Buchwelt

Guilty Pleasure oder Gesellschaftsproblem?

Über die Romantisierung von Missbrauchsbeziehungen in der Literatur und die Probleme dahinter

Ich gebe zu, diese Debatte ist nicht neu. Seit dem Erfolg von „50 shades of Grey“ diskutiert die Internet-Community immer wieder über die Repräsentation von sexueller Gewalt, Machtmissbrauch und Sexismus in Romanen, die als Erotik, romantische Literatur oder auch als Literatur für junge Erwachsene verkauft werden. Sehr schnell kommt es bei dieser Debatte zu emotionalen Konflikten, da sich die Fans der Bücher durch die Kritik an den Werken oft persönlich in ihrem Leseverhalten angegriffen fühlen und die Notwendigkeit sehen, die Inhalte (und damit sich selbst) zu verteidigen.

Deswegen habe ich beschlossen, mich diesem Thema – das mir durchaus wichtig ist – auf einer sachlichen Ebene zu nähern, nämlich vom Standpunkt der Wissenschaft aus [1]. Ich gehöre nämlich auch zu diesen viel kritisierten Leuten, die solche Bücher nicht gerne lesen und auch nicht gelesen haben. Trotzdem ist eine Auseinandersetzung mit der Grundthematik möglich, denn meine Argumentation richtet sich weder gegen die Leser, noch gegen bestimmte Werke, sondern soll die Problematik als Ganzes umreißen.

Als Beispiel wird trotzdem einige Male „50 shades“ herhalten müssen, da es dazu schon sehr viel wissenschaftlichen Hintergrund und Material gibt. Die Erkenntnisse lassen sich aber sicherlich auf das grundlegende Problem der „Rape Fictions“ generalisieren.

Was ist überhaupt „Rape Fiction“?

Hier stoßen wir gleich auf das erste Problem. Im Zuge der Debatte hat sich die Bezeichnung „Rape Fiction“ eingebürgert als Überbegriff für fiktionale Texte , in denen Missbrauch in Beziehungen bagatellisiert oder romantisiert wird. Häufig geht es dabei aber nicht um Vergewaltigung im eigentlichen Sinne, sondern sehr häufig um missbräuchliche Beziehungsgestaltung, emotionalen Missbrauch oder sexuelle Belästigung. Der Begriff „rape“ kann also irreführen. Ich werde im Folgenden daher vor allem „Missbrauchsbeziehungen“ sprechen und meine damit jede Art von Beziehung, in der

  • Statusvorteile ausgenutzt werden (z.B. Geld, Macht)
  • emotionaler Missbrauch betrieben wird (z.B. Manipulation, Stalking, soziale Isolierung durch den Partner, Ausübung von Kontrolle)
  • sexuelle Gewalt ausgeübt wird (z.B. Gefügigmachen des Opfers durch Alkohol oder Drogen, Ausnutzen von Zwangslagen oder fehlendem Bewusstsein des Opfers für die Situation)

Im englischen Sprachgebrauch wird hier auch von „intimate partner violence“ (IPV) gesprochen. Eine Definition findet sich auf der Seite des Centers for Disease Control and prevention.

Sexueller Missbrauch als Thema in der Literatur

Genau wie alle anderen gesellschaftlich relevanten Themen sollten Missbrauchsbeziehungen, sexuelle Gewalt und deren Folgen vor allem seit der #metoo-Debatte wichtiger Bestandteil zeitgenössischer Literatur sein. Die Forderung kann also nicht darin bestehen, diese Themen totzuschweigen oder eine heile Blümchenwelt vorzugaukeln, in der es keine missbräuchlichen Beziehungen gibt, sondern sich kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Genau da hapert es allerdings bei vielen der kritisierten Werke.

A critical text is a text that confronts difficult issues in society—a text that does not break down into meaningless clichés and predictable plot patterns. A critical text could also be called a resistant text, because it is not only resists some of the “rules” of its genre but also encourages its readers to resist the “rules” for mindless, complacent reading. (Janet Alsup: Critical Representations of Sexual Assault in Young Adult Literature)

Gerade Gender-Klischees (der mächtige Mann vs. die schüchterne Jungfrau) oder stereotype Tropes (der Bad Boy, der durch Zuneigung von seinen schlechten Charaktereigenschaften geheilt wird) verhindern eine konstruktive Auseinandersetzung mit Missbrauchsbeziehungen und lassen eine Märchenwelt entstehen, die nicht mehr mit der realen Situation in Einklang gebracht, sondern als reine Fiktion verstanden wird. Dieser Verfremdungseffekt führt dazu, dass die dargestellten Beziehungsmuster nicht mehr hinterfragt, sondern als genre-typisch hingenommen werden, nach dem Motto „das ist doch in allen Erotik/Romance-Romanen so“.

Stephenie Meyer, die Autorin der „Twilight“-Bücher, rechtfertigte die missbräuchlichen Aspekte in der Beziehung zwischen ihren Protagonisten Edward und Bella zum Beispiel wie folgt: “This is not even realistic fiction, it is a fantasy with vampires and werewolves, so no one could ever make her exact choices. […] Bella is constrained by fantastic circumstances [not Edward].” Kurz gefasst: Was in der Realität als Missbrauchsbeziehung gelten würde, ist in Romanen romantisch, weil es sich schließlich um Fiktion oder – in diesem Fall – Fantasy handelt.

Ehrlich gesagt ärgert mich diese Argumentation. Als Fantasy-Autorin sehe ich mich oft dem Vorwurf ausgesetzt, mich nur mit fernen Märchenwelten zu befassen und dabei keinerlei Bezug zur Realität herzustellen – doch genau das Gegenteil ist der Fall. Auch Fantasy schafft Identifikationsfiguren, kann sich mit gesellschaftlichen Tabus und Problemen auseinandersetzen und eine reale Botschaft vermitteln. Diesem Anspruch muss sich jede/r einzelne Autor/in stellen, egal, in welchem Genre er oder sie schreibt.

Auswirkungen auf die Leser/innen

Dieser Anspruch wird besonders immanent, wenn man sich vergegenwärtigt, welchen Einfluss fiktionale Texte auf den Leser haben können, vor allem wenn es sich um junge Leser (Jugendliche, junge Erwachsene) handelt. Der berühmte Sozialpsychologe Albert Bandura konnte in verschiedenen Studien zu seiner sozialkognitiven Lerntheorie zeigen, dass sich Menschen durch Medienkonsum in ihren Einstellungen und Verhaltensweisen beeinflussen lassen, ganz egal ob es dabei um Aggression oder Gender-Rollen geht. Dass auch moderne Literatur geeignet ist, bestimmte Effekte hervorzurufen, zeigen aktuelle Studien.

Psychologen der University of Queensland, zum Beispiel, gaben ihren 480 Studienteilnehmern eine von drei erotischen Geschichten zu lesen. In einer zeigte sich der Mann besonders dominant, in einer die Frau und in der dritten gab es keinerlei Dominanz. Jene Frauen, die über den dominanten Männerpart lasen, berichteten danach über mehr sexistische Einstellungen als die Männer, umgekehrt gaben die Männer eine höhere Akzeptanz von Vergewaltigungsmythen an (z.B. Frauen, die sich aufreizend kleiden, sind selbst schuld, wenn sie belästigt werden oder „nein heißt ja“). Schon der kurze Konsum von erotischen Texten, die männliche Dominanz beinhalten, zeigte hier also einen – möglicherweise aber nur temporären – Einfluss auf die Psyche der Probanden. Andere Arbeiten zeigten ähnliche Effekte für den Konsum von sexistischen Videos, Videospielen oder Pornographie, zugleich gibt es aber auch Studien, die keine Effekte fanden. Die Wirkung solcher Materialen auf die Betrachter ist also immer noch umstritten und vermutlich stark von der Persönlichkeit, von früheren Erfahrungen und situativen Einflüssen abhängig. Ähnlich wie bei der Debatte um „Killerspiele“ darf man also nicht verallgemeinernd schlussfolgern, dass alle Leser zweifelhafter erotischer Texte zwangsläufig sexistische, frauenfeindliche oder gewaltverherrlichende Tendenzen entwickeln. Ein gewisses Risiko ist aber trotzdem vorhanden.

Eine weitere Studie aus den USA konnte darüber hinaus zeigen, dass Frauen, die zumindest einen Teil der „50 shades“-Reihe gelesen hatten, stärkere sexistische Tendenzen aufwiesen als solche, die keines der Bücher gelesen hatten. Zum Beispiel stimmten sie Aussagen wie „Frauen sollten von Männern beschützt werden“ stärker zu als andere. Das galt im Besonderen für jene Frauen, die den Roman als „romantisch“ einstuften. Diese wiesen nicht nur stärkere Formen von „wohlwollendem Sexismus“ gegenüber Männern auf („der Mann ist das starke Geschlecht und der Beschützer“), sondern auch von feindseligem Sexismus gegenüber Frauen („Frauen nutzen Männer aus und erringen Macht, indem sie Kontrolle ausüben“). Eine andere Forschergruppe fand heraus, dass Frauen, die „50 shades“ gelesen hatten, häufiger mit verbal aggressiven Partnern zusammen waren als solche, die es nicht gelesen hatten (allerdings gab es keinen Unterschied in Bezug auf erlebte Partnergewalt oder negative sexuelle Erfahrungen). Bei diesen Befunden handelt es sich um querschnittlich erhobene Daten, d.h. es darf hier kein Rückschluss auf eine Kausalität gezogen werden. Zu schlussfolgern, dass die Lektüre von „50 shades“ Frauen zu Sexistinnen oder Männer zu Vergewaltigern macht, ist falsch. Ebenso gut ist möglich, dass ein bestimmter Typus von Frauen von solchen Büchern besonders angezogen wird. Abgesehen davon handelt es sich um Aussagen, die sich auf eine sehr große Gruppe von Frauen beziehen, und daher nicht den Einzelfall repräsentieren.

Medien und Manipulation

Zusammenfassend lässt sich sagen: Es scheint einen Zusammenhang zu geben zwischen der Romantisierung von Missbrauchserfahrungen in Büchern und persönlichen Einstellungen zu Genderrollen und Beziehungsdynamiken. Ganz gleich, wie dieser Zusammenhang gestaltet ist, er ist nicht unproblematisch. Frauen, die bereits eine missbräuchliche Beziehung erlebt haben, finden in entsprechenden Erotik-Romanen unter Umständen eigene Erfahrungen wieder, die hier als romantisch verkauft werden (z.B. Stalking, Einschüchterung, Gefügig machen mittels Alkohol oder soziale Isolierung des Partners) und könnten dadurch in der Wahrnehmung ihrer eigenen Situation beeinflusst werden. Auch bereits vorhandene stereotype Einstellungen zu Männer- und Frauenrollen können durch die wiederholte Konfrontation mit Literatur, die diese Einstellungen vertritt und in ein positives Licht rückt, gefestigt werden.

Wer hingegen fest mit beiden Beinen im Leben steht, eine gesunde Beziehung führt, eine klare Einstellung zu sich und der Welt hat und sich bewusst von Gender-Klischees distanziert, wird mit Sicherheit auch nach der Lektüre nicht Gefahr laufen, diese Einstellungen zu übernehmen. Die Empfehlung kann und darf also nicht heißen, solche Bücher nicht mehr zu lesen, sondern sich kritisch mit den Inhalten auseinanderzusetzen, zu reflektieren und über das Gelesene nachzudenken.

Die Schönheit von Guilty Pleasures

Hand aufs Herz, wir alle haben unsere Guilty Pleasures, Vorlieben, für die wir uns ein bisschen schämen, die aber trotzdem Spaß machen. Wir schauen das „Dschungelcamp“, obwohl wir wissen, dass es entwürdigend ist. Wir lesen Klatschzeitschriften über den neuesten Promi-Tratsch. Wir schauen den „Bachelor“, „Bauer sucht Frau“ oder andere Kuppelshows, obwohl uns klar ist, wie sexistisch die Darstellungen teilweise sind. Forschungen zeigen, dass der Konsum solcher Shows den sozialen Vergleich anregt – und verglichen mit den armseligen Gestalten aus gängigen Reality Shows kommen wir als Konsumenten ja ziemlich gut weg. Das unterstützt den positiven Selbstwert.

Bei aller Liebe zum voyeuristischen Medienkonsum dürfen wir aber nicht vergessen, solche Format zu hinterfragen und ihre Wirkung auf uns kritisch zu beleuchten. Das gilt auch – und vor allem – für Romane aus dem Erotik/Romantik-Spektrum, die missbräuchliche Beziehungsmuster romantisieren.

Ganz ehrlich? Es ist doch paradox, dass wir einerseits eine Me-Too-Debatte führen und andererseits den „Mächtiger Millionär macht sich junges Mädchen gefügig“-Trope als romantisches Beziehungsbild hinnehmen. Der Aschenputtel-Traum ist in Zeiten von Weinstein, Wedel und wie sie alle heißen zu einem realen Alptraum geworden, und da erscheint es sehr suspekt, wenn wir diese auf Machtgefälle basierenden Beziehungen wie in „50 Shades“ als romantisches Märchen abtun.

Fazit

So, puh, das ist ein langer Text geworden, aber es ist ja auch kein einfaches Thema und blinde schwarz-weiß-Malerei hilft einer Diskussion auch nicht auf die Sprünge, sondern würgt sie meistens nach wenigen Worten ab. Deswegen noch einmal kurz zusammengefasst meine Take-Home-Message:

  • Romane, in denen missbräuchliche Beziehungen romantisiert werden, sind nicht unproblematisch. Vor allem auf vulnerable Menschen können solche Medieninhalte einen gewissen Einfluss ausüben und bestehende Stereotype festigen oder eigene Erfahrungen in ein falsches Licht rücken.
  • Das Lesen solcher Literatur macht einen Menschen nicht zum Sexisten, umgekehrt ist auch nicht jeder Sexist, nur, weil er diese Bücher liest. Wichtig ist, Inhalte zu hinterfragen, zu reflektieren und sich Gedanken darüber zu machen. Solange man das tut, kann und darf man lesen, was man will. Guilty Pleasures können Spaß machen und sogar den Selbstwert eines Menschen positiv beeinflussen, doch eine gewisse Distanz zu den Inhalten kann trotzdem nicht schaden, vor allem auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene.
  • Auch AutorInnen fiktionaler Texte haben eine Verantwortung. Die Ausrede „das ist doch Fantasy/reine Fiktion, das muss man nicht ernst nehmen“ zählt nicht. Jedes Medium übt Einfluss auf die Leser aus, vor allem dann, wenn bewusst Identifikationsfiguren geschaffen werden, die (junge) Frauen für sich adaptieren. Diesen Fakt zu ignorieren ist fahrlässig.

So, und jetzt bin ich natürlich gespannt auf eure Meinung. Wie geht ihr mit solchen Büchern um? Wie schwerwiegend seht ihr die Problematik dahinter? Was wären gute Strategien, um sich dem Diskurs zu nähern? Lasst es mich gerne wissen.


Wer sich weiter mit dem Thema befassen möchte, für den verlinke ich gerne weitere Blogartikel oder Statements. Postet weitere Links gerne in den Kommentaren, dann füge ich sie an.

Verwischte Grenzen: Wenn Literatur toxisch wird (Stürmische Seiten)

Rape Fiction – Muss das wirklich sein? (Frau Schreibseele)

Rapefiction Debatte – es geht um alles, aber nicht um Sex (Geekgeflüster)

Rezension zu „Paper Princess“ (Kitsune Books)

Kommentar zu „Paper Princess“ (Kielfelder Blog)

„Man darf ja bald gar nichts mehr sagen!“ oder: Wie man unmoralische Handlungen handwerklich gut in fiktionalen Texten verpackt (Schreib‘ Kunst!)

 

[1] Alle wissenschaftlichen Studien, die ich hier konkret nenne, habe ich verlinkt, allerdings sind einige nicht offen zugänglich. Sollte daran Interesse bestehen, schreibt mir eine Email.

Phantastische Weihnachten

Fantasy-Lesetipps für den Weihnachtsbaum

Ho, ho, ho, nur noch wenige Tage bis Weihnachten! Habt ihr schon alle Geschenke zusammen? Ich auch nicht, zugegeben. Aber Bücher sind doch immer schöne Ideen. Zugegeben, im letzten Jahr habe ich wenig Neuerscheinungen gelesen, aber ein paar davon möchte ich euch heute in diesem Beitrag vorstellen, vielleicht ist ja etwas für euch oder eure Lieben dabei.

Ich hab mich entschieden, euch ein paar Werke abseits des Mainstreams zu zeigen, die – obwohl sie alle Fantasy sind – ganz unterschiedliche Vorlieben bedienen. Wenn ihr euch lieber bei den Publikumsmagneten umsehen wollt, dann könnt ihr ja einen Blick auf die Phantastik-Bestenliste werfen oder euch die Fantasy-Gewinner des Lovelybook-Awards näher anschauen.

Die Taschenbücher habe ich auf den Autorenwelt-Shop verlinkt, dort könnt ihr schnell und einfach Bücher bestellen und noch dazu Autorinnen und Autoren unterstützen. Die Ebook-Links führen zu Amazon.


Intergalaktische Weihnachten

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Titel: Blind (Sternenbrand 1)
Autorin: Annette Juretzki
Erschienen bei: Traumtänzer Verlag
Genre: Science Fiction

Klappentext: Söldner landen auf Xenens rückständigem Planeten und so charmant ihr Anführer Jonas Brand auch sein mag, so kompromisslos ist er bei seinen Zielen. Als eine friedliche Verhandlung scheitert, findet sich Xenen schwerverletzt auf ihrem Raumschiff wieder – was ihm ziemlich schnell besser gefällt, als gut für ihn ist. Seine Neugierde treibt ihn in immer größere Gefahren, vor denen ihn auch der Außerirdische Zeyn nicht schützen kann. Selbst als ein Attentäter nach seinem Leben trachtet, wählt Xenen Freiheit über Sicherheit. Aber warum wünscht ein völlig Fremder seinen Tod? Und welches Geheimnis umgibt seinen Heimatplaneten? Manche Antworten wiegen Jahrhunderte schwer …

Warum solltest du dieses Buch lesen? „Blind“ war mein Jahreshighlight 2017. Annette Juretzkis Schreibstil ist unglaublich bildhaft und mitreißend, voll außergewöhnlichen Metaphern. Mit viel Einfühlsamkeit und Geschick beschreibt die Autorin die Konflikte und Beziehungen zwischen den Charakteren, die durchweg authentisch wirken. Die verschiedenen intergalaktischen Spezies sind mit viel Einfallsreichtum und Kreativität geschaffen und bieten eine ganz eigene Welt, in der auch queere und diverse Figuren stark repräsentiert sind. Hinzukommt ein spannender Hintergrundplot von Verrat, Intrigen und Geheimnissen, der den Roman zusätzlich zu einem Pageturner macht.

Für wen ist es geeignet? Für erwachsene Fans von ungewöhnlichen, vielschichtigen Charakteren, spannenden Plots und intensiven zwischenmenschlichen Konflikten, die ganz ohne Kitsch und Pathos auskommen.

Themen: Identität, Verrat, Loyalität, Xenophobie, Verantwortung, Glaube, Gefühle, Beziehungen

Erhältlich als: Taschenbuch und Ebook; der zweite Teil „Blau“ ist bereits Anfang Dezember erschienen


 

Cyberpunkige Weihnachten

Titel: Toten51CPq3H2qWL._SY346_nacht (Der Nekromant, Teil 1)
Autor: M.R. Forbes
Erschienen bei: Mantikore Verlag
Genre: Urban Fantasy, Cyberpunk

Klappentext: In einer Zeit, in der die Magie in die Welt zurückgekehrt ist, schlägt sich Conor Night mit dubiosen Gelegenheitsjobs durchs Leben. Er hat die Fähigkeit Tote zum Leben zu erwecken, doch er selbst ist todkrank. Nur eine verbotene Substanz erhält ihn am Leben. Als er ein lukratives Jobangebot bekommt, kann er nicht widerstehen. Schon bald steht er Mächten gegenüber, die ihm weit überlegen sind. Doch auch Conor hat ein paar Tricks auf Lager, mit denen seine Gegner nicht rechnen …

Warum solltest du dieses Buch lesen? M.R. Forbes hat einen ausgesprochen zynischen, schwarz-humorigen Erzählstil, der beim Lesen sehr viel Spaß macht. Die Welt, die er geschaffen hat, erinnert in vielen Aspekten an das Rollenspiel „Shadowrun“, bietet aber genug eigene Ideen, um keine reine Kopie zu sein. Die Figuren sind schnoddrig, kühl, verbittert, aber taff und durchgehend interessant. Ein spannender Auftakt zu der dreiteiligen Reihe um Conor Night.

Für wen ist es geeignet? Für Fans von Urban Fantasy, die auf erwachsene Akteure und Geschichten ohne kitschige oder fragwürdige Romanzen stehen und eine gute Portion Zynismus und dreckigen Humor abkönnen. Vor allem Shadowrun-Fans kommen hier auf ihre Kosten.

Themen: Leben, Tod, Magie, Technisierung, Intrigen, Politik, Xenophobie

Erhältlich als: Taschenbuch und Ebook


 

Märchenhafte Weihnachten

51Upa3fHx+L._SY346_Titel: Tanz der Feuerblüten
Autorin: Janna Ruth
Erschienen bei: Ueberreuther Verlag
Genre: Fantasy, Märchen, Young Adult

Klappentext: Im Palast des Abendrots strebt alles nach vollkommener Schönheit: Wasser, Metall, Holz und Luft werden zu bewundernswerten Kunstwerken geformt, an denen sich die höfische Gesellschaft ergötzen kann. Als der junge Schwerttänzer Jinnan aus der Provinz den Hof betritt, fühlt er sich unbeholfen und von der komplizierten Etikette überfordert. Dann jedoch trifft er auf die bildhübsche Ayaka und lässt sich von ihrem Luftspiel verzaubern. Wider jegliche Vernunft versucht Jinnan, Ayakas Herz zu erobern – wohl wissend, dass er mit dem Feuer spielt …

Warum solltest du dieses Buch lesen? Janna Ruth Debüt ist ein Märchen von besinnlicher Schönheit. Die Autorin erzählt nicht nur eine einfühlsame, stimmige Liebesgeschichte, sondern hält obendrein ein starkes Plädoyer für die Macht der Natur und die Betonung innerer Werte über äußere Schönheit. Geschickt verbindet sie Elemente fernöstlicher Märchen mit einer zarten, liebevoll inszenierten Romanze und einer spannenden Geschichte über dunkle Mächte und den Hochmut der Zivilisation. Eine tolle Lektüre, gerade für trostlose Wintertage.

Für wen ist es geeignet? Für jugendliche und erwachsene Leser, die gerne im Märchen versinken, authentische Liebesgeschichten mögen und sich in einem traumhaften magisch-fernöstlichen Setting verlieren wollen.

Themen: Liebe, Natur, Magie, Märchen, Naturgeister, Ästhetik, Identität

Erhältlich als: Ebook


Klassisch phantastische Weihnachten

51aqOI+oplL._SY346_Titel: Das Relikt der Fladrea (Teil 1 der Fladremin-Reihe)
Autor: Dominik Schmeller
Erschienen bei: Mantikore Verlag
Genre: High Fantasy, Young Adult, All Age

Klappentext: Ein magisches Relikt. Ein verschollenes Volk. Ein Mädchen, das seine Geschichte sucht.

Die lebhafte Larima wurde als Säugling im Wald gefunden. Den einzigen Hinweis zu ihrer Herkunft findet sie auf einem Amulett mit seltsamen Symbolen. Als sie erfährt, dass sie verheiratet werden soll, reißt sie aus und versucht gemeinsam mit ihrem Ziehbruder dem Geheimnis um ihre eigene Geschichte auf die Spur zu kommen. Eine gefährliche Reise beginnt, denn dieses Geheimnis hat nicht nur für Larima einen hohen Wert…

„Das Relikt der Fladrea“ ist der erste Band der dreiteiligen Fladremin-Fantasy Reihe

Warum solltest du dieses Buch lesen? Dominik Schmeller entführt seinen Leser in eine nordisch angehauchte Fantasy-Welt, die dank anschaulicher Beschreibungen und viel Detailliebe im Kopf lebendig wird. Mit seiner Protagonistin Larima schafft er eine sympathische Heldin, mit der sich vor allem jugendliche Fantasy-Leserinnen schnell identifizieren können. Als Auftakt zu einer Trilogie bietet die Fladremin-Saga damit viele, spannende Lesestunden.

Für wen ist es geeignet? Für Fantasy-Fans allen Alters, die klassische Geschichten über alte Artefakte, boshafte Schurken und magische Geheimnisse lieben und gerne eine junge Heldin auf dem Weg zu ihren Wurzeln begleiten wollen.

Themen: Identität, Magie, Familie, Geheimnisse

Erhältlich als: Taschenbuch und Ebook


 

Na, ist da etwas für euch dabei? Kennt ihr die Bücher schon? Welche Fantasy-Geschichten wollt ihr zu Weihnachten verschenken?

Das böse K-Wort

Klischees in der Literatur – akzeptieren, umgehen oder modifizieren?

„Wer Klischees bedient, hat die treuesten Stammgäste.“
– Karl-Heinz Karius

Mit dem Hashtag #buchbingo hat Buchnom auf Twitter vor wenigen Tagen einen regelrechten Sturm ausgelöst. Hunderte Literatur-Fans fassten darunter lästige Buchklischees zusammen, die sie nicht mehr lesen möchten. Häufig ging es dabei um altbackene Liebesgeschichten, abgedroschene Phrasen oder ausgelutschte Plot-Elemente.

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Beispieltweets zu #buchbingo

Der überraschende Hype wurde zwiespältig aufgenommen. Sind Klischees wirklich so schlecht? Sollte man sie verdammen – oder ist eine Spur Klischee sogar wichtig? Und kann man Klischees denn überhaupt grundsätzlich vermeiden?

Starten wir mit der ganz basalen Frage: Was sind überhaupt Klischees?

Kognitive Abkürzungen

Klischees – auch Stereoytpe – sind im Grunde nichts anderes als kognitive Abkürzungen, so genannte „Heuristiken“. Gewisse Eigenschaften einer Person bzw. Personengruppe oder auch bestimmte Handlungsverläufe sind in unserem Gehirn nahe beieinander abgespeichert und werden deswegen bevorzugt gemeinsam abgerufen. Sie werden durch eigene Erfahrungen, Erziehung oder auch durch die Medien geprägt und verfestigen sich im Laufe der Jahre. Gegenläufige Erfahrungen, die diesen Klischees oder Stereotypen nicht entsprechen, können diese ins Bröckeln bringen, in der Regel ist dafür aber ein längerer Zeitraum erforderlich. Außerdem belegen Studien, dass Menschen besonders häufig nach solchen Informationen suchen, die ihre Einstellungen und Weltbilder unterstützen, dadurch werden auch Klischees verfestigt (Stichworte für Interessierte: „shared information bias“, „selective exposure effect“).

Klischees sind eine weit verbreitete Wohlfühlzone. Sie sind einfach, simpel und erfordern wenig mentale Kapazität. Wie viel einfacher ist es, zum Beispiel, einer taffen Karrierefrau sofort die Attribute „kühl“, „berechnend“ und „ehrgeizig“ zuzuschreiben, als sie zu beobachten, sich mit ihr auseinanderzusetzen und ihren Charakter über längeren Zeitraum hinweg zu ergründen. Bei Romanen und Plotstrukturen gilt dasselbe: Es ist viel entspannter, von vorneherein mit einem fröhlichen Happy End zu rechnen, bei dem sich Protagonist/in und Love Interest in den Armen liegen, als zu abstrahieren, was sonst noch passieren könnte. Klischees sitzen in jedem von uns, sie sind normal und menschlich. Genau deswegen müssen wir uns ihrer auch bewusst werden und uns überlegen, wie wir damit umgehen.

Was Klischees so prägnant macht

Stereotype und Klischees haben die Eigenheit, in sich schlüssig und stimmig zu sein, deswegen sind sie einfach zu bedienen und zu merken. Ein Beispiel: Der Nerd, der am liebsten „World of Warcraft“ zockt, hat wenig Interesse an Sport, deswegen ist er übergewichtig, isst Fast Food und bleibt lieber für sich. Ein stimmiges Konzept, aber eine Spur zu einfach. Nicht alle Nerds sind übergewichtig. Nicht alle Übergewichtigen meiden Sport. Und so weiter und so fort. Klischeefalle. Das ist das gemeine an Klischees, wir begegnen ihnen – vermeintlich – an jeder Ecke. In Wahrheit ist das aber nur ein Trugschluss, denn obwohl zwischen manchen Eigenschaften mit Sicherheit ein Zusammenhang besteht (z.B. Musikgeschmack und Kleidungsstil) neigen wir dazu, Klischees besonders leicht im Gedächtnis zu behalten. Wenn jemand dem Idealbild eines gewissen Personentypus entspricht, positiv wie negativ, dann merken wir uns das besser, als wenn er in einem oder zwei Punkten davon abweicht.

Zusätzlich sind Klischees oft erschreckend präsent. Nehmen wir als kontroverses Beispiel den „kriminellen Außenseiter“. Kommt es zu einem Amoklauf, sind die Medien anschließend voll von Informationen über die schlechte soziale Anpassung des Täters, seine „gestörten“ Vorlieben (Ballerspiele o.ä.) und seine Faszination für Waffen. Dadurch entsteht in den Köpfen der Konsumenten ein vermeintlich konsistentes Bild des „Amokläufers“. Dass es in Deutschland Tausende junger Menschen gibt, auf die dieselben Eigenschaften zutreffen, ohne dass sie je gewalttätig werden, nimmt die Masse nicht wahr. Ebenso wenig, wenn einzelne Täter nicht dem klassischen Profil entsprechen. Genau dieser Wahrnehmungsfehler macht uns so anfällig dafür zu glauben, Klischees würden die Welt beherrschen.

Positive Klischees

Grundsätzlich sollte man, nach meiner Ansicht, zwei Typen von Klischees unterscheiden, die positiven und die negativen. Positive Klischees sind Stereotype, mit denen wir uns wohlfühlen: Die kauzige, aber liebevolle alte Dame von nebenan. Der charmant-freche Draufgänger mit dem Herz aus Gold. Das Pärchen, das sich zuerst nicht ausstehen kann, aber am Ende zueinander findet.

Märchen, Disneyfilme und Hollywood-Blockbuster arbeiten häufig mit diesen Klischees. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, abgesehen von der Tatsache, dass sie schnell langweilig und abgedroschen werden. In einer gewissen Dosis sind sie nett, schaffen Vertrautheit, Komfort und Wiedererkennungswert  – nehmen sie überhand, sind sie lästig oder fade.

Problematisch wird es an dem Punkt, an dem positive Klischees ihrerseits in Vorurteile münden können, Beispiele dafür sind positiver Rassismus oder die „Überhöhung“ bestimmter Personengruppen als übermäßig klug, begabt oder schön. Hier ist definitiv Vorsicht geboten.

Negative Klischees

Unter den Punkt negative Klischees subsummiere ich jede Form von Pauschalisierung und Diskriminierung. Die Außenseiterin mit dem seltsamen Kleidungsgeschmack, die zur Killerin wird. Der tuckige Schwule mit dem Faible für Schuhe. Das hässliche, unglückliche Entlein, das nach Diät und Schönheitskur zur glücklichen Märchenprinzessin mutiert und den Traumboy abbekommt.

Diese Form von Klischee ist gefährlich, denn dadurch können Vorurteile verstärkt und in Folge dessen Diskriminierung vorangetrieben werden, z.B. Fat shaming, homophobes oder sogar rassistisches Gedankengut. Vor dieser Verantwortung sind auch Autoren fiktionaler Werke nicht gefeit, denn egal ob fiktiv oder real, Verbindungen im Gehirn bilden sich durch Wiederholung. Je häufiger man also mit diesen negativen Klischees konfrontiert wird, desto höher die Gefahr, dass sie sich als festes Vorurteil im Kopf verankern.

Wie gehe ich mit Klischees um?

Grundsätzlich stehen einem Autor drei Möglichkeiten offen, mit Klischees oder Stereotypen umzugehen.

Ich benutze sie!

Gute Klischees sind nichts Schlimmes, sofern sie in Maßen dosiert werden. Gewisse Archetypen sorgen Leserinnen und Lesern für Sympathie und Wiedererkennungswert, sie erinnern sie an ähnliche Figuren oder Menschen aus dem echten Leben, die sie schätzen. Wichtig ist nur, diese Charaktere nicht zu Abziehbildern zu degradieren, sondern ihnen eine Persönlichkeit zu geben, sonst droht es langweilig und flach zu werden. Was grenzt die nette Dame von nebenan von allen freundlichen alten Frauen ab, die es so gibt? Was macht aus ihr einen Menschen anstelle eines Archetyps? Oft ist gar keine Hexerei erforderlich, sondern nur eine Beschäftigung mit der Frage: Warum ist diese Figur so, wie sie ist? Welche Stärken und Schwächen hat sie? Wie wirkt sie auf den Betrachter? Mit etwas Fingerspitzengefühl und Liebe zum Detail wird so aus einem abgedroschenen Klischee eine stimmige, interessante Figur.

Viele Klischees machen auch einfach Spaß, seien wir ehrlich, und es ist nichts Verwerfliches daran, Freude an bestimmten Tropes und Handlungselementen zu haben. Kein Autor wird das Rad neu erfinden, und wenn ein klassisches Element schön, interessant und stimmig umgesetzt wird, gibt es keinen Grund, das zu verdammen.

Ich umgehe sie!

Schlechte Klischees sollte man vermeiden, gerade weil wir ihnen – vermeintlich – so oft begegnen und die Gefahr besteht, dass sich das Vorurteil noch tiefer in den Köpfen einbrennt. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob es sich um einen Contemporary oder einen Fantasy-Roman handelt. Sicherlich ist die Gefahr, ein Klischee in die Realität zu übertragen, bei realistischen Geschichten höher, sie existiert aber immer. Für jeden Charakter können wir eine Entsprechung in unserer Realität finden und unsere Antipathien oder vorgefertigten Meinungen auf ihn übertragen.

Oft ist es nicht leicht, solche Klischees zu erkennen, denn auch Autorinnen und Autoren sind nur Menschen. Klischees oder Stereotype im Kopf zu haben ist kein Anzeichen von mangelnder Intelligenz oder Engstirnigkeit, sondern ein Effekt unserer Umwelt und unserer menschlichen Natur. Gerade deswegen müssen wir aber besonders genau hinsehen, uns immer wieder daran erinnern und reflektieren. Diesem Anspruch können wir nicht enftliehen.

Ich spiele mit ihnen!

Das ist sicherlich die Königsdisziplin im Umgang mit Klischees und erfordert ein gewisses Fingerspitzengefühl. Klischees können bewusst ausgenutzt und aufgebrochen werden. Vielleicht entpuppt sich die nette alte Dame ja als hinterhältiges Biest. Der knallharte Badboy guckt am liebsten Gilmore Girls und lebt in einer stabilen, glücklichen Beziehung. Die mollige schwarz gekleidete Außenseiterin ist die Beste im Hockeyteam und dort unheimlich beliebt. Klischees sind eine schöne Möglichkeit, mit Lesererwartungen zu spielen und diese bewusst aufzubrechen, um damit Spannung zu erzeugen und Vorurteile oder Stereotype Lügen zu strafen.

Wichtig ist natürlich, dass dieser Bruch trotzdem stimmig wirkt und schlüssig erklärt werden kann. Starkes Übergewicht und Hochleistungssport schließen sich zum Beispiel in vielen Bereichen aus. Auch bestimmte Persönlichkeitseigenschaften passen mitunter nicht gut zusammen. Recherche und eine intensive Beschäftigung mit den eigenen Figuren und Plots ist also in jedem Fall unerlässlich. Nachteilhaft ist zudem, dass die meisten Klischee-Brüche mittlerweile selbst zu Klischees geworden sind. Der Klassiker ist die rebellische Prinzessin, die nicht im Turm eingesperrt auf ihren Traumprinzen wartet, sondern selbst das Schwert schwingt. Ursprünglich war die Märchenprinzessin selbst das Klischee, mittlerweile ist ihre Umkehrung auch zu einem geworden.

Fazit und Ausblick

Kommen wir zu einem Fazit: Was machen wir mit den Klischees? Fakt ist, es ist immer wichtig, den eigenen Plot und die Hauptfiguren auf unnötige, vielleicht sogar negative Klischees abzuklopfen. Bin ich in eine Klischeefalle getappt? Wenn ja, ist es schlimm, rückt es die betreffenden Personen in ein schlechtes Licht? Hier kann es helfen, bei Unsicherheiten Betroffene zu fragen und z.B. „Sensitivity Reader“ zu suchen.

Auch auf Handlungsebene ist es ratsam, klischeehafte Wendungen oder altbackene Plotelemente genauer anzuschauen, Testleser/innen dafür zu sensibilieren oder Lektoren/innen darauf hinzuweisen. Manchmal machen Klischees einfach Spaß oder gehören zur Konvention einzelner Genres. Ein Märchen erfordert z.B. andere Strukturen und Ideen als ein Science-Fiction-Epos undin der Regel ist es nicht ratsam, Lesererwartungen zu arg zu enttäuschen. Eine locker-flockige Stadt-Romanze, die am Ende in einem Massaker endet, ist zwar untypisch, könnte die Zielgruppe aber arg verstören. 😉

Klischees müssen also nichts Schlechtes sein, im Gegenteil, gut umgesetzt und interessant aufbereitet schaffen sie Vertrautheit und einen Wiedererkennungswert.  Es schadet aber nicht, sie hin und wieder auch zu hinterfragen. Hashtags wie #buchbingo sind dabei gute Wegweiser, solange man sie nicht verabsolutiert.


Ich gebe ja offen zu, es gibt einige Klischees, die liebe ich abgöttisch. Der sarkastische Draufgänger, zum Beispiel, der nichts ernst nehmen kann, oder der verbitterte Haudegen, der schon mit dem Leben abgeschlossen hat, bevor … ihr wisst schon. 😉 Und auf den „wir finden uns zuerst total blöd und am Ende verlieben wir uns doch“-Trope stehe ich auch ziemlich. Was ich dagegen gar nicht leiden kann, sind platt konstruierte Romanzen nach Schema F und alles, was mit Auserwählten zu tun hat.

Wie ist das bei euch, welche Klischees habt ihr gern, welche könnt ihr nicht mehr sehen? Und wie geht ihr als Autoren/innen mit Klischeefallen um? Bin gespannt. 🙂


Vielen Dank an Christian Milkus, Melanie Vogltanz, Herrn Booknerd und Buchnom für die Erlaubnis, ihre Tweets einzubinden.

 

 

Anm.: Ich bin ab Samstag im Urlaub, werde also ab diesem Zeitpunkt auf Kommentare erst Mitte nächster Woche reagieren können.

 

[Bericht] Bücher, Menschen, Emotionen

Ein Messe-Wochenende im Rückblick

Das turbulente Messe-Wochenende in Frankfurt ist vorüber – und zum ersten Mal war ich mitten drin im Messewahnsinn. Eine tolle, intensive Erfahrung, über die ich euch ein bisschen erzählen möchte.

Buchmesse Convent – Familientreffen mal anders

Der Samstag gehörte ausnahmslos dem Buchmesse Convent, einem kleinen, aber feinen „Ableger“ der großen Frankfurter Messe in Dreieich, der ganz im Zeichen der Phantastik steht. Dort treffen sich jährlich nicht nur zahlreiche kleine bis mittlere Phantastik-Verlage, sondern auch die Größen der deutschen Fantasy-Literatur wie Markus Heitz, Bernhard Hennen (dieses Jahr leider wegen Krankheit verhindert), Robert Corvus oder Kai Meyer geben sich dort die Ehre. Der BuCon (DER, wichtig 😉 ) ist eine Veranstaltung auf Augenhöhe, mehr ein Familientreffen als wirklich eine Messe. Das „du“ erscheint völlig selbstverständlich, ganz gleich ob bekannte Fantasy-Größe, Kleinverlagsautor oder interessierter Leser. Hier kann jeder mit jedem plaudern, Fragen stellen oder eine schöne Widmung in sein Buch schreiben lassen, wofür man im kaum 30 min entfernten Messegelände Frankfurt stundenlang in einer Schlange steht. Der BuCon lebt von einer familiären, sympathischen, offenen Atmosphäre und ist damit der ideale Ort, um im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Kontakte zu knüpfen.

IMG_20171018_195853_077Obwohl ich den BuCon jetzt schon zum dritten Mal besucht habe, war es für mich eine neue Erfahrung, als Debüt-Autorin dort zu sein, als VIP, sozusagen (zumindest wies mich mein Schild als solchen aus, siehe Foto). Ich hatte sogar einen der begehrten Leseslots ergattert und das kleine Holodeck war tatsächlich sehr gut gefüllt. Besonders gefreut haben mich aber die vielen, positiven Rückmeldungen und die Tatsache, dass die Lesung einige Zuhörer noch zum Kauf motivieren konnte. Wenn das kein schönes Lob ist.

Wie üblich habe ich mich riesig gefreut, viele Freunde aus dem Tintenzirkel dort zu treffen, Bekanntschaften vom LitCamp in Heidelberg zu erneuern und einige tolle Menschen kennen zu lernen, denen ich bisher nur virtuell begegnet bin. Ich gebe zu, ich war extrem gerührt, dass mich tatsächlich Leute bereits kannten, sei es von Twitter oder durch Mundpropaganda  – irgendwie hab ich das mit meinem plötzlichen Ruhm noch nicht so verdaut. 😉 Ein paar dieser schönen Begegnungen habe ich auf Fotos festgehalten, aber leider nicht alle – zu schade.

Die meiste Zeit hab ich letztlich am  Mantikore-Stand verbracht, zusammen mit meinen sympathischen Kollegen Mario Steinmetz und Dominik Schmeller. Tatsächlich hab ich das sehr angenehme Gefühl, an diesem Wochenende noch mehr in die Mantikore-Verlagsfamilie hineingewachsen zu sein, der virtuelle Kontakt ersetzt eben nicht den persönlichen.

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v.l. Dominik Schmeller, Elea Brandt & Mario Steinmetz; (c) Foto Elchis World of Books and Craft)

Alles in allem war es ein wahnsinnig toller, aufregender Tag mit sehr vielen Highlights, nicht zuletzt das gemeinsame Abendessen mit netten Tintenzirklern, das den BuCon abgerundet hat. Am Ende des Tages bin ich sehr glücklich, aber auch todmüde ins Bett gefallen.

Buchmesse – die pure Reizüberflutung

Den Sonntag hatte ich mir für die Frankfurter Buchmesse vorgemerkt, mein erster Besuch dort. Zugegeben, ich war von der Weitläufigkeit und der Größe des Angebots erstmal komplett erschlagen und aufgrund der begrenzten Zeit habe ich mich vor allem in den Hallen 3.0 und 3.1 herumgetrieben, also bei den Publikums- und Phantastik-Verlagen. Ich hab mich sehr gefreut, einige bekannte Gesichter zu treffen, und der Nachmittag am Mantikore-Stand hat mir sogar ein paar wunderschöne Fan-Kontakte beschert (ich habe Fans – das muss ich erstmal verarbeiten :D).Zwischen Bücher signieren und wohl platzierter Werbung blieb aber auch Zeit für persönliche Gespräche mit Verlag und Kollegen bei einem Becher Kaffee. Sehr entspannt und konstruktiv.

Projekte, Pläne und Ideen

Neben all diesen wunderschönen Eindrucken und interessanten Menschen konnte ich den BuCon und die Buchmesse auch für das eine oder andere sondierende Gespräch nutzen, auch wenn das für mich nicht im Vordergrund stand. Meine Pläne fürs nächste Jahr sind ja schon weitgehend in trockenen Tüchern. Trotzdem hat es mich sehr gefreut zu hören, dass der erste Lektoratsdurchgang für „Sand & Wind“, das 2018 im Verlag Ohneohren erscheinen wird, bald abgeschlossen ist, das heißt, ich bekomme bald wieder Arbeit. Auch die Coverarbeiten laufen bereits, ich bin schon extrem gespannt. Auch mit dem Mantikore Verlag gibt es weitere Pläne für eine Zusammenarbeit, eine Kurzgeschichten-Anthologie ist in Planung und – wenn alles passt – auch ein weiterer Roman. Da muss ich mich aber erstmal hinter ein Exposé klemmen. Darüber hinaus konnte ich einige tolle Blogger-Bekanntschaften knüpfen und hoffe sehr, dass daraus eine längerfristige Zusammenarbeit entsteht. Solche Kontakte sind unschätzbar wertvoll.

Ein paar ernste Worte zum Schluss

Ganz kann ich leider nicht darauf verzichten, zum Schluss auch noch ein paar ernste Dinge anzusprechen. Dafür ist es mir zu wichtig. Ich gebe zu, ich bin am Sonntag mit gemischten Gefühlen auf die Frankfurter Buchmesse gefahren, denn obwohl ich am Samstag in Dreieich und damit recht weit weg von den Ereignissen war, habe ich auf Twitter von den Ausschreitungen gehört. Wer es nicht mitbekommen hat: Im Zuge des Auftritts rechtsextremer Verlage auf der Buchmesse und einer Rede Bernd Höckes kam es zu Auseinandersetzungen, bei denen unter anderem ein Verleger von einem rechten Zuhörer ins Gesicht geschlagen wurde (einen Bericht gibt es z.B. in der Süddeutschen Zeitung).

Ich möchte mich ehrlich gesagt nicht umfänglich zu den Vorfällen äußern, weil ich nicht dabei gewesen bin, aber es gibt einige interessante Meinungen dazu, zum Beispiel von Sven Hensel oder von Bücherkrähe. Ich finde es ehrlich gesagt schlimm, dass ein Ort der Weltoffenheit, des Austausches und der Gemeinschaft, wie es eine internationale Buchmesse sein sollte, für rechte Propaganda instrumentalisiert wird. Ein Ort, an dem Menschen aus allen Ländern zusammenkommen, und an dem jährlich ein Friedenspreis für Literatur verliehen wird. Absurd und traurig.

Noch habe ich keine zündende Idee, wie mit diesem Umstand umgegangen werden sollte, denn ich fürchte, Redeverbote können nicht die Lösung sein. Sie helfen den Aufrühren, Hetzern und Bauernfängern nur dabei, sich in eine Opferrolle zu stilisieren, die wir ihnen nicht zugestehen dürfen. Nicht sie sind die Opfer, sondern jene, die sie diskriminieren, ausgrenzen und kleinreden. Ich hoffe aber schwer, dass es eine konstruktive Auseinandersetzung mit diesem Vorfall geben wird und dass sich solche Ereignisse nicht wiederholen. Es darf nicht sein, dass sich Menschen auf einer Buchmesse unwohl oder sogar gefährdet fühlen. Das steht in keinem Verhältnis zu einer demokratischen Gesellschaft.

Ich möchte dieses Thema mit den Worten Margaret Atwoods abschließen. Sie hat am Wochenende den Friedenspreis des deutschen Buchhandels entgegen genommen und dabei unter anderem folgende Worte gefunden (die komplette Rede findet sich hier).

„Lassen Sie uns hoffen auf eine Welt, in der solche Gaben noch immer möglich sind. Lassen Sie uns keine Türen schließen und Stimmen zum Schweigen bringen. Eines Tages werde ich einen Strand entlang spazieren oder einen Buchladen betreten, und ich werde eine Flaschenpost finden oder ein Buch, und ich werde es öffnen und werde die Botschaft lesen, von dir an mich – ja, von dir da draußen, einem jungen Schriftsteller, und  vielleicht ist es sein erstes Buch. Und ich werde sagen: Ja. Ich kann dich hören. Ich kann deine Geschichte hören. Ich kann deine Stimme hören.“
– Margaret Atwood, Dankesrede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises 2017

Dem ist nichts hinzuzufügen. Lasst eure Stimme hören.

Eure Elea

[Ankündigung] BuCon & Buchmesse

Nur noch eine Woche, dann öffnet die Frankfurter Buchmesse ihre Pforten – und zum ersten Mal werde ich auch als Debüt-Autorin dabei sein und euch das druckfrische Taschenbuch zu „Opfermond“ präsentieren.

ILLU_Drache_300pxBesonders freue ich mich allerdings auf ein kleines, feines Phantastik-Event, das am 14. Oktober schon zum 32. Mal ganz in der Nähe der Buchmesse stattfindet: der Buchmesse-Convent, kurz „BuCon“.  Der BuCon fühlt sich jedes Jahr an wie ein Klassentreffen, ein Wiedersehen mit tollen Kollegen, Lesern und Phantastik-Größen wie Markus Heitz oder Bernhard Hennen.

Um 11 Uhr lese ich für euch aus „Opfermond“ und bin dann den ganzen Tag mit meinen Kollegen Dominik Schmeller und Mario Steinmetz am Mantikore-Stand anzutreffen. Wenn ihr mich also mit Fragen löchern oder euch ein signiertes Exemplar von „Opfermond“ holen wollt, kommt einfach vorbei. Der Eintritt ist mit 10 € wirklich günstig und es gibt eine schicke Con-Tüte dazu.

Neben meiner Lesung sind auch noch andere liebe Kolleginnen und Kollegen am Start. Direkt nach mir liest meine Kollegin Tanja Ahrens aus ihrem „Drachenkind“, der Verlag Torsten Low stellt den märchenhaften Roman „Herbstlande“ vor und um 13 Uhr bietet euch der Verlag Ohneohren einen Einblick in die „Heimchen am Schwert“ und die „Helden-WG„, in der ich auch mit einem Beitrag vertreten bin.  Außerdem schenkt euch Ann-Kathrin Karschnick ein paar Eindrücke von ihrem „Fluchsammler“ und mein Verlagskollege Mario Steinmetz liest aus seiner blutigen Zombie-Apokalypse „Totes Land„.

Am Sonntag den 15. Oktober mache ich mich dann auf den Weg zur Frankfurter Buchmesse. Ab 14.30 h findet ihr mich auch dort am Mantikore-Stand, aber vielleicht laufen wir uns auch vorher schon über den Weg.

Weil mir der BuCon und seine engagierten Veranstalter besonders am Herzen liegen, kommt hier noch die offzielle Pressemitteilung.


Stars der Fantasy in Dreieich – 32. Festival der phantastischen Literatur zur Frankfurter Buchmesse

Zum 32. Mal treffen sich Fans von Science Fiction & Fantasy auf dem Buchmesse Convent (BuCon), Deutschlands führender Independent-Convention für phantastische Literatur.

Dieses von der Messe unabhängige Festival des phantastischen Genres mit über 700 Besuchern findet am 14. Oktober 2017 und damit wie gewohnt parallel zur Frankfurter Buchmesse statt. „Wir mögen zwar nicht so bekannt sein, wie die große Buchmesse, aber viele der Autoren, die bei uns vor Jahren zum ersten Mal zu Gast waren, liegen heute auf den Bestsellerständern der großen Buchhandlungen“, sagt Roger Murmann vom Organisationsteam.

Prominente Gäste sind Grimmepreisträger und „Bernd-das-Brot“-Erfinder Tommy Krappweis, Prof. Dr. Rudolf Simek, Herbert W. Franke, Markus Heitz, Kai Meyer, Tom Finn, Juliane Honisch, TS Orgel, Bernd Perplies, Christian Humberg und viele andere Top-Autoren der deutschsprachigen Phantastik-Szene. Ebenfalls vertreten ist die größte Science Fiction Serie der Welt, Perry Rhodan. Auf phantastischen sieben mehrstündigen Programmschienen im Bürgerhaus und seinen Nebengebäuden mit Lesungen, Präsentationen und Diskussionsrunden bieten die Veranstalter für jeden etwas. Autogramm- und Signierwünsche werden gerne (und vor allem kostenlos) erfüllt.

Der Unterschied zum „großen Bruder“ Buchmesse liegt denn auch darin, dass hier Fans den Autoren auf Augenhöhe begegnen und man im lockeren Umgangston das „Du“ pflegt.

Im Foyer bieten Zeichnertische optische Kontraste und eine Kunstausstellung illustriert das geschehen.

Als besondere Ehre wurde der Buchmesse Convent im Jahr 2016 mit dem renommierten „Kurd-Laßwitz-Preis“ ausgezeichnet, welcher jährlich von Deutschlands Literaturschaffenden im phantastischen Genre vergeben wird (www.kurd-lasswitz-preis.de).

Veranstalter ist eine erfahrene Gruppe langjähriger, in der Phantastik-Szene aktiver Fans in Kooperation mit dem Science Fiction Treff Darmstadt sowie dem Jugendclub WIRIC im Bürgerverein Buchschlag e.V. und den Bürgerhäusern Dreieich.

Es wird demonstriert, das utopisch-phantastische Literatur nicht zwangsläufig trivial sein muss. Bereits George Orwell, H.G. Wells und Jules Verne boten in ihren Werken Visionen und Voraussagen, die heute zur alltäglichen Realität gehören. Und werke, wie das Fantasy-Epos „Der Herr der Ringe“ des englischen Professors J.R.R. Tolkien zählen heute zur Weltliteratur, während die Verfilmung von George R.R. Martins Meisterwerk „Game of Thrones“ Millionen TV-Zuschauer vor die Fernsehschirme zieht. Natürlich darf aber auch der unterhaltende Spannungsroman nicht fehlen. Die Veranstalter zeigen, dass trotz des aktuellen „Star Wars“-Booms das phantastische Buch nicht tot ist, sondern durch den Einsatz moderner Technik, sowie der Möglichkeiten des Internets gerade heute wieder eine ungeahnte Renaissance erlebt. Gerade in Deutschland kann Science Fiction und Fantasy im Selfpublishing-Bereich ein durchaus eigenständiges, vom anglo-amerikanischen Raum unabhängiges Profil vorweisen.

Der Buchmesse Convent präsentiert die gesamte Bandbreite, vom Groschenroman bis zum bibliophilen Werk. Fan-Sein bedeutet nicht sturer Konsum, sondern kritische Auseinandersetzung mit dem Autor und seinem Werk. Wohl nirgendwo anders ist die bundesdeutsche Science Fiction- & Fantasy-Autoren & -Leserszene so lebendig, als auf dieser messeunabhängigen Traditionsveranstaltung. Kostümierte Besuchermassen wird man auf dieser literarisch orientierten Veranstaltung allerdings vergeblich suchen.

Höhepunkte der Convention ist traditionell die Verleihung des vom BuCon-Team vergebenen „BuCon-Ehrenpreises„.

Wie jedes Jahr, kommt man bereits am Freitag, den 13.10., ab 20 Uhr zum Einstimmungstreffen zusammen. Den Ort findet man auf der Homepage. Am Samstag, den 14.10., ist ab 10 Uhr Einlass. Der Eintritt beträgt an der Tageskasse 10 Euro, Ermäßigungen sind möglich. Das Ende des Convents ist für 20 Uhr vorgesehen. „Convention Center“ ist das Bürgerhaus in Dreieich-Sprendlingen, Fichtestrasse 50.

Begleitet wird die Veranstaltung von einer gut sortierten Phantastik-Börse. Zahlreiche Kleinverlage, Autoren und Buchhändler füllen jede Lücke im Bücherregal auf.


Aus dem Programm

Tommy Krappweis und Prof.Dr. Rudolf Simek: Fantasy & Wissenschaft

Der weltweit anerkannte Fachmann für Nordische Mythologie Prof. Rudolf Simek („Lexikon der germanischen Mythologie“) und der Fantasyautor und Filmemacher Tommy Krappweis („Mara und der Feuerbringer“) erzählen auf unterhaltsame und lehrreiche Art, wie man mit wissenschaftlicher Unterstützung eine Fantasytrilogie schreiben und das Ganze auch noch verfilmen kann. Der in dieser Form wohl einzigartige Vortrag in Gestalt eines unterhaltsamen Schlagabtauschs für alle, die sich für nordische Mythologie, Germanen, Phantastik und Historie interessieren, ließ bereits den Vortragsraum auf der Role Play Convention sowie das Literaturzelt auf dem Festival Mediaval aus allen Nähten platzen und kommt nun auf den Buchmesse Convent 2017.

Kai Meyer: Die Spur der Bücher

London – eine Stadt im Bann der Bücher. Mercy Amberdale ist in Buchläden und Antiquariaten aufgewachsen. Sie kennt den Zauber der Geschichten und besitzt das Talent der Bibliomantik. Für reiche Sammler besorgt sie die kostbarsten Titel, pirscht nachts durch Englands geheime Bibliotheken.
Doch dann folgt sie der Spur der Bücher zum Schauplatz eines rätselhaften Mordes: Ein Buchhändler ist inmitten seines Ladens verbrannt, ohne dass ein Stück Papier zu Schaden kam. Mercy gerät in ein Netz aus magischen Intrigen und dunklen Familiengeheimnissen, bis die Suche nach der Wahrheit sie zur Wurzel aller Bibliomantik führt.

Matthias Pätzold: Zukunft der Raumstation – Raumstationen der Zukunft

Die Internationale Raumstation ist das größte Raumfahrtprojekt, das jemals unternommen wurde. Seit 20 Jahren befindet sich der Außenposten im All, von denen allein 14 Jahre für den Aufbau aufgewendet wurden. Zunehmende Altererserscheinungen werfen aber Fragen über ihre Zukunft auf. Über Pläne zur Lebensdauerverlängerung der ISS, sowie neue Raumstationen, wie der sogenannten cislunaren Raumstation, einer möglichen russischen Nachfolgerstation, der chinesischen Raumstation und geplanten kommerziellen Raumstationen berichtet Matthias Pätzold in diesem Vortrag.

Friedhelm Schneidewind: Das neue große Tolkien-Lexikon

J. R. R. Tolkien war nicht der erste Autor, der phantastische Literatur schrieb, und andere haben weitaus mehr Fantasy geschrieben. Doch ist er der unumstrittene Alt- und Großmeister der phantastischen Literatur, der Fantasy überhaupt erst zu einem eigenständigen Genre machte. Spätestens seit den Verfilmungen von Peter Jackson gibt es kaum jemanden, der nicht von Tolkien oder zumindest seinen Werken gehört hat. Tolkien war Sprach- und Literaturwissenschaftler, Professor in Oxford – und zugleich einer der größten Phantasten der Literaturgeschichte. Mit seiner Geschichte um Mittelerde, die Hobbits, Elben und Zwerge, um Gandalf und den »Einen Ring« schuf er einen der umfangreichsten, fantastischsten und schlüssigsten Mythen der Literatur. Tolkiens Werk bietet nicht nur spannende Geschichten, sondern eine komplette eigene Welt mit eigener Kosmogonie, eigener Religion und sogar eigenen Sprachen; die Hintergründe zu kennen und die zahlreichen Einflüsse alter Mythen zu entdecken, schafft einen zusätzlichen Reiz bei Lektüre und Filmgenuss. »Das neue große Tolkien-Lexikon«, im Dezember 2016 erschienen, ist ein Werkzeug, sich im umfangreichen Werk Tolkiens besser zurechtzufinden, Querverbindungen und Hintergründe erkennen und Einflüsse bewerten zu können. Zudem lässt sich auf den über 800 Seiten auch prima schmökern.

Markus Heitz: Wédora-Schatten und Tod

Wédora birgt noch so manches Geheimnis für die Freunde Liothan und Tomeija, die es auf magische Weise in die schwer befestigte Wüstenstadt verschlagen hat. Während Liothan in alte Gewohnheiten verfällt und sich in Wédoras Unterwelt einen Namen macht, wird Tomeija vom geheimnisumwitterten Herrscher der Stadt zur obersten Gesetzeshüterin berufen. Sie kann nicht ahnen, dass sie bald nicht nur gegen Verbrechen und mörderische Intrigen vorgehen muss, sondern auch gegen ihren Freund aus Kindheitstagen. Doch damit nicht genug: Zwei benachbarte Königreiche rüsten sich zum Krieg, und die neutrale Stadt wird gegen ihren Willen in die Feindseligkeiten verwickelt – und Liothan und Tomeija werden plötzlich zu den entscheidenden Figuren in einem mörderischen Konflikt….“


Informationen, sowie eine ausführliche Programmübersicht mit allen 64 Programmpunkten findet man im Internet unter folgender Adresse: http://www.buchmessecon.de

…oder im Sozialen Netzwerk Facebook: Fanseite, Fangruppe „BuCon-Fans“

Eine umfangreich Fotogalerie mit 216 Aufnahmen zum vergangenen BuCon 2016 findet man hier

#buchpassion: Inspirierende Phantastik-Autorinnen

Wenn ich in mein Bücherregal blicke, dann muss ich gestehen, dass meine Fantasy-Regale immer noch sehr männerdominiert sind. Da stehen Terry Pratchett, Markus Heitz, Wolfgang Holbein und Joe Abercrombie. Alles Autoren, die tolle Bücher geschrieben haben, keine Frage, aber schade ist es doch, dass sich die Frauen gerade in der klassischen und der düsteren Fantasy bislang nicht durchsetzen konnten. Das merke ich nicht zuletzt bei meinem eigenen Roman-Debüt, das sich als Dark- bzw. Grim&Gritty-Fantasy in ausschließlich männlicher Gesellschaft befindet.

Für die tolle Aktion #buchpassion von Kapri Zioes habe ich einen Blick zurück in meine literarische Vergangenheit geworfen und drei phantastische Autorinnen ausgesucht, die mich in meiner Kindheit, meiner Jugend und in jüngster Zeit besonders beeindruckt oder geprägt haben. Autorinnen, die ganz ohne Kitsch und Klischees auskommen, die nicht in eine der stereotypen Frauen-Schubladen gesteckt werden können. Also, Vorhang auf.


Cornelia Funke

Ich glaube, von keiner anderen Autorin habe ich so viele Bücher gelesen wie von Cornelia Funke. Ich habe die „Wilden Hühner“ verschlungen, den „Drachenreiter“, „Igraine Ohnefurcht“, „Die Gespensterjäger“ und viele mehr. Cornelia Funkes Bücher haben mich durch meine Kindheit und Jugend begleitet, bis sie von den Harry-Potter-Romanen abgelöst wurde. Bis heute bin ich beeindruckt von den liebevollen Charakteren, der bildgewaltigen, traumhaften Sprache, dem Einfallsreichtum und dem leichten, lockeren Humor ihrer Bücher. Für Kinder und Jugendliche zu schreiben und dabei deren Lebenswelt und deren Fantasie so perfekt zu treffen ist eine Kunst, für die ich Cornelia Funke zutiefst bewundere. Wem dieser Genuss entgangen ist, sollte ihn schleunigst nachholen. Die Bücher bieten auch noch für Erwachsene großes Lesevergnügen.

Lieblingsbuch: Drachenreiter

Was ich bewundere: Stil & Sprache, Einfallsreichtum


 

Marion Zimmer Bradley

Ich denke, ich war etwa 14, als ich die „Nebel von Avalon“ zum ersten Mal gelesen habe. Es ist eines der weniger Bücher, die ich mehrfach las, obwohl es mehr als 800 Seiten hat, so sehr hat es mich gefesselt. Es war mein erstes Buch für Erwachsene und so gesehen auch mein erstes Fantasy-Buch abseits der Jugendliteratur. Damals dürfte der Roman in mir ungefähr dieselbe Faszination ausgelöst haben, wie heute „Game of Thrones“: Es ging um Liebe, um Sinnlichkeit, um Sex (die Szenen hab ich heimlich unter der Decke gelesen, man weiß ja nie), um Macht, um Politik – und alles erzählt aus der Sicht einer starken, präsenten Protagonistin, die moralisch nicht immer einwandfrei agierte, aber trotzdem eine große Sogwirkung erzeugte. Nach den „Nebeln von Avalon“ habe ich noch ein paar Romane aus dem Darkover-Zyklus gelesen, die mich aber nie so sehr beeindrucken konnten, obwohl auch dort starke, unabhängige Frauenfiguren dominieren.

Zugegeben, nachdem die Vorwürfe gegen Marion Zimmer Bradley wegen Missbrauch und körperlicher Misshandlung an ihrer Tochter und weiteren Kindern öffentlich wurden, hat sich mein Blickwinkel auf ihre Werke natürlich etwas verschoben. Ich möchte hier trotzdem nicht zu intensiv auf dieses Kapitel eingehen, denn zum einen bin ich zu wenig informiert, um konkrete Aussagen treffen zu können, zum anderen ändern diese Vorwürfe nichts an der Wirkung, welche die Bücher in meiner Jugend – lange bevor ich von der Anklage erfuhr – auf mich ausübten. Ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem. Ich lasse euch den Link zum Wikipedia-Artikel da, dort findet ihr auch weiterführende Links. Zum Thema „Autoren und Werke trennen“ gibt es auch einen sehr interessanten Artikel auf Fischer-Tor Online.

Lieblingsbuch: Die Nebel von Avalon

Was ich bewundere: Atmosphärische Dichte, Charakterentwicklung


Margaret Atwood

Ich gebe zu, auf Margaret Atwood bin ich eher durch Zufall gestoßen und das auch erst vor etwa einem Jahr. Meine Tante empfahl mir ihre Bücher und ich war sofort extrem begeistert. In „Das Jahr der Flut“ und „Die Geschichte von Zeb“ lässt Margaret Atwood komplexe, vielschichtige Frauenfiguren zu Wort kommen, die Ecken und Kanten haben, die nicht schön oder einfach sind. Sie kämpfen gegen persönliche Widrigkeiten, um ihren Platz im Leben und gegen eine kalte, von Konzernen regierte Gesellschaft, die sich selbst zugrunde richtet. Margaret Atwood besticht aber nicht nur durch ihre tollen Figuren, sondern zeigt auch eindrucksvoll, dass man durchaus sämtliche bekannten Schreibregeln brechen darf, wenn man es kann. Sie kann es. Auf der Frankfurter Buchmesse am 15. Oktober wird Margaret Atwood zudem mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Ich muss definitiv noch mehr von ihr lesen, „A handmaid’s tale“ liegt schon auf meinem SUB.

Lieblingsbuch: Das Jahr der Flut

Was ich bewundere: sämtlich Schreibregeln zu brechen und genau deswegen grandiose Bücher zu schreiben


 

Wie steht es mit euch, welche Fantasy- oder Phantastik-Autorinnen findet ihr toll? Warum, was zeichnet sie aus?

Und – ein bisschen Werbung darf sein – mit dem Nornennetz ist dieses Jahr das erste Netzwerk für Fantasy-Autorinnen entstanden. Schaut doch mal vorbei.

 


Mehr Artikel findet ihr auf Twitter oder Instagram unter dem Hashtag #buchpassion

Das 1-Sterne-Desaster

Gute Kritik, schlechte Kritik und wie man damit umgeht

Noch knapp zwei Wochen sind es bis zur Veröffentlichung meines Debüt-Romans – und erwartungsgemäß geht mir der Arsch gerade ein wenig auf Grundeis. Wird den Lesern das Buch gefallen? Wie werden die ersten Bewertungen ausfallen? Was, wenn die ersten Leser den Roman komplett zerreißen?

Solche und ähnliche Gedanken dürften jedem Autor durch den Kopf gehen, vor allem wenn er noch am Beginn seiner Karriere steht. Kritik ist das böse Schreckgespenst, das über allen kunstschaffenden Berufen schwebt und immer die Ahnung von Versagen mit sich bringt. Warum das Unsinn ist, warum (gute!) Kritik nützlicher ist als Lob und wie man lernen kann, mit Kritik umzugehen, möchte ich heute ein bisschen erläutern.

Kritik tut weh

Zu allererst sollten wir alle uns eines bewusst sein: Kritik tut weh. Immer. In jedes Buch sind viele Stunden, Tage, Monate, Jahre der Arbeit geflossen, man hat sich Gedanken gemacht, gegrübelt, umgeschrieben, überarbeitet und war am Ende überzeugt, etwas wirklich Gutes geschaffen zu haben. Wird diese Illusion dann zerrissen, ist das immer ein widerliches Gefühl. Besonders hart trifft Kritik immer dann, wenn man nicht damit rechnet – zumindest geht das mir so. Wenn ich mit einer Szene ohnehin nicht zufrieden war und meine Beta-Leser genau das rückmelden, fühle ich mich höchstens bestätigt. Fand ich eine Szene aber richtig super, atmosphärisch, dynamisch und voller Esprit schlägt die Kritik natürlich besonders hart ein. Im Grunde ist jede unverhoffte Kritik eine Kränkung, denn sie greift unser Selbstbild an einer Stelle an, an der sie bei vielen Künstlern besonders fragil ist.

Angriff ist nicht die beste Verteidigung

Psychologisch gesehen führt eine Kränkung zu einer Schieflage des eigenen Selbstverständnisses. Das, was man bisher stillschweigend angenommen hat – dass man als Autor etwas taugt und ein solides Buch geschrieben hat – gerät ins Wanken. Damit können aus einer Kränkung zwei verschiedene Mechanismen resultieren.

Der erste ist eine kompensatorische Reaktion, um das eigene Selbstbild zu erhalten: „Ich bin gar nicht so gut, wie ich dachte? Kann nicht sein. Der Typ/die Tussi lügt. Der/die erkennt einfach mein Genie nicht oder hat die Geschichte nicht verstanden.“

Der zweite Mechanismus ist eine Abwertung des eigenen Selbstbilds, um auf dem Niveau anzukommen, dass der Kritiker vorgibt: „Mann, der/die hat total recht, ich bin so untalentiert und schlecht, ich höre mit dem Schreiben auf.“

Beide Wege sind für sich allein genommen problematisch.

Natürlich ist es möglich, dass Kritik irrt. Auch Leser oder Lektoren sind nur Menschen, können etwas missverstehen oder fehlinterpretieren. Sofern diese Personen aber zur Zielgruppe des Romans gehören und prinzipiell in der Lage sein sollten, die Handlung zu begreifen, sollte man als Autor hellhörig werden. Vielleicht habe ich die Hinweise wirklich nicht klar genug gestreut? Vielleicht ist das Verhalten der Figur an der Stelle noch nicht gut genug begründet? Kritik von vorneherein abzuschmettern und als Neid, Missgunst oder Unvermögen zu interpretieren, ist sehr gefährlich. Wohin das im Extremfall führt, sieht man derzeit in den USA: Wer auch immer Donald Trump kritisiert, ist ein Lügner oder schlechter Mensch. Alle anderen hingegen sind super und aufrichtig.

Auch der zweite Weg kann und darf nicht der Königsweg sein. Kennt ihr den blöden Spruch, man solle sich wieder aufs Fahrrad setzen, wenn man heruntergefallen ist? Genauso ist es mit dem Schreiben. Wer aufgibt, weil er kritisiert wird oder auf die Nase fällt, tut niemandem einen Gefallen, am wenigstens sich selbst. Ganz knallhart behaupte ich:  Wer nicht bereit ist, Kritik zu seinen Werken anzunehmen, darf sich nicht mit dem Gedanken an eine Veröffentlichung spielen. Das heißt nicht, dass man sich nicht über unberechtigte Kritik aufregen oder mal traurig einen Eisbecher in sich reinlöffeln darf, wenn die Lieblingsszene gnadenlos zerrissen wurde. Aber ganz ehrlich: Wir sind es uns und unseren Geschichten schuldig, weiterzumachen, besser zu werden und sie so gut zu erzählen, wie irgendwie möglich. Diesen Anspruch sollten wir alle im Herzen tragen. Eine Phase der Wut, der Trauer oder der Enttäuschung ist also ganz normal, sie sollte nur irgendwann enden.

Gute und schlechte Kritik

Die primäre Frage, die ich mir als Autor also stellen sollte, ist: Ist die Kritik berechtigt? Das ist sicherlich die schwerste Frage von allen.

Zu allererst sollten wir uns bewusstwerden, dass jeder Mensch das Recht auf seine Meinung hat. Jemand darf mein Buch hassen, lieben, vergöttern oder für Schund halten und er hat jedes Recht, seine Meinung dazu frei zu äußern, ohne dafür angegriffen oder als Neider bzw. Lügner diffamiert zu werden. Beleidigungen oder verbale Angriffe sind natürlich ausgenommen, so etwas muss sich kein Autor gefallen lassen.

Nicht jeder Leser, der eine Amazon-Rezension schreibt, ist psychologisch geschult oder sieht sich in der Pflicht, möglichst freundlich und konstruktiv zu rezensieren. Ich finde, das ist auch nicht seine Aufgabe. Leser/innen sind Konsumenten, die ein Produkt bewerten, und genauso wenig wie ich mir Gedanken darum mache, ob meine schlechte Amazon-Bewertung zum neuesten Samsung Galaxy den Entwickler traurig macht, sollten Leser/innen gezwungen sein, die psychische Verfassung von AutorInnen im Auge zu haben, wenn sie Kritik schreiben. Ehrlichkeit ist wichtig, in die eine oder die andere Richtung.

Trotzdem ist konstruktive Kritik natürlich viel leichter anzunehmen. Konstruktiv bedeutet lösungsorientiert, abwägend, ohne persönliche Verurteilung oder Pauschalisierung. Auch „Ich-Botschaften“ können den Ton einer kritischen Rezension deutlich angenehmer gestalten. Versucht es mal bei euch selbst und vergleicht die beiden Sätze:

  • „Ich empfand das Buch ab der Hälfte als langatmig.“
  • „Das Buch war ab der Hälfte langatmig.“

Derselbe Inhalt, unterschiedlich verpackt. Schon Kleinigkeiten können viel ausmachen und die Annahme von Kritik wesentlich einfacher gestalten.

Wenn ihr also einen kritischen Kommentar erhaltet, atmet einmal tief durch oder auch mehrmals. Ärgert euch im Stillen. Hadert mit euch. Trinkt einen Schnaps oder vernichtet einen Tafel Schokolade. Schlaft drüber. Und dann, wenn ihr wieder fit seid, zerpflückt die Kritik und findet heraus, was euch davon nützt. Das bringt weit mehr als ein unkontrollierter Ausbruch.

Die Art der Verarbeitung

Jetzt wird es ein bisschen psychologisch, aber ich gebe mir Mühe, es anständig zu verpacken. Erfolge und Misserfolge, Fortschritte und Niederlagen können auf ganz unterschiedliche Weise verarbeitet werden. Zum Teil ist diese Art in unserer Persönlichkeit und unserem Wesen verankert, doch einen guten Teil können wir langfristig auch selbst beeinflussen, zumindest mit ein wenig Anstrengung. Zwei Formen der Verarbeitung sind besonders zentral. Bleiben wir bei der vernichtenden Kritik zum eigenen Buch als Beispiel.

Diese negative Erfahrung kann ich entweder internal oder external verarbeiten. Internal bedeutet, ich suche den Grund für die Kritik bei mir, bei einer externalen Verarbeitung schiebe ich die Schuld nach außen. Darüber hinaus kann ich einen stabilen Grund für mein Versagen annehmen oder einen zeitlich variablen Grund. Dadurch ergeben sich vier Muster.

TabAttribution

Es zeigt sich: Manche Kombinationen sind besser für unser Ego als andere, man nennt dieses Muster auch „selbstwertdienliche Attribution“. Am besten geht es uns, wenn wir Misserfolge external/zeitlich variabel attribuieren und Erfolge internal/stabil. Natürlich ist das nicht immer sinnvoll, ein Realitätscheck ist trotzdem wichtig. Nicht immer sind äußere Gründe schuld, manchmal kann es sinnvoll sein, an sich zu arbeiten. Genauso wenig müssen wir aber die Schuld immer bei uns suchen und, vor allem, annehmen, dass wir nichts daran ändern können.

Deswegen, ihr Lieben: Kritik heißt nicht, dass ihr schlecht seid, nicht schreiben könnt oder keinen Wert als Autor besitzt. Kritik ist vielfältig, kann unzählige Gründe und Ursachen haben. Lasst nicht zu, dass euch die Selbstzweifel auffressen, sondern denkt gut darüber nach: Woran liegt es hier? Hakt es bei mir, muss ich noch an mir arbeiten? Oder war einfach die Passung mit dem Leser problematisch?  Was kann ich tun, um das Problem zu lösen, oder gibt es überhaupt ein relevantes Problem? Manchmal kann man auch einfach mit der Schulter zucken und die Dinge hinnehmen, wie sie sind.

Dasselbe gilt übrigens auch für Lob. Wer positives Feedback immer nur nach außen schiebt, nicht annehmen kann oder in Frage stellt, tut sich und seinem Selbstwertgefühl keinen Gefallen damit. Doch wer Lob verabsolutiert und sich auf den eigenen Lorbeeren ausruht, ebenso wenig.

Kritik im Sandwich

Tatsächlich habe ich für mich gelernt, dass ich Lob vor allem dann gut annehmen kann, wenn es nicht alleinsteht. Wenn ein Testleser alles, was ich schreibe, in den Himmel lobt, tut das erstmal gut, hinterlässt aber irgendwann einen faden Nachgeschmack.

Deswegen finde ich die Sandwich-Taktik immer noch die Beste, wenn es um Feedback geht. Kritik in zwei Schichten Lob verpackt lässt sich gut annehmen und weckt zugleich nicht den Eindruck einer unreflektierten Beweihräucherung. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, etwas mehr Kritik zwischen die zwei Scheiben zu quetschen, das ist auch zulässig. Niemand sollte sich gezwungen fühlen, Dinge zu beschönigen. Aber wie weiter oben schon angekündigt: Der Ton macht die Musik. Oder das Sandwich.

Fazit

Kritik gehört zum Autorenleben dazu. Wer veröffentlicht, muss sich mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass jemand sein Buch kritisieren wird, und wir alle sollten uns klarmachen, ob wir dafür bereit sind. Kritik anzunehmen kann man lernen, das habe ich selbst bemerkt. Manchmal fühle ich mich immer noch niedergeschlagen und mies, wenn eine Szene kritisiert wird, die ich besonders liebe, aber die Phasen, in denen ich deprimiert in der Ecke sitzen und nichts tue, werden kürzer. Vielleicht verschwinden sie irgendwann ganz.

Habt ihr eine bestimmte Strategie, wie ihr mit Kritik umgeht? Was tut euch gut? Was hilft euch? Ich bin gespannt.

Dein Manuskript in guten Händen

Wie finde ich einen seriösen Verlag?

Betrügen und betrogen werden, nichts ist gewöhnlicher auf Erden
– Johann Gottfried Seume

Nur noch zwei Monate, dann öffnet in Frankfurt die größte deutsche Buchmesse ihre Pforten. Während viele Leser einfach darauf hoffen, gute Bücher zu finden oder ihre/n Lieblingsautoren/in persönlich zu treffen, sind Buchmessen auch eine gute Gelegenheit, professionelle Kontakte zu knüpfen: zu LektorInnen, zu Verlagen und zu Agenturen.

Auch wenn die Selfpublishing-Branche mittlerweile boomt, ist der Weg über einen Verlag für die meisten AutorInnen immer noch der bevorzugte. Die Veröffentlichung über einen Verlag schafft eine gewisse Sicherheit, vermittelt den Eindruck von Seriosität und Professionalität. Genau da liegt aber das Problem. In der Verlagsbranche ist längst nicht alles Gold, was glänzt, und gerade unerfahrene Neu-AutorInnen sehen sich oft der Versuchung ausgesetzt, schnell zuzusagen, wenn ein Verlag ihr Manuskript veröffentlichen will.

Heute möchte ich euch ein paar Tipps an die Hand geben, wie ihr einen seriösen Verlag erkennen könnt. Seriös heißt dabei im Übrigen noch lange nicht „gut“, das möchte ich betonen. Nur, weil sich ein Verlag an die Regeln hält, heißt das noch nicht, dass er zu euch, zu euren Wünschen, Zielen und Vorstellungen passt und euer Buch angemessen verkauft und bewirbt. Trotzdem hoffe ich, dass die folgenden Tipps euch zumindest dabei helfen, die ganz schwarzen Schafe auszusortieren.

Ein seriöser Verlag verlangt kein Geld von dir – niemals!

In den sozialen Medien finden sich immer wieder vielversprechend klingende Aufrufe von Verlagen, die händeringend Manuskripte suchen. Finger weg von solchen Lockangeboten, denn dahinter stecken in der Regel so genannte Druckkostenzuschuss-Verlage (DKZV). Bevor der Verlag das Buch des Autors druckt, wird eine Geldsumme fällig, in der Regel ein solider 4-stelliger Betrag. Auflage, Druckqualität und alle anderen Parameter werden vom Verlag bestimmt, d.h. der Autor bezahlt, hat aber keine Kontrolle über das Ergebnis. Zielgruppe dieser DKVZ sind in der Regel unbedarfte Autoren, die aufgrund zahlloser Absagen oder schierer Unkenntnis des Literaturbetriebs eine Chance wittern, doch noch erfolgreich zu werden. Ein Trugschluss, denn der Einzige, der hier verdient, ist in der Regel der Verlag. Der Autor bleibt auf den horrenden Kosten sitzen.

Im Gegensatz zum Selfpublishing musst du also nicht nur tief in die Tasche greifen, sondern auch noch einen guten Anteil deiner Erträge an den Verlag abführen, der sich in der Regel für alle weiteren Maßnahmen (Lektorat, Korrektorat, Werbung, Vertrieb) ebenfalls bezahlen lässt. Am Ende hast du also nur eine Menge Geld ausgegeben und dich und dein Buch weit unter Wert verkauft. Das „V“ in DKZV ist also allerhöchstens ein Euphemismus, denn mit Verlagswesen haben diese Unternehmen wenig gemein. Eigentlich sind sie nichts weiter als verdammt teure Druckereien, die die Autoren, die sie nutzen, mit ungefiltertem Lob überhäufen und dann tief in ihre Taschen greifen. Wie sinnfrei dieses Lob ist, kann man in diesem Spiegel-Artikel nachlesen. Hier haben Autoren bewusst Unfug verzapft und abgewartet, wie die Bezahl-Verlage darauf reagieren.

Ein seriöser Verlag trägt das Risiko deiner Veröffentlichung und wird kein Geld von dir verlangen, weder für den Druck noch für ein Lektorat oder andere „optionale Zusatzleistungen“. Er wird auch nicht von dir verlangen, eine Kaution zu hinterlegen, falls sich dein Buch nicht verkauft, und er wird dich nicht nötigen, eine gewisse Anzahl von Vorbestellungen aufzuweisen, damit dein Buch überhaupt in den Druck geht. Und er wird dir niemals deine Tantiemen vorenthalten oder dich in Büchern aus dem Verlagssortiment auszahlen. Der Verlag ist dein Partner, dein Schirmherr, wenn du so willst. Er wird gemeinsam mit dir versuchen, dein Buch so gut wie möglich zu verkaufen und zu vermarkten und wird dich nicht als billige Cashcow melken, bis nichts mehr geht.

Ganz ehrlich, ihr Lieben, bitte fallt nicht auf solche Maschen herein! Selbst wenn es Absagen regnet, selbst wenn ihr an euch zweifelt, es gibt immer bessere Optionen. Eine Veröffentlichung in einem DKZV ist nicht nur ein Minusgeschäft für euch, sondern verbaut euch künftig auch viele Chancen in besseren Verlagen, denn das Image der DKZV-Autoren ist aus oben genannten Gründen reichlich mies. Wenn ihr das Gefühl habt, keinen Platz in der Verlagswelt zu finden, macht euch schlau über Selfpublishing, seid euer eigener Herr und lasst euch nicht auf schäbige Weise ausbeuten.

 

Ein seriöser Verlag schließt mit dir einen Vertrag

Du hast die Zusage eines Verlags? Herzlichen Glückwunsch! Der erste Schritt nach dieser Zusage sollte nun die gemeinsame Vereinbarung eines Autorenvertrags sein. Jeder seriöse Verlag wird mit dir einen solchen Vertrag schließen, ganz egal, ob Kurzgeschichte[1], Novelle oder Romanreihe. Dieser Vertrag ist die Basis eurer Zusammenarbeit, und selbst wenn du die/den Verleger/in persönlich kennst, sollte ein Vertrag absolut selbstverständlich sein. Kein seriöser Verlag wird dir diese Option verweigern.

Einen Verlagsvertrag zu lesen ist nicht ganz einfach und häufig findet man Stolperstricke nur dann, wenn man selbst schon ein bisschen Ahnung vom Business hat. Deswegen mein Rat: Lass den Vertrag lieber noch einmal von jemandem anschauen, der sich mit dem Thema auskennt. Das muss kein Jurist sein – im Gegenteil –, aber vielleicht ein/e erfahrene/r Autor/in, Verleger/in, Lektor/in, der/die dir helfen kann, Probleme im Vertrag zu finden und auszumerzen.

Ich möchte nicht im Detail auf Verlagsklauseln eingehen, das würde hier zu weit führen und um ehrlich zu sein bin ich selbst auch noch weit davon entfernt, Expertin zu sein. Folgende Punkte sollten in deinem Verlagsvertrag aber auf jeden Fall geregelt sein.

  • Die Vertrags-Laufzeit, d.h. wie lange trittst du die Rechte an der Geschichte an den Verlag ab. Manche Verlage pokern immer noch darauf, die Rechte für die Gesamtdauer des gesetzlichen Urheberrechts zu erhalten, d.h. bis zu 70 Jahre nach deinem Tod. Dieser Klausel würde ich unter keinen Umständen unterschreiben. Meistens kann man sich ohnehin gütlich einigen, denn ein Buch verkauft sich nicht ewig, aber wenn nicht, ist deine Geschichte unter Umständen bis auf Weiteres weg vom Markt. Du kannst sie nicht an einen weiteren Verlag verkaufen und sie nicht ein zweites Mal herausbringen, selbst wenn sich deine Karriere in dieser Zeit in eine ganz andere Richtung entwickelt hat. Stell dir vor, du bist nach einigen Jahren plötzlich bei einem großen Verlag unter Vertrag, der deinen Erstling groß rausbringen will, das aber nicht kann, weil du immer noch in diesem alten Knebelvertrag hängt. Schön blöd. Gängige Laufzeiten sind nach meiner Erfahrung 5 bis 7 Jahre.
  • Tantiemen: Für viele Autoren das Kernstück eines Vertrags: Wie viel bekomme ich als Autor pro Buch? Hier verbindliche Zahlen zu nennen ist sehr schwierig, denn die Tantiemen variieren je nach Größe und Ausrichtung des Verlags. Wenn du 8 bis 10 % für dein Print-Buch erhältst, ist das eine sehr gute Ausbeute. Im Kleinverlags-Wesen dürften eher 6 bis 8 % die Regel sein. Für Ebooks wird in der Regel etwa 30 % des Nettoverkaufserlöses veranschlagt. Wichtig ist hierbei natürlich, in welchem Format das Buch erscheint. Reine Ebook-Verlage sollten bessere Konditionen für Ebooks bieten, Verlage mit Hardcover-Formaten ebenfalls. In der Regel gelten übrigens für höhere Auflagen auch höhere Tantiemen, das sollte ebenfalls vertraglich geregelt sein.
  • Nebenrechte: Auch das ist ein wichtiger Punkt. Sobald du dem Verlag gestattest, Nebenrechte auszuüben (z.B. das Buch zu übersetzen, ein Hörbuch zu produzieren etc.), sollte genau geregelt sein, wie lange der Verlag solche Lizenzen vergeben darf und welchen Anteil du daran erhältst. Mindestens 50 bis 60 % sind hier gängig. Bei reinen Ebook-Verlagen solltest du außerdem klar vereinbaren, was mit den Print-Rechten an dem Buch passiert und ob du das Buch z.B. selbst als Taschenbuch herausgeben darfst.
  • Veröffentlichungsdatum: Klingt kleinlich, ist aber wichtig: Sorge dafür, dass vertraglich genau geregelt ist, wann dein Buch erscheint, wann du das fertige Manuskript abgeben musst und in welchem Rahmen der VÖ-Termin höchstens abweichen darf. Ansonsten lässt du einem unseriösen Verlag allen Spielraum, deine Geschichte ewig auf Halde zu haben und dich zappeln zu lassen, obwohl du das Manuskript in der Zwischenzeit fünf anderen Verlage hättest anbieten können.

Das sind jetzt nur wenige Punkte, ein Verlagsvertrag sollte noch sehr viel mehr Aspekte regeln. Was passiert z.B. wenn dein Buch nicht mehr verfügbar ist, weil die erste Auflage komplett verkauft wurde? Wie schnell muss der Verlag nachdrucken? Ab wann darf der Verlag dein Buch „verramschen“ und den Verkaufspreis heruntersetzen? Wer bestimmt den Titel bzw. die Aufmachung des Buches? Wie viel Mitspracherecht hast du als AutorIn? Wie häufig werden Tantiemen ausgeschüttet (järhlich, halbjährlich)? Wie gesagt, ein verdammt komplexes Thema.

Wichtig ist auf jeden Fall: Fehlt einer der oben genannten Punkte im Vertrag oder bietet dir der Verlag überhaupt keinen Vertrag an, ist das ein deutliches Indiz für eine unseriöse Arbeitsweise.

Ein seriöser Verlag kümmert sich um Cover, Buchsatz, Lektorat & Korrektorat

Wie unter Punkt 1 schon dargestellt: dein Verlag ist dein Partner im Literaturbusiness. Er ist zuständig dafür, dein Buch zu lektorieren und zu korrigieren, er kümmert sich um das Layout, um ein Cover und um den Druck des Buches. Hier gibt es keine Kompromisse. Gar keine! Der Verlag erhält einen guten Anteil der Einnahmen, dafür ist er auch verpflichtet, diese Leistungen zu erbringen.

Vielleicht ein Beispiel an dieser Stelle: Du gehst in ein gutes Restaurant und bestellst ein Getränk und ein Mittagessen. Im Preis, den du bezahlst, ist das Kochen, das Anrichten und das Servieren der Speisen inklusive, niemand würde erwarten, dass der Gast selbst in die Küche laufen muss, um die Nudeln aus dem Topf zu holen und die Soße anzurühren. Anders ist es in einem Selbstbedienungs-Laden, aber auch hier sollte es selbstverständlich sein, dass man Geschirr oder Verpackung nicht selbst mitbringen oder den Burger selbst vom Grill holen muss.

Sollte ein Verlag also von dir verlangen, dich allein (schlimmstenfalls auf eigene Kosten) um das Lektorat oder das Cover zu kümmern  oder sollte er dir eine dieser Leistungen vorenthalten – Finger weg! Kein seriöser Verlag würde so etwas tun.

Ein seriöser Verlag ist vernetzt und präsent

Ungefragt flattert dir ein Verlagsangebot ins Haus, doch bei näherer Betrachtung stellst du fest: Der Verlag hat weder eine ordentliche Homepage, noch einen Social-Media-Kanal und du musst erst eine Weile suchen, bis du rausgefunden hast, wo du seine Bücher überhaupt kaufen kannst. Spätestens da sollten deine Alarmglocken schrillen.

Jeder seriöse Verlag sollte eine ordentliche Homepage besitzen, einen Webshop und ggf. auch eine Facebook-Seite oder einen Twitter-Account. Außerdem sollten die dort verlegten Bücher über alle gängigen Plattformen wie Amazon, Thalia oder Weltbild erhältlich sein. Auch die Präsenz auf Buchmessen oder Conventions ist ein gutes Zeichen, ebenso wie die enge Vernetzung mit anderen Verlagen (vor allem im Kleinverlags-Wesen).

Weist ein Verlag keines dieser Merkmale auf, wäre ich sehr, sehr vorsichtig und würde im Zweifel mehr Informationen einholen, ehe ich mich darauf einlasse.

Ein seriöser Verlag ist erreichbar

So was, du möchtest deinem künftigen Verlagspartner eine Mail schreiben, findest aber keine öffentliche Email-Adresse? Keine Telefonnummer? Keine Kontaktdaten? Dann mach dich lieber ganz schnell vom Acker.

Rechtlich betrachtet muss jede kommerzielle Internetseite ein Impressum beinhalten, in welchem du die Anschrift, eine Telefonnummer und ggf. auch eine Email-Adresse oder ein Kontaktformular findest. Ist das nicht der Fall, ist das nicht nur ein fieses Versäumnis, sondern sogar ein Grund zu einer rechtlichen Abmahnung.

Zudem sollte ein seriöser Verlag auch in angemessenem Zeitraum auf deine Anfragen reagieren und antworten. Ihr seid Partner, ihr arbeitet zusammen – Kommunikation ist alles. Lass dich hier nicht abspeisen.

Fazit

Wie zu Beginn angedeutet, kann ich in diesem Beitrag nur einen ersten Überblick geben, ein paar Tipps, die dir vielleicht auf der Suche helfen und deine Entscheidung erleichtern. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit und bin mir sicher, dass es noch viele andere Punkte gibt, die es zu berücksichtigen gilt. Zumal, wie eingangs erwähnt, ein seriöser Verlag noch lange kein guter Verlag sein muss. Die obigen Punkte sollten dir aber zumindest dabei helfen, die ganz fiesen Maschen zu erkennen und nicht eine üble Kostenfalle zu tappen.

Wie steht es mit euch, habt ihr schon Erfahrungen mit schwarzen Schafen in der Verlagswelt gemacht? Gibt es Punkte, die euch besonders wichtig sind und die an dieser Stelle noch fehlen? Schreibt es mir gerne in den Kommentaren.

 

 

[1] Bei Kurzgeschichten-Anthologien gibt es bisweilen Ausnahmen, die ohne Vertrag arbeiten. Meistens handelt es sich dabei um Anthologien ohne Gewinnerzielungsabsicht, die auch keine Honorare an Autoren ausschütten. Hier sollte man immer selbst entscheiden, ob man Lust hat, sich trotzdem zu beteiligen. Der Verlust ist sicher gering, der Zugewinn aber auch.

Die Kurzgeschichte – Lust oder Laster?

„Eine Kurzgeschichte ist eine Geschichte, an der man sehr lange arbeiten muss, bis sie kurz ist.“
– Vicente Aleixandre

Das Tolle an der Autoren-Community ist ja, es gibt immer spannende Diskussionen. Letzte Woche hat der Kollege Marcus Johanus – dem einen oder anderen vielleicht von den Schreibdilettanten bekannt (wenn nicht, guckt euch die Videos an, sie sind super hilfreich!) – in einem Blogartikel dazu aufgerufen, als Autor Abstand von Kurzgeschichten zu nehmen, und die Twitter-Gemeinde hat intensiv darüber diskutiert.

Vier Argumente stehen für Marcus Johanus im Vordergrund:

  1. Kurzgeschichten rauben wertvolle (Schreib-)Zeit, die besser in Romane investiert wäre.
  2. Kurzgeschichten haben nichts mit Romanen zu tun und schaden sogar einem guten Romanstil, da in Kurzgeschichten bewusst Dinge verschwiegen, weggelassen oder verschleiert werden.
  3. Kurzgeschichten haben eine eingeschränkte Zielgruppe und verkaufen sich nicht gut.
  4. Mit Kurzgeschichten verbrennt man den eigenen Namen und schreckt Verlage eher ab.

So nachvollziehbar Marcus‘ Argumentation in diesen Punkten ist, ich will ihnen trotzdem widersprechen. Nicht, weil ich den Kollegen diskreditieren oder ihm seine Meinung absprechen will, sondern schlichtweg deswegen, weil sich unsere Perspektiven auf dieses Thema stark unterscheiden. Das mag auch am bevorzugten Genre oder der Größenordnung liegen, in der wir denken. Einige Ideen hat auch Frau Schreibseele auf ihrem Blog bereits gut auf den Punkt gebracht.

Zeitfresser Kurzgeschichte?

Schon das erste Argument kann ich persönlich nicht wirklich nachfühlen. Ich empfinde Kurzgeschichten als wesentlich anspruchsvoller als Romane – und wenn ich die Wahl hätte, ich würde immer das Romanschreiben vorziehen. Insofern, keine Gefahr, dass ich mit dem Schreiben einer Kurzgeschichte prokrastiniere. Eher läuft es umgekehrt.

Kurzgeschichten sind für mich Intermezzi, die ich einschiebe, wenn ich eine schöne Ausschreibung finde, wenn ich etwas ausprobieren oder ein lästiges Plotbunny möglichst kurz und knackig loswerden will. Denn mal ehrlich, es mangelt nie an Ideen – aber wenn aus jeder Idee ein Roman würde, dann wäre meine Liste zu schreibender Bücher noch länger, als sie sowieso schon ist. Abgesehen davon kann eine Kurzgeschichte ein toller Auftakt zu einem Roman werden – meine Gay Fantasy „Unter einem Banner“ ist genauso entstanden.

Kurzgeschichte und Roman müssen sich also nicht ausschließen, im Gegenteil. Sie können voneinander profitieren. Zudem kann die Vorstellung, einen ganzen Roman zu schreiben, gerade für Anfänger extrem erdrückend sein. Warum nicht klein anfangen und sich „hoch arbeiten“?

You fail only if you stop writing

Sicherlich sollte man dabei Schreibregeln nie aus den Augen lassen. Kurzgeschichten folgen anderen Strukturen als Romane. Aber mal ehrlich – das tun unterschiedliche Genres auch. Ein Liebesroman schreibt sich anders als ein Thriller oder eine Romanze, trotzdem sind viele Autoren in verschiedenen Genres unterwegs, ohne, dass es ihrem Stil schadet. Warum sollte das also eine Kurzgeschichte tun?

Alle Schriftsteller, die je nach Schreibtipps gefragt wurden, waren sich in einem Punkt einig: Man lernt nur durch das Schreiben. Und ehe man gar nichts schreibt, warum keine Kurzgeschichte, um sich ausprobieren, um zu experimentieren, um neue Perspektiven oder Stile zu testen? Für mich funktioniert das hervorragend. Gerade das Hineinspringen in ein Setting oder in Figurenkonstellationen empfinde ich als tolle Übung, um Szenen zu gestalten, Infodump zu umgehen und nur das Notwendigste zu erzählen. Dinge konkret und zügig auf den Punkt zu bringen, intelligente Konflikte auf kleinem Raum zu gestalten, Settings mit wenigen Worten lebendig werden zu lassen – das alles sind Dinge, die einen Kurzgeschichten lehren.

Brotlose Kunst

Was man sicherlich nicht abstreiten kann, ist die Tatsache, dass sich Kurzgeschichten schlechter verkaufen als Romane. Das ist allerdings auch ein rein deutsches Phänomen, in Amerika haben Short Stories einen wesentlich besseren Stellenwert. Hier beißt sich der Hund also in den Schwanz – lesen die Deutschen keine Kurzgeschichten, weil es keine gibt, oder gibt es keine, weil sie nicht gelesen werden? Diese Frage kann niemand abschließend beantworten.

Fakt ist: In Großverlagen sind Kurzgeschichten und Anthologien kein Thema, im Indie-Bereich hingegen haben sie einen festen Stellenwert. Kleine, feine (Fantastik-)Verlage wie der Verlag Ohneohren, der Art Skript Phantastik Verlag oder auch der Verlag Torsten Low bestechen seit Jahren durch tolle, vielseitige Anthologien, die regelmäßig für den Deutschen Phantastik Preis nominiert werden. Auch im Horror-Genre begegnet man immer wieder tollen Anthologien, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen, man denke nur an Stephen King oder die Altmeister H.P. Lovecraft oder Edgar Allan Poe. Es zeigt sich also: Es gibt einen Markt für Kurzgeschichten, sie machen allerdings nicht (mehr) reich.

Schade ist in dem Zusammenhang auch, dass einige Verlage gar keine Honorare für Kurzgeschichten-Beiträge in Anthologien anbieten. Auch wenn wenige Cents pro Exemplar sicher nicht reich machen, es ist eine Wertschätzung der Arbeit, die dahinter steckt. Und Sätze wie „das ist doch tolle Werbung für dich“ hat u.a. Nina George in ihrem offenen Brief an Audible und Lufthansa effizient entkräftet.

Sackgasse oder Tor in die Verlagswelt?

Was ich persönlich nicht glauben kann (auch wenn mir hier die Erfahrung fehlt), ist, dass veröffentlichte Kurzgeschichten einen negativen Effekt bei der Verlagssuche haben. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ein Verlag einen Autor eher ablehnt, wenn er Kurzgeschichten veröffentlicht hat, als wenn er noch gar keine Veröffentlichung vorweisen kann. Denn, wer in einer Anthologie erscheint, hat sich durch einen Auswahlprozess geboxt, eine Deadline eingehalten, eine Geschichte zu einem vordefinierten Thema geschrieben und an seinem Stil gearbeitet. Wirklich, ihr lieben Verlage und Agenten da draußen, ist das nichts wert? Gar nichts? Ich glaube das nicht.

Tatsächlich kenne ich mehr Beispiele, die für das Gegenteil sprechen: Autoren, die mit Kurzgeschichten gestartet sind und sich im Zuge dessen einen festen Platz erarbeitet haben. Das gilt zum Beispiel für Fabian Dombrowski, der sowohl als Verleger, als auch als Autor im Kurzgeschichten-Bereich unterwegs ist, aber auch für Tanja Rast, Robert von Cube, Markus Cremer und – last but not least – auch für mich selbst. Verlegerin Ingrid Pointecker vom Verlag Ohneohren hat ein paar dieser Karrieren in einem Blogartikel zusammengefasst.

Unabhängig von ihrem Erfolg können Kurzgeschichten also durchaus ein Tor in die (Indie-)Verlagswelt sein. Man lernt Kollegen kennen, Verleger und Verlegerinnen, bekommt die Chance auf Lesungen, auf Messepräsenz oder Online-Leserunden. Auch wenn sich Leser also nicht konkret an den Autorennamen in einer Anthologie erinnern, die persönliche Reichweite und die eigene Erfahrung steigen enorm.

Jede Seite wirkt 

Also, ihr Lieben da draußen: Lasst euch nicht abschrecken. Wenn ihr Lust auf eine Kurzgeschichten-Ausschreibung habt, wenn ihr etwas Abwechslung braucht, wenn ihr euch ausprobieren, experimentieren und Neues wagen wollt, dann ergreift die Chance. Vielleicht wird es nicht euer großer literarischer Durchbruch. Vielleicht werdet ihr nicht reich daran. Vielleicht klappt es nicht einmal mit der Veröffentlichung. Aber mit jeder Seite, die ihr schreibt, sammelt ihr Erfahrung, und mit jeder veröffentlichten Geschichte wächst euer Selbstbewusstsein und eure persönliche Reichweite. Wenn ihr mit Kurzgeschichten dagegen gar nichts anfangen könnt oder euch lieber auf eure Romane konzentriert – nur zu. Hauptsache, ihr hört nicht auf zu schreiben.

Wenn ihr übrigens ein paar tolle, fantastische Kurzgeschichten lesen wollt, schaut doch mal bei den oben erwähnten Verlagen vorbei. Ich bin mir sicher, ihr werdet fündig.

Wie steht es um euch, lest ihr Kurzgeschichten? Schreibt ihr sie gerne oder eher selten? Was fällt euch leichter – lange Erzählungen oder knackige Kurzgeschichten? Lasst es mich wissen.

Hilfe, ich bin langweilig!?

Oder: Man muss nicht in der Pfanne gelegen haben, um über ein Schnitzel zu schreiben

Schreibe über das, was du kennst. Diesen Tipp hat sicher jeder schon mal irgendwo gelesen und er hat definitiv seine Berechtigung. Als Profi oder wenigstens Amateur in einem Gebiet tut man sicher leichter, Themen korrekt und umfassend darzustellen und einen guten Zugang dazu zu finden. Trotzdem werden die wenigstens Krimis von Polizisten, Anwälten oder Kommissaren geschrieben, sondern von AutorInnen, die sich in die Materie einarbeiten müssen.

Daran findet niemand etwas Verwerfliches – zurecht. Wie Maxim Gorkij einmal sagte: „Man muss nicht in einer Pfanne gelegen haben, um über ein Schnitzel zu schreiben.“ Als Leser schätzt man Fachkompetenz, aber zu viel Insiderwissen kann der Dramatik einer Story sogar abträglich sein. Immerhin wissen wir alle, dass Polizeiarbeit wesentlich trockener ist als in Krimis dargestellt, aber wir sind froh, dass nicht der Großteil der Kriminalromane davon handelt, wie der Kommissar interne Berichte verfasst. Und wir sind dann doch eher erleichtert, dass Krimiautoren nicht erst einen Mord begehen müssen, um aus der Perspektive eines Mörders zu erzählen.

Diversität und ihre Grenzen?

Heikler wird es dagegen bei Charaktereigenschaften, Persönlichkeit, sexueller Orientierung. Im Netz finden sich immer wieder kritische Kommentare, so wie dieser.

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Der Wunsch dahinter ist nachvollziehbar. Leser wollen durch Figuren angemessen repräsentiert werden und fühlen sich wohler in dem Wissen, dass der Autor/die Autorin weiß, worüber er/sie schreibt, vornehmlich aufgrund eigener Erfahrung. Sie wollen sich nicht von einem „Outsider“ erklären lassen, wie ihre Welt funktioniert, wie ihre Probleme aussehen oder wie sie damit umzugehen haben. Sie wünschen sich Authentizität.

Hier stoßen wir allerdings auf ein Problem: Würden Autoren nur noch über Protagonisten ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Lebenserfahrung schreiben, wäre die Buchwelt ziemlich eintönig. Sieht man sich den deutschen Buchmarkt an, wäre der durchschnittliche Roman-Protagonist vermutlich ein verheirateter Mittelschicht-Mann in den Dreißigern mit einem Studienabschluss. Vielleicht auch eine Mittelschicht-Frau mit Familie und Teilzeitjob. Sicherlich lässt sich auch daraus eine interessante Geschichte stricken – aber so ganz ohne Diversität wäre der Buchmarkt verdammt langweilig. Am Ende beißt sich der Hund also in den Schwanz, denn gerade Menschen abseits der Norm verdienen es, in Büchern repräsentiert zu werden – das könnte unter dieser Prämisse aber nicht funktionieren.

Als AutorInnen ist es unsere Aufgabe, über den Tellerrand hinauszusehen, uns mit anderen Kulturen und Lebenseinstellungen zu beschäftigen und darüber zu schreiben, doch leider führen Aussagen wie die obere eher dazu, dass Autoren den Mut verlieren und sich doch wieder den üblichen Standards zuwenden. Nach dem Motto: „Ich will niemandem auf den Schlips treten.“

Recherche, Sensibilität und Empathie

Ich denke, ich muss nicht erwähnen, dass (gute) AutorInnen recherchieren. Nicht nur Fakten, sondern auch Erfahrungsberichte, Lebensgeschichten und Einstellungen. Wenn wir über einen Biologielaboranten schreiben, informieren wir uns über seine Arbeit. Wenn wir über einen Menschen mit Depression schreiben, informieren wir uns über seine psychische Störung. Und wenn wir über einen POC-Menschen schreiben, informieren wir uns über Erfahrungen, die er vielleicht gemacht haben könnte. Nichts ersetzt diese Arbeit – sie gehört zum Handwerk wie das Schreiben selbst.

Trotzdem bleiben auch Erfahrungsberichte nur das, was sie sind: individuelle Lebensgeschichten, keine absoluten Wahrheiten. Jeder Mensch ist einzigartig und besonders, die Erfahrungen des einen sind nicht automatisch die Erfahrungen des anderen, ebenso wenig Gefühle oder Vorlieben. Jede Roman-Figur ist ein Individuum und wir sollten uns immer Mühe geben, genau das zu transportieren. Ein guter Roman braucht keine Abziehbilder, sondern echte, authentische Charaktere.

Neben Recherche lautet das Zauberwort also: Empathie und Sensibilität. Ich gebe zu, ich bin in Bezug auf meine Lebensgeschichte ein ausgesprochen langweiliger Mensch. Ich bin weiß, stamme aus einer Akademiker-Familie, hatte nie ein Alkohol- oder Drogenproblem, lebe seit 10 Jahren in einer stabilen, heterosexuellen Beziehung und hatte nie mit dem Tod eines nahen Angehörigen, einer Scheidung oder einer psychischen Krankheit zu kämpfen. Für dieses Glück bin ich verdammt dankbar. Trotzdem gebe ich mir Mühe, diese Themen in meinen Büchern angemessen umsetzen. Ich versuche, authentische Figuren zu entwickeln, mich in sie hinein zu versetzen, mir zu überlegen, wie sie mit Erfahrungen in ihrem Leben umgegangen sind, wie diese sie geprägt haben. Ich kann nicht versprechen, dass mir das immer gelingt, das wäre vermessen. Aber ich tue mein Möglichstes.

Macht Mut, keine Angst!

Deswegen möchte ich an dieser Stelle eine Lanze für alle AutorInnen brechen, die sich Mühe geben, Diversität in ihren Romanen einen Platz einzuräumen, auch – oder gerade weil! – sie selbst keine eigenen Erfahrungen mit Rassismus, Homophobie oder Sexismus gemacht haben. Seid mutig, stellt euch der Herausforderung – es lohnt sich!

Außerdem möchte alle LeserInnen ermutigen, AutorInnen nicht durch Aussagen wie die oben genannte zu demotivieren, damit schadet ihr letztlich nur euch selbst. Setzt Impulse, sagt, welche Klischees euch stören, gebt AutorInnen Tipps, wie sie sich informieren können. Nur so schaffen wir gemeinsam spannende, tiefgehende Geschichten ohne Klischees, die genauso bunt und vielfältig sind wie das Leben selbst.