Fantasy

„Sand & Wind“ ist erschienen

Ein Hauch von Wüstenwind weht durch die Buchlandschaft – seit Montag ist „Sand & Wind“ als Ebook erschienen.

Ich bin schon sehr gespannt, wie mein Herzensprojekt bei euch ankommen wird – ich hoffe, ihr werdet es mögen.

Um euch ein bisschen neugierig zu machen, zeige ich euch hier noch einmal die wundervollen Charakterportraits, die Elif Siebenpfeiffer für mich angefertigt hat. Sind sie nicht atemberaubend?

CharakterePinboard

Mehr über die Charaktere, die Schauplätze des Romans und Einblicke in die zarbahanische Küche findet ihr hier (einfach den Links folgen).

Wenn ihr Lust habt, „Sand & Wind“ für nur 3,49 € zu erstehen, dann bekommt ihr das Ebook auf Amazon, auf Xinxi und im Verlagsshop. Weitere Shops (z.B. Tolino, iBooks) folgen demnächst.n

Auf Xinxi findet ihr außerdem eine Leseprobe aus den ersten Kapiteln.

Lasst euch ins orientalische Zarbahan entführen. 🙂 Viel Spaß!

 

Gewinnspiel „Sand & Wind“

Ihr Lieben, am 25. Juni erscheint mein Orient Fantasy-Roman „Sand & Wind“ als Ebook im Verlag Ohneohren – und passend dazu gibt es ein kleines Rätsel mit Gewinnspiel für euch.

Seit Anfang der Woche findet übrigens auf Facebook auch die passende Releaseparty statt, nämlich die Verlobung von Schah Elis ben Sidef mit Prinzessin Arazin. Noch könnt ihr vorbeischauen und euch das tolle Programm ansehen: Klick (Facebook-Link)

Die perfekte Sitzordnung

Das Bankett zur Verlobungsfeier in Zarbahan ist eröffnet, und der Haushofmeister des Schahs steht vor einer großen Herausforderung: Er muss die richtige Sitzordnung für diesen Anlass wählen und allen Gästen einen der sieben Plätze (siehe Bild) zuweisen.

Tischordnung

Leider haben alle eigene Ansprüche, denen er nachkommen muss.

  • Elis, der Schah, nimmt am Kopfende Platz.
  • Prinzessin Arazin will aus Trotz so weit wie möglich von ihrem Verlobten entfernt sitzen.
  • Kareff, der Kämmerer, will Arazin im Auge behalten und sitzt ihr gegenüber.
  • Izafar, der Wesir, möchte selbstverständlich neben Elis sitzen.
  • Simani, die Zofe der Prinzessin, leistet ihrer Herrin Arazin Gesellschaft und nimmt neben ihr Platz.
  • Die Hofmarschallin Aqiru will zu Izafars Rechter sitzen, aber auf gar keinen Fall neben Prinzessin Arazin.
  • Der Hauptmann nimmt den letzten freien Platz.

GEWINNSPIELFRAGE: Auf welchem Platz sitzt der Hauptmann?

Zu gewinnen gibt es 2 x das Ebook zu „Sand & Wind“ im Wunschformat mit einem kleinen Goodie-Päckchen

Schickt eure Antwort (nur die Zahl des Sitzplatzes) per Mail an meine Email-Adresse im Impressum (Betreff „Gewinnspiel Sand&Wind“) oder per Twitter/Facebook als Privatnachricht. Aus allen richtigen Einsendungen werden zufällig die drei Gewinner/innen gezogen und zeitnah auf meiner Facebookseite bekannt gegeben.

Teilnahme ist bis 29. Juni um 23.59 Uhr möglich.

Viel Erfolg!

Bitte postet die Antwort NICHT unter diesem Beitrag und gebt keine Hinweise auf die Lösung, um anderen auch ihren Rätselspaß zu gönnen. Posts, die in diese Richtung gehen, werden sofort von mir gelöscht. Bitte seid fair. Fragen sind natürlich jederzeit erlaubt.

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Gewinnspielbedingungen und Datenschutz

TeilnehmerInnen des Gewinnspiels müssen mind. 18 Jahre alt sein und einen festen Wohnsitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz haben. Jede natürliche Person darf nur einmal am Gewinnspiel teilnehmen, bei Verstoß wird die Person von der Gewinnspielteilnahme ausgeschlossen.

Facebook, Twitter und WordPress haben nichts mit dem Gewinnspiel zu tun und steht nicht als Ansprechpartner zur Verfügung. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die TeilnehmerInnen erklären sich bereit, Elea Brandt im Gewinnfall ihre Email und Post-Adresse ausschließlich für den Gewinnversand zur Verfügung zu stellen. Dies kann per Facebook-Messenger oder per Email (siehe Impressum) erfolgen. Die Informationen werden nicht an Dritte weitergegeben, nicht gespeichert oder weiterverarbeitet und nach Ablauf des Gewinnspiels unverzüglich gelöscht. Dies gil ebenfalls für alle Email-Adressen, wenn die Teilnahme am Gewinnspiel per Mail erfolgt. TeilnehmerInnen erklären sich bereit, dass ihr Name im Gewinnfall auf der Facebookseite „Elea Brandt“ veröffentlicht wird.

Sollten sich eine/r oder mehrere GewinnerInnen binnen 7 Tagen nach Bekanntgabe nicht zurückmelden, wird der Gewinn erneut verlost. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.

Bildgrafik von https://de.freepik.com/…/mobel-symbole-in-der-architektur-p…, entworfen durch Freepik

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Das Wirtshaus am Wegesrand – eine kulinarische Leseprobe

Im Fantasy-Rollenspiel gibt es einige wiederkehrende Elemente, die einfach jeder kennt. Eines davon ist das obligatorische Gasthaus am Wegesrand, in dem sich die Heldengruppe bei Bier und Schmalzbrot zum ersten Mal begegnet und überraschend bemerkt, dass sie a) dasselbe Ziel verfolgen oder b) denselben Weg einschlagen wollen. Meistens bietet dieses Szenario dann den Ausgangspunkt für das nächste große gemeinsame Abenteuer. In der Heldenreise nach Campbell würde man wohl vom „Überschreiten der ersten Schwelle“ sprechen.

Auch in „Unter einem Banner“ gibt es eine solche Wirtshausszene. Zugegeben, meine „Helden“ (bewusst in Anführungszeichen) kennen sich schon vorher und ihr Abenteuer hat bereits begonnen, trotzdem hat diese Szene – und die darauf folgenden – eine gewisse Schwellenfunktion. Die Protagonisten begreifen, dass es kein Zurück gibt und stehen vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe.

Einen kurzen Ausschnitt daraus gibt es heute in einer Leseprobe. Um alte Traditionen nicht abreißen zu lassen, garniere ich auch diesen Textausschnitt mit einer kleinen Rezeptidee. Solange die Tage noch grau und kalt sind definitiv empfehlenswert.


Beginn der Leseprobe

Schweigen hüllte den Wagen ein, der schmatzend durch den Schlamm pflügte. Der Kutscher pfiff ein fröhliches Liedchen, als würden weder die Ereignisse in Arlis noch das grässliche Wetter seine Laune trüben. Reykan rollte währenddessen eine der Decken auseinander und reichte sie Benrik. Die Wolle hatte sich zwar schon mit Wasser vollgesogen, doch der Prinz schlang sie trotzdem dankbar um seine Schultern. »Wir kommen jetzt nach Arnshof«, erklang wenig später die Stimme des Fuhrmanns. »Werd’ dann an der Brücke nach Osten abzweigen, Richtung Jachen. Wie sieht’s mit Euch aus?« 

»Wir bleiben hier«, entschied Reykan. »Gibt es eine Herberge in Arnshof?« 

»Sicher«, der Fuhrmann nickte, »Elmas Stube. Gutes Haus, süffiges Bier. Die haben da auch Zimmer.« 

Reykan atmete auf und sah zu, wie der Kutscher seinen Karren durch die kleine Ortschaft lenkte. Die Sonne war untergegangen und feuchter Dunst umfing die Bauernhäuser wie ein weißer Schleier. Im strömenden Regen wagte sich kaum jemand auf die Straße, doch aus dem Inneren eines ansehnlichen Fachwerkhauses drang Licht und erleuchtete das bronzene Wirtshausschild. 

»Habt vielen Dank«, murmelte Reykan, als er aus der Kutsche kletterte. Schmatzend gruben sich seine Stiefel in den Schlamm. »Ihr habt uns wirklich sehr geholfen.« Es nagte an ihm, dass er den Mann nicht bezahlen konnte, aber im Moment blieb ihnen gerade noch genug für eine Nacht im Gasthaus und zwei Abendessen. 

Der Fuhrmann winkte ab und lüpfte seinen breitkrempigen Hut. »Nichts zu danken. Gute Weiterreise.« Er schnalzte mit der Zunge, trieb seine Rösser an und Reykan stieß die Tür zur Herberge auf. Rauchige Hitze umfing ihn wie eine warme Decke und Benrik hinter ihm stöhnte erleichtert auf. 

»Guten Abend, die Herren.« Die pausbäckige Wirtin, die ihre Rundungen in ein viel zu enges Mieder gezwängt hatte, lächelte ihnen fröhlich entgegen. »Grässliches Wetter, nicht wahr? Nehmt doch Platz.« 

Während sich Benrik überschwänglich bedankte, ließ Reykan routiniert seinen Blick durch den Schankraum gleiten. Einige Bauern saßen an klobigen Holztischen beisammen und spielten Karten. Zwei weitere Männer sahen nach Reisenden aus, die der Regen ins Gasthaus getrieben hatte. Ein einzelner Bursche in Reitkleidern hockte am Tresen über seinem Bier. Keine Waffen in Sichtweite. Dennoch entschied sich Reykan für einen der Tische am Fenster und platzierte den Prinzen mit dem Rücken zur Wand. 

Ungefragt stellte die Wirtin zwei dampfende Becher mit Gewürzwein vor ihnen auf den Tisch und strahlte von einem Ohr zum anderen. »Ihr seht aus, als würden Euch die guttun, nicht wahr?« 

»Und wie!« Benrik umschloss den Tonbecher erleichtert mit den Händen. »Habt Ihr auch ein Abendessen für uns?« 

»Gewiss«, erwiderte die Wirtin heiter. »Schwarzbrot mit Griebenschmalz, eine deftige Gemüsebrühe oder etwas Räucherschinken?« 

»Von allem etwas«, bestellte Benrik eifrig. »Seid ruhig großzügig mit dem Schinken, und …« 

»Sachte.« Reykan gebot ihm mit einer Geste Einhalt, linste beklommen in seine Geldkatze und leerte den kargen Inhalt auf den Tisch. »Bekommen wir dafür zwei Zimmer, Abendessen und etwas Proviant?« 

Die Wirtin zählte die Münzen, zog die Nase kraus und lächelte dann bemüht höflich. »Nun, da lässt sich bestimmt etwas machen. Wir haben allerdings nur noch ein Doppelzimmer. Die beiden Einzelzimmer haben die Herren dort drüben für sich beansprucht.« 

»Ein Zimmer?« Benrik warf Reykan einen spöttischen Blick zu und grinste. »Gut, warum nicht. Kalte Nächte, nicht wahr?« 

Reykan knurrte nur beiläufig und wandte sich der Wirtin zu. Das Herzklopfen ignorierte er. »Dann sagen wir zwei Kupfer für das Abendessen, vier für das Zimmer … und anderthalb für einen warmen Zuber?« 

Die Wirtin zählte die Münzen ab und nickte. »Natürlich, meine Herren. Ich bringe Euch das Abendbrot, danach sollte der Zuber fertig sein.« 

Als sie hinter dem Tresen verschwand und den Reiter abkassierte, beugte sich Benrik grinsend über den Tisch. Das Feuer war in seine graublauen Augen zurückgekehrt und verwandelte sie vom trüben Sturmmeer in leuchtende Aquamarine. »Das klingt doch nach einem vielversprechenden Abend, findet Ihr nicht? Genau richtig in einer grässlichen Situation wie dieser. Wein, ein warmer Zuber, ein gemeinsames Bett …« 

Reykan schnaubte und verschränkte die Arme vor der Brust. Seine Wangen brannten unangenehm. »Euer Vater ist tot«, zischte er angespannt, »Arlis steht in Flammen – und alles, woran Ihr denken könnt, ist Euer Vergnügen?« 

Benrik blähte die Nasenflügel, schlagartig war das Leuchten aus seinen Augen verschwunden. »Danke für die Erinnerung«, knurrte er. »Soll ich weinen und schreien, wäre Euch das lieber? Mit meinem Schicksal hadern, die Welt verfluchen und mich in den Alkohol flüchten?« 

»Nein«, beantwortete Reykan die rhetorische Frage und ignorierte den Seitenhieb, »aber ein wenig Anteilnahme stünde Euch gut zu Gesicht.« 

Benrik schnaubte. »Vielleicht solltet Ihr mir die Entscheidung überlassen, wie ich mit dem Tod meines Vaters umgehe? Wenn Ihr schon keine Lust auf eine angenehme Konversation habt, dann bohrt wenigstens nicht mit dem Finger in meinen Wunden.« 

Reykan presste die Lippen zusammen und schwieg. Er spürte, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg, und schämte sich für seine heftige Reaktion. Benrik versuchte ihn lediglich zu provozieren, das war alles. »Eine angenehme Konversation stelle ich mir anders vor«, erwiderte er brüsk. »Aber vielleicht bin ich einfach immun gegen Euren Charme.« 

Benrik lachte bitter. »Das werden wir noch sehen, Herr von Torat.«


 

Rezept für Gewürzwein (Hypocras)

1 Flasche trockener Rotwein
100 g Zucker
je 1-2 TL Nelkenpulver, Zimt, Kardamom, Chili, Ingwer und Muskat
1-2 EL Rosenwasser

Rotwein in einem Topf erhitzen bis knapp vor den Siedepunkt, Zucker unterrühren und kurz aufkochen. Die Gewürze vermengen und etwa die Hälfte davon in den Topf geben. Umrühren und ca. 10-15 min bei niedriger Hitze ziehen lassen. Danach abschmecken und ggf. mehr Gewürze und das Rosenwasser hinzufügen. Abschließend durch ein feines Sieb oder ein Tuch gießen, um die Rückstände aufzufangen.

Schmeckt heiß besonders gut, im Sommer aber auch eisgekühlt. Am besten innerhalb von 7 Tagen aufbrauchen.


 

Neugierig?

„Unter einem Banner“ ist als Ebook und bald auch als Taschenbuch erhältlich.

Link zu Amazon

Link zum Verlagsshop

Verflucht & zugenäht

Derbe Sprache in der Fantasy-Literatur – Top oder Flop?

Ihr kennt das: In Filmen wird ständig geflucht. Kaum ein Hollywood-Blockbuster, in dem das F-Wort nicht am laufenden Band über die Lippen fließt. Für Alien 2 und 3 von Ridley Scott gibt es sogar ein passendes Trinkspiel: ein Shot für jeden Fluch. Aus sicheren Quellen weiß ich, man bleibt nicht lange nüchtern.

Aber wie ist das in Büchern, vor allem in der Fantasy, bei der man in der Regel einen sehr getragenen, blumigen, metaphorischen Schreibstil erwartet? Passen da Flüche oder Schimpfwörter überhaupt ins Repertoire der fantastischen Helden?

Fantastische Flüche und wo sie zu finden sind

Ich gebe unumwunden zu, bei „Opfermond“ würde sich ein Schimpfwörter-Trinkspiel ausgesprochen lohnen, zumindest dann, wenn ihr besoffen unter dem Tisch liegen wollt. Ja, es wird viel geflucht, vor allem in den Kapiteln, in denen Idra zu Wort kommt. Ihr loses Mundwerk ist Teil ihres Charakters und intensiv geprägt von der harschen, rauen Umgebung, in der sie aufgewachsen ist.

Generell ist derbe Sprache und die Verwendung von Flüchen und Schimpfwörtern ein charakteristisches Element düsterer Fantasy. In Jay Kristoffs „Nevernight“ übertrumpfen sich die Akteure regelmäßig in der Verwendung vulgärer Sprache, ebenso in Joe Abercrombies Klingenreihe oder in Susanne Pavlovics „Feuerjäger“-Trilogie. Schnell wird auf diese Weise deutlich, in welche Art von Welt sich der Leser hier verirrt hat und mit welchen Individuen er es zu tun bekommt. Hier gibt es keine romantischen Märchen, keine zuckerguss-rosa Regenbogenwelten und keine blumigen Beschreibungen. Hier geht es knallhart zur Sache.

IMG_20180112_163136Mia nickte. „Oh ja. Er ist so gefährlich wie ein Sack Schwarzflecknattern. Und eine echte Fotze, das steht fest.“
Der Junge hob die Augenbrauen, den Mund staunend geöffnet.
„Was?“
„Meine Mutter sagte, das sei ein schlimmes Wort“, erklärte Tric mit gerunzelter Stirn. „Das schlimmste überhaupt.“ […]
„Ach, tatsächlich?“ Das Mädchen zog wieder an ihrem Zigarillo. „Und wieso?“
„Weiß ich nicht“, brummte Tric verlegen. „Das hat sie eben gesagt.“
– Aus „Nevernight – Die Prüfung“ von Jay Kristoff (Verlag Fischer TOR)

Gib mir Tiernamen!

Wie alle sprachlichen Stilmittel erfüllt auch die Verwendung derber Sprache eine Funktion – oder sollte das zumindest, um vom Leser auch als Mittel zum Zweck erkannt zu werden und nicht nur als substanzlose Provokation. In Zeiten, in denen Flüche ihren Schrecken in der Gesellschaft verloren haben, kann die bloße Nennung solcher Worte ohnehin nicht mehr schockieren.

Derbe Sprache kann verschiedene Aufgaben im Text erfüllen. Zum einen kann sie helfen, Figuren zu charakterisieren. Ein verlottertes Straßenmädchen oder ein rauer Space-Marine haben vielleicht einen anderen Bezug zu Schimpfwörtern als ein Sohn aus gutem Hause. Oder flucht die elegante Fürstin vielleicht sogar besonders oft, weil sie sich von der spießigen Gesellschaft um sie her abgrenzen will? Oder um zu schockieren? Kurzum, Erzählstimmen oder Dialoganteile lassen sich durch sprachliche Entgleisungen angenehm variieren und schenken dem Leser ein Gefühl für die Persönlichkeit oder Geschichte des Charakters.

Zum anderen vermittelt derbe Sprache auch einen Eindruck von Authentizität. Menschen fluchen nun einmal laut und herzlich, wenn sie in einen Legostein treten, mit dem Kopf gegen das offene Fenster knallen oder einen fatalen Fehler zu spät bemerken. Flüche lassen einen Menschen überzeugender, glaubwürdiger und manchmal sogar sympathischer wirken – klingt absurd, ist aber sogar wissenschaftlich belegt. Auch Gefühle werden über Flüche oft besser und ehrlicher transportiert als über langwierige Beschreibungen. Eine im Zorn ausgestoßene Verwünschung oder eine fiese Beleidigung lässt den Leser intensiv an der Gefühlswelt des Protagonisten teilhaben und macht unmissverständlich klar, wie es ihm gerade geht: ziemlich bescheiden (das war übrigens ein Test – „beschissen“ hätte euch an dieser Stelle sehr viel stärker emotional involviert oder? Gebt es zu.)

Ganz abseits dieser sehr technischen Aspekte können Flüche auch eine tragende Funktion innerhalb einer Geschichte haben, nämlich dann, wenn sie – ganz unaufdringlich – Weltenbauelemente vermitteln. Der raue Fantasy-Held flucht eben nicht „verdammt“ oder „zum Henker“ oder „ach Gottchen“, sondern „bei den bebenden Möpsen Trelenes“ (Nevernight) oder „Meridias nackter Arsch“ (Feuerjäger). Solche Anspielungen lockern das Geschehen auf, bringen den Leser zum Schmunzeln (vielleicht) und geben ihm gleichzeitig das Gefühl, wirklich voll und ganz ins Geschehen eingetaucht zu sein. Kleine Details, aber mit großer Wirkung.

In puncto „Flüche und Weltenbau“ ist aber auch Vorsicht angezeigt. Viele Schimpfworte und Flüche in unserem Sprachgebrauch haben einen religiösen bzw. regionalen Hintergrund, der sich nicht eins zu eins auf ein Fantasy-Szenario übertragen lässt. Manche sind dagegen eng mit modernem Slang oder Jugendsprache assoziiert und daher nicht für alle Szenarien geeignet. Aber genau das lässt wiederum Spielraum für eigene Kreationen.

Muss das wirklich?

Natürlich darf man sich die Frage stellen: Muss das sein? Muss der Held oder die Heldin auf jeder Seite fünf verschiedene Personen als Bastard, Hurensohn oder Schlimmeres bezeichnen? Nein, natürlich nicht. Wie bei allen Stilmitteln gilt: Die Dosis macht das Gift. Nicht jedes Genre, nicht jeder Charakter, nicht jede Geschichte wird dadurch aufgewertet, im Gegenteil, manchmal kann der Schuss auch nach hinten losgehen. Gerade bei stark diskriminierenden, beleidigenden oder gar rassistischen Schimpfworten ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Bei rassistischen, homophoben oder frauenfeindlichen Charakteren mag es sinnvoll und authentisch sein, sie entsprechende Beleidigungen ausspucken zu lassen, doch sollte man sich der Wirkung dessen bewusst sein. Einen Bösewicht nur über seine derbe Sprache zu definieren ist darüber hinaus ziemlich plump.

In der Fantasy gefällt es mir gut, wenn auch Beleidigungen oder Schimpfwörter im Sinne des Weltenbaus variiert werden. In „Harry Potter“ gilt Schlammblut als schreckliche Beleidigung für muggelstämmige Zauberer. In der Königsmörder-Chronik ist das vermeintlich harmlose Wort Rabauke eine schlimme rassistische Beleidigung für das fahrende Volk der Edema Ruh. Natürlich entfalten diese Bezeichnungen nicht sofort dieselbe emotionale Wucht und erzeugen nicht dieselbe Empörung wie irdische Beleidigungen, gleichzeitig bergen sie aber auch nicht die Gefahr, Leser zu verletzen. Ganz abgesehen davon, dass solche Anekdoten auch dabei helfen, die Welt, in die man eingetaucht ist, intensiver zu illustrieren.

Fazit

Fassen wir zusammen. Derbe Sprache kann auch in Fantasy-Welten ihren berechtigten Platz haben, wenn sie hilft, die Welt oder die Figuren näher zu charakterisieren oder wenn sie der Authentizität der Charaktere zuträglich ist. Also, scheiße nochmal, lasst eure Figuren fluchen, wenn es zu ihnen passt. Überlegt euch kreative, interessante und spannende Möglichkeiten, die Welt eurer Figuren in ihre Flüche einzuweben. Dann haben eure Leser sich auch Spaß daran.

Was denkt ihr darüber, mögt ihr vulgäre Sprache in Büchern oder stört es euch eher? Wie geht ihr als Autor oder Autorin damit um? Habt ihr euch schon mal kreative Schimpfwörter für eure Romane ausgedacht? Wenn ja, erzählt doch mal. ^_^

[Ankündigung] Release „Unter einem Banner“

Ihr Lieben, das Jahr 2018 startet gleich mit tollen Neuigkeiten. Mein Low Fantasy Roman „Unter einem Banner“ erscheint spätestens im Februar im Dead Soft Verlag.

Das zweite Mal ist natürlich nicht mehr so aufregend wie das erste, aber ich hab doch ein bisschen Herzklopfen, denn Reykan und Benrik sind mir sehr ans Herz gewachsen. Was anfangs nur die Idee zu einer Kurzgeschichte sein sollte, wuchs sich zu einer Roman-Idee aus – eine gute Entscheidung, wenn ihr mich fragt.

Heute möchte ich euch schon einmal das Cover und den vorläufigen Klappentext zeigen.

Unbenannt

Wer Reykan übrigens schon vor Veröffentlichung kennen lernen möchte, kann sich noch heute bis Mitternacht für meinen Newsletter anmelden. Für alle Abonnenten gibt es eine Gratis-Kurzgeschichte, die euch in Reykans Jugend 20 Jahre vor den Ereignissen aus „Unter einem Banner“ entführt.

Na, was meint ihr? Seid ihr neugierig?

[Bericht] Lesung im Drachenzirkel

Hier kommt ein kurzes Lebenszeichen von mir aus der Nanowrimo-Schreibhöhle. Ich möchte es nämlich nicht versäumen, euch von meiner Lesung in der „Steinhauser Einkehr“ in München vor zwei Wochen zu erzählen.

Am 4. November durfte ich zusammen mit meinem Verlags-Kollegen Dominik Schmeller, der gemeinsam mit mir dieses Jahr im Mantikore-Verlag seinen Fantasy-Roman „Das Relikt der Fladrea“ veröffentlich hat, die neu gegründete Fantasy-Lesungsreihe des Drachenzirkel München eröffnen und dort mein Debüt „Opfermond“ vorstellen.

 

Fotos (c) Benedikt Schreiber, Flamboyant Media

 

In den nächsten Monaten werden euch im Drachenzirkel unterschiedliche Fantasy-Autorinnen und -Autoren ihre Werke präsentieren und daraus vorlesen, wenn ihr also aus der Gegend seid, schaut doch mal auf der Facebook-Seite vorbei, dort findet ihr alle Termine.

Da es sich um die Auftaktveranstaltung handelte, war ich zunächst skeptisch, ob wir den Raum würden füllen können, letztlich haben sich aber doch 20 bis 30 Interessierte eingefunden und andächtig gelauscht. Vor allem hat mich der Überraschungsbesuch meiner Familie gefreut, die ohne Ankündigung vorbei kam, um mich zu unterstützen.

 

Meine etwa 30-minütige Lesung aus „Opfermond“ könnt ihr dank der professionellen Technik von Flamboyant Media auch als Youtube-Video ansehen, die Qualität der Aufnahme ist wirklich hervorragend. Und keine Sorge, es gibt keine Spoiler. 🙂

Die Veranstalter und ich freuen uns über euer Feedback.

Eure Elea

#buchpassion: Inspirierende Phantastik-Autorinnen

Wenn ich in mein Bücherregal blicke, dann muss ich gestehen, dass meine Fantasy-Regale immer noch sehr männerdominiert sind. Da stehen Terry Pratchett, Markus Heitz, Wolfgang Holbein und Joe Abercrombie. Alles Autoren, die tolle Bücher geschrieben haben, keine Frage, aber schade ist es doch, dass sich die Frauen gerade in der klassischen und der düsteren Fantasy bislang nicht durchsetzen konnten. Das merke ich nicht zuletzt bei meinem eigenen Roman-Debüt, das sich als Dark- bzw. Grim&Gritty-Fantasy in ausschließlich männlicher Gesellschaft befindet.

Für die tolle Aktion #buchpassion von Kapri Zioes habe ich einen Blick zurück in meine literarische Vergangenheit geworfen und drei phantastische Autorinnen ausgesucht, die mich in meiner Kindheit, meiner Jugend und in jüngster Zeit besonders beeindruckt oder geprägt haben. Autorinnen, die ganz ohne Kitsch und Klischees auskommen, die nicht in eine der stereotypen Frauen-Schubladen gesteckt werden können. Also, Vorhang auf.


Cornelia Funke

Ich glaube, von keiner anderen Autorin habe ich so viele Bücher gelesen wie von Cornelia Funke. Ich habe die „Wilden Hühner“ verschlungen, den „Drachenreiter“, „Igraine Ohnefurcht“, „Die Gespensterjäger“ und viele mehr. Cornelia Funkes Bücher haben mich durch meine Kindheit und Jugend begleitet, bis sie von den Harry-Potter-Romanen abgelöst wurde. Bis heute bin ich beeindruckt von den liebevollen Charakteren, der bildgewaltigen, traumhaften Sprache, dem Einfallsreichtum und dem leichten, lockeren Humor ihrer Bücher. Für Kinder und Jugendliche zu schreiben und dabei deren Lebenswelt und deren Fantasie so perfekt zu treffen ist eine Kunst, für die ich Cornelia Funke zutiefst bewundere. Wem dieser Genuss entgangen ist, sollte ihn schleunigst nachholen. Die Bücher bieten auch noch für Erwachsene großes Lesevergnügen.

Lieblingsbuch: Drachenreiter

Was ich bewundere: Stil & Sprache, Einfallsreichtum


 

Marion Zimmer Bradley

Ich denke, ich war etwa 14, als ich die „Nebel von Avalon“ zum ersten Mal gelesen habe. Es ist eines der weniger Bücher, die ich mehrfach las, obwohl es mehr als 800 Seiten hat, so sehr hat es mich gefesselt. Es war mein erstes Buch für Erwachsene und so gesehen auch mein erstes Fantasy-Buch abseits der Jugendliteratur. Damals dürfte der Roman in mir ungefähr dieselbe Faszination ausgelöst haben, wie heute „Game of Thrones“: Es ging um Liebe, um Sinnlichkeit, um Sex (die Szenen hab ich heimlich unter der Decke gelesen, man weiß ja nie), um Macht, um Politik – und alles erzählt aus der Sicht einer starken, präsenten Protagonistin, die moralisch nicht immer einwandfrei agierte, aber trotzdem eine große Sogwirkung erzeugte. Nach den „Nebeln von Avalon“ habe ich noch ein paar Romane aus dem Darkover-Zyklus gelesen, die mich aber nie so sehr beeindrucken konnten, obwohl auch dort starke, unabhängige Frauenfiguren dominieren.

Zugegeben, nachdem die Vorwürfe gegen Marion Zimmer Bradley wegen Missbrauch und körperlicher Misshandlung an ihrer Tochter und weiteren Kindern öffentlich wurden, hat sich mein Blickwinkel auf ihre Werke natürlich etwas verschoben. Ich möchte hier trotzdem nicht zu intensiv auf dieses Kapitel eingehen, denn zum einen bin ich zu wenig informiert, um konkrete Aussagen treffen zu können, zum anderen ändern diese Vorwürfe nichts an der Wirkung, welche die Bücher in meiner Jugend – lange bevor ich von der Anklage erfuhr – auf mich ausübten. Ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem. Ich lasse euch den Link zum Wikipedia-Artikel da, dort findet ihr auch weiterführende Links. Zum Thema „Autoren und Werke trennen“ gibt es auch einen sehr interessanten Artikel auf Fischer-Tor Online.

Lieblingsbuch: Die Nebel von Avalon

Was ich bewundere: Atmosphärische Dichte, Charakterentwicklung


Margaret Atwood

Ich gebe zu, auf Margaret Atwood bin ich eher durch Zufall gestoßen und das auch erst vor etwa einem Jahr. Meine Tante empfahl mir ihre Bücher und ich war sofort extrem begeistert. In „Das Jahr der Flut“ und „Die Geschichte von Zeb“ lässt Margaret Atwood komplexe, vielschichtige Frauenfiguren zu Wort kommen, die Ecken und Kanten haben, die nicht schön oder einfach sind. Sie kämpfen gegen persönliche Widrigkeiten, um ihren Platz im Leben und gegen eine kalte, von Konzernen regierte Gesellschaft, die sich selbst zugrunde richtet. Margaret Atwood besticht aber nicht nur durch ihre tollen Figuren, sondern zeigt auch eindrucksvoll, dass man durchaus sämtliche bekannten Schreibregeln brechen darf, wenn man es kann. Sie kann es. Auf der Frankfurter Buchmesse am 15. Oktober wird Margaret Atwood zudem mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Ich muss definitiv noch mehr von ihr lesen, „A handmaid’s tale“ liegt schon auf meinem SUB.

Lieblingsbuch: Das Jahr der Flut

Was ich bewundere: sämtlich Schreibregeln zu brechen und genau deswegen grandiose Bücher zu schreiben


 

Wie steht es mit euch, welche Fantasy- oder Phantastik-Autorinnen findet ihr toll? Warum, was zeichnet sie aus?

Und – ein bisschen Werbung darf sein – mit dem Nornennetz ist dieses Jahr das erste Netzwerk für Fantasy-Autorinnen entstanden. Schaut doch mal vorbei.

 


Mehr Artikel findet ihr auf Twitter oder Instagram unter dem Hashtag #buchpassion

Charaktere auf der Couch: #7 Zeyn

Die heutige Therapiesitzung wird eine besondere Herausforderung, denn mit Zeyn habe ich heute den ersten extra-terrestrischen Charakter auf meiner Couch. Glücklicherweise kennen wir uns schon und ich weiß, dass er nicht so bedrohlich ist, wie er aussieht, was man bei einem Wesen, das Knochenplatten statt Haut hat nicht vermuten würde. An einigen Stellen sind die Platten gebrochen und haben sich übereinandergeschoben, um als Verwucherungen wieder zusammenzuwachsen. Statt Haaren hat er in sich verdrehte Knochenwirbel auf dem Schädel, statt einer Nase drei Atemschlitze und viele spitze Reißzähne stechen aus seinem Gebiss hervor, das aschfahl ist wie seine Haut.

 

Ein wunderschönen guten Tag, bitte, nehmen Sie doch Platz, Herr … ähm … Sie blättert in ihren Unterlagen und runzelt dann die Stirn. Havrerthokt Gratvar Djan Chet

Lacht. Zeyn. Das ist die einzige dieser vielen Silben, die mir gehört, und sie reicht vollkommen aus, solange hier nicht zufällig ein zweiter Zeyn rumsitzt. Bei uns Ghitanern steht der Name hinten, der Rest ist nur schmückendes Beiwerk: Kolonie, Stamm, meine Großmutter … sowas interessiert höchstens die Steuerbehörde.

Erleichtert. Ah, schön, Zeyn. Ist Ihnen bewusst, weswegen Sie hier sind?

Irgend so ein Arschloch bei Tercharkuhr will eins reinwürgen? Lass mich raten: ein Mensch von Stormcoast? Von denen werden in letzter Zeit eindeutig zu viele angeworben – als ob andere Spezies nicht auch gute Söldner abgeben würden!

Nun, nicht direkt. Ihr Arbeitgeber, Tercharkuhr, erwägt, Sie auf eine längere Mission zu entsenden, aber er wünscht ein ausführliches Gutachten über Ihre psychische Verfassung und Belastungsfähigkeit. Fangen wir doch ganz einfach an. Wie würden Sie selbst ihre aktuelle Befindlichkeit einschätzen?

Genervt. Er wartet ein paar Sekunden ab, ob diese Antwort ausreicht. Ach komm schon! Vor Tercharkuhr war ich 17 Jahre lang Soldat beim ghitanischen Militär, da hab ich monatelang an den Grenzen Patrouille geschoben, ohne einen Raumhafen auch nur von Weiten sehen zu dürfen. Und, bin ich ausgerastet? Also häufiger, als das auf einem ghitanischen Raumschiff normal wäre …

Ich gebe zu, Sie sind der erste Ghitaner, den ich persönlich kennen lerne. Vielleicht könnten Sie mir kurz erzählen, was Ihre Spezies auszeichnet? Was macht Sie besonders kompetent für eine Führungsaufgabe auf dieser Mission?

Also geht es dir jetzt um Ghitaner oder um mich? Ach, ist doch egal, ich bin nicht so anders als der Rest. Wir sind robust und direkt, das macht uns zu idealen Soldaten. Außerdem können wir fast 5 Minuten ohne Schutz im Weltall überleben – mit Sauerstoff sogar 10! Kein Wunder also, dass wir die ersten hier waren, die den Sprung ins All geschafft haben. Und, ist das ein Grund für uns, anzugeben?

Nun ja, wenn Sie so fragen …

Was gibt’s denn da zu grinsen? Lass mich raten: wieder so eine komische Menschengeste, was? Nein, nein, erklär’s mir nicht, muss ich nicht verstehen. Wo war ich? Ach ja, warum ich für eine Führungsposition geeignet bin. Weil ich Erfahrung hab, 17 Jahre Militär und so. Und es gab nie mehr Probleme als die üblichen, die man eben hat, wenn man mit anderen Spezies zusammenarbeitet. Und die, die doch aufkamen, hab ich alle aus der Welt geschafft, sofort und ohne langes Reden. Man hört die ersten Knochenplatten knacken und aneinanderschaben, als Zeyn die Arme anspannt. Auf Ghitanisch. So weiß jeder immer, woran er ist. Ich sag ja, wir Ghitaner sind direkt.

Ähm ja, direkt, ich verstehe. Blättert in Zeyns Akte. Es gibt hier ein paar Hinweise auf Vorfälle, die … Nun ja, etwas aus dem Ruder gelaufen sind. Wir müssen da nicht näher drauf eingehen, aber Ihr Auftraggeber hat wohl ein paar Bedenken, da Sie ein „Einzelner“ sind. Können Sie kurz erläutern, was es damit auf sich hat?

Schnauben. War ja klar, dass das jetzt kommt. Wieder knacken die Knochenplatten, während sich Zeyns Hände zu Fäusten ballen. Ja, ich bin ein Einzelner, also habe ich keine Geschwister. Wir Ghitaner werden eigentlich zu viert geboren, also es sind zumindest immer vier Föten in der Mutter. Aber nicht immer kommen alle durch, weil, nun ja … Zeyn greift nach dem Wasserglas und nimmt einen tiefen Schluck. Natur und so, du weißt schon. Im Tierreich überlebt nur der Stärkste und so ein Mutterleib ist … Ich meine, klar sollte man sein Blut erkennen, aber Babys sind dumm, wie Tiere … und ghitanische Tiere sind nicht so harmlose Schoßhündchen, wie ihr Menschen sie ständig um euch habt. Was ich sagen will … Zeyn schaut auf das Glas in seiner Hand, blickt wieder hoch und zurück zum Glas – um es gegen die nächste Wand zu donnern. Ich hab meine drei Geschwister im Mutterleib aufgefressen, um selbst der Stärkste zu sein! Zufrieden? Und es gibt nun mal Ghitaner, die sagen, es ist genetisch, dass man keine Verantwortung für andere übernehmen kann. Deshalb gibt man Einzelnen für gewöhnlich auch keine.

Es klingt, als würde Sie das sehr belasten. Haben Sie jemanden, mit dem Sie darüber sprechen können?

Wozu? Bin ich ein Mensch? Ich muss nicht alles totreden, was würde das bringen? Ich hab meine Geschwister umgelegt, sie werden nicht wieder lebendig, wenn ich jemanden immer und immer wieder mit dieser Geschichte zuquatsche. Und erst recht werden andere nicht vergessen, was ich bin, wenn ich doch immer wieder von selbst damit anfange.

Also nein, ich rede mit niemandem darüber. Und falls das so eine mal-schauen-ob-er-meine-Gedanken-errät-Menschenart war, zu fragen, ob ich allein lebe: Ja, tu ich. Ich bin seit fast einem Jahr Single, da gibt es also keine Familie, die Tercharkuhr auszahlen muss, wenn ich draufgehe. Du kannst deine Auftraggeber also beruhigen.

Keine Sorge, Sie müssen meine Gedanken nicht lesen, dafür lese ich Ihre auch nicht, ja? Sie haben vorher schon mal angedeutet, dass ihrer Meinung nach zu viele Menschen als Söldner angeheuert werden. Ihnen ist sicher bewusst, dass die Besatzung der Keora vorrangig aus Menschen besteht. Ist das ein Problem für Sie?

Nein, warum sollte es? Die haaren zumindest nicht alles so voll, wie es Junakta tun. Wobei – wir reden hier doch nicht Stormcoast-Menschen, oder? Bitte sag mir, dass Tercharkuhr das Schiff nicht voll mit diesen Idioten packt!

Wieso? Haben Sie schlechte Erfahrungen diesbezüglich gemacht?

Wer hat das denn nicht? Die Stormcoast-Kolonie war jahrzehntelang verschollen, und kaum tauchen sie auf, tun sie so, als würde ihnen die ganze Galaxis gehören! Es geht immer nur um sie, Stormcoast hier, Menschen-Sonderrechte da. Ich meine, versteh das jetzt nicht falsch, aber ihr Menschen seid hier nur eine Minderheit, seit der Invasion damals gibt es von euch höchstens ein paar Millionen. Wir Ghitaner sind Milliarden! Und, spielen wir uns als Führer dieser Galaxis auf?

Das Kommando über die Keora wird ein gewisser Jonas Brand führen. Soweit ich weiß, kennen Sie ihn bereits?

Brand, der sogenannte Held der Menschheit … Zeyn lacht dreckig. Kennen ist da wirklich zu viel gesagt. Das war vor über einem Jahr, noch beim Militär, da war ich mit einem Patrouillenschiff unterwegs. Da bekommen wir einen Notruf rein, reisen hin – und siehe da, eine Piratenflotte. Wie sich herausgestellt hat, sind die zufällig über Stormcoast gestolpert und wollten die Chance auf ein paar einfach zu fangende Menschensklaven nutzen. Und dann gab es an Bord eine kleine Revolte, bei der es Brand irgendwie geschafft hat, beim Wilden auf Knöpfen herumdrücken zufällig einen Notruf abzusetzen – und ist deshalb jetzt der große Held, der die Piraten vernichtete.

Zeyn greift an die Stelle, an der vorhin noch das Wasserglas stand. Als er merkt, dass da nichts mehr steht, greift er sich eben den ganzen Tisch, wirft ihn zu Boden und tritt das erste Tischbein ab. Er schaubt.

Die Therapeutin lässt vor Schreck ihr Klemmbrett fallen und springt auf. Zeyn, beruhigen Sie sich, ich …

Weißt du was? Du wolltest wissen, was uns Ghitaner so besonders macht? Wir scheren uns nicht um Helden, wir leben für die Gemeinschaft. Ob sie uns nun haben will oder nicht. Er tritt auch ein zweites Tischbein ab und sieht dann hoch. Keine Sorge, ich lass dir genug Skifs da, damit du dir einen neuen Tisch vom nächsten Verwerter holen kannst.

Die Therapeutin nickt irritiert. Skifs ähm … Gut. Schön. Bringen wir das hinter uns und reden wir Klartext, Zeyn: Trauen Sie sich diese Mission zu?

Ja, verdammt! Wieso hätte ich mich denn sonst gemeldet? Ist ja nicht so, als hätte ich nichts Besseres zu tun. – Gut, hab ich im Moment wirklich nicht, aber darum geht es nicht! Er hebt ein abgebrochenes Tischbein und fängt an, es in kleine Stücke zu brechen. Wenn Tercharkuhr Angst hat, dass ich einen ihrer Stormcoast-Neulinge zu hart anfasse, kannst du sie beruhigen: Ich weiß, dass Alien-Ärmchen leichter brechen als Plastik. Zeyn knackt ein weiteres Stück Tischbein ab. Ich werde keinen Ärger machen, solange sie mich nicht provozieren. Und ich werde mehr ghitanisch denken und weniger … einzeln. Ehrlich gesagt sollte Tercharkuhr mir deshalb die Führung überlassen und nicht diesem SC-Emporkömmling: Mir ist es egal, ob ich am Ende als Held dastehe oder nicht, solange ich die Mission nur zu Ende bringe. Kannst du ihnen das sagen?

Gut, ich notiere es im Bericht. Wenn Sie diese Fragebögen hier noch ausfüllen könnten, dann sind wir fertig. Tun Sie mir den Gefallen und machen Sie nichts mehr kaputt, ja? Ich hänge an diesem Büro.

 


Blind_400x600Wenn ihr ein bisschen neugierig geworden sein und wissen wollt, wie sich Zeyn auf seiner kommenden Mission schlägt und welche Konflikte und Abenteuer ihn und seine Begleiter dort erwarten, holt euch Annette Juretzkis Debüt „Blind“, das im Traumtänzer Verlag erschienen ist. Der Folgeband wird Anfang nächsten Jahres erscheinen.

Internetseite der Autorin: annette-juretzki.de

Facebookseite der Autorin: www.facebook.com/annette.juretzki/

 

Habt ihr noch Fragen an mich oder Zeyn? Dann nur raus damit.

Oh, und falls ihr diesen ominösen Jonas auch gerne noch kennen lernen wollt – Annette hat ihn in der #charactersofseptember Challenge näher vorgestellt: Jonas Brand.

 


Einen Überblick über alle bisherigen Sitzungstermine gibt es hier.

„Opfermond“ erscheint als Ebook

Seit gestern ist das Ebook zu „Opfermond“ auf allen gängigen Plattformen erhältlich, so zum Beispiel auf Amazon oder Thalia.

Ich freue mich riesig über meine erste Verlags-Veröffentlichung und bin schon sehr gespannt auf das erste Feedback.

Wenn ihr Lust habt, eines von zwei Ebooks zu gewinnen, dann könnt ihr auf Facebook an einem kleinen Gewinnspiel teilnehmen, folgt dazu einfach diesem Link zu meiner Seite.

Allen Lesern wünsche ich schon mal sehr viel Spaß mit meinem düsteren Buch-Baby! Und für alle Print-Fans: Pünktlich zum Buchmesse Convent und zur Frankfurter Buchmesse könnt ihr auch das Taschenbuch erwerben.

Opfermond_Cover

Glaube in Ghor-el-Chras

Ein Beitrag zur Opfermond-Releasewoche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Am Montag haben wir schon ein wenig über Politik geredet, heute geht um ein zweites, großes Thema: Religion.

Glaube und Politik sind in Ghor-el-Chras eng verwoben. Der Glaube an den Kriegs- und Blutgott ist allgegenwärtig und bestimmt das Leben aller Menschen in der Stadt. Barmherzigkeit oder Gnade sind dem Herrn des Blutes fremd, er belohnt nur die Starken, jene, die sich nehmen, was sie begehren, und die Schwachen unter sich knechten. Selbstjustiz, Sklaverei und Unterdrückung werden in Ghor-el-Chras dadurch salonfähig.

Eifersüchtig wacht die Kirche über ihre Vorherrschaft und verurteilt die kultische Verehrung jeder anderen Gottheit als Ketzerei. Ausgenommen davon sind die Daimonen, Schutzgeister, die das einfache Volk zu verschiedenen Anlässen anruft und ihnen kleine Opfer darbringt. Jeder Straßenzug, jede Gilde, jede große Familie verehrt ihren eigenen Daimon, sodass in Ghor-el-Chras Hunderte Schutzgeister existieren.

Wollt ihr wissen, welcher Daimon der richtige für euch wäre? Dann macht doch einfach diesen simplen Test und findet es heraus. 🙂

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Ich freu mich auf eure Ergebnisse. Oh, und nehmt das Ganze lieber nicht zu ernst. 😉

Glaube