleicht könnten Sie mir kurz erzählen, was Ihre Spezies auszeichnet? Was macht Sie besonders kompetent für eine Führungsaufgabe auf dieser Mission?

Also geht es dir jetzt um Ghitaner oder um mich? Ach, ist doch egal, ich bin nicht so anders als der Rest. Wir sind robust und direkt, das macht uns zu idealen Soldaten. Außerdem können wir fast 5 Minuten ohne Schutz im Weltall überleben – mit Sauerstoff sogar 10! Kein Wunder also, dass wir die ersten hier waren, die den Sprung ins All geschafft haben. Und, ist das ein Grund für uns, anzugeben?

Nun ja, wenn Sie so fragen …

Was gibt’s denn da zu grinsen? Lass mich raten: wieder so eine komische Menschengeste, was? Nein, nein, erklär’s mir nicht, muss ich nicht verstehen. Wo war ich? Ach ja, warum ich für eine Führungsposition geeignet bin. Weil ich Erfahrung hab, 17 Jahre Militär und so. Und es gab nie mehr Probleme als die üblichen, die man eben hat, wenn man mit anderen Spezies zusammenarbeitet. Und die, die doch aufkamen, hab ich alle aus der Welt geschafft, sofort und ohne langes Reden. Man hört die ersten Knochenplatten knacken und aneinanderschaben, als Zeyn die Arme anspannt. Auf Ghitanisch. So weiß jeder immer, woran er ist. Ich sag ja, wir Ghitaner sind direkt.

Ähm ja, direkt, ich verstehe. Blättert in Zeyns Akte. Es gibt hier ein paar Hinweise auf Vorfälle, die … Nun ja, etwas aus dem Ruder gelaufen sind. Wir müssen da nicht näher drauf eingehen, aber Ihr Auftraggeber hat wohl ein paar Bedenken, da Sie ein „Einzelner“ sind. Können Sie kurz erläutern, was es damit auf sich hat?

Schnauben. War ja klar, dass das jetzt kommt. Wieder knacken die Knochenplatten, während sich Zeyns Hände zu Fäusten ballen. Ja, ich bin ein Einzelner, also habe ich keine Geschwister. Wir Ghitaner werden eigentlich zu viert geboren, also es sind zumindest immer vier Föten in der Mutter. Aber nicht immer kommen alle durch, weil, nun ja … Zeyn greift nach dem Wasserglas und nimmt einen tiefen Schluck. Natur und so, du weißt schon. Im Tierreich überlebt nur der Stärkste und so ein Mutterleib ist … Ich meine, klar sollte man sein Blut erkennen, aber Babys sind dumm, wie Tiere … und ghitanische Tiere sind nicht so harmlose Schoßhündchen, wie ihr Menschen sie ständig um euch habt. Was ich sagen will … Zeyn schaut auf das Glas in seiner Hand, blickt wieder hoch und zurück zum Glas – um es gegen die nächste Wand zu donnern. Ich hab meine drei Geschwister im Mutterleib aufgefressen, um selbst der Stärkste zu sein! Zufrieden? Und es gibt nun mal Ghitaner, die sagen, es ist genetisch, dass man keine Verantwortung für andere übernehmen kann. Deshalb gibt man Einzelnen für gewöhnlich auch keine.

Es klingt, als würde Sie das sehr belasten. Haben Sie jemanden, mit dem Sie darüber sprechen können?

Wozu? Bin ich ein Mensch? Ich muss nicht alles totreden, was würde das bringen? Ich hab meine Geschwister umgelegt, sie werden nicht wieder lebendig, wenn ich jemanden immer und immer wieder mit dieser Geschichte zuquatsche. Und erst recht werden andere nicht vergessen, was ich bin, wenn ich doch immer wieder von selbst damit anfange.

Also nein, ich rede mit niemandem darüber. Und falls das so eine mal-schauen-ob-er-meine-Gedanken-errät-Menschenart war, zu fragen, ob ich allein lebe: Ja, tu ich. Ich bin seit fast einem Jahr Single, da gibt es also keine Familie, die Tercharkuhr auszahlen muss, wenn ich draufgehe. Du kannst deine Auftraggeber also beruhigen.

Keine Sorge, Sie müssen meine Gedanken nicht lesen, dafür lese ich Ihre auch nicht, ja? Sie haben vorher schon mal angedeutet, dass ihrer Meinung nach zu viele Menschen als Söldner angeheuert werden. Ihnen ist sicher bewusst, dass die Besatzung der Keora vorrangig aus Menschen besteht. Ist das ein Problem für Sie?

Nein, warum sollte es? Die haaren zumindest nicht alles so voll, wie es Junakta tun. Wobei – wir reden hier doch nicht Stormcoast-Menschen, oder? Bitte sag mir, dass Tercharkuhr das Schiff nicht voll mit diesen Idioten packt!

Wieso? Haben Sie schlechte Erfahrungen diesbezüglich gemacht?

Wer hat das denn nicht? Die Stormcoast-Kolonie war jahrzehntelang verschollen, und kaum tauchen sie auf, tun sie so, als würde ihnen die ganze Galaxis gehören! Es geht immer nur um sie, Stormcoast hier, Menschen-Sonderrechte da. Ich meine, versteh das jetzt nicht falsch, aber ihr Menschen seid hier nur eine Minderheit, seit der Invasion damals gibt es von euch höchstens ein paar Millionen. Wir Ghitaner sind Milliarden! Und, spielen wir uns als Führer dieser Galaxis auf?

Das Kommando über die Keora wird ein gewisser Jonas Brand führen. Soweit ich weiß, kennen Sie ihn bereits?

Brand, der sogenannte Held der Menschheit … Zeyn lacht dreckig. Kennen ist da wirklich zu viel gesagt. Das war vor über einem Jahr, noch beim Militär, da war ich mit einem Patrouillenschiff unterwegs. Da bekommen wir einen Notruf rein, reisen hin – und siehe da, eine Piratenflotte. Wie sich herausgestellt hat, sind die zufällig über Stormcoast gestolpert und wollten die Chance auf ein paar einfach zu fangende Menschensklaven nutzen. Und dann gab es an Bord eine kleine Revolte, bei der es Brand irgendwie geschafft hat, beim Wilden auf Knöpfen herumdrücken zufällig einen Notruf abzusetzen – und ist deshalb jetzt der große Held, der die Piraten vernichtete.

Zeyn greift an die Stelle, an der vorhin noch das Wasserglas stand. Als er merkt, dass da nichts mehr steht, greift er sich eben den ganzen Tisch, wirft ihn zu Boden und tritt das erste Tischbein ab. Er schaubt.

Die Therapeutin lässt vor Schreck ihr Klemmbrett fallen und springt auf. Zeyn, beruhigen Sie sich, ich …

Weißt du was? Du wolltest wissen, was uns Ghitaner so besonders macht? Wir scheren uns nicht um Helden, wir leben für die Gemeinschaft. Ob sie uns nun haben will oder nicht. Er tritt auch ein zweites Tischbein ab und sieht dann hoch. Keine Sorge, ich lass dir genug Skifs da, damit du dir einen neuen Tisch vom nächsten Verwerter holen kannst.

Die Therapeutin nickt irritiert. Skifs ähm … Gut. Schön. Bringen wir das hinter uns und reden wir Klartext, Zeyn: Trauen Sie sich diese Mission zu?

Ja, verdammt! Wieso hätte ich mich denn sonst gemeldet? Ist ja nicht so, als hätte ich nichts Besseres zu tun. – Gut, hab ich im Moment wirklich nicht, aber darum geht es nicht! Er hebt ein abgebrochenes Tischbein und fängt an, es in kleine Stücke zu brechen. Wenn Tercharkuhr Angst hat, dass ich einen ihrer Stormcoast-Neulinge zu hart anfasse, kannst du sie beruhigen: Ich weiß, dass Alien-Ärmchen leichter brechen als Plastik. Zeyn knackt ein weiteres Stück Tischbein ab. Ich werde keinen Ärger machen, solange sie mich nicht provozieren. Und ich werde mehr ghitanisch denken und weniger … einzeln. Ehrlich gesagt sollte Tercharkuhr mir deshalb die Führung überlassen und nicht diesem SC-Emporkömmling: Mir ist es egal, ob ich am Ende als Held dastehe oder nicht, solange ich die Mission nur zu Ende bringe. Kannst du ihnen das sagen?

Gut, ich notiere es im Bericht. Wenn Sie diese Fragebögen hier noch ausfüllen könnten, dann sind wir fertig. Tun Sie mir den Gefallen und machen Sie nichts mehr kaputt, ja? Ich hänge an diesem Büro.

 


Blind_400x600Wenn ihr ein bisschen neugierig geworden sein und wissen wollt, wie sich Zeyn auf seiner kommenden Mission schlägt und welche Konflikte und Abenteuer ihn und seine Begleiter dort erwarten, holt euch Annette Juretzkis Debüt „Blind“, das im Traumtänzer Verlag erschienen ist. Der Folgeband wird Anfang nächsten Jahres erscheinen.

Internetseite der Autorin: annette-juretzki.de

Facebookseite der Autorin: www.facebook.com/annette.juretzki/

 

Habt ihr noch Fragen an mich oder Zeyn? Dann nur raus damit.

Oh, und falls ihr diesen ominösen Jonas auch gerne noch kennen lernen wollt – Annette hat ihn in der #charactersofseptember Challenge näher vorgestellt: Jonas Brand.

 


Einen Überblick über alle bisherigen Sitzungstermine gibt es hier.

„Opfermond“ erscheint als Ebook

Seit gestern ist das Ebook zu „Opfermond“ auf allen gängigen Plattformen erhältlich, so zum Beispiel auf Amazon oder Thalia.

Ich freue mich riesig über meine erste Verlags-Veröffentlichung und bin schon sehr gespannt auf das erste Feedback.

Wenn ihr Lust habt, eines von zwei Ebooks zu gewinnen, dann könnt ihr auf Facebook an einem kleinen Gewinnspiel teilnehmen, folgt dazu einfach diesem Link zu meiner Seite.

Allen Lesern wünsche ich schon mal sehr viel Spaß mit meinem düsteren Buch-Baby! Und für alle Print-Fans: Pünktlich zum Buchmesse Convent und zur Frankfurter Buchmesse könnt ihr auch das Taschenbuch erwerben.

Opfermond_Cover

Elea sagt „Danke“

Ein Beitrag zur Opfermond-Release-Woche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Ihr Lieben, morgen ist es dann soweit und ihr könnt „Opfermond“ offiziell als Ebook erwerben. Ich werde heute versuchen, den Tag über so gut wie möglich zu entspannen und so wenig wie möglich in Panik auszubrechen. 😉 Außerdem möchte ich die Gelegenheit nutzen, danke zu sagen.

Manche glauben ja, wir Autoren sitzen den ganzen Tag im dunklen Zimmer, schreiben uns die Finger wund und meiden jeden Kontakt zu anderen. Genau das ist aber nicht der Fall. Vom ersten Wort bis zur Veröffentlichung haben mich viele Menschen begleitet und denen möchte ich heute danken.

„Opfermond“ war der erste Roman, den ich im NaNoWriMo geschrieben habe, er war meine erste Verlagsbewerbung und die erste Zusage, die ich erhalten habe. Dass dieser Prozess dermaßen glatt verläuft, ist selten, und das verdanke ich nicht zuletzt den Leuten, die mich im Vorfeld unterstützt haben.

Ein ganz großes Dankeschön gebührt dabei dem Tintenzirkel Fantasyautorenkreis. Zum einen den Mitgliedern, die mich damals durch den Nanowrimo begleitet haben, die mir halfen, meinen Plot zu strukturieren, meine Figuren besser kennen zu lernen und den Roman in der Kürze der Zeit zu Ende zu schreiben. Zum anderen auch jenen, die meine Exposés und Leseproben testgelesen, bewertet und aufpoliert haben, bis sie gut genug waren, einen Verlag zu überzeugen. Ohne den Tintenzirkel hätte ich diesen Grad der Professionalität wohl niemals erreicht.

Intensiv bedanken möchte ich mich auch bei meinen tapferen Beta-Lesern Christopher, Jakob, Markus, Mona und Tim, die sich durch recht abenteuerliche Rohfassungen des Romans gekämpft haben und mich mit ihrem Feedback, ihrer Kritik und ihrem Lob angespornt haben, den Roman weiter zu optimieren. Wenn ich mir heute die Erstversion aus dem Nanowrimo anschaue, war das auch bitter nötig. 😉 Danke, dass ihr das auf euch genommen habt, diese Veröffentlichung ruht nicht zuletzt auf euren Schultern.

Natürlich möchte ich auch dem Mantikore-Verlag und seinem gesamten Team für die Zusammenarbeit danken: meinem Verleger Nic, meiner großartigen Lektorin Nora, Rossitsa und Matthias für das tolle Cover und Hauke, dem ich die wunderschöne Stadtkarte von Ghor-el-Chras verdanke.

Nun, das Beste kommt bekanntlich zum Schluss, deswegen möchte ich zu guter Letzt den Menschen danken, die meinen Traum vom Autorendasein schon sehr lange mit mir träumen und mich immer in dieser Narretei unterstützt haben. Bei meinen Eltern, die meine Liebe zur Literatur und insbesondere zur Phantastik geweckt haben und nicht müde wurden, mir als Kind einhundert Mal dieselbe Geschichte vorzulesen. Bei meiner Schwester, die sich in phantastischen Welten genauso wohlfühlt wie ich und immer als Ansprechpartner und Inspirationsquelle zur Verfügung steht. Und bei meinem Lebensgefährten, der meinen Schreibwahnsinn nicht nur toleriert, sondern sogar unterstützt und im Zweifel immer zur Stelle ist, wenn es Plotlöcher zu sanieren gibt oder ein Schwertkampf im Wohnzimmer nachgestellt werden muss. Es gibt mir unheimlich viel, dass ihr für mich da seid und meine verrückten Ideen immer unterstützt habt.

So, damit nähert sich die Release-Woche auch schon dem Ende. Morgen gibt es dann das große Finale mit einem exklusiven Gewinnspiel, also schaut auf jeden Fall noch mal vorbei. Außerdem wird bei Yvonne vom Buchbahnhof im Rahmen ihrer Nostalgie-Reihe ein kleines Interview erscheinen, in dem ich über mein liebstes Jugendbuch geplaudert habe.

Stay tuned. Wir sehen uns dann morgen.

Eure Elea

Glaube in Ghor-el-Chras

Ein Beitrag zur Opfermond-Releasewoche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Am Montag haben wir schon ein wenig über Politik geredet, heute geht um ein zweites, großes Thema: Religion.

Glaube und Politik sind in Ghor-el-Chras eng verwoben. Der Glaube an den Kriegs- und Blutgott ist allgegenwärtig und bestimmt das Leben aller Menschen in der Stadt. Barmherzigkeit oder Gnade sind dem Herrn des Blutes fremd, er belohnt nur die Starken, jene, die sich nehmen, was sie begehren, und die Schwachen unter sich knechten. Selbstjustiz, Sklaverei und Unterdrückung werden in Ghor-el-Chras dadurch salonfähig.

Eifersüchtig wacht die Kirche über ihre Vorherrschaft und verurteilt die kultische Verehrung jeder anderen Gottheit als Ketzerei. Ausgenommen davon sind die Daimonen, Schutzgeister, die das einfache Volk zu verschiedenen Anlässen anruft und ihnen kleine Opfer darbringt. Jeder Straßenzug, jede Gilde, jede große Familie verehrt ihren eigenen Daimon, sodass in Ghor-el-Chras Hunderte Schutzgeister existieren.

Wollt ihr wissen, welcher Daimon der richtige für euch wäre? Dann macht doch einfach diesen simplen Test und findet es heraus. 🙂

Klicke hier, um zur Seite zu kommen

Ich freu mich auf eure Ergebnisse. Oh, und nehmt das Ganze lieber nicht zu ernst. 😉

Glaube

Charaktervorstellung Idra, Teil 2

Ein Beitrag zur Opfermond-Release-Woche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Idra durftet ihr ja gestern schon ein wenig kennen lernen, heute ergänze ich ihren Steckbrief durch eine kleine Szene.

Idra ist ein Kind des Sha-Quai und ist in den staubigen Gassen geboren und aufgewachsen. Sie kennt ihren Teil des Armenviertels nahezu auswendig und manche Ecken bergen alte Erinnerungen.

Aber lest selbst.

Opfermond_Idra_Schnipsel

Hier ist außerdem der Link zur Facebook-Veranstaltung für die Release-Woche.

Charaktervorstellung Idra

Ein Beitrag zur Opfermond-Releasewoche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Varek habt ihr nun besser kennengelernt, heute möchte ich euch die zweite Hauptfigur aus „Opfermond“ vorstellen: die Straßenhure Idra. Das wundervolle Porträt stammt wieder von der talentierten Guddy Hoffmann-Schönborn (Fried Phoenix Geekblog).

Idra_GuddyPortrait

Idra ist ursprünglich als Rollenspiel-Charakter für „Das schwarze Auge“ entstanden, hat sich dann aber ziemlich schnell in diesen Roman geschlichen. Aus dem Südquartier Gareths ist sie ins Armenviertel von Ghor-el-Chras umgezogen, an ihrem losen Mundwerk und ihren laxen Manieren hat sich dabei nicht viel geändert.

Idra ist neunzehn Jahre alt und mit ihrem flammendroten Haar ist sie eine echte Exotin in den Straßen von Ghor-el-Chras. Angeblich hat sie diese Besonderheit ihrem Vater zu verdanken, doch dem ist sie nie begegnet.

Idra hat ihr ganzes Leben im schlechtesten Viertel der Stadt verbracht und hat nie etwas anderes kennengelernt als den Gestank und das Elend in den Straßen des Sha-Quai. Trotzdem hat sich Idra ihren Stolz bewahrt und beschlossen, vor niemandem zu kriechen, auch nicht vor der Obrigkeit oder ihrem brutalen Zuhälter. So erträgt sie das Leben, zu dem sie verdammt ist, mit so viel Würde wie möglich – und hofft im Stillen, die Stadt irgendwann verlassen zu können, um neu anzufangen.

IdraCharakter

Auch wenn sie es nie zugeben würde, hat Idra ein gutes Gespür für Schönheit: für die ruhigen Momente bei Sonnenaufgang, für den Duft von Jasminblüten und den Geschmack von frischem Fladenbrot. Außerdem hat sie ein gutes Auge für Wertsachen. Das Wichtigste in ihrem Leben bleibt aber ihr einziger Freund, der Strichjunge Djarid. Denn Freunde sind kostbar im Sha-Quai.

Morgen gibt es noch einen kurzen Textschnipsel zu Idra, der ihr Leben im Armenviertel ein bisschen deutlicher illustriert.

Idra hat sich übrigens vor einer Weile in einem Interview mit zwei weiteren Roman-Figuren aus meiner Feder über Frauenrollen, Vorbilder und ihre Definition von Stärke unterhalten. Den Beitrag findet ihr hier: Ladies‘ talk: Starke weibliche Charaktere

Hier ist außerdem der Link zur Facebook-Veranstaltung für die Release-Woche.

 

 

Charaktervorstellung Varek: Teil 2

Ein Beitrag zur Opfermond-Releasewoche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Gestern hab ich euch ja schon ein bisschen etwas über Varek erzählt (oder er über sich), heute möchte ich das Ganze mit einer kleinen Textstelle illustrieren.

Varek ist, nicht zuletzt aufgrund seiner Profession als Auftragsmörder, ein klassischer Einzelgänger. Da die Bürger von Ghor-el-Chras ohnehin nur Abschaum in ihm sehen, hält er sich vorrangig an Leute, die man bezahlen kann: Diener, Rauschkrauthändler und Prostituierte.

Glück ist etwas, das sich ein Unbestechlicher nicht leisten kann, doch mit der richtigen Menge Rauschmittel kann Varek zumindest eine Weile in schönen Erinnerungen schwelgen. Aber lest selbst.

Opfermond_Varek_Schnipsel

Morgen widmen wir uns dann der zweiten Hauptfigur aus „Opfermond“ – der Straßenhure Idra.

Hier ist außerdem der Link zur Facebook-Veranstaltung für die Release-Woche.

Charaktervorstellung: Varek

Ein Beitrag zur Opfermond-Release-Woche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Heute möchte ich euch Varek vorstellen, den (Anti-)Helden aus „Opfermond“. Er war von Anfang an Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, die Figur, mit der alles begonnen hat.

Das wunderschöne Charakter-Porträt stammt von der großartigen Guddy Hoffmann-Schönborn (Fried Phoenix Geekblog).

Varek_GuddyPortrait

Varek gehört den „Unbestechlichen“ an, einem Orden von Spionen und Auftragsmördern. Die Anhänger des Ordens werden hervorragend bezahlt, gleichzeitig ist es ihnen verboten, zu heiraten, politische Ämter zu bekleiden oder in anderer Weise am öffentlichen Leben teilzuhabe. Deswegen gelten sie auch als unbestechlich. Da die Assassinen durch einen blutmagischen Schwur an den Orden gebunden werden, ist es auch keine gute Idee, gegen die Regeln zu verstoßen – Renegaten haben in der Regel eine sehr kurze Lebensdauer.

Eben das ist der Grund, weshalb Varek diesem Orden immer noch dient, denn eigentlich verabscheut er seine Tätigkeit. Was ihn dazu gezwungen hat, den Unbestechlichen beizutreten, will ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Und ebenso wenig, warum Varek die Dunkelheit mehr fürchtet als alles andere.

VarekCharakter

Ursprünglich stammt Varek übrigens aus Irhassar, einer Stadt in den Bergen, weit weg vom Trubel der Hauptstadt. Nach Ghor-el-Chras führte ihn der Wunsch nach Ruhm, Ansehen und Ehre für seine Familie – doch am Ende war genau das Gegenteil der Fall.

Leider ist Varek nicht sonderlich gesprächig, ein typischer Einzelgänger eben. Auf meiner Couch hat er sich trotzdem ein paar Informationen aus der Nase ziehen lassen: Varek auf der Couch

Morgen gibt es einen kurzen Textschnipsel zu Varek und noch ein paar Eindrücke von seinem Leben als Unbestechlicher.

Hier ist außerdem der Link zur Facebook-Veranstaltung für die Release-Woche.

 

Intrigen, Korruption & Gewalt – Politik in Ghor-el-Chras

Ein Beitrag zur „Opfermond“-Release-Woche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

In drei Wochen stehen die Bundestagswahlen an und viele Menschen in Deutschland tragen sich mit dem Gedanken, nicht zu wählen. Sie fühlen sich von den herrschenden Parteien nicht repräsentiert, interessieren sich nach eigener Aussage nicht für Politik oder haben den Eindruck, mit ihrer Stimme ohnehin nichts bewegen zu können. Freie, demokratische Wahlen sind ein derart fester Bestandteil unseres politischen Systems geworden, dass viele deren große Bedeutung gar nicht mehr wirklich erfassen können oder zu schätzen wissen.

Politik & Fantasy

Fantasy-Romanen wird oft vorgeworfen, sie würden sich nicht mit realen Problemen befassen, doch im Grunde ist genau das Gegenteil der Fall. Fantasy kann sehr politisch sein, manchmal mehr, manchmal weniger.

Für „Opfermond“ habe ich mir ganz bewusst die Frage gestellt: Was wäre, wenn es in einer Gesellschaft so etwas wie freie Wahlen niemals gegeben hätte? Wenn es keine unabhängige Justiz gäbe, keine gerechten Gesetze, an denen Menschen sich orientieren? Wenn sich das System nicht nach den freiheitlich-demokratischen Regeln des Zusammenlebens richtet, sondern gnadenlos jeden unterdrückt, der nicht ins Raster passt? Traurigerweise gibt es solche Zustände auch in unserer Welt nach wie vor, für „Opfermond“ habe ich diese Verhältnisse aber noch einmal bewusst überzeichnet.

Falls euch das Thema „Fantasy & Politik“ übrigens grundlegend interessiert, vor einem halben Jahr gab es eine spannende Blogreihe mit einigen Beiträgen zum Thema. Eine Übersicht findet ihr hier.

Im Zeichen des Blutigen Gottes

Werfen wir einen genaueren Blick auf die politischen Verhältnisse in „Opfermond“. Das Shai und dessen Hauptstadt, Ghor-el-Chras, sind durch und durch feindselig. Es gibt kein Sozialwesen, keine Hilfe für Bedürftige, keine ehrliche Rechtsprechung.

Das System ist theokratisch, das heißt an der Spitze steht der Hohepriester des Gottes Chras, dessen Kirche und Religion das Leben der Menschen extrem beeinflusst. Chras ist ein Blut- und Kriegsgott, dargestellt als muskulöser Mann mit dem Kopf eines Stieres, seine Insignien sind Schwert und Geißel. Wer Chras anbetet, glaubt an die uneingeschränkte Macht des Stärkeren. Der Starke darf den Schwachen unterdrücken, ausbeuten oder bekriegen, solange dieser sich nicht zu wehren weiß. Damit rechtfertigt die Gesellschaft nicht nur Sklaverei, sondern auch die Unterdrückung der Frau, der Kranken und Bedürftigen. Es ist ein brutales und zugleich erschreckend einfaches System. Es erfordert kein Mitgefühl, kein Verständnis und keine Barmherzigkeit, sondern fördert Egoismus und Einzelgängertum.

Ehre und Familie

Das Einzige, das neben der persönlichen Stärke zählt, ist die Familienehre. Der Status einer Familie lässt sich bereits an der Art des Namens erkennen. Wer aus einfachem Hause stammt, setzt ein „ther“ vor den Familiennamen, gut betuchte Familien ein „sin“ und die acht einflussreichsten Familien der Stadt ein „dai“. Für die meisten Menschen in der Stadt zählt die Ehre der Familie mehr als ihr persönliches Wohl, denn wo zwischen einzelnen Parteien Missgunst, Hass und Gewalt schwelt, halten die Familien in der Regel zusammen. Neid, Missgunst und Verleumdung greifen aber trotzdem überall um sich, wo es um Macht und Einfluss geht.

Der Rat der Acht

Apropos Einfluss. Während der Hohepriester als nominelles Oberhaupt der Stadt Ghor-el-Chras gilt, liegt die wahre Macht beim Rat der Acht, einem Gremium aus den Patriarchen (oder Matriarchinnen) der acht wichtigen Familien. Da diese Familien zudem ein Gewerbe unter sich vereinen, gelten die Vertreter im Rat der Acht nicht nur als Familienoberhaupt, sondern auch als Kopf der acht großen Gilden.

RatDerAcht

Zusammensetzung im Rat der Acht

Im Rat der Acht werden die wichtigen Entscheidungen für die Stadt getroffen und natürlich versucht jede Partei, das Beste für sich herauszuschlagen. Intrigen, Sabotage und Attentate sind demnach an der Tagesordnung, denn wenn es eines gibt, das mächtige Menschen immer wollen, dann ist es noch mehr Macht.

Die Viertel

Unter dem Rat der Acht stehen die drei Verwalter der großen Viertel, die Bari. Ghor-el-Chras besteht aus drei Ringen, die nach innen schmäler werden. Auf dem höchsten, innersten Punkt der Stadt thront der Tempel des Chras, daran schließt sich das Sha-Amin an, das Viertel der Reichen, in dem nur die acht großen Familien leben. Das Sha-Nuri beherbergt die normalen Bürger, Handwerker und  Händler und gilt als wirtschaftliches Zentrum der Stadt. Hier liegen der Basar, die Arena und die großen, wichtigen Märkte. Der äußerste Ring ist das Sha-Quai, das Armenviertel der Stadt, in der das Leben beileibe kein Zuckerschlecken ist. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft also weit auseinander: Wo die Vermögenden in ihrem eigenen, abgeschotteten Viertel in Luxus schwelgen, kämpfen die Armen jeden Tag ums Überleben und sehen sich obendrein der Willkür der Reichen ausgesetzt. Ein Aufstieg ist nur schwer möglich – ein Abstieg dagegen geht schnell.

Karte Opfermond

(c) Hauke Kock

Das Leben in Ghor-el-Chras

Wie lebt es sich nun in einer Stadt, in der soziale Gerechtigkeit ein Fremdwort ist? Die meisten Menschen dort leben nach der Devise „Leben oder Leben lassen“. Sie umgeben sich mit ihresgleichen, blicken selten über den Tellerrand hinaus und lernen, ihre eigenen Interessen über die der anderen zu stellen. Liebe, Freundschaft oder Empathie sind Luxus, den sich viele Menschen nicht leisten können, und machen Kalkül und Konkurrenzkampf Platz.

„Varek kannte beides: das Sha-Quai, in dem die Menschen jeden Tag um ihr Leben kämpften, und das Sha-Amin, in dem sie verlernt hatten, für irgendetwas zu kämpfen, von ihrem eigenen Ego abgesehen. Er konnte sich nicht entscheiden, was er abstoßender fand.“
– aus „Opfermond“

Lichtblicke

Trotz dieser feindseligen, düsteren Umgebung ist aber nicht alles schlecht in der Stadt des blutigen Gottes. Auch hier gibt es Menschen mit Herz und Verstand, starke Frauen, die sich ihren Weg an die Spitze kämpfen, oder einfache Leute, die lieber geben statt zu nehmen.

Im Laufe der Woche werde ich euch Varek und Idra vorstellen, die Protagonisten aus „Opfermond“. Beide sind auf ihre Weise Opfer des politischen Systems in Ghor-el-Chras geworden und haben ihren eigenen Weg gefunden, mit ihrem Los umzugehen. Teils auf konstruktive, teils auf eher zerstörerische Art.

Oh, und übrigens: Wir haben das große Glück, in einem freiheitlich-demokratischen Land zu leben, in dem wir uns über solche Probleme keine Gedanken machen müssen. Helft mit, das zu erhalten, und geht am 24. September zur Wahl, damit solche Parteien, die Feindseligkeit, Hass und Neid schüren, keine Chance bekommen, ihre Parolen zu verbreiten.


 

Habt ihr zuletzt Fantasy-Romane gelesen, deren politisches System euch fasziniert hat? Was daran fandet ihr spannend? Schreibt ihr vielleicht selbst und habt euch schon Gedanken über politische Systeme und gesellschaftliche Ideologien gemacht? Erzählt mir gern davon, ich bin gespannt.

Hier ist außerdem der Link zur Facebook-Veranstaltung für die Release-Woche.