Persönliches

Von der Traumtänzerin zur Schriftstellerin: Das war 2018

Es ist mal wieder so weit, das Jahr neigt sich dem Ende zu. 2018 war ein enorm turbulentes, anstrengendes, arbeitsintensives Jahr, und ehrlich gesagt spüre ich das jetzt, nach 12 Monaten, sehr intensiv. Ein guter Grund, es 2018 ein wenig ruhiger angehen zu lassen. Trotzdem möchte ich euch ein wenig von meinem letzten Jahr erzählen und auch ein paar persönliche Worte diesbezüglich loswerden.

Persönliches zu Beginn

Mit meinem Debüt Ende 2017 hat sich einiges verändert. Das Schreiben hat mich viele Jahre begleitet, eigentlich schon seit meiner Kindheit, aber erst seit letztem Jahr ist es für mich zu einer professionellen Tätigkeit herangewachsen. Ich habe intensiv angefangen, mich mit meinen Texten und den Inhalten zu befassen, habe mich deutschlandweit mit anderen Phantastik-Autor*innen vernetzt und mein Marketing über Social-Media ausgebaut. Nun ja, und ganz nebenbei habe ich auch noch zwei Romane veröffentlicht, zwei fertig geschrieben, einen neuen begonnen und ein halbes Dutzend Kurzgeschichten geschrieben. Aus einem charmanten Hobby, das ich aus Spaß an der Freude nebenbei betrieben habe, wurde in den letzten 12 Monaten ein echter (Knochen-)Job, und es dauerte eine ganze Weile, bis ich das realisiert hatte. Da war es dann schon so weit, dass mein Körper nicht mehr mitspielen wollte und ich nur noch gestresst und abgehetzt war.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich liebe es, Autorin zu sein, ich würde sogar sagen, meine Liebe ist im letzten Jahr noch gewachsen. Ich bin in diesem Job angekommen und habe meinen Platz darin gefunden. Aber ich muss auch den Tatsachen ins Auge sehen, dass die Tage des heiteren Sonnenscheins vorbei sind. Dass die Erwartungen gestiegen sind, meine eigenen und die meiner Leser*innen. Dass ich jetzt Verpflichtungen, Deadlines habe, die es einzuhalten gilt. Das alles war im letzten Jahr neu für mich.

Lange Rede, kurzer Sinn: Für 2019 werde ich einen Gang zurückschalten. Ich will wieder mehr Freude am Schreiben haben, mich darin verlieren können und mir auch mal einen Tag oder zwei gönnen dürfen, an denen ich einfach gar nichts tue und nur meine Freizeit genieße. Ehrlich, so was wie Freizeit hatte ich im letzten halben Jahr kaum. Mein Zeitmanagement muss effizienter werden und muss auch Ruhephasen einschließen. Das sind meine guten Vorsätze fürs neue Jahr – mehr an mich und meine psychische bzw. physische Gesundheit denken.

Veröffentlichungen

Im letzten Jahr sind zwei neue Romane aus meiner Feder erschienen: „Unter einem Banner“ im Januar und „Sand & Wind“ im Juni. Insbesondere „Unter einem Banner“ hat eine wirklich tolle Resonanz bekommen, worüber ich mich sehr gefreut habe.  Bisher ist der Roman tatsächlich der erfolgreichste aus meiner Feder (zumindest in Bezug auf die Verkaufszahlen).

Ein dickes Dankeschön an alle Leser*innen, die mich mit dem Kauf eines der Bücher unterstützt haben und auch an alle, die sich die Mühe gemacht haben, eine Rezension zu verfassen. Ihr macht mich wirklich sehr glücklich damit!

Meine Kurzgeschichten möchte ich an dieser Stelle auch nicht unerwähnt lassen. Zur Leipziger Buchmesse sind die „Phantastischen Sportler“ im Verlag Torsten Low erschienen, zu denen ich mit „Teuflische Neun“ eine humorvolle Phantastik-Kurzgeschichte beisteuern durfte. Immer noch eine meine Lieblingsgeschichten, übrigens. Im Machandel-Verlag erschien außerdem die Anthologie „Wer braucht schon einen Dschinn?“ mit modernen Märchen, inspiriert von den Geschichten aus 1001 Nacht. Meine Kurzgeschichte „Der Fischer und die Peri“ ist eine Erzählung aus Zarbahan, wo auch „Sand & Wind“ spielt. Im Herbst ist im Bookspot-Verlag noch die Anthologie „Schattenflammen“ erschienen. Meine darin enthaltene Dark-Fantasy-Kurzgeschichte „Blutzoll“ wurde von den Herausgeber*innen als Siegergeschichte der Ausschreibung prämiert.

Auszeichnungen

Ja, sogar die gab es im vergangenen Jahr. „Opfermond“ wurde im Februar auf Platz 7 der Phantastik-Bestenliste platziert, „Sand & Wind“ erreichte von August bis Oktober sogar drei Platzierungen auf den Plätzen 4 bis 6. Ich bin wahnsinnig stolz auf diese Anerkennung und bedanke mich ganz herzlich bei der Jury. „Opfermond“ wurde zudem für den Deutschen Phantastik nominiert, erreichte dabei aber „nur“ die Longlist. Dafür erreichte der Roman beim Publikumspreis für Eskapismus und Nerdkultur (PEN&P) einen hervorragenden Platz 10. Das kann sich wirklich sehen lassen.

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Phantastik-Bestenliste Oktober 2018

Aktionen & Social Media

Anlässlich der diesjährigen Mondfinsternis konnte ich einige wunderbare Blogger*innen motivieren, eine Aktionswoche zu „Opfermond“ zu initiieren. Dabei sind wirklich tolle, tiefsinnige Beiträge entstanden, die es sich lohnt, zu lesen, unter anderem von Janna (KeJas Blog), Buchdrache und Myna Kaltschnee. Philipp von Nerds gegen Stephan hat sogar ein eigenes Rollenspiel-System ausgearbeitet, das wir auf der Manticon anzocken konnten. Vielen Dank für euren Einsatz, das war eine tolle Woche!

Mindestens ebenso viel Spaß hatte ich bei der Release-Woche zu „Sand & Wind“, einer ausgedehnten Verlobungsfeier, in der sich die teilnehmenden Blogger*innen nicht nur einer Schnitzeljagd widmeten, sondern auch die Stadt Zarbahan, den Palast und seine Bewohner näher unter die Lupe nahmen. Auch dabei sind richtig tolle Beiträge entstanden. Vielen lieben Dank dafür. Danke der großartigen Elif Siebenpfeiffer gibt es sogar passende Charakter-Zeichnungen für die Protagonist*innen.

 

 

Ja, und dann gab es ja auch noch die Fantasy-Winterspiele Anfang des Jahres und die Fantasy-Woche im Februar, bei denen ich tolle neue Kontakte knüpfen durfte. „Unter einem Banner“ hat bei den Winderspielen sogar zwei Platzierungen abgeräumt. Das hat mich extrem gefreut.

Lesungen & Messen

Zum ersten Mal war ich dieses Jahr auf der Buchmesse in Leipzig und hatte dort richtig tolle, erfüllte Tage mit vielen Kolleg*innen, Blogger*innen und Büchern. Definitiv eine Veranstaltung, die ich weiter besuchen werde – auch wenn das Schneechaos etwas genervt hat. Ich durfte sogar im Rahmen von „Leipzig liest“ in richtig toller Atmosphäre in der Leipziger Innenstadt aus „Opfermond“ lesen. Das war eine wirklich ganz besondere Erfahrung.

Lesung

Lesung aus „Opfermond“ auf der Leipziger Buchmesse

Ein weiteres außergewöhnliches Event war das „Festival Mediaval“, in dessen Lesezelt ich aus „Unter einem Banner“ und „Opfermond“ lesen durfte. Die Opfermond-Mitternachtslesung war besonders spannend – und trotz der Kälte hatten eine ganze Reihe interessierter Zuhörer*innen den Weg ins Zelt gefunden. Dass ich als VIP auch noch die Gelegenheit hatte, hinter die Kulissen zu schnuppern, war besonders aufregend – und ich durfte das tolle Festival ganz umsonst genießen. Was will man mehr? Vielen Dank, liebe Amandara, für deine Einladung. Es war mir ein Fest.

 

Fotosammlung vom Festival Mediaval

Natürlich durfte auch der BuCon in Dreieich dieses Jahr nicht fehlen und war wie immer ein Highlight mit vielen bekannten Gesichtern und lieben Menschen. Hinzu kamen eine ganze Reihe weitere kleiner und großer Conventions, die ich dieses Jahr besucht habe, überwiegend auch mit einem kleinen Autorinnen-Tisch oder einer Lesung: Die RPC in Köln (mit einer überraschend gut besuchten Lesung), die Comic Con in Stuttgart, die Cave Con in Aschaffenburg und das Fantasy-Festival in Schweinfurt. Darüber hinaus hat mich der Drachenzirkel zu einer kleinen, feinen Lesung nach München eingeladen, ich habe erstmals das Branchentreffen von PAN in Köln besucht und natürlich gehörte auch das jährliche Tintenzirkel-Treffen im Schieferpark dazu. Uff, in der Retrospektive war ich da doch ziemlich viel unterwegs …

Lesestatistik für 2018

Ich fürchte, an meiner Vorgabe von 25 Büchern in 2018 werde ich haarscharf scheitern, aber es sind immerhin 24 ½ geworden. Würde ich mein Recherchematerial für „Mutterschoß“ einrechnen, hätte ich die Hürde aber genommen.

Ein Vorsatz für 2018 war ja, mehr zu lesen – und dank Audible habe ich das auch mehr oder weniger gut erfüllt. Rund die Hälfte meiner 2018 konsumierten Bücher waren Hörbücher, denn diese konnte ich sehr gemütlich beim Pendeln in der U-bahn oder bei der Hausarbeit hören. Von meinen 25 (an-)gelesenen Büchern waren 11 von weiblichen und 13 von männlichen Autoren, eines war eine gemischte Anthologie. 13 Bücher sind der Phantastik zuzuordnen, 10 dem Genre Krimi oder Thriller, eines war eine Horror-Anthologie und eines ein Sachbuch.

Meine Lese-Highlights 2018 waren dabei:

  • Der Report der Magd von Margaret Atwood, eine herausragende Dystopie, die noch lange in mir nachgewirkt hat
  • Die Spiegel von Kettlewood Hall von Maja Ilisch, spannende Gaslicht-Mystery mit einer taffen Protagonistin, sehr glaubwürdig in das historische Setting eingebettet
  • Sie von Stephen King, hervorragend konstruierter Spannungsroman, der unter die Haut geht, und nebenbei auch interessante Einblicke in das Schriftstellerleben bietet
  • Der Schatten von Melanie Raabe, atmosphärisch dichter und klug aufgelöster Spannungsroman, ruhig, aber intensiv erzählt mit einer intensiven, morbiden Stimmung
Lieblingsbücher2018

Lieblingsbücher 2018

Auch wenn 25 Bücher für die meisten nicht viel erscheinen mögen, ich bin glücklich, dass ich es geschafft habe, 2018 die Zeit dafür freizuräumen. Wie eingangs erwähnt, bei meinem straffen To-do-Pile war das harte Arbeit.

Ausblick ins Neue Jahr

Um den Blick nicht nur in die Vergangenheit schweifen zu lassen, will ich euch am Ende noch einen kleinen Ausblick ins neue Jahr geben. Was steht denn 2019 alles so an?

Zwei Fortsetzungen zu den 2018 erschienen Romanen sind bereits in Planung. „Sand & Klinge“ wird im Sommer nächsten Jahres erscheinen, für „Unter einer Krone“ gibt es noch keinen Release-Termin, das möchte ich aber auf jeden Fall fertig schreiben. Ende 2019 geht es im Mantikore-Verlag zurück nach Ghor-el-Chras, da erscheint nämlich „Mutterschoß“, ein weiterer Dark-Fantasy-Roman im Setting von „Opfermond“. Wer bis dahin nicht mehr warten möchte, der sollte die Augen offenhalten: Noch davor wird – ebenfalls bei Mantikore – eine Kurzgeschichten-Anthologie erscheinen, die sich mit einer Nebenfigur aus „Opfermond“ etwas detaillierter auseinandersetzt.

Apropos Kurzgeschichten: Da gibt es noch mehr schöne Neuigkeiten. Schon in wenigen Wochen könnt ihr über den Münchener Drachenzirkel die Fantasy-Anthologie „Drachenmär“ erstehen, in der eine etwas augenzwinkernde Kurzgeschichte von mir enthalten sein wird (wer die Helden-WG aus dem Verlag Ohneohren kennt, entdeckt vielleicht alte Bekannte wieder). Zur Leipziger Buchmesse gibt Juliane Seidel vom queeren Blog „Like a dream“ eine Benefiz-Anthologie heraus, deren Erlös queeren Flüchtlingen zugutekommt. Darin findet ihr auch eine schwule Cyberpunk-Geschichte aus meiner Feder. Im Sommer gibt es dann voraussichtlich die Hafermann-Anthologie zum Gruseln, in der ich mich mit dem fränkischen Nachtgieger beschäftigt habe. Auch da sind viele tolle Autorenkolleg*innen beteiligt.

Oh, eine wichtige Neuerung gibt es noch zum Schluss. Dieser Blog ist im letzten Jahr ziemlich eingeschlafen, das will ich 2019 wieder ändern. Meine Website wird umziehen, ich möchte sie künftig selber hosten und damit auch den Anforderungen der DSGVO gerecht werden (das war auf dieser Plattform z.B. nur durch das Abschalten der Kommentar-Funktion möglich). Wundert euch also nicht, wenn diese Seite Anfang des Jahres für eine Weile nicht erreichbar ist. Sie kommt wieder.


Ich hoffe, ihr bleibt mir als Leser*innen auch 2019 gewogen und habt Lust, mich und meine Charaktere durch das kommende Jahr zu begleiten. Ich wünsche euch noch ein paar möglichst ruhige Tage bis zum Jahreswechsel, einen tollen Start ins neue Jahr und dass eure Wünsche 2019 so gut wie möglich erfüllt werden. Achtet gut auf euch und verliert den Spaß und die Freude nicht aus den Augen!

Eure Elea

Die Erinnerung ist eine Pflicht gegenüber den Toten

Diese Reportage veröffentlichte ich 2006 in der Schülerzeitung meines Gymnasiums, sie wurde damals vom Stern als beste Reportage mit dem Preis „Medien mit Mut“ ausgezeichnet. Inhaltlich und sprachlich habe ich nichts daran verändert, ich wollte sie so belassen, wie sie mein 16-jähriges Ich damals verfasst hat..


133716. Für uns ist es nicht mehr, als eine Aneinanderreihung von Ziffern, bedeutungslose Zahlen. Doch für Otto Jehoshua Schwerdt bedeuten sie weit mehr, als das. Sie sind ihm als Narbe auf den linken Arm gebrannt. 133716 – Zeichen für Schmerz, Qual und Todesangst. 133716 – Schwerdts Häftlingsnummer in Auschwitz-Birkenau. Sechzig Jahre ist es nun her, dass die Qualen der Konzentrationslager für immer vorbei sind, doch Schwerdt erinnert sich, als sei es gestern gewesen. Jedes schreckliche Detail, die Angst, die Schmerzen – sie sind ihm so nah wie immer und dennoch wirkt der mittlerweile fast 85-jährige, hagere Mann immer noch rüstig und tatkräftig, ist ohne Verbitterung.

1936 war es, dass die jüdischen Schwerdts gezwungen wurden, Deutschland zu verlassen. Otto Schwerdt, seine Eltern Eti und Max Schwerdt und seine Geschwister Meta und Sigi. Nur Schwerdt selbst und sein Vater sollten die schrecklichen Ereignisse überleben, die die Familie brutal auseinander rissen. Kein Grab, kein Stein, nur die Erinnerungen an die Toten sind geblieben. Schwerdt ist zwanzig Jahre alt, als man ihn nach Auschwitz bringt, allein sein Lebenswille machte ihn fähig, die Demütigungen der SS-Männer und die harten Arbeiten zu ertragen. Allein die Hoffnung, alles könne besser werden. Erst 1945 befreien die Amerikaner das KZ in Theresienstadt, der Krieg ist zu Ende, doch Otto Schwerdt und viele andere Menschen haben nicht nur einige kostbare Jahre ihres Lebens, sondern auch ihre Familie, verloren; manche auch für immer ihren Lebensmut, nicht so Otto Schwerdt.

Es hat dennoch lange gedauert, bis es ihm gelungen ist, die Ereignisse von damals zu verarbeiten, fünfzig Jahre lang hat er versucht sie zu verdrängen. „Tagsüber“, fügt er hinzu, „nachts ging’s nicht. Man träumt viel, vor allem wenn man älter wird.“ Ein Traum hat Schwerdt sein Leben lang verfolgt: Er sieht sich selbst an der Rampe von Auschwitz, mit einem Kind, seinem eigenen, und wird vor die Wahl gestellt: Mit dem Kind in die Gaskammern oder allein ins Zwangsarbeitslager. Und das Schlimmste sei, so Schwerdt, die Tatsache, dass er sich selbst im Traum nicht entscheiden könne. Auch an die Schauplätze sei er trotz der Gedenkfeiern zur sechzigjährigen Befreiung von Auschwitz dieses Jahr nicht mehr zurückgekehrt, zwei Mal war er dort, unter anderem 95. Es schaudert ihn noch immer, wenn er daran zurückdenkt. „Es war ganz schlimm für mich“, erklärt er leise, „ich habe die ganze Zeit geheult. Man kriegt einfach Angst, es ist, als käme man wieder ins KZ, man reißt alte Wunden wieder auf.“

Ein Traum hat Schwerdt sein Leben lang verfolgt: Er sieht sich selbst an der Rampe von Auschwitz, mit einem Kind, seinem eigenen, und wird vor die Wahl gestellt: Mit dem Kind in die Gaskammern oder allein ins Zwangsarbeitslager.

Erst mit seiner jüngsten Tochter Mascha hat er es geschafft, die Ereignisse aufzuarbeiten und sich dem Geschehenen zu stellen, 1998 erschien im Lichtung-Verlag ihr gemeinsam verfasstes Buch „Als Gott und die Welt schliefen“. Nicht um zu mahnen, wie er betont, sondern um zu erinnern, um besonders die Jugendlichen aufmerksam zu machen, anzuspornen, Dinge wie damals nicht wieder geschehen zu lassen. „Nicht nur hier“, bekräftigt er, „sondern auf der ganzen Welt.“ Auch heute noch kommen ihm häufig die Tränen, wenn er neue Stellen aus dem Buch liest. „An manche gewöhnt man sich mit der Zeit“, meint er, „doch man sieht trotzdem immer wieder die Bilder. Das sind Sachen, die aus dem Kopf gar nicht mehr rausgehen.“

Besonders lebhaft erinnert er sich noch immer an das Lagerleben, den Überlebenskampf jedes Einzelnen. Nichts als Glück hat ihm damals das Leben gerettet. „Man hat auch keine neuen Freundschaften geschlossen“, sagt Schwerdt. „Man stelle sich vor, man lernt jemanden kennen und morgen ist der Mann tot.“ Man teilte dasselbe Schicksal – und dennoch war Solidarität fern. Wenn man hungrig ist, so Schwerdt, gibt es keine Solidarität. Den Hass gegen die Aufseher, die seine Mutter, seine Schwester, seinen Bruder umbrachten, kann er nicht ganz verbergen. „Ich würde ihn nicht töten“, gibt Schwerdt zu, „aber ich würde ihn ganz schön vermöbeln.“ Eine Kollektivschuld hält er jedoch trotzdem für absolut unangebracht, es sei das Schlimmste, was man machen könne. Man dürfe nicht von den Deutschen, den Juden oder den Türken sprechen, sondern man müsse jedem Menschen seine Individualität geben, nur so sei es richtig.

Die Befreiung der KZs 1945 hat Schwerdt zunächst wie einen Traum erlebt, die Tatsache, auf einmal frei zu sein, essen zu können, Frauen und Kindern zu begegnen, die er zwei Jahre lang nicht gesehen hatte, erschien ihm zu irreal. Doch es sei nicht nur Freude gewesen, sagt Schwerdt, sondern auch Trauer und Verzweiflung über all das, was geschehen war. Zu viele Menschen hatten vor seinen Augen den Tod gefunden, zu viele waren gequält und geschlagen worden… zu viele, um Freude oder Euphorie zu empfinden.

Das Ende des Nazi-Regimes hat der damals erst 22-jährige genutzt, um sein Studium in Weiden zu beginnen, anschließend besuchte er in Regensburg die Theologisch-Philosophischen Hochschule. Seit 1954 lebt er auch dort und engagiert sich für die jüdische Gemeinde. Etwa 900 Mitglieder umfasst diese derzeit, davon sind 98 % russische Einwanderer. Nur wenige erscheinen regelmäßig am Sabbat in dem kleinen Betsaal des Gemeindehauses, das nur wenige Meter von der geschäftigen Fußgängerzone Regensburgs entfernt liegt – und ebenso nahe am Dom. „Denn mein Haus wird ein Bethaus sein für alle Völker“, dieser Satz des Propheten Jesaja steht groß an der gelben Fassade, sichtbar für jeden, der vorbei geht. Ein hoher Ginkgo streckt sich vor dem Haus in die Höhe. Er wurde, so Schwerdt, mit der Grundsteinlegung des neuen Gemeinde­hauses und der Mehrzweckräume gepflanzt. Er wächst mit der Gemeinde. Über dem Eingang steht in hebräischer Schrift: „Das Tor zu Gott“.

Die große, schöne Regensburger Synagoge fiel 1938 den Novemberprogromen zum Opfer, seither werden nur mehr kleinere Räumlichkeiten genutzt. Der kleine Betsaal mit dem Tora-Schrein für die Gottesdienste am Sabbat, der Gemeindesaal für größere Feste, wie Pessach oder Chanuka. Selbst praktiziert Schwerdt seinen Glauben nicht streng orthodox, doch man brauche schon eine gewisse Moral. Die 10 Gebote seien ja ganz schön, meint Schwerdt, doch er fahre trotzdem am Sabbat mit dem Auto. Er lächelt. „Ich sage mir immer, wenn der Moses gewusst hätte, dass man mit einem Auto so schön fahren kann, hätte er dieses Gesetz nicht erlassen.“ Respekt habe er natürlich trotzdem vor Juden, die nach wie vor orthodox nach dem Glauben leben, koscher essen und sich strikt an die Gebote halten. „Doch“, diese Bedingung stellt er, „sie sollen nicht wollen, dass ich so werde, wie sie.“ Möglich sei es jedoch wieder, seinen jüdischen Glauben streng zu leben. Auch in der Gemeinde gebe es, so Schwerdt, eine koschere Küche. Zudem beinhaltet das Gemeindehaus auch eine jüdische Schule, allerdings nur für Religion – und Hebräisch. Die Sprache lernen die Kinder und Jugendlichen allerdings eher zum Lesen und Übersetzen als zum Sprechen. Nach sechzig Jahren können Juden in Regensburg also nun wieder Juden sein.

Erfahrungen mit Antisemiten musste jedoch auch Schwerdt machen, nach einem Fernsehauftritt wurde er mit beleidigenden Anrufen belästigt, man beschimpfte ihn unter anderem als „Saujuden“, doch Schwerdt lächelt verschmitzt, als er ergänzt: „Aber ich habe ja eine kluge Frau, die hat sich eine Pfeife gekauft und beim nächsten Anruf hat sie laut in den Hörer gepfiffen. Und der hat aufgehört.“ Gegen Anrufe kann man sich wehren – doch was Schwerdt besonders belastet und empört, ist vor allem die Tatsache, dass antisemitische, rechtsgerichtete Parteien wie die NPD in deutsche Landtage gewählt werden. „Es ist absolut unverständlich für mich“, meint Schwerdt kopfschüttelnd, „ich verstehe die Wähler nicht. Die NPD nutzt ja die freie Demokratie, um die Demokratie zu zerstören. Es ist jammervoll, dass man die überhaupt wählt.“

Was Schwerdt besonders belastet, ist vor allem die Tatsache, dass antisemitische, rechtsgerichtete Parteien wie die NPD in deutsche Landtage gewählt werden. „Es ist absolut unverständlich für mich“, meint Schwerdt kopfschüttelnd, „ich verstehe die Wähler nicht.

Angst empfindet er jedoch keine, denn, so Schwerdt: „Solange der Staat Israel existiert, wird einem Juden immer ein Zufluchtsort bleiben.“ Seiner Meinung nach hätte das Schicksal vieler Juden abgewendet werden können, hätte es Israel als freien Staat bereits zur Hitler-Zeit gegeben. Selbst hat er sechs Jahre in Israel gelebt, sogar als Soldat im Unabhängigkeitskrieg gekämpft, hat die Entwicklung des Staates selbst miterlebt. „Es muss Frieden kommen“, erklärt Schwerdt deutlich, „und wenn, dann wäre ich der glücklichste Mensch.“ Nach dem Krieg in Europa nach Israel zu gehen, wo Schwerdt auch Frau Gela kennen gelernt und geheiratet hat, war nicht leicht. Deutsch zu sprechen war dort unmöglich, selbst zehn Jahre nach Kriegsende. Nicht einmal seine Narben, seine Kennnummer rechtfertigten es hier, Deutscher zu sein. Schwerdt steht sehr dahinter, Israel und Deutschland in enger Verbundenheit zu sehen, hierbei unterstützt er auch Joschka Fischer, der in einer Rede vor der UN feststellt, das Existenzrecht des Staates Israel müsse immer ein fester Bestandteil deutscher Außenpolitik sein. Besonders gefreut habe er sich auch über die Rede Horst Köhlers, der in einer Ansprache zum Gedenktag einige Zeilen auf Hebräisch sprach. Selbst einen Dankesbrief an den Bundespräsidenten habe er daraufhin verfasst.

„Es muss Frieden kommen“, erklärt Schwerdt deutlich, „und wenn, dann wäre ich der glücklichste Mensch.“

Als einer der letzten Zeitzeugen hat man es natürlich nicht leicht; die Angst, dass vielleicht einmal alles vergessen sein soll, besteht durchaus. „Ich hoffe“, so Schwerdt, „dass man sich weiter daran erinnert. Schon allein deswegen, damit so etwas nicht wieder passiert.“ Denn dass die Generation, die die Nazizeit selbst erlebt hat, aussterben wird, steht außer Frage. Natürlich wirkt Schwerdt auch dagegen, gegen das Vergessen, durch Besuche in Schulen, Lesungen und nicht zuletzt allein durch seine bloße Existenz. Genau aus diesem Grund ist es seiner Meinung auch wichtig, einen festen Gedenktag für die Opfer der Konzentrationslager einzulegen, seit 1996 ist dies der 27. Januar – der Tag der Befreiung von Auschwitz. Doch ein einziger Tag, so Schwerdt, reiche nicht aus. Die Menschen sollten es sich immer wieder vergegenwärtigen, immer wieder in der Geschichte dabei sein, um dem Vergessen vorzubeugen.

„Ich hoffe“, so Schwerdt, „dass man sich weiter daran erinnert. Schon allein deswegen, damit so etwas nicht wieder passiert.“

Nicht zuletzt spielen hier auch Filme eine große Rolle, doch „Der Untergang“ hat Schwerdt nicht angeschaut. „Ich will diese Fratzen nicht sehen“, erklärt er strikt, „auch, wenn es nur Schauspieler sind.“ Einer der Filme, den er als besonders authentisch beschreibt, ist die Spielberg-Produktion „Schindlers Liste“. „Ich habe selbst mit Leuten gesprochen, die bei Schindler waren“, erzählt Schwerdt, ein Freund von ihm sei selbst derjenige gewesen, der Schindler in Israel zu Grabe getragen habe. Doch mehr Filme zu diesen Themen habe er nicht gesehen. „Ich kann mir so etwas nicht anschauen“, meint er, „dann kann ich überhaupt nicht mehr schlafen.“

IMG_20180828_103853Doch so authentisch Verfilmungen auch sein mögen – nichts ist authentischer als die Zahl auf Otto Schwerdts Arm, seine Narben, die körperlichen wie die seelischen. Und seine Erinnerungen. „Die Erinnerung ist eine Pflicht gegenüber den Toten“ – diesen Satz pflegt er als Widmung in sein Buch zu schreiben.

Und wenn wir diese Pflicht nicht vergessen, dann werden auch all die Menschen, die im Holocaust litten und starben, Otto Jehoshua Schwerdt eingeschlossen, niemals vergessen werden.

 


Otto Schwerdt ist etwa zwei Jahre nach diesem Interview, im Dezember 2007, verstorben. Den Aufstieg der AfD, die Prozesse gegen den NSU und den Rechtsruck in Europa hat er nicht mehr miterleben müssen. Ich will mir nicht ausmalen, wie ihm zumute wäre, wenn er sehen wüsste, dass nur 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz rechte Mobs zum Angriff auf Migranten aufrufen und das Denkmal des Holocausts in Berlin als „Mahnmal der Schande“ diffamiert wird. Trotzdem hätte Otto Schwerdt nicht geschwiegen. Er wäre aufgestanden gegen den Hass und hätte seine Stimme erhoben. Heute kann er das nicht mehr tun – deswegen ist es unsere Aufgabe, seine Worte und die all der anderen Zeitzeugen weiterzutragen. Gegen das Vergessen. Gegen Hass, Hetze, Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. Denn wenn wir in 70 Jahren zurückblicken kann keiner von uns sagen, er hätte von nichts gewusst.


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Otto Schwerdts Biographie „Als Gott und die Welt schliefen“, verfasst gemeinsam mit seiner Tochter, ist im Lichtung Verlag erschienen.

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Otto Schwerdt auf Wikipedia

Eleas Jahresrückblick 2017

Ein ausgesprochen aufregendes und außergewöhnliches Jahr neigt sich dem Ende zu und es wird Zeit, eine kurze Bilanz zu ziehen. Was habe ich 2017 erreicht? Was hat sich literarisch für mich verändert? Was ist noch offengeblieben? Begleitet mich auf einem Streifzug durch das Jahr 2017.

2017Statistik

Das Jahr der Vernetzung

IMG_20170626_075054_794Auch wenn die obigen Zahlen das vielleicht nicht nahelegen, 2017 war ein eher ruhiges Jahr für mich. Weder habe ich mir eine verbindliche Wortzahl gesetzt, noch eine bestimmte Anzahl an fertigzustellenden Manuskripten definiert. Dadurch habe ich 2017 tatsächlich nur einen Roman beendet, was sich nicht sonderlich produktiv anfühlt, zumal drei Fragmente darauf warten, beendet zu werden. Ich hasse unbeendete Dinge. 😉 Beachtet man allerdings, was sonst noch alles passiert ist, ist dieser „Einbruch“ durchaus verständlich.

Das Jahr der Vernetzung

Müsste ich 2017 in einem Wort beschreiben, dann war es für mich das Jahr der Vernetzung. Begonnen hat es im Februar 2017 mit der Einrichtung meines Twitter-Accounts, denn ohne Twitter hätte ich niemals das Nornennetz kennen gelernt, bei dem ich seit Sommer festes Mitglied bin, und auch nicht vom LitCamp in Heidelberg erfahren, das mich mit unheimlich vielen tollen Buchmenschen zusammengebracht hat.

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Im Nachhinein kann ich kaum glauben, dass es eine Zeit gab, in der all diese Menschen nicht zu meinem Leben gehörten – denn die Unterhaltungen mit ihnen, der Austausch und die Diskussion hat mich nicht nur literarisch, sondern auch menschlich weitergebracht. Im Oktober habe ich mich außerdem auf meine erste Buchmesse getraut, mit Buchhändlern und Fans gesprochen und neue Weichen für die Zukunft gestellt.

Natürlich durften auch meine jährlichen sozialen Highlights nicht fehlen, die RPC, das Tintenzirkeltreffen im Schieferpark und der jährliche Buchmesse Convent in Dreieich, auf dem ich dieses Jahr sogar lesen durfte. Ich bin unheimlich glücklich und dankbar, mittlerweile ein so festes Bestandteil der Indie-Phantastik-Szene zu sein und überall bekannte Gesichter zu treffen. Das ist ein großartiges Gefühl.

Der Opfermond geht auf

Opfermond_5Apropos großartig: Natürlich war 2017 auch das Jahr meines Roman-Debüts. Im September ist „Opfermond“ im Mantikore-Verlag erschienen und hat mir schlaflose Nächte, abgekaute Fingernägel und Freudenstürme beschert. Das Gefühl, zum ersten Mal den eigenen Roman in den Händen zu halten und zu signieren, ist kaum in Worte zu fassen. Ich bin auch immer noch absolut überwältigt von der tollen Resonanz, die der Roman erhalten hat, von dem Lob und den großen Worten, die ihr – meine Leser – mir geschenkt habt. Vielen, vielen Dank dafür – ihr seid wundervoll!

Nicht nur „Opfermond“ hat dieses Jahr das Licht der Welt erblickt, es sind auch vier Kurzgeschichten aus meiner Feder in Anthologien erschienen und seit Ende Februar betreibe ich diesen kleinen Blog, der sich zusehends mit Inhalten gefüllt hat. Was sich anfangs noch recht schleppend anfühlte, ist zu einer liebenswerten Routine für mich geworden, und gerade die „Charaktere auf der Couch“-Reihe hat mir großen Spaß gemacht.

Auch literarisch habe ich 2017 vieles gelernt. Gerade befindet sich der dritte Roman im Lektorat und dank der intensiven Zusammenarbeit mit meinen Lektorinnen und Verlegern bzw. Verlegerinnen blicke ich mit ganz neuen Augen auf meine Texte, entdecke alte Fehler und mache neue. 😉 Ich habe in Schreibratgebern geschmökert, Podcasts gehört und mich mit Kolleginnen und Kollegen ausgetauscht. Ich glaube, schön langsam kristallisiert sich eine gewisse Routine für mich heraus, mit der ich gut arbeiten kann. Das heißt aber nicht, dass ich nicht noch ein ganzes Stück besser werden will.

Das Jahr privat

IMG_20171030_160759Privat hat sich mein Leben solide stabilisiert, ich stehe mit beiden Beinen im Brotjob, finanziell bin ich gut abgesichert, nur meine Wohnsituation und das Pendeln schlauchen immer noch. Ich hoffe, da ergibt sich 2018 eine neue Lösung. Mit der 30-Stunden-Stelle bleibt etwas weniger Zeit für das Schreiben, dafür fühle ich mich im Brotjob wesentlich ausgelasteter und besser wertgeschätzt.  Und das ist ja auch wichtig. 😊 Außerdem war zeitlich und finanziell ein toller Venedig-Urlaub drin.

Ausblick – was bringt 2018?

Aber nun verlassen wir 2017 und werfen einen Blick in die Zukunft. Was hält 2018 für mich und für euch bereit? Zwei Romane aus meiner Feder stehen in der Warteschlange und ich freue mich auf beide schon riesig.

Anfang des Jahres wird „Unter einem Banner“ im Dead soft Verlag erscheinen, ein rauer Low Fantasy Roman über Krieg, Verantwortung, Schuld und die Beziehung zwischen zwei ungleichen Männern, die beide mit ihrer Vergangenheit kämpfen. Wer neugierig ist, kann sich noch bis zum 8. Januar für meinen Newsletter anmelden und eine Kurzgeschichte als kleinen Vorgeschmack auf den Roman erhalten.

Im Sommer erscheint dann im Verlag Ohneohren „Sand & Wind“, ein phantastisches, witziges und romantisches Orient-Märchen im Stil von 1001 Nacht mit jede Menge Action und Aladdin-Flair. Auch darauf freue ich mich schon sehr, denn dieser Roman hat mir 2014 meinen bisher produktivsten und gleichzeitig lustigsten Nanowrimo beschert. Ich hoffe, ich kann ein bisschen von dieser Schreibfreude an euch weitergeben.

Vier Anthologien mit Kurzgeschichten aus meiner Feder stehen außerdem in den Startlöchern, ich werde zum ersten Mal die Leipziger Buchmesse besuchen und darf im September auf dem Festival Mediaval, dem größten Mittelalter-Festival Deutschland, aus „Opfermond“ lesen. Wow. Ehrlich, Leute, ich bin schon voll gehyped auf dieses Jahr. Es wird toll!

2018 soll außerdem wieder ein produktives Jahr werden. Vier Romane warten darauf, fertiggestellt zu werden, und vielleicht ergibt sich ja sogar der eine oder andere Vertrag für 2019. The show must go on – und so. Wisst ihr ja.

Prosit Neujahr!

In diesem Sinne, ihr Lieben, danke ich jedem Einzelnen von euch, der mich in diesem turbulenten Jahr unterstützt hat, und hoffe sehr, dass ihr auch nächstes Jahr weiter an meiner Seite seid. Ich wünsche euch allen ein erfolgreiches, harmonisches und kreatives Jahr 2018, das viele schöne Überraschungen, Momente und Erlebnisse für euch bereithält und euch euren Wünschen und Träumen etwas näherbringt. Ich habe dieses Jahr ein gutes Stück meines Traums gelebt. Ihr könnt das auch!

Alles Liebe und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Eure Elea

[Bericht] Lesung im Drachenzirkel

Hier kommt ein kurzes Lebenszeichen von mir aus der Nanowrimo-Schreibhöhle. Ich möchte es nämlich nicht versäumen, euch von meiner Lesung in der „Steinhauser Einkehr“ in München vor zwei Wochen zu erzählen.

Am 4. November durfte ich zusammen mit meinem Verlags-Kollegen Dominik Schmeller, der gemeinsam mit mir dieses Jahr im Mantikore-Verlag seinen Fantasy-Roman „Das Relikt der Fladrea“ veröffentlich hat, die neu gegründete Fantasy-Lesungsreihe des Drachenzirkel München eröffnen und dort mein Debüt „Opfermond“ vorstellen.

 

Fotos (c) Benedikt Schreiber, Flamboyant Media

 

In den nächsten Monaten werden euch im Drachenzirkel unterschiedliche Fantasy-Autorinnen und -Autoren ihre Werke präsentieren und daraus vorlesen, wenn ihr also aus der Gegend seid, schaut doch mal auf der Facebook-Seite vorbei, dort findet ihr alle Termine.

Da es sich um die Auftaktveranstaltung handelte, war ich zunächst skeptisch, ob wir den Raum würden füllen können, letztlich haben sich aber doch 20 bis 30 Interessierte eingefunden und andächtig gelauscht. Vor allem hat mich der Überraschungsbesuch meiner Familie gefreut, die ohne Ankündigung vorbei kam, um mich zu unterstützen.

 

Meine etwa 30-minütige Lesung aus „Opfermond“ könnt ihr dank der professionellen Technik von Flamboyant Media auch als Youtube-Video ansehen, die Qualität der Aufnahme ist wirklich hervorragend. Und keine Sorge, es gibt keine Spoiler. 🙂

Die Veranstalter und ich freuen uns über euer Feedback.

Eure Elea

[Bericht] Bücher, Menschen, Emotionen

Ein Messe-Wochenende im Rückblick

Das turbulente Messe-Wochenende in Frankfurt ist vorüber – und zum ersten Mal war ich mitten drin im Messewahnsinn. Eine tolle, intensive Erfahrung, über die ich euch ein bisschen erzählen möchte.

Buchmesse Convent – Familientreffen mal anders

Der Samstag gehörte ausnahmslos dem Buchmesse Convent, einem kleinen, aber feinen „Ableger“ der großen Frankfurter Messe in Dreieich, der ganz im Zeichen der Phantastik steht. Dort treffen sich jährlich nicht nur zahlreiche kleine bis mittlere Phantastik-Verlage, sondern auch die Größen der deutschen Fantasy-Literatur wie Markus Heitz, Bernhard Hennen (dieses Jahr leider wegen Krankheit verhindert), Robert Corvus oder Kai Meyer geben sich dort die Ehre. Der BuCon (DER, wichtig 😉 ) ist eine Veranstaltung auf Augenhöhe, mehr ein Familientreffen als wirklich eine Messe. Das „du“ erscheint völlig selbstverständlich, ganz gleich ob bekannte Fantasy-Größe, Kleinverlagsautor oder interessierter Leser. Hier kann jeder mit jedem plaudern, Fragen stellen oder eine schöne Widmung in sein Buch schreiben lassen, wofür man im kaum 30 min entfernten Messegelände Frankfurt stundenlang in einer Schlange steht. Der BuCon lebt von einer familiären, sympathischen, offenen Atmosphäre und ist damit der ideale Ort, um im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Kontakte zu knüpfen.

IMG_20171018_195853_077Obwohl ich den BuCon jetzt schon zum dritten Mal besucht habe, war es für mich eine neue Erfahrung, als Debüt-Autorin dort zu sein, als VIP, sozusagen (zumindest wies mich mein Schild als solchen aus, siehe Foto). Ich hatte sogar einen der begehrten Leseslots ergattert und das kleine Holodeck war tatsächlich sehr gut gefüllt. Besonders gefreut haben mich aber die vielen, positiven Rückmeldungen und die Tatsache, dass die Lesung einige Zuhörer noch zum Kauf motivieren konnte. Wenn das kein schönes Lob ist.

Wie üblich habe ich mich riesig gefreut, viele Freunde aus dem Tintenzirkel dort zu treffen, Bekanntschaften vom LitCamp in Heidelberg zu erneuern und einige tolle Menschen kennen zu lernen, denen ich bisher nur virtuell begegnet bin. Ich gebe zu, ich war extrem gerührt, dass mich tatsächlich Leute bereits kannten, sei es von Twitter oder durch Mundpropaganda  – irgendwie hab ich das mit meinem plötzlichen Ruhm noch nicht so verdaut. 😉 Ein paar dieser schönen Begegnungen habe ich auf Fotos festgehalten, aber leider nicht alle – zu schade.

Die meiste Zeit hab ich letztlich am  Mantikore-Stand verbracht, zusammen mit meinen sympathischen Kollegen Mario Steinmetz und Dominik Schmeller. Tatsächlich hab ich das sehr angenehme Gefühl, an diesem Wochenende noch mehr in die Mantikore-Verlagsfamilie hineingewachsen zu sein, der virtuelle Kontakt ersetzt eben nicht den persönlichen.

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v.l. Dominik Schmeller, Elea Brandt & Mario Steinmetz; (c) Foto Elchis World of Books and Craft)

Alles in allem war es ein wahnsinnig toller, aufregender Tag mit sehr vielen Highlights, nicht zuletzt das gemeinsame Abendessen mit netten Tintenzirklern, das den BuCon abgerundet hat. Am Ende des Tages bin ich sehr glücklich, aber auch todmüde ins Bett gefallen.

Buchmesse – die pure Reizüberflutung

Den Sonntag hatte ich mir für die Frankfurter Buchmesse vorgemerkt, mein erster Besuch dort. Zugegeben, ich war von der Weitläufigkeit und der Größe des Angebots erstmal komplett erschlagen und aufgrund der begrenzten Zeit habe ich mich vor allem in den Hallen 3.0 und 3.1 herumgetrieben, also bei den Publikums- und Phantastik-Verlagen. Ich hab mich sehr gefreut, einige bekannte Gesichter zu treffen, und der Nachmittag am Mantikore-Stand hat mir sogar ein paar wunderschöne Fan-Kontakte beschert (ich habe Fans – das muss ich erstmal verarbeiten :D).Zwischen Bücher signieren und wohl platzierter Werbung blieb aber auch Zeit für persönliche Gespräche mit Verlag und Kollegen bei einem Becher Kaffee. Sehr entspannt und konstruktiv.

Projekte, Pläne und Ideen

Neben all diesen wunderschönen Eindrucken und interessanten Menschen konnte ich den BuCon und die Buchmesse auch für das eine oder andere sondierende Gespräch nutzen, auch wenn das für mich nicht im Vordergrund stand. Meine Pläne fürs nächste Jahr sind ja schon weitgehend in trockenen Tüchern. Trotzdem hat es mich sehr gefreut zu hören, dass der erste Lektoratsdurchgang für „Sand & Wind“, das 2018 im Verlag Ohneohren erscheinen wird, bald abgeschlossen ist, das heißt, ich bekomme bald wieder Arbeit. Auch die Coverarbeiten laufen bereits, ich bin schon extrem gespannt. Auch mit dem Mantikore Verlag gibt es weitere Pläne für eine Zusammenarbeit, eine Kurzgeschichten-Anthologie ist in Planung und – wenn alles passt – auch ein weiterer Roman. Da muss ich mich aber erstmal hinter ein Exposé klemmen. Darüber hinaus konnte ich einige tolle Blogger-Bekanntschaften knüpfen und hoffe sehr, dass daraus eine längerfristige Zusammenarbeit entsteht. Solche Kontakte sind unschätzbar wertvoll.

Ein paar ernste Worte zum Schluss

Ganz kann ich leider nicht darauf verzichten, zum Schluss auch noch ein paar ernste Dinge anzusprechen. Dafür ist es mir zu wichtig. Ich gebe zu, ich bin am Sonntag mit gemischten Gefühlen auf die Frankfurter Buchmesse gefahren, denn obwohl ich am Samstag in Dreieich und damit recht weit weg von den Ereignissen war, habe ich auf Twitter von den Ausschreitungen gehört. Wer es nicht mitbekommen hat: Im Zuge des Auftritts rechtsextremer Verlage auf der Buchmesse und einer Rede Bernd Höckes kam es zu Auseinandersetzungen, bei denen unter anderem ein Verleger von einem rechten Zuhörer ins Gesicht geschlagen wurde (einen Bericht gibt es z.B. in der Süddeutschen Zeitung).

Ich möchte mich ehrlich gesagt nicht umfänglich zu den Vorfällen äußern, weil ich nicht dabei gewesen bin, aber es gibt einige interessante Meinungen dazu, zum Beispiel von Sven Hensel oder von Bücherkrähe. Ich finde es ehrlich gesagt schlimm, dass ein Ort der Weltoffenheit, des Austausches und der Gemeinschaft, wie es eine internationale Buchmesse sein sollte, für rechte Propaganda instrumentalisiert wird. Ein Ort, an dem Menschen aus allen Ländern zusammenkommen, und an dem jährlich ein Friedenspreis für Literatur verliehen wird. Absurd und traurig.

Noch habe ich keine zündende Idee, wie mit diesem Umstand umgegangen werden sollte, denn ich fürchte, Redeverbote können nicht die Lösung sein. Sie helfen den Aufrühren, Hetzern und Bauernfängern nur dabei, sich in eine Opferrolle zu stilisieren, die wir ihnen nicht zugestehen dürfen. Nicht sie sind die Opfer, sondern jene, die sie diskriminieren, ausgrenzen und kleinreden. Ich hoffe aber schwer, dass es eine konstruktive Auseinandersetzung mit diesem Vorfall geben wird und dass sich solche Ereignisse nicht wiederholen. Es darf nicht sein, dass sich Menschen auf einer Buchmesse unwohl oder sogar gefährdet fühlen. Das steht in keinem Verhältnis zu einer demokratischen Gesellschaft.

Ich möchte dieses Thema mit den Worten Margaret Atwoods abschließen. Sie hat am Wochenende den Friedenspreis des deutschen Buchhandels entgegen genommen und dabei unter anderem folgende Worte gefunden (die komplette Rede findet sich hier).

„Lassen Sie uns hoffen auf eine Welt, in der solche Gaben noch immer möglich sind. Lassen Sie uns keine Türen schließen und Stimmen zum Schweigen bringen. Eines Tages werde ich einen Strand entlang spazieren oder einen Buchladen betreten, und ich werde eine Flaschenpost finden oder ein Buch, und ich werde es öffnen und werde die Botschaft lesen, von dir an mich – ja, von dir da draußen, einem jungen Schriftsteller, und  vielleicht ist es sein erstes Buch. Und ich werde sagen: Ja. Ich kann dich hören. Ich kann deine Geschichte hören. Ich kann deine Stimme hören.“
– Margaret Atwood, Dankesrede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises 2017

Dem ist nichts hinzuzufügen. Lasst eure Stimme hören.

Eure Elea

[Ankündigung] BuCon & Buchmesse

Nur noch eine Woche, dann öffnet die Frankfurter Buchmesse ihre Pforten – und zum ersten Mal werde ich auch als Debüt-Autorin dabei sein und euch das druckfrische Taschenbuch zu „Opfermond“ präsentieren.

ILLU_Drache_300pxBesonders freue ich mich allerdings auf ein kleines, feines Phantastik-Event, das am 14. Oktober schon zum 32. Mal ganz in der Nähe der Buchmesse stattfindet: der Buchmesse-Convent, kurz „BuCon“.  Der BuCon fühlt sich jedes Jahr an wie ein Klassentreffen, ein Wiedersehen mit tollen Kollegen, Lesern und Phantastik-Größen wie Markus Heitz oder Bernhard Hennen.

Um 11 Uhr lese ich für euch aus „Opfermond“ und bin dann den ganzen Tag mit meinen Kollegen Dominik Schmeller und Mario Steinmetz am Mantikore-Stand anzutreffen. Wenn ihr mich also mit Fragen löchern oder euch ein signiertes Exemplar von „Opfermond“ holen wollt, kommt einfach vorbei. Der Eintritt ist mit 10 € wirklich günstig und es gibt eine schicke Con-Tüte dazu.

Neben meiner Lesung sind auch noch andere liebe Kolleginnen und Kollegen am Start. Direkt nach mir liest meine Kollegin Tanja Ahrens aus ihrem „Drachenkind“, der Verlag Torsten Low stellt den märchenhaften Roman „Herbstlande“ vor und um 13 Uhr bietet euch der Verlag Ohneohren einen Einblick in die „Heimchen am Schwert“ und die „Helden-WG„, in der ich auch mit einem Beitrag vertreten bin.  Außerdem schenkt euch Ann-Kathrin Karschnick ein paar Eindrücke von ihrem „Fluchsammler“ und mein Verlagskollege Mario Steinmetz liest aus seiner blutigen Zombie-Apokalypse „Totes Land„.

Am Sonntag den 15. Oktober mache ich mich dann auf den Weg zur Frankfurter Buchmesse. Ab 14.30 h findet ihr mich auch dort am Mantikore-Stand, aber vielleicht laufen wir uns auch vorher schon über den Weg.

Weil mir der BuCon und seine engagierten Veranstalter besonders am Herzen liegen, kommt hier noch die offzielle Pressemitteilung.


Stars der Fantasy in Dreieich – 32. Festival der phantastischen Literatur zur Frankfurter Buchmesse

Zum 32. Mal treffen sich Fans von Science Fiction & Fantasy auf dem Buchmesse Convent (BuCon), Deutschlands führender Independent-Convention für phantastische Literatur.

Dieses von der Messe unabhängige Festival des phantastischen Genres mit über 700 Besuchern findet am 14. Oktober 2017 und damit wie gewohnt parallel zur Frankfurter Buchmesse statt. „Wir mögen zwar nicht so bekannt sein, wie die große Buchmesse, aber viele der Autoren, die bei uns vor Jahren zum ersten Mal zu Gast waren, liegen heute auf den Bestsellerständern der großen Buchhandlungen“, sagt Roger Murmann vom Organisationsteam.

Prominente Gäste sind Grimmepreisträger und „Bernd-das-Brot“-Erfinder Tommy Krappweis, Prof. Dr. Rudolf Simek, Herbert W. Franke, Markus Heitz, Kai Meyer, Tom Finn, Juliane Honisch, TS Orgel, Bernd Perplies, Christian Humberg und viele andere Top-Autoren der deutschsprachigen Phantastik-Szene. Ebenfalls vertreten ist die größte Science Fiction Serie der Welt, Perry Rhodan. Auf phantastischen sieben mehrstündigen Programmschienen im Bürgerhaus und seinen Nebengebäuden mit Lesungen, Präsentationen und Diskussionsrunden bieten die Veranstalter für jeden etwas. Autogramm- und Signierwünsche werden gerne (und vor allem kostenlos) erfüllt.

Der Unterschied zum „großen Bruder“ Buchmesse liegt denn auch darin, dass hier Fans den Autoren auf Augenhöhe begegnen und man im lockeren Umgangston das „Du“ pflegt.

Im Foyer bieten Zeichnertische optische Kontraste und eine Kunstausstellung illustriert das geschehen.

Als besondere Ehre wurde der Buchmesse Convent im Jahr 2016 mit dem renommierten „Kurd-Laßwitz-Preis“ ausgezeichnet, welcher jährlich von Deutschlands Literaturschaffenden im phantastischen Genre vergeben wird (www.kurd-lasswitz-preis.de).

Veranstalter ist eine erfahrene Gruppe langjähriger, in der Phantastik-Szene aktiver Fans in Kooperation mit dem Science Fiction Treff Darmstadt sowie dem Jugendclub WIRIC im Bürgerverein Buchschlag e.V. und den Bürgerhäusern Dreieich.

Es wird demonstriert, das utopisch-phantastische Literatur nicht zwangsläufig trivial sein muss. Bereits George Orwell, H.G. Wells und Jules Verne boten in ihren Werken Visionen und Voraussagen, die heute zur alltäglichen Realität gehören. Und werke, wie das Fantasy-Epos „Der Herr der Ringe“ des englischen Professors J.R.R. Tolkien zählen heute zur Weltliteratur, während die Verfilmung von George R.R. Martins Meisterwerk „Game of Thrones“ Millionen TV-Zuschauer vor die Fernsehschirme zieht. Natürlich darf aber auch der unterhaltende Spannungsroman nicht fehlen. Die Veranstalter zeigen, dass trotz des aktuellen „Star Wars“-Booms das phantastische Buch nicht tot ist, sondern durch den Einsatz moderner Technik, sowie der Möglichkeiten des Internets gerade heute wieder eine ungeahnte Renaissance erlebt. Gerade in Deutschland kann Science Fiction und Fantasy im Selfpublishing-Bereich ein durchaus eigenständiges, vom anglo-amerikanischen Raum unabhängiges Profil vorweisen.

Der Buchmesse Convent präsentiert die gesamte Bandbreite, vom Groschenroman bis zum bibliophilen Werk. Fan-Sein bedeutet nicht sturer Konsum, sondern kritische Auseinandersetzung mit dem Autor und seinem Werk. Wohl nirgendwo anders ist die bundesdeutsche Science Fiction- & Fantasy-Autoren & -Leserszene so lebendig, als auf dieser messeunabhängigen Traditionsveranstaltung. Kostümierte Besuchermassen wird man auf dieser literarisch orientierten Veranstaltung allerdings vergeblich suchen.

Höhepunkte der Convention ist traditionell die Verleihung des vom BuCon-Team vergebenen „BuCon-Ehrenpreises„.

Wie jedes Jahr, kommt man bereits am Freitag, den 13.10., ab 20 Uhr zum Einstimmungstreffen zusammen. Den Ort findet man auf der Homepage. Am Samstag, den 14.10., ist ab 10 Uhr Einlass. Der Eintritt beträgt an der Tageskasse 10 Euro, Ermäßigungen sind möglich. Das Ende des Convents ist für 20 Uhr vorgesehen. „Convention Center“ ist das Bürgerhaus in Dreieich-Sprendlingen, Fichtestrasse 50.

Begleitet wird die Veranstaltung von einer gut sortierten Phantastik-Börse. Zahlreiche Kleinverlage, Autoren und Buchhändler füllen jede Lücke im Bücherregal auf.


Aus dem Programm

Tommy Krappweis und Prof.Dr. Rudolf Simek: Fantasy & Wissenschaft

Der weltweit anerkannte Fachmann für Nordische Mythologie Prof. Rudolf Simek („Lexikon der germanischen Mythologie“) und der Fantasyautor und Filmemacher Tommy Krappweis („Mara und der Feuerbringer“) erzählen auf unterhaltsame und lehrreiche Art, wie man mit wissenschaftlicher Unterstützung eine Fantasytrilogie schreiben und das Ganze auch noch verfilmen kann. Der in dieser Form wohl einzigartige Vortrag in Gestalt eines unterhaltsamen Schlagabtauschs für alle, die sich für nordische Mythologie, Germanen, Phantastik und Historie interessieren, ließ bereits den Vortragsraum auf der Role Play Convention sowie das Literaturzelt auf dem Festival Mediaval aus allen Nähten platzen und kommt nun auf den Buchmesse Convent 2017.

Kai Meyer: Die Spur der Bücher

London – eine Stadt im Bann der Bücher. Mercy Amberdale ist in Buchläden und Antiquariaten aufgewachsen. Sie kennt den Zauber der Geschichten und besitzt das Talent der Bibliomantik. Für reiche Sammler besorgt sie die kostbarsten Titel, pirscht nachts durch Englands geheime Bibliotheken.
Doch dann folgt sie der Spur der Bücher zum Schauplatz eines rätselhaften Mordes: Ein Buchhändler ist inmitten seines Ladens verbrannt, ohne dass ein Stück Papier zu Schaden kam. Mercy gerät in ein Netz aus magischen Intrigen und dunklen Familiengeheimnissen, bis die Suche nach der Wahrheit sie zur Wurzel aller Bibliomantik führt.

Matthias Pätzold: Zukunft der Raumstation – Raumstationen der Zukunft

Die Internationale Raumstation ist das größte Raumfahrtprojekt, das jemals unternommen wurde. Seit 20 Jahren befindet sich der Außenposten im All, von denen allein 14 Jahre für den Aufbau aufgewendet wurden. Zunehmende Altererserscheinungen werfen aber Fragen über ihre Zukunft auf. Über Pläne zur Lebensdauerverlängerung der ISS, sowie neue Raumstationen, wie der sogenannten cislunaren Raumstation, einer möglichen russischen Nachfolgerstation, der chinesischen Raumstation und geplanten kommerziellen Raumstationen berichtet Matthias Pätzold in diesem Vortrag.

Friedhelm Schneidewind: Das neue große Tolkien-Lexikon

J. R. R. Tolkien war nicht der erste Autor, der phantastische Literatur schrieb, und andere haben weitaus mehr Fantasy geschrieben. Doch ist er der unumstrittene Alt- und Großmeister der phantastischen Literatur, der Fantasy überhaupt erst zu einem eigenständigen Genre machte. Spätestens seit den Verfilmungen von Peter Jackson gibt es kaum jemanden, der nicht von Tolkien oder zumindest seinen Werken gehört hat. Tolkien war Sprach- und Literaturwissenschaftler, Professor in Oxford – und zugleich einer der größten Phantasten der Literaturgeschichte. Mit seiner Geschichte um Mittelerde, die Hobbits, Elben und Zwerge, um Gandalf und den »Einen Ring« schuf er einen der umfangreichsten, fantastischsten und schlüssigsten Mythen der Literatur. Tolkiens Werk bietet nicht nur spannende Geschichten, sondern eine komplette eigene Welt mit eigener Kosmogonie, eigener Religion und sogar eigenen Sprachen; die Hintergründe zu kennen und die zahlreichen Einflüsse alter Mythen zu entdecken, schafft einen zusätzlichen Reiz bei Lektüre und Filmgenuss. »Das neue große Tolkien-Lexikon«, im Dezember 2016 erschienen, ist ein Werkzeug, sich im umfangreichen Werk Tolkiens besser zurechtzufinden, Querverbindungen und Hintergründe erkennen und Einflüsse bewerten zu können. Zudem lässt sich auf den über 800 Seiten auch prima schmökern.

Markus Heitz: Wédora-Schatten und Tod

Wédora birgt noch so manches Geheimnis für die Freunde Liothan und Tomeija, die es auf magische Weise in die schwer befestigte Wüstenstadt verschlagen hat. Während Liothan in alte Gewohnheiten verfällt und sich in Wédoras Unterwelt einen Namen macht, wird Tomeija vom geheimnisumwitterten Herrscher der Stadt zur obersten Gesetzeshüterin berufen. Sie kann nicht ahnen, dass sie bald nicht nur gegen Verbrechen und mörderische Intrigen vorgehen muss, sondern auch gegen ihren Freund aus Kindheitstagen. Doch damit nicht genug: Zwei benachbarte Königreiche rüsten sich zum Krieg, und die neutrale Stadt wird gegen ihren Willen in die Feindseligkeiten verwickelt – und Liothan und Tomeija werden plötzlich zu den entscheidenden Figuren in einem mörderischen Konflikt….“


Informationen, sowie eine ausführliche Programmübersicht mit allen 64 Programmpunkten findet man im Internet unter folgender Adresse: http://www.buchmessecon.de

…oder im Sozialen Netzwerk Facebook: Fanseite, Fangruppe „BuCon-Fans“

Eine umfangreich Fotogalerie mit 216 Aufnahmen zum vergangenen BuCon 2016 findet man hier

Elea sagt „Danke“

Ein Beitrag zur Opfermond-Release-Woche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Ihr Lieben, morgen ist es dann soweit und ihr könnt „Opfermond“ offiziell als Ebook erwerben. Ich werde heute versuchen, den Tag über so gut wie möglich zu entspannen und so wenig wie möglich in Panik auszubrechen. 😉 Außerdem möchte ich die Gelegenheit nutzen, danke zu sagen.

Manche glauben ja, wir Autoren sitzen den ganzen Tag im dunklen Zimmer, schreiben uns die Finger wund und meiden jeden Kontakt zu anderen. Genau das ist aber nicht der Fall. Vom ersten Wort bis zur Veröffentlichung haben mich viele Menschen begleitet und denen möchte ich heute danken.

„Opfermond“ war der erste Roman, den ich im NaNoWriMo geschrieben habe, er war meine erste Verlagsbewerbung und die erste Zusage, die ich erhalten habe. Dass dieser Prozess dermaßen glatt verläuft, ist selten, und das verdanke ich nicht zuletzt den Leuten, die mich im Vorfeld unterstützt haben.

Ein ganz großes Dankeschön gebührt dabei dem Tintenzirkel Fantasyautorenkreis. Zum einen den Mitgliedern, die mich damals durch den Nanowrimo begleitet haben, die mir halfen, meinen Plot zu strukturieren, meine Figuren besser kennen zu lernen und den Roman in der Kürze der Zeit zu Ende zu schreiben. Zum anderen auch jenen, die meine Exposés und Leseproben testgelesen, bewertet und aufpoliert haben, bis sie gut genug waren, einen Verlag zu überzeugen. Ohne den Tintenzirkel hätte ich diesen Grad der Professionalität wohl niemals erreicht.

Intensiv bedanken möchte ich mich auch bei meinen tapferen Beta-Lesern Christopher, Jakob, Markus, Mona und Tim, die sich durch recht abenteuerliche Rohfassungen des Romans gekämpft haben und mich mit ihrem Feedback, ihrer Kritik und ihrem Lob angespornt haben, den Roman weiter zu optimieren. Wenn ich mir heute die Erstversion aus dem Nanowrimo anschaue, war das auch bitter nötig. 😉 Danke, dass ihr das auf euch genommen habt, diese Veröffentlichung ruht nicht zuletzt auf euren Schultern.

Natürlich möchte ich auch dem Mantikore-Verlag und seinem gesamten Team für die Zusammenarbeit danken: meinem Verleger Nic, meiner großartigen Lektorin Nora, Rossitsa und Matthias für das tolle Cover und Hauke, dem ich die wunderschöne Stadtkarte von Ghor-el-Chras verdanke.

Nun, das Beste kommt bekanntlich zum Schluss, deswegen möchte ich zu guter Letzt den Menschen danken, die meinen Traum vom Autorendasein schon sehr lange mit mir träumen und mich immer in dieser Narretei unterstützt haben. Bei meinen Eltern, die meine Liebe zur Literatur und insbesondere zur Phantastik geweckt haben und nicht müde wurden, mir als Kind einhundert Mal dieselbe Geschichte vorzulesen. Bei meiner Schwester, die sich in phantastischen Welten genauso wohlfühlt wie ich und immer als Ansprechpartner und Inspirationsquelle zur Verfügung steht. Und bei meinem Lebensgefährten, der meinen Schreibwahnsinn nicht nur toleriert, sondern sogar unterstützt und im Zweifel immer zur Stelle ist, wenn es Plotlöcher zu sanieren gibt oder ein Schwertkampf im Wohnzimmer nachgestellt werden muss. Es gibt mir unheimlich viel, dass ihr für mich da seid und meine verrückten Ideen immer unterstützt habt.

So, damit nähert sich die Release-Woche auch schon dem Ende. Morgen gibt es dann das große Finale mit einem exklusiven Gewinnspiel, also schaut auf jeden Fall noch mal vorbei. Außerdem wird bei Yvonne vom Buchbahnhof im Rahmen ihrer Nostalgie-Reihe ein kleines Interview erscheinen, in dem ich über mein liebstes Jugendbuch geplaudert habe.

Stay tuned. Wir sehen uns dann morgen.

Eure Elea

Hilfe, ich bin langweilig!?

Oder: Man muss nicht in der Pfanne gelegen haben, um über ein Schnitzel zu schreiben

Schreibe über das, was du kennst. Diesen Tipp hat sicher jeder schon mal irgendwo gelesen und er hat definitiv seine Berechtigung. Als Profi oder wenigstens Amateur in einem Gebiet tut man sicher leichter, Themen korrekt und umfassend darzustellen und einen guten Zugang dazu zu finden. Trotzdem werden die wenigstens Krimis von Polizisten, Anwälten oder Kommissaren geschrieben, sondern von AutorInnen, die sich in die Materie einarbeiten müssen.

Daran findet niemand etwas Verwerfliches – zurecht. Wie Maxim Gorkij einmal sagte: „Man muss nicht in einer Pfanne gelegen haben, um über ein Schnitzel zu schreiben.“ Als Leser schätzt man Fachkompetenz, aber zu viel Insiderwissen kann der Dramatik einer Story sogar abträglich sein. Immerhin wissen wir alle, dass Polizeiarbeit wesentlich trockener ist als in Krimis dargestellt, aber wir sind froh, dass nicht der Großteil der Kriminalromane davon handelt, wie der Kommissar interne Berichte verfasst. Und wir sind dann doch eher erleichtert, dass Krimiautoren nicht erst einen Mord begehen müssen, um aus der Perspektive eines Mörders zu erzählen.

Diversität und ihre Grenzen?

Heikler wird es dagegen bei Charaktereigenschaften, Persönlichkeit, sexueller Orientierung. Im Netz finden sich immer wieder kritische Kommentare, so wie dieser.

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Der Wunsch dahinter ist nachvollziehbar. Leser wollen durch Figuren angemessen repräsentiert werden und fühlen sich wohler in dem Wissen, dass der Autor/die Autorin weiß, worüber er/sie schreibt, vornehmlich aufgrund eigener Erfahrung. Sie wollen sich nicht von einem „Outsider“ erklären lassen, wie ihre Welt funktioniert, wie ihre Probleme aussehen oder wie sie damit umzugehen haben. Sie wünschen sich Authentizität.

Hier stoßen wir allerdings auf ein Problem: Würden Autoren nur noch über Protagonisten ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Lebenserfahrung schreiben, wäre die Buchwelt ziemlich eintönig. Sieht man sich den deutschen Buchmarkt an, wäre der durchschnittliche Roman-Protagonist vermutlich ein verheirateter Mittelschicht-Mann in den Dreißigern mit einem Studienabschluss. Vielleicht auch eine Mittelschicht-Frau mit Familie und Teilzeitjob. Sicherlich lässt sich auch daraus eine interessante Geschichte stricken – aber so ganz ohne Diversität wäre der Buchmarkt verdammt langweilig. Am Ende beißt sich der Hund also in den Schwanz, denn gerade Menschen abseits der Norm verdienen es, in Büchern repräsentiert zu werden – das könnte unter dieser Prämisse aber nicht funktionieren.

Als AutorInnen ist es unsere Aufgabe, über den Tellerrand hinauszusehen, uns mit anderen Kulturen und Lebenseinstellungen zu beschäftigen und darüber zu schreiben, doch leider führen Aussagen wie die obere eher dazu, dass Autoren den Mut verlieren und sich doch wieder den üblichen Standards zuwenden. Nach dem Motto: „Ich will niemandem auf den Schlips treten.“

Recherche, Sensibilität und Empathie

Ich denke, ich muss nicht erwähnen, dass (gute) AutorInnen recherchieren. Nicht nur Fakten, sondern auch Erfahrungsberichte, Lebensgeschichten und Einstellungen. Wenn wir über einen Biologielaboranten schreiben, informieren wir uns über seine Arbeit. Wenn wir über einen Menschen mit Depression schreiben, informieren wir uns über seine psychische Störung. Und wenn wir über einen POC-Menschen schreiben, informieren wir uns über Erfahrungen, die er vielleicht gemacht haben könnte. Nichts ersetzt diese Arbeit – sie gehört zum Handwerk wie das Schreiben selbst.

Trotzdem bleiben auch Erfahrungsberichte nur das, was sie sind: individuelle Lebensgeschichten, keine absoluten Wahrheiten. Jeder Mensch ist einzigartig und besonders, die Erfahrungen des einen sind nicht automatisch die Erfahrungen des anderen, ebenso wenig Gefühle oder Vorlieben. Jede Roman-Figur ist ein Individuum und wir sollten uns immer Mühe geben, genau das zu transportieren. Ein guter Roman braucht keine Abziehbilder, sondern echte, authentische Charaktere.

Neben Recherche lautet das Zauberwort also: Empathie und Sensibilität. Ich gebe zu, ich bin in Bezug auf meine Lebensgeschichte ein ausgesprochen langweiliger Mensch. Ich bin weiß, stamme aus einer Akademiker-Familie, hatte nie ein Alkohol- oder Drogenproblem, lebe seit 10 Jahren in einer stabilen, heterosexuellen Beziehung und hatte nie mit dem Tod eines nahen Angehörigen, einer Scheidung oder einer psychischen Krankheit zu kämpfen. Für dieses Glück bin ich verdammt dankbar. Trotzdem gebe ich mir Mühe, diese Themen in meinen Büchern angemessen umsetzen. Ich versuche, authentische Figuren zu entwickeln, mich in sie hinein zu versetzen, mir zu überlegen, wie sie mit Erfahrungen in ihrem Leben umgegangen sind, wie diese sie geprägt haben. Ich kann nicht versprechen, dass mir das immer gelingt, das wäre vermessen. Aber ich tue mein Möglichstes.

Macht Mut, keine Angst!

Deswegen möchte ich an dieser Stelle eine Lanze für alle AutorInnen brechen, die sich Mühe geben, Diversität in ihren Romanen einen Platz einzuräumen, auch – oder gerade weil! – sie selbst keine eigenen Erfahrungen mit Rassismus, Homophobie oder Sexismus gemacht haben. Seid mutig, stellt euch der Herausforderung – es lohnt sich!

Außerdem möchte alle LeserInnen ermutigen, AutorInnen nicht durch Aussagen wie die oben genannte zu demotivieren, damit schadet ihr letztlich nur euch selbst. Setzt Impulse, sagt, welche Klischees euch stören, gebt AutorInnen Tipps, wie sie sich informieren können. Nur so schaffen wir gemeinsam spannende, tiefgehende Geschichten ohne Klischees, die genauso bunt und vielfältig sind wie das Leben selbst.

Über mich: Früh übt sich

Eine bebilderte Story meiner (peinlichen) literarischen Anfänge

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Geburtstagsaktion von Magische Momente in der kleinen Bücherwelt entstanden und wird auch dort auf dem Blog erscheinen. Es freut mich, dass ich mitmachen durfte.

Im Alter von fünf Jahren erfand Joanne K. Rowling ihre erste Geschichte über eine Biene und ein krankes Kaninchen. Auch Stephen King schrieb bereits mit sieben Jahren seine erste Erzählung. Auch wenn die meisten berühmten Autoren erst spät Erfolge für ihre Romane feiern, berichten viele davon, dass sie das Schreiben und Lesen ihr ganzes Leben begleitet hat.

Zugegeben, ich bin weder eine J.K. Rowling noch ein Stephen King, aber auch in meinem Kopf waren immer schon Geschichten, die auf Papier wollten. Heute möchte ich euch ein bisschen von diesen Anfängen erzählen, über die ich heute eher schmunzle.

Von meinem Erstling, verfasst im Alter von etwa 7 Jahren, habe ich leider kein Foto parat, er ist gut verwahrt bei meinen Eltern unter Kindergartenzeichnungen und Tagebüchern: „Samy der Computer“ handelte von einem sprechenden Computer, der zugunsten eines neuern Modells verschrottet werden soll. Die Gesellschaftskritik darin ist klar erkennbar, oder?

Frühwerke

Meine literarischen Anfänge in Bildern

Links oben: Diese aufregende Geschichte von zwei Mäusen auf Weltreise entstand im Alter von 9 Jahren. Das Cover enthüllt zwei schockierende Wahrheiten: Ich hatte keine Ahnung von Erdkunde und meine Paint-Skills waren unübertroffen.

Rechts oben: Nicht nur das Covermotiv, sondern auch der Inhalt dieser Fantasy-Geschichte offenbart eindeutig meine Harry-Potter-Affinität im Alter von 12 Jahren. Inhaltlich hat die Geschichte von Mona, die einen Pfad in eine gefährliche High-Fantasy-Welt entdeckt, tatsächlich einige Höhepunkte zu bieten, aber vom Schreibstil reden wir lieber nicht. Das eigentlich Bemerkenswerte ist ohnehin das Cover, das mir eine gleichaltrige Freundin liebevoll mit Hand gezeichnet hat. Es macht mich sehr traurig, dass sie meine erste Veröffentlichung nicht mehr miterleben darf – sie ist vor vielen Jahren gestorben. Ihre Zeichnung halte ich aber bis heute in Ehre.

Links unten: Meine ersten Gehversuche im Low-Fantasy-Genre, intensiv beeinflusst von Hohlbeins Camelot-Romanen und den „Nebeln von Avalon“ (im Alter von etwa 17 Jahren). Inhaltlich hat dieser Roman tatsächlich schon einige Parallelen zu meinen heutigen Plots. Es gab eine Liebesgeschichte, eine Intrige um einen Königsthron, Magie und Verrat. Der Kitsch- und Klischeefaktor ist allerdings noch ein bisschen hoch eingestellt. Tatsächlich durften diesen Roman auch schon ein paar ausgewählte Freunde von mir lesen.

Rechts unten: Neben der Belletristik habe ich mich während meiner Gymnasialzeit auch in Richtung Journalismus orientiert. Unsere Schülerzeitung gewann damals mehrfach den Spiegel-Preis für die beste Schülerzeitung und eine meiner Reportagen wurde sogar vom Stern ausgezeichnet. Mein beruflicher Weg hat mich in andere Gefilde geführt, aber die journalistische Arbeit macht mir heute noch Freude. Mittlerweile lebe ich genau das ein wenig auf meinem Blog aus.

Einen wirklich professionellen Umgang mit dem Schreiben begann ich mir aber erst viele Jahre später im Studium anzueignen. Ich suchte Kontakt zu Gleichgesinnten, gab meine Texte an Testleser, lernte Schreibregeln und entwickelte mein Handwerk. Jetzt stehe ich kurz vor der Veröffentlichung meines Debütromans. Ich schätze, mein siebenjähriges Ich wäre echt stolz auf mich.

Wenn ihr Lust habt, meinen weiteren Werdegang zu verfolgen, dann folgt mir doch auf Twitter oder Facebook, ich würde mich freuen.

Alte, wie bist du denn drauf?

Blut, Tod, Gewalt und warum ich darüber schreibe

Die Tatsache, dass man Bücher schreibt, klingt für die meisten Menschen erst einmal spannend. Fällt der Begriff „Fantasy“, fallen die Reaktionen bereits gemischt aus. Kommt dann aber noch zur Sprache, dass meine Welten oft düster, gefährlich und blutrünstig sind, genau wie die Geschichten, die ich erzähle, ernte ich oft skeptische Blicke.

Bin ich vielleicht ein brutaler Mensch? Habe ich Freude an Gewalt, Blutvergießen oder Unterdrückung? Nein, ganz bestimmt nicht. Aber warum schreibe ich dann über solche Themen? Eine gute Frage, die ich in diesem Artikel versuchen möchte, zu beantworten.

Tolkien und die Nazis

Ich möchte zunächst etwas weiter ausholen. Die Bereitschaft, Autoren mit ihren Welten oder ihren Protagonisten gleichzusetzen, hat lange Tradition. Im Jahr 1980 schrieb der Journalist Michael Jovi einen flammenden Kommentar in der ZEIT, in dem er Tolkien Rassismus und Nazi-Ideologien vorwirft, die sich in seinen Werken wiederfänden. Wörtlich heißt es in dem Artikel: „Diese Recken und Elben, wie gleichen sie den reinen Toren der SS, die unwertes Leben vernichten, diese Elbenfrauen, gleich germanischen Göttinnen und reinen Maiden, blond und blauäugig wie die Ideale des BDM!“ (Zitat von Sphärentor).

Tatsächlich ist Mittelerde von einem klaren Schwarz-Weiß-Denken geprägt. Es gibt die Orks und die dunklen Diener Saurons auf der einen, die cleveren Hobbits und strahlenden Elben auf der anderen. Kriege werden gefochten, um das Böse zu besiegen und am Ende triumphieren die tapferen Helden. War Tolkien deswegen ein Rassist? Ist Mittelerde ein Drittes Reich in Fantasy-Optik? Bullshit. Zeit seines Lebens hat Tolkien sich nie durch rassistische Äußerungen hervorgetan, im Gegenteil: In seinen Briefen verurteilte er das Nazi-Regime und deren Ideologie aufs Schärfste. Seine Werke sind inspiriert von Mythen, Heldensagen und Legenden, von Stoffen, die wesentlich älter sind als deren Missbrauch durch die Nazis. Trotzdem haftet Tolkien dieses Vorurteil bis heute an.

Mrs. James‘ geheimer Pornokeller

Eine ähnlich Entwicklung zeigt sich übrigens auch bei zeitgenössischen Romanen, zum Beispiel im Fall von E. L. James, der Autorin der Erotik-Reihe „50 Shades of Grey“. In zahlreichen Interviews musste sich die Autorin pikanten Fragen stellen, ob denn die im Roman detailliert beschriebenen BDSM-Szenen im heimischen Schlafzimmer erprobt wurden oder ob sie vielleicht selbst einen „Raum der Schmerzen“ im Keller habe. Dabei ist E. L. James auch nur eine ganz normale Endvierzigerin mit zwei Söhnen und einem Hund. Ihr Ehemann beschreibt ihr Sexleben sogar als relativ spröde.

„Man muss nicht in der Bratpfanne gelegen haben, um über ein Schnitzel zu schreiben.“
– Maxim Gorkij

Interessanterweise scheint sich dieses Phänomen vor allem auf Fantasy und Erotik-Literatur zu beziehen. Kein Mensch käme auf die Idee, einem Krimi-Autor heimliche Mordgelüste vorzuwerfen. Auch Autoren historischer Romane müssen sich selten mit den Anschuldigen beschäftigen, sie würden sich die spätrömische Dekadenz, die mittelalterliche Inquisition oder die Feudalherrschaft zurückwünschen. Hier gelingt die Trennung zwischen Autor und Fiktion offenbar ziemlich gut.

Der Autor und sein Werk

Natürlich ist eine Trennung zwischen Verfasser und Werk nie zur Gänze möglich. Jeder Autor legt ein Stück von sich in seine Texte, greift Themen auf, die ihn berühren, die ihn beschäftigen, und verarbeitet vielleicht auch eigene Erfahrungen. Tolkien inspirierten die nordischen Mythen und Sagen, E. L. James die Lektüre von „Twilight“ (ehrlich, DAS finde ich viel verstörender als alles andere!) und Thriller-Autoren wie Simon Beckett, John Grisham oder Ferdinand von Schirach haben sich von ihrer eigenen Arbeit als Journalist oder Jurist beeinflussen lassen.

Bei mir verhält es sich nicht anders. Ich ziehe viel Inspiration aus dem Rollenspiel, aus den Welten und Charakteren, die ich dort erschaffe und erlebe, egal ob im Live Rollenspiel oder im Pen-and-Paper. Auch Filme, Romane oder Serien können mich inspirieren, manchmal nur einzelne Motive oder Figuren, manchmal Settings oder Atmosphäre. Und sicherlich trägt auch meine Arbeit hin und wieder dazu bei, meiner Neugier für komplexe Charaktere, ungewöhnliche Lebensgeschichten oder auch menschlichen Abgründen nachzugeben.

Wir sehen also: Ein Autor und sein Roman sind nie unabhängig voneinander zu betrachten, eine gewisse Distanz ist aber angebracht. Nicht alles, was in fiktionalen Geschichten erzählt wird, basiert zwingend auf eigenen Erfahrungen, Wünschen oder heimlichen Gelüsten, manchmal steckt auch mehr dahinter als das.

Kommen wir zur Ausgangsfrage zurück: Warum schreibe ich über brutale Welten, über Kriege, über Schlachten, über Mord und Totschlag?

Das Leben in einer feindlichen Welt

Zum einen liegt dem Ganzen eine durchaus psychologische Motivation zugrunde (ich kann eben auch nicht aus meiner Haut). Wir haben das Glück, in einer demokratischen, freiheitlichen Gesellschaft aufzuwachsen, in der die wenigstens Menschen jemals echten Hunger leiden, um ihr Leben bangen müssen oder Grausamkeit und Willkür ausgesetzt sind. Wir verfügen über ein Sozialsystem, über eine unabhängige Justiz und dürfen frei unsere Meinung kundtun. Sicher ist nicht alles perfekt, was in unserem Land passiert – bei weitem nicht! –, aber die Voraussetzungen, unter denen wir leben, sind eher günstig.

Aber wie ergeht es Menschen, die in einer feindseligen, einer ungerechten, einer bösartigen Welt aufwachsen? Wie arrangieren sie sich damit? Überschreiten sie irgendwann selbst die Grenzen der Moral, um zu überleben? Rebellieren sie gegen die Ungerechtigkeit? Oder arrangieren sie sich schweigend damit und gehorchen?

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es einige hochspannende Experimente zum Thema Konformismus und zur Macht von Rollenbildern. Vielleicht habt ihr schon einmal vom Milgram-Experiment gehört. Versuchspersonen nahmen die Rolle eines Lehrers ein und mussten einen Schüler für falsche Antworten mit Elektroschocks bestrafen. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter wies die „Lehrer“ immer wieder an, die Dosis der Stromstöße zu erhöhen und weiterzumachen. Die Probanden gehorchten, obwohl sie über Lautsprecher die Schmerzensschreie des Schülers in den Ohren hatten. Über die Hälfte der Teilnehmer erhöhte die Voltzahl sogar auf ein tödliches Niveau. In Wirklichkeit gab es keinen Schüler und die Schmerzenslaute waren nur gespielt. Trotzdem war das Ergebnis erschreckend.

Solche und ähnliche Experimente motivieren mich immer wieder, über die Frage nachzudenken, wie Menschen in Extremsituationen reagieren, welche Optionen sie haben und wie solche Entscheidungen eine Person nachhaltig prägen.


anfuhrungszeichentimesEigenes Beispiel: Die Stadt des blutigen Gottes („Opfermond“)

Ghor-el-Chras ist ein erbarmungsloser Ort. Der Blutgott Chras und seine Anhänger diktieren die Regeln für das Zusammenleben, und diese sind denkbar einfach: Der Starke bezwingt den Schwachen. Wer nicht die Kraft hat, sich zu wehren, oder genügend Gold besitzt, ist zum Untergang verdammt. Es gibt keine unabhängige Justiz, die Recht spricht, keine Hilfe für Kranke, keine Almosen. Vor allem Frauen, Angehörige von Minderheiten oder körperlich schwache Menschen leiden unter dem brutalen Regime und haben oft keine Wahl, als sich ihm unterzuordnen.  Was hält die Menschen an diesem Ort? Wie arrangieren sie sich mit den brutalen Regeln? Wie wahren sie ihr Gesicht? Wie rechtfertigen sie ihr Tun, nach innen und nach außen?
Antworten darauf kann ich euch hier und jetzt noch nicht geben, aber ich verspreche euch, ein paar Ideen dazu findet ihr bald in „Opfermond“.


Reale Konflikte in fantastischen Welten

Neben den psychologischen Fragen, die zweifellos spannend sind, bieten auch phantastische Welten die Chance, reale Konflikte und Schwierigkeiten zu thematisieren (wer sich dafür interessiert findet spannende Beiträge in der Blogreihe „Fantastische Realität“). Rassismus, Unterdrückung von Minderheiten, ideologische Feldzüge, Propaganda … all diese Probleme haben auch in der Fantasy Platz, aber natürlich nur in Welten, die Raum dafür bieten. Auch Krieg, Flucht und Neuanfang sind Themen, mit denen wir uns heutzutage vermehrt auseinandersetzen müssen. Warum also nicht auch in fantastischen Werken? Fantastik ist schon lange kein Rückzugsort für Realitätsverweigerer mehr, sondern eine Möglichkeit, Szenarien durchzuspielen, Möglichkeiten zu diskutieren und Themen kritisch zu hinterfragen. Das gilt natürlich auch für unbequeme Themen.

Entscheidend ist dabei die Art und Weise, wie Themen angegangen werden, denn trotz aller Distanz zwischen Werk und Autor darf die vermittelte Botschaft nicht aus den Augen gelassen werden. Wer Rassismus, Sexismus, Homophobie oder Missbrauch in ein positives Licht rückt, darf sich nicht wundern, wenn er dafür kritisiert wird. Entscheidend ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Themen – ohne rosarote Brille, aber mit einer klaren Message. Auch Autoren haben eine Verantwortung, gerade bei sensiblen Themen. Man darf über alles schreiben, aber man muss sich der Wirkung dessen bewusst sein, was man transportiert.


anfuhrungszeichentimesEigenes Beispiel: Diskriminierung und Terrorismus („Flammenkinder“)

Im Kaiserreich Nuberia herrscht eine klassische Theokratie: Der Kaiser gilt als Inkarnation des Sonnengottes und seine Entscheidungen sind unantastbar. Alle anderen Glaubensrichtungen werden verfolgt und ausgelöscht, allen voran die Ruzemi, ein Volk, das die Göttlichkeit des Kaisers anzweifelt. Um den Völkermord an den Ruzemi zu rechtfertigen, hat die Regierung zahlreiche Gerüchte ins Leben gerufen, und natürlich glaubt das Volk die Propaganda von Kindsmorden, Opferritualen und blutigen Anschlägen. Verfolgt und gejagt sind die Ruzemi gezwungen, ihren Glauben zu verstecken – oder gegen die Unterdrückung zu kämpfen. Aus dem Widerstand formieren sich die „Aschekrieger“, eine Gruppe von Untergrundkämpfern, die das Kaiserregime bis aufs Blut bekämpfen. Wie gehen die Menschen mit der Unterdrückung und Verfolgung um? Wie bewahren sie sich ihren Glauben an das Gute? Und wenn sie ihn verlieren – kann man es ihnen verdenken?


Der Realismus-Anspruch

Last but not least hat auch die Fantasy einen gewissen Anspruch an realistische Darstellung. Das ist ein Punkt, über den sich streiten lässt, ich will ihn aber nicht außen vor lassen. Die Prämissen einer Welt unterliegen immer dem Autor, und selbst wenn man sich wie ein G.R.R. Martin an mittelalterlichen Vorbildern orientiert, muss das nicht heißen, dass man auch Gesellschaftsformen, Frauenbild oder Vorurteile dieser Zeit übernimmt. Warum nicht eine Welt von mittelalterlichem Fortschrittsgrad entwerfen, in der Gleichberechtigung herrscht? Oder eine orientalische Gesellschaft, in der gleichgeschlechtliche Beziehungen voll akzeptiert werden? Alles ist möglich.

Trotzdem muss auch eine fantastische Welt in sich logisch sein – und das schließt auch unangenehme Begebenheiten ein. Kriege, Unterdrückung oder Naturkatastrophen haben ganze Zeitalter geprägt, demnach sollte man sie auch bei Fantasy-Welten nicht ausblenden, mit allen daraus resultierenden Konsequenzen und Schrecken (auch der Gedanke einer utopischen Welt ohne Krieg und Leid kann natürlich reizvoll sein, das nur am Rande). Krieg zu verharmlosen oder zu verherrlichen ist der größte Fehler, den ein Autor begehen kann. Dabei ist es nicht erforderlich, nur um der Schockeffekte wegen grausige Details darzustellen und nur noch über Blut und Eingeweide zu schreiben, viel wichtiger sind die Auswirkungen auf den Einzelnen, das Psychologische dahinter. Genau das macht eine Geschichte spannend.


anfuhrungszeichentimesEigenes Beispiel: Kriegstrauma („Unter einem Banner“)

Der Wunsch nach Expansion und Ausweitung von Ressourcen bringt den König von Serin dazu, Krieg gegen seine nördlichen Nachbarn zu führen. Während das Heer die ersten Grenzposten noch problemlos einnimmt, wird die Belagerung der feindlichen Hauptstadt zum Desaster. Wintereinbruch, Hunger und steigende Verluste machen den Soldaten zu schaffen, senken ihre Moral. Kameraden sterben, die ersten Soldaten begehren auf, desertieren. Was als Triumphzug geplant war, verkommt zu einem Alptraum. Und mitten drin steht Reykan, seines Zeichens königlicher Offizier, und muss sich entscheiden: Folgt er seinem Pflichtgefühl oder seiner Vernunft?


Kommen wir zu einem Fazit. Ja, ich schreibe über Gewalt, über Krieg und darüber, was es mit den Menschen macht. Ich baue Welten, die nicht immer schön sind, oft sogar bedrohlich oder feindselig. Manchmal gewinnt das Gute, manchmal erleide die Helden Rückschläge und manchmal gibt es gar keinen Sieger. Natürlich ist es okay, wenn jemand mit diesen Themen nichts anfangen kann, sich vielleicht unwohl fühlt darüber zu lesen und zu schreiben. Ehrlich, das ist doch das Schöne an der Bücherwelt: Für jeden gibt es den passenden Lesestoff.

Auch für mich gibt es Grenzen, die ich ungern überschreite: Folter, Gewalt gegen Kinder und extrem grausame Todesfälle zum Beispiel. Und noch nie hat explizite, übertrieben Gewaltdarstellung dazu beigetragen, dass ich ein Buch besonders gut fand. Aber kritische Auseinandersetzung mit unangenehmen Themen, psychologische Gedankenspiele und realistischen Weltenbau schreibe ich mir gerne auf die Fahne.

Wie steht es bei euch, verarbeitet ihr solche Themen in euren Werken? Was inspiriert euch dazu? Stören euch Gewaltdarstellungen als Leser? Wo zieht ihr eure persönliche Grenze? Lasst es mich wissen.