Charaktere

Das böse K-Wort

Klischees in der Literatur – akzeptieren, umgehen oder modifizieren?

„Wer Klischees bedient, hat die treuesten Stammgäste.“
– Karl-Heinz Karius

Mit dem Hashtag #buchbingo hat Buchnom auf Twitter vor wenigen Tagen einen regelrechten Sturm ausgelöst. Hunderte Literatur-Fans fassten darunter lästige Buchklischees zusammen, die sie nicht mehr lesen möchten. Häufig ging es dabei um altbackene Liebesgeschichten, abgedroschene Phrasen oder ausgelutschte Plot-Elemente.

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Beispieltweets zu #buchbingo

Der überraschende Hype wurde zwiespältig aufgenommen. Sind Klischees wirklich so schlecht? Sollte man sie verdammen – oder ist eine Spur Klischee sogar wichtig? Und kann man Klischees denn überhaupt grundsätzlich vermeiden?

Starten wir mit der ganz basalen Frage: Was sind überhaupt Klischees?

Kognitive Abkürzungen

Klischees – auch Stereoytpe – sind im Grunde nichts anderes als kognitive Abkürzungen, so genannte „Heuristiken“. Gewisse Eigenschaften einer Person bzw. Personengruppe oder auch bestimmte Handlungsverläufe sind in unserem Gehirn nahe beieinander abgespeichert und werden deswegen bevorzugt gemeinsam abgerufen. Sie werden durch eigene Erfahrungen, Erziehung oder auch durch die Medien geprägt und verfestigen sich im Laufe der Jahre. Gegenläufige Erfahrungen, die diesen Klischees oder Stereotypen nicht entsprechen, können diese ins Bröckeln bringen, in der Regel ist dafür aber ein längerer Zeitraum erforderlich. Außerdem belegen Studien, dass Menschen besonders häufig nach solchen Informationen suchen, die ihre Einstellungen und Weltbilder unterstützen, dadurch werden auch Klischees verfestigt (Stichworte für Interessierte: „shared information bias“, „selective exposure effect“).

Klischees sind eine weit verbreitete Wohlfühlzone. Sie sind einfach, simpel und erfordern wenig mentale Kapazität. Wie viel einfacher ist es, zum Beispiel, einer taffen Karrierefrau sofort die Attribute „kühl“, „berechnend“ und „ehrgeizig“ zuzuschreiben, als sie zu beobachten, sich mit ihr auseinanderzusetzen und ihren Charakter über längeren Zeitraum hinweg zu ergründen. Bei Romanen und Plotstrukturen gilt dasselbe: Es ist viel entspannter, von vorneherein mit einem fröhlichen Happy End zu rechnen, bei dem sich Protagonist/in und Love Interest in den Armen liegen, als zu abstrahieren, was sonst noch passieren könnte. Klischees sitzen in jedem von uns, sie sind normal und menschlich. Genau deswegen müssen wir uns ihrer auch bewusst werden und uns überlegen, wie wir damit umgehen.

Was Klischees so prägnant macht

Stereotype und Klischees haben die Eigenheit, in sich schlüssig und stimmig zu sein, deswegen sind sie einfach zu bedienen und zu merken. Ein Beispiel: Der Nerd, der am liebsten „World of Warcraft“ zockt, hat wenig Interesse an Sport, deswegen ist er übergewichtig, isst Fast Food und bleibt lieber für sich. Ein stimmiges Konzept, aber eine Spur zu einfach. Nicht alle Nerds sind übergewichtig. Nicht alle Übergewichtigen meiden Sport. Und so weiter und so fort. Klischeefalle. Das ist das gemeine an Klischees, wir begegnen ihnen – vermeintlich – an jeder Ecke. In Wahrheit ist das aber nur ein Trugschluss, denn obwohl zwischen manchen Eigenschaften mit Sicherheit ein Zusammenhang besteht (z.B. Musikgeschmack und Kleidungsstil) neigen wir dazu, Klischees besonders leicht im Gedächtnis zu behalten. Wenn jemand dem Idealbild eines gewissen Personentypus entspricht, positiv wie negativ, dann merken wir uns das besser, als wenn er in einem oder zwei Punkten davon abweicht.

Zusätzlich sind Klischees oft erschreckend präsent. Nehmen wir als kontroverses Beispiel den „kriminellen Außenseiter“. Kommt es zu einem Amoklauf, sind die Medien anschließend voll von Informationen über die schlechte soziale Anpassung des Täters, seine „gestörten“ Vorlieben (Ballerspiele o.ä.) und seine Faszination für Waffen. Dadurch entsteht in den Köpfen der Konsumenten ein vermeintlich konsistentes Bild des „Amokläufers“. Dass es in Deutschland Tausende junger Menschen gibt, auf die dieselben Eigenschaften zutreffen, ohne dass sie je gewalttätig werden, nimmt die Masse nicht wahr. Ebenso wenig, wenn einzelne Täter nicht dem klassischen Profil entsprechen. Genau dieser Wahrnehmungsfehler macht uns so anfällig dafür zu glauben, Klischees würden die Welt beherrschen.

Positive Klischees

Grundsätzlich sollte man, nach meiner Ansicht, zwei Typen von Klischees unterscheiden, die positiven und die negativen. Positive Klischees sind Stereotype, mit denen wir uns wohlfühlen: Die kauzige, aber liebevolle alte Dame von nebenan. Der charmant-freche Draufgänger mit dem Herz aus Gold. Das Pärchen, das sich zuerst nicht ausstehen kann, aber am Ende zueinander findet.

Märchen, Disneyfilme und Hollywood-Blockbuster arbeiten häufig mit diesen Klischees. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, abgesehen von der Tatsache, dass sie schnell langweilig und abgedroschen werden. In einer gewissen Dosis sind sie nett, schaffen Vertrautheit, Komfort und Wiedererkennungswert  – nehmen sie überhand, sind sie lästig oder fade.

Problematisch wird es an dem Punkt, an dem positive Klischees ihrerseits in Vorurteile münden können, Beispiele dafür sind positiver Rassismus oder die „Überhöhung“ bestimmter Personengruppen als übermäßig klug, begabt oder schön. Hier ist definitiv Vorsicht geboten.

Negative Klischees

Unter den Punkt negative Klischees subsummiere ich jede Form von Pauschalisierung und Diskriminierung. Die Außenseiterin mit dem seltsamen Kleidungsgeschmack, die zur Killerin wird. Der tuckige Schwule mit dem Faible für Schuhe. Das hässliche, unglückliche Entlein, das nach Diät und Schönheitskur zur glücklichen Märchenprinzessin mutiert und den Traumboy abbekommt.

Diese Form von Klischee ist gefährlich, denn dadurch können Vorurteile verstärkt und in Folge dessen Diskriminierung vorangetrieben werden, z.B. Fat shaming, homophobes oder sogar rassistisches Gedankengut. Vor dieser Verantwortung sind auch Autoren fiktionaler Werke nicht gefeit, denn egal ob fiktiv oder real, Verbindungen im Gehirn bilden sich durch Wiederholung. Je häufiger man also mit diesen negativen Klischees konfrontiert wird, desto höher die Gefahr, dass sie sich als festes Vorurteil im Kopf verankern.

Wie gehe ich mit Klischees um?

Grundsätzlich stehen einem Autor drei Möglichkeiten offen, mit Klischees oder Stereotypen umzugehen.

Ich benutze sie!

Gute Klischees sind nichts Schlimmes, sofern sie in Maßen dosiert werden. Gewisse Archetypen sorgen Leserinnen und Lesern für Sympathie und Wiedererkennungswert, sie erinnern sie an ähnliche Figuren oder Menschen aus dem echten Leben, die sie schätzen. Wichtig ist nur, diese Charaktere nicht zu Abziehbildern zu degradieren, sondern ihnen eine Persönlichkeit zu geben, sonst droht es langweilig und flach zu werden. Was grenzt die nette Dame von nebenan von allen freundlichen alten Frauen ab, die es so gibt? Was macht aus ihr einen Menschen anstelle eines Archetyps? Oft ist gar keine Hexerei erforderlich, sondern nur eine Beschäftigung mit der Frage: Warum ist diese Figur so, wie sie ist? Welche Stärken und Schwächen hat sie? Wie wirkt sie auf den Betrachter? Mit etwas Fingerspitzengefühl und Liebe zum Detail wird so aus einem abgedroschenen Klischee eine stimmige, interessante Figur.

Viele Klischees machen auch einfach Spaß, seien wir ehrlich, und es ist nichts Verwerfliches daran, Freude an bestimmten Tropes und Handlungselementen zu haben. Kein Autor wird das Rad neu erfinden, und wenn ein klassisches Element schön, interessant und stimmig umgesetzt wird, gibt es keinen Grund, das zu verdammen.

Ich umgehe sie!

Schlechte Klischees sollte man vermeiden, gerade weil wir ihnen – vermeintlich – so oft begegnen und die Gefahr besteht, dass sich das Vorurteil noch tiefer in den Köpfen einbrennt. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob es sich um einen Contemporary oder einen Fantasy-Roman handelt. Sicherlich ist die Gefahr, ein Klischee in die Realität zu übertragen, bei realistischen Geschichten höher, sie existiert aber immer. Für jeden Charakter können wir eine Entsprechung in unserer Realität finden und unsere Antipathien oder vorgefertigten Meinungen auf ihn übertragen.

Oft ist es nicht leicht, solche Klischees zu erkennen, denn auch Autorinnen und Autoren sind nur Menschen. Klischees oder Stereotype im Kopf zu haben ist kein Anzeichen von mangelnder Intelligenz oder Engstirnigkeit, sondern ein Effekt unserer Umwelt und unserer menschlichen Natur. Gerade deswegen müssen wir aber besonders genau hinsehen, uns immer wieder daran erinnern und reflektieren. Diesem Anspruch können wir nicht enftliehen.

Ich spiele mit ihnen!

Das ist sicherlich die Königsdisziplin im Umgang mit Klischees und erfordert ein gewisses Fingerspitzengefühl. Klischees können bewusst ausgenutzt und aufgebrochen werden. Vielleicht entpuppt sich die nette alte Dame ja als hinterhältiges Biest. Der knallharte Badboy guckt am liebsten Gilmore Girls und lebt in einer stabilen, glücklichen Beziehung. Die mollige schwarz gekleidete Außenseiterin ist die Beste im Hockeyteam und dort unheimlich beliebt. Klischees sind eine schöne Möglichkeit, mit Lesererwartungen zu spielen und diese bewusst aufzubrechen, um damit Spannung zu erzeugen und Vorurteile oder Stereotype Lügen zu strafen.

Wichtig ist natürlich, dass dieser Bruch trotzdem stimmig wirkt und schlüssig erklärt werden kann. Starkes Übergewicht und Hochleistungssport schließen sich zum Beispiel in vielen Bereichen aus. Auch bestimmte Persönlichkeitseigenschaften passen mitunter nicht gut zusammen. Recherche und eine intensive Beschäftigung mit den eigenen Figuren und Plots ist also in jedem Fall unerlässlich. Nachteilhaft ist zudem, dass die meisten Klischee-Brüche mittlerweile selbst zu Klischees geworden sind. Der Klassiker ist die rebellische Prinzessin, die nicht im Turm eingesperrt auf ihren Traumprinzen wartet, sondern selbst das Schwert schwingt. Ursprünglich war die Märchenprinzessin selbst das Klischee, mittlerweile ist ihre Umkehrung auch zu einem geworden.

Fazit und Ausblick

Kommen wir zu einem Fazit: Was machen wir mit den Klischees? Fakt ist, es ist immer wichtig, den eigenen Plot und die Hauptfiguren auf unnötige, vielleicht sogar negative Klischees abzuklopfen. Bin ich in eine Klischeefalle getappt? Wenn ja, ist es schlimm, rückt es die betreffenden Personen in ein schlechtes Licht? Hier kann es helfen, bei Unsicherheiten Betroffene zu fragen und z.B. „Sensitivity Reader“ zu suchen.

Auch auf Handlungsebene ist es ratsam, klischeehafte Wendungen oder altbackene Plotelemente genauer anzuschauen, Testleser/innen dafür zu sensibilieren oder Lektoren/innen darauf hinzuweisen. Manchmal machen Klischees einfach Spaß oder gehören zur Konvention einzelner Genres. Ein Märchen erfordert z.B. andere Strukturen und Ideen als ein Science-Fiction-Epos undin der Regel ist es nicht ratsam, Lesererwartungen zu arg zu enttäuschen. Eine locker-flockige Stadt-Romanze, die am Ende in einem Massaker endet, ist zwar untypisch, könnte die Zielgruppe aber arg verstören. 😉

Klischees müssen also nichts Schlechtes sein, im Gegenteil, gut umgesetzt und interessant aufbereitet schaffen sie Vertrautheit und einen Wiedererkennungswert.  Es schadet aber nicht, sie hin und wieder auch zu hinterfragen. Hashtags wie #buchbingo sind dabei gute Wegweiser, solange man sie nicht verabsolutiert.


Ich gebe ja offen zu, es gibt einige Klischees, die liebe ich abgöttisch. Der sarkastische Draufgänger, zum Beispiel, der nichts ernst nehmen kann, oder der verbitterte Haudegen, der schon mit dem Leben abgeschlossen hat, bevor … ihr wisst schon. 😉 Und auf den „wir finden uns zuerst total blöd und am Ende verlieben wir uns doch“-Trope stehe ich auch ziemlich. Was ich dagegen gar nicht leiden kann, sind platt konstruierte Romanzen nach Schema F und alles, was mit Auserwählten zu tun hat.

Wie ist das bei euch, welche Klischees habt ihr gern, welche könnt ihr nicht mehr sehen? Und wie geht ihr als Autoren/innen mit Klischeefallen um? Bin gespannt. 🙂


Vielen Dank an Christian Milkus, Melanie Vogltanz, Herrn Booknerd und Buchnom für die Erlaubnis, ihre Tweets einzubinden.

 

 

Anm.: Ich bin ab Samstag im Urlaub, werde also ab diesem Zeitpunkt auf Kommentare erst Mitte nächster Woche reagieren können.

 

Charaktere auf der Couch #8: Teklija

Heute hat sich eine Patientin bei mir eingefunden, die ich tatsächlich schon länger kenne, nämlich Teklija aus der Feder von Rafaela Creydt. Teklija, oder kurz Tek, ist eine blasse Frau Anfang zwanzig, ihr Körper wirkt sehr dünn, aber durchtrainiert, und ihr Blick scheint  ständig alles und jeden in ihrem Umfeld  zu taxieren. Was sie beruflich macht und warum sie eigentlich eine Menge therapeutischen Gesprächsbedarf hätte, könnt ihr hier nachlesen. 

 

Teklija, es freut mich sehr, Sie kennen zu lernen. Nehmen Sie doch Platz.

Ich möchte lieber stehen bleiben, wenn es dich nicht beleidigt.

Nein, natürlich nicht. Aber ich schätze, das könnte etwas länger dauern, also …? Nun gut, wie Sie wollen. Erzählen Sie mir doch noch mal, was hat sie hierhergeführt?

Arrian der Angeber hat mich hergeschickt. Er weigert sich, sein Wissen mit mir zu teilen, bevor ich nicht mit dir gesprochen habe. Daher muss ich dich leider belästigen. Ich bitte um Verzeihung.

Das müssen Sie nicht, es ist mein Job, Ihnen zuzuhören, wissen Sie. Es scheint, als würde sich Ihr Freund Arrian Sorgen um Sie machen. Hat er denn Grund dazu?

Arrian versteht die Situation nicht. Es geht nicht um mich. Es geht um meine Zadih. Sie sind in Gefahr. Ich muss sie schützen. Wie es mir geht, könnte nur dann von Interesse sein, wenn ich diese Aufgabe nicht mehr erfüllen könnte. Allerdings atme ich, stehe aufrecht und bin unverletzt. Also: Ich bin unwichtig.

Nun, Arrian scheinen Sie durchaus wichtig zu sein. Ich fürchte zudem, die Situation nicht ganz zu verstehen. Was ist ein … Zadih? Und was genau machen Sie beruflich?

Zadih ist ein Wort meiner Muttersprache. Wörtlich bedeutet es ‚Wichtiger’. Zadih ist der Mensch, der wichtiger ist als alles andere. Ich bin N’Duma Dahn, das ist ‚Kämpfender Schatten’. Ich bin ein Teil meines Zadih. Meine Aufgabe ist es, das Leben meines Zadih zu beschützen. Du kannst es Leibwächter nennen, aber das ist zu wenig. N’Duma ist kein Beruf. Es ist dein Leben. Der Zadih ist dein Leben. Ein N’Duma Dahn hat nichts anderes.

Das klingt nach einer sehr fordernden Tätigkeit. Vielleicht könnten Sie eine Auszeit brauchen. Haben Sie mal an Urlaub gedacht?

Ich habe in den letzten zwei Jahren überhaupt nichts getan. Ich hatte keinen Zadih. Nichts tun hat nichts besser gemacht.

Hm, ich verstehe, Ihre Arbeit scheint Ihnen viel zu bedeuten. Gibt es denn etwas, das Sie außer ihrer Aufgabe gern tun? Das Ihnen hilft, sich zu entspannen?

Entspannung ist zurzeit nicht sinnvoll. Wenn es dich beruhigt: Ich esse, ich trinke Wasser, ich wasche mich, ich trainiere, ich schlafe.

Das klingt nicht unbedingt nach einem erfüllten Leben. Aber apropos Schlaf, wie steht es darum? Können Sie gut einschlafen? Träumen Sie schlecht?

Ich erinnere mich nicht an meine Träume.

Gar nicht? Auch nicht, ob es angenehme oder negative Träume waren?

Nein. Ich möchte das auch nicht. Ich muss mich mit der Wirklichkeit beschäftigen. Mit dem Jetzt. Wünsche, Pläne oder Träume lenken nur ab. Darüber hinaus wurde ich ausgebildet, beim kleinsten Geräusch, oder dem Fehlen eines solchen, zu erwachen.

Wo Sie schon von Ihrer Ausbildung sprechen, Ihr Freund Arrian hat erwähnt, es gäbe da einen wunden Punkt in Ihrer Vergangenheit, der für Ihre Anspannung verantwortlich ist. Wollen Sie darüber reden?

Er meint vermutlich die Tatsache, dass ich meine erste Zadih ermordet habe. Nein. Darüber möchte ich nicht sprechen. Bestehst du darauf?

Die Therapeutin lässt vor Schreck fast Ihr Klemmbrett fallen. Wie bitte? Ermordet? Sie wirkt sichtlich irritiert und blättert in ihren Aufzeichnungen. Na ja, ich kann Sie nicht dazu zwingen, wenn Sie das nicht möchten. Vielleicht können wir ja ein andermal darüber reden. Wie, würden Sie sagen, hat Sie dieser Moment verändert?

Er hat mich nicht verändert. Er hat meine Fehler nur offengelegt. Seitdem gibt es keine freundlichen Lügen oder Selbsttäuschungen mehr.

Ist das der Grund, warum Sie so streng zu sich selbst sind? Bestrafen Sie sich für das, was Sie getan haben?

Ich wurde bereits bestraft. Ich wurde aus meiner Heimat auf den Krüppel-Kontinent verbannt. Hätte man mich sofort hingerichtet, wäre mir die Schande dieses Lebens erspart geblieben. Das wäre eine Gnade gewesen, die ich nicht verdiene.

Sie schweigt für einen Moment und blickt die Therapeutin mit ernster Miene an. Ich bin nicht streng zu mir. Ich erkenne lediglich die Wahrheit. Wie würdest du mit einem Mörder und Eidbrecher umgehen? Dir ist übrigens gerade beinahe dein Brett aus der Hand gefallen, also überleg dir, ob du noch glaubhaft lügen kannst.

Ich habe nicht vor, Sie anzulügen. In der Welt, in der ich lebe, ist es üblich, Mörder einzusperren, nicht zu töten. Sie sind auf freiem Fuß, das sollten Sie doch zu nutzen wissen, oder nicht? Aber zum Schluss sollten wir uns vielleicht nicht so sehr auf die negativen Punkte in Ihrem Leben fokussieren, sondern auf die positiven. Sie sind schließlich freiwillig hier und nicht dafür, dass ich Ihnen Vorhaltungen mache. Also, was halten Sie für Ihre größte Stärke?

Ich bin am stärksten im Kampf mit Messern.

Ich dachte eher an persönliche Stärken, verstehen Sie. Charakterzüge, Eigenschaften, die Ihnen in schwierigen Situationen helfen. Fällt Ihnen dabei etwas ein?

Ich habe in schwierigen Situationen versagt. Das Beste, was man vielleicht noch sagen kann: Ich behaupte nicht mehr, besser zu sein, als ich bin.

Wie könnte Ihnen diese Fähigkeit helfen, mit Ihrer Vergangenheit abzuschließen?

Ich will nicht mit ihr abschließen. Drei Jahre war ich N’Duma Dahn der höchst verehrten Solven da Gwenn. Diese drei Jahre möchte ich nicht verlieren. Auch wenn das egoistisch ist. Ich bezahle dafür.

Schließen wir die Sitzung mit einem Ausblick auf die Zukunft: Wie stellen Sie sich Ihr Leben in einigen Jahren vor? Was wäre Ihr Wunsch?

Meine Zadih sind in Sicherheit. Ich bin … irgendwo. Ich habe kein Recht auf Wünsche.

Und wenn Sie sich dieses Recht ausnahmsweise gestatten würden? Dieses Gespräch ist vertraulich, Sie können sich hier ganz frei äußern.

Es geht hier nicht um Vertraulich oder nicht! Ich habe nie gelogen, also was willst du damit sagen?

Nichts wird sich ändern in meinem Leben. Aber wenn meine Zadih überleben, habe ich zumindest nichts schlimmer gemacht mit meinen Wünschen. Narfa erhört dich immer, glaub es mir. Ich hatte nur einen eitlen Wunsch nach zwei Jahren Einsamkeit: Einen neuen Zadih. Eine Aufgabe. Narfa erhörte mich. Jetzt habe ich zwei Zadih! Zwei! Und beide sind Gefahr. Erzähl mir nichts von Wünschen!


 

22330964_525605561105188_1306618975_nPuh, kein leichtes Gespräch heute, zugegeben. Falls ihr ein wenig neugierig geworden seid und herausfinden wollt, was es mit Teklijas dunkler Vergangenheit auf sich hat und wie es ihr gelingt, einen neuen Platz in der Welt zu finden, holt euch „Die Stadt am Kreuz“ von Rafaela Creydt, erschienen im Verlag in Farbe und Bunt.

Und falls euch das Setting und der Stil der Autorin begeistern kann, erscheint mit den „Trümmerprinzen“ demnächst auch ein weiterer Roman vom Krüppelkontinent.

 

Facebookseite der Autorin: https://www.facebook.com/RafaelaCreydtAutorin/

Habt ihr noch weitere Fragen an mich oder Tek? Dann nur raus damit, vielleicht beantwortet sie sie euch ja sogar.


Einen Überblick über alle bisherigen Sitzungstermine gibt es hier.

Ab Dezember/Januar gibt es übrigens wieder freie Plätze auf der Couch! Falls ihr einen geeigneten Patienten aus einem veröffentlichten Werk habt, schreibt mir einfach eine Mail. Alle Genres sind willkommen.

Charaktervorstellung Idra, Teil 2

Ein Beitrag zur Opfermond-Release-Woche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Idra durftet ihr ja gestern schon ein wenig kennen lernen, heute ergänze ich ihren Steckbrief durch eine kleine Szene.

Idra ist ein Kind des Sha-Quai und ist in den staubigen Gassen geboren und aufgewachsen. Sie kennt ihren Teil des Armenviertels nahezu auswendig und manche Ecken bergen alte Erinnerungen.

Aber lest selbst.

Opfermond_Idra_Schnipsel

Hier ist außerdem der Link zur Facebook-Veranstaltung für die Release-Woche.

Charaktervorstellung Idra

Ein Beitrag zur Opfermond-Releasewoche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Varek habt ihr nun besser kennengelernt, heute möchte ich euch die zweite Hauptfigur aus „Opfermond“ vorstellen: die Straßenhure Idra. Das wundervolle Porträt stammt wieder von der talentierten Guddy Hoffmann-Schönborn (Fried Phoenix Geekblog).

Idra_GuddyPortrait

Idra ist ursprünglich als Rollenspiel-Charakter für „Das schwarze Auge“ entstanden, hat sich dann aber ziemlich schnell in diesen Roman geschlichen. Aus dem Südquartier Gareths ist sie ins Armenviertel von Ghor-el-Chras umgezogen, an ihrem losen Mundwerk und ihren laxen Manieren hat sich dabei nicht viel geändert.

Idra ist neunzehn Jahre alt und mit ihrem flammendroten Haar ist sie eine echte Exotin in den Straßen von Ghor-el-Chras. Angeblich hat sie diese Besonderheit ihrem Vater zu verdanken, doch dem ist sie nie begegnet.

Idra hat ihr ganzes Leben im schlechtesten Viertel der Stadt verbracht und hat nie etwas anderes kennengelernt als den Gestank und das Elend in den Straßen des Sha-Quai. Trotzdem hat sich Idra ihren Stolz bewahrt und beschlossen, vor niemandem zu kriechen, auch nicht vor der Obrigkeit oder ihrem brutalen Zuhälter. So erträgt sie das Leben, zu dem sie verdammt ist, mit so viel Würde wie möglich – und hofft im Stillen, die Stadt irgendwann verlassen zu können, um neu anzufangen.

IdraCharakter

Auch wenn sie es nie zugeben würde, hat Idra ein gutes Gespür für Schönheit: für die ruhigen Momente bei Sonnenaufgang, für den Duft von Jasminblüten und den Geschmack von frischem Fladenbrot. Außerdem hat sie ein gutes Auge für Wertsachen. Das Wichtigste in ihrem Leben bleibt aber ihr einziger Freund, der Strichjunge Djarid. Denn Freunde sind kostbar im Sha-Quai.

Morgen gibt es noch einen kurzen Textschnipsel zu Idra, der ihr Leben im Armenviertel ein bisschen deutlicher illustriert.

Idra hat sich übrigens vor einer Weile in einem Interview mit zwei weiteren Roman-Figuren aus meiner Feder über Frauenrollen, Vorbilder und ihre Definition von Stärke unterhalten. Den Beitrag findet ihr hier: Ladies‘ talk: Starke weibliche Charaktere

Hier ist außerdem der Link zur Facebook-Veranstaltung für die Release-Woche.

 

 

Charaktervorstellung Varek: Teil 2

Ein Beitrag zur Opfermond-Releasewoche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Gestern hab ich euch ja schon ein bisschen etwas über Varek erzählt (oder er über sich), heute möchte ich das Ganze mit einer kleinen Textstelle illustrieren.

Varek ist, nicht zuletzt aufgrund seiner Profession als Auftragsmörder, ein klassischer Einzelgänger. Da die Bürger von Ghor-el-Chras ohnehin nur Abschaum in ihm sehen, hält er sich vorrangig an Leute, die man bezahlen kann: Diener, Rauschkrauthändler und Prostituierte.

Glück ist etwas, das sich ein Unbestechlicher nicht leisten kann, doch mit der richtigen Menge Rauschmittel kann Varek zumindest eine Weile in schönen Erinnerungen schwelgen. Aber lest selbst.

Opfermond_Varek_Schnipsel

Morgen widmen wir uns dann der zweiten Hauptfigur aus „Opfermond“ – der Straßenhure Idra.

Hier ist außerdem der Link zur Facebook-Veranstaltung für die Release-Woche.

Charaktervorstellung: Varek

Ein Beitrag zur Opfermond-Release-Woche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Heute möchte ich euch Varek vorstellen, den (Anti-)Helden aus „Opfermond“. Er war von Anfang an Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, die Figur, mit der alles begonnen hat.

Das wunderschöne Charakter-Porträt stammt von der großartigen Guddy Hoffmann-Schönborn (Fried Phoenix Geekblog).

Varek_GuddyPortrait

Varek gehört den „Unbestechlichen“ an, einem Orden von Spionen und Auftragsmördern. Die Anhänger des Ordens werden hervorragend bezahlt, gleichzeitig ist es ihnen verboten, zu heiraten, politische Ämter zu bekleiden oder in anderer Weise am öffentlichen Leben teilzuhabe. Deswegen gelten sie auch als unbestechlich. Da die Assassinen durch einen blutmagischen Schwur an den Orden gebunden werden, ist es auch keine gute Idee, gegen die Regeln zu verstoßen – Renegaten haben in der Regel eine sehr kurze Lebensdauer.

Eben das ist der Grund, weshalb Varek diesem Orden immer noch dient, denn eigentlich verabscheut er seine Tätigkeit. Was ihn dazu gezwungen hat, den Unbestechlichen beizutreten, will ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Und ebenso wenig, warum Varek die Dunkelheit mehr fürchtet als alles andere.

VarekCharakter

Ursprünglich stammt Varek übrigens aus Irhassar, einer Stadt in den Bergen, weit weg vom Trubel der Hauptstadt. Nach Ghor-el-Chras führte ihn der Wunsch nach Ruhm, Ansehen und Ehre für seine Familie – doch am Ende war genau das Gegenteil der Fall.

Leider ist Varek nicht sonderlich gesprächig, ein typischer Einzelgänger eben. Auf meiner Couch hat er sich trotzdem ein paar Informationen aus der Nase ziehen lassen: Varek auf der Couch

Morgen gibt es einen kurzen Textschnipsel zu Varek und noch ein paar Eindrücke von seinem Leben als Unbestechlicher.

Hier ist außerdem der Link zur Facebook-Veranstaltung für die Release-Woche.

 

Charaktere auf der Couch: #6 Theodora

Heute besucht uns Theodora in der Praxis. Sie ist eine attraktive junge Frau mit dunkelbraunen Locken und rehbraunen Augen, deren Modestil auf den ersten Blick vermuten lässt, sie käme von einem Mittelaltermarkt. Tatsächlich hat Theodora im 12. Jahrhundert gelebt, wo sie als Hofdame der Königin diente, bis sie einige seltsame Vorkommnisse zwangen, in ihre Heimat zurückzukehren. Ihre Familie macht sich große Sorgen. Ist es möglich, dass Theodora von einem Dämon besessen ist?

Theodora, schön, dass Sie gekommen sind. Nehmen Sie doch Platz. Wie fühlen Sie sich heute?

Natürlich gerne. Danke. Wie ich mich fühle? Also … Sie zerknittert den Rock ihres Kleides. Es könnte besser sein. Heute Nacht habe ich nicht gut geschlafen, und es ist noch etwas kalt. Ich bin etwas in Sorge, dass ich mich erkälten könnte. Mit einer Erkältung und Fieber ist nicht zu spaßen, wissen Sie?

Ihr Vater und Ihre Familie machen sich große Sorgen um Sie wegen Ihrer Anfälle. Wie lange ist der letzte Vorfall denn jetzt her?

Vorgestern, glaube ich. Zumindest der letzte, an den ich mich erinnere. Manchmal wird mir kurz schummrig. Ich weiß nicht, ob das auch … Anfälle sind … oder was auch immer …

Können Sie mir beschreiben, was Sie während dieser Anfälle sehen oder erleben? Wie fühlt es sich für Sie an? Keine Sorge, nichts von dem, was Sie hier erzählen, wird nach außen dringen, Sie können mir vertrauen.

Ich kann mich ehrlich gesagt an fast nichts erinnern. Es ist, als würde die Zeit einfach weiterspringen. Danach liege ich meist auf dem Boden, ich bin durstig und müde. Es kostet sehr viel Kraft. Mein Vater hat mir mal beschrieben, wie es aussieht … aber das dürfen Sie wirklich niemandem erzählen! Mit ihnen darüber zu reden, das ist … das ist lebensgefährlich für mich.

Wie ich schon sagte, Sie müssen sich keine Sorgen machen. Alles, was wir hier sprechen, ist streng vertraulich, auch Ihre Familie wird nichts davon erfahren. Sie können sich nicht erinnern, sagen Sie … War denn jemand bei einem dieser Anfälle dabei, der Ihnen erzählt hat, was passiert ist?

Ja, mein Vater hat mir das so beschrieben: mein Körper zuckt und krampft unkontrolliert. An meinen Mundwinkeln ist – sie schluckt trocken – Spuke. Meine Augenlider flattern und ich muss die Augen verdrehen, jedenfalls meint er, er sieht ganz viel Weiß. Und ich lasse mich wohl nicht anfassen. Ich habe ihn einmal sehr heftig von mir weggeschleudert.

Die Therapeutin macht sich einige Notizen auf ihrem Klemmbrett. Und Sie können sich an gar nichts erinnern? Auch nicht an irgendwelche Fetzen oder Bilder, die Sie gesehen haben? An ungewöhnliche Geräusche?

Theodora blickt zu Boden und nestelt nervös an einem losen Faden in einem Couchkissen. Ich weiß auch nicht, vielleicht war das nur ein böser Traum. Ich habe noch nie mit irgendjemandem darüber gesprochen, also … aber gut. Sie atmet tief durch. Vielleicht muss ich einmal mit jemandem darüber reden, und Sie schwören, dass Sie mich nicht dafür verurteilen werden? Ich meine, es kann auch nur ein Albtraum sein …

Nein, ich verspreche es Ihnen. Sie dürfen ganz offen sein.

Ich erinnere mich an ein ganz fürchterliches Bild. Da stand ein Dämon in unserem Hof. Er hat unsere Hühner geschlachtet und mich gezwungen … mich gezwungen … ihr B… Blut zu trinken. Dann habe ich das Dorf in Brand gesehen. Ich habe sie schreien gehört. All die armen Menschen, meine Freunde. Ich weiß wie gesagt nicht einmal, ob das ein Anfall war. Vielleicht war es nur ein böser Traum. Das Dorf steht noch. Und ich bete zu Gott, dass es keine böse Vorahnung war. I… ich meine, das muss keine böse Vorahnung gewesen sein, oder? Glauben Sie an so etwas?

Nun, um ehrlich zu sein, seit ich in dieser Praxis arbeite, habe ich einige ungewöhnliche Dinge erlebt. Sie räuspert sich. Aber ich glaube viel eher, dass dieser Traum, dieses Bild, das Sie gesehen haben, aus Ihren Ängsten entstanden ist. Ich denke nicht, dass Ihre Familie oder Ihr Dorf in Gefahr ist.

Sie reicht Theodora ein Glas Wasser, damit sie etwas zur Ruhe kommen kann.

Es tut mir leid, wenn ich Sie weiter damit belästigen muss, aber können Sie sich erinnern, wann es angefangen hat? Gab es ein besonderes Ereignis, das mit den Anfällen in Verbindung steht?

Ein besonderes Ereignis? Nicht wirklich. Ich hatte diese Gedächtnislücken teilweise schon am Hof der Königin. Johann hat mir das nie so eindrücklich beschrieben wie mein Vater. Vielleicht war es damals auch nicht so schlimm, vielleicht ist es schlimmer geworden, seit Johann verschwunden ist und ich in Lorch bin. Aber ich hatte es schon ansatzweise am Hof. Es hat nicht erst in Lorch angefangen.

Gibt es etwas, das Ihnen hilft, die Anfälle zu kontrollieren oder zu stoppen?

Sie schlägt traurig die Augen nieder. Stoppen kann man sie meines Wissens nach nicht und auch nicht wirklich kontrollieren. Aber als Johann bei mir war, war es nicht so schlimm. Ich hoffe sehr, dass er bald zurückkommt. Ich vermisse ihn …

Johann ist Ihr Geliebte, nicht wahr? Wie gehen er und Ihre Familie mit diesen Ereignissen um? Fühlen Sie sich von Ihnen unterstützt?

Von meiner Familie lebt nur noch mein Vater. Meine Mutter ist im Kindbett gestorben. Ich stand auch meinem Onkel, meiner Tante und meinem Cousin väterlicherseits sehr nahe. Aber sie wurden von Räubern überfallen und niedergestochen. Sie schweift kurz ab und blinzelt, fängt sich aber wieder.

Mein Vater und Johann sind die Einzigen, die überhaupt davon wissen. Sie unterstützen mich beide auf ihre Weise, sie haben halt sehr unterschiedliche Ansichten auf das, was passiert. Johann meint, ich sei unheilbar krank, aber er wäre trotzdem immer für mich da. Mein Vater … er ist vollkommen überzeugt davon, dass ich – sie schluckt – besessen bin. Das macht mir Angst. Ich fürchte, dass er Recht hat. Es passiert so viel Schlimmes in letzter Zeit in Lorch und ich weiß nicht, ob ich nicht dafür verantwortlich bin. Mein Vater meint, ich dürfe nicht zu einem Exorzisten gehen, weil die Lorcher zu viel Angst haben werden. In Ulm haben sie einen Jungen mit ähnlichen Anfällen in der Luft zerrissen … Sie schaudert.

Das klingt ja schrecklich. Gibt es etwas, das Sie tun könnten, um sich besser zu fühlen? Könnten Sie mit jemandem darüber reden?

Ich konnte mit Johann darüber reden. Aber … Sie schluchzt. Ich weiß nicht einmal, ob Johann noch lebt. Ich hoffe so sehr, dass er bald von dieser bewaffneten Pilgerfahrt zurückkommt!

Ich hoffe sehr, dass Sie Recht haben und er bald zurückkommt. Sie sagen, Ihr Vater und Johann haben sehr unterschiedliche Ansichten, aber was denken Sie selbst über die Anfälle? Was ist Ihre Vermutung, woher sie kommen?

Ich weiß es nicht genau. Vielleicht ist es wirklich nur eine Krankheit. Vielleicht … vielleicht ist es aber auch ein Dämon. Ich denke aber, ganz egal, was es ist, es ist eine fürchterliche Strafe Gottes. Also werde ich wohl irgendetwas falsch gemacht haben. Vielleicht will der Herr meine Beziehung zu Johann nicht. Er ist immerhin der Bruder der Königin und ich … ich bin nur die Tochter eines unbedeutenden Untervogtes. Aber selbst wenn es das ist … ich hoffe es nicht … ich kann meine Liebe zu Johann nicht einfach begraben.

Ich bin mir sicher, dass Sie sich irren, die Anfälle haben sicher nichts mit dem Zorn Gottes zu tun. Aber sprechen wir auch mal über schönere Dinge. Was bereitet Ihnen denn besondere Freude, wie sieht Ihr perfekter Tag aus?

Sie schließt die Augen. Ich spaziere durch den Wald. Johann ist an meiner Seite und mein Cousin und meine Mutter. Wir begegnen einem Reh. Wir hören die Vögel singen. Wir lachen und scherzen miteinander. Meine Mutter hilft mir bei der Hausarbeit. Wir kochen gemeinsam. Am Abend sitzen wir am Feuer in der Küche beieinander. Und danach schlafe ich an Johanns Seite gekuschelt ein. Das wäre ein perfekter Tag für mich. Aber – sie seufzt schwer – das werde ich vor meinem Tod so nicht mehr erleben.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass Johann zurückkommt. Das ist für mich jetzt erst einmal das Wichtigste. Und dann wünsche ich mir natürlich, dass … was auch immer es ist … verschwindet. Oder wenigstens meine Befürchtungen nicht eintreten. Wenn Johann gesund zurückkehrt und den Lorchern nichts passiert, dann … dann würde ich sogar diese Anfälle weiter in Kauf nehmen.


InfokastenEpilepsie


Ocoverb Theodoras Hoffnungen in Erfüllung gehen oder ob sie weiter von den Dämonen in ihrem Kopf heimgesucht wird, erfahrt ihr in Isabella Benz‘ Historienroman „Die Dämonen von Lorch“. Ist die junge Frau tatsächlich von einem Dämon besessen? Könnten ihre Schreckensvisionen wahr werden? Oder treibt jemand ein böses Spiel mit ihr?

Website der Autorin: http://isabella-benz.de/

Facebookseite der Autorin: https://www.facebook.com/AutorinIsabellaBenz/


Quelle:

Neubauer, B. A. & Hahn, A. (2014). Dooses Epilepsien im Kindes- und Jugendalter. Berlin: Springer-Verlag.


Unser nächster Patient wird sich am 12. September in der Praxis einfinden und ich ahne, dass Zeyn mich vor ungeahnte Herausforderungen stellen wird. Einen Außerirdischen hatte ich noch nie auf meiner Couch. Ihr dürft gespannt sein.

Eine Übersicht über alle bisherigen Sitzungen findet ihr Teaser: Charaktere auf der Couch

Ansonsten dürft ihr Theodora und mir natürlich auch noch ein paar Fragen stellen, wenn ihr mögt. Nur zu.

Charaktere auf der Couch #5: Horatio

Heute darf ich euch mit Horatio Harthorn einen ganz besonderen englischen Gentleman vorstellen. Horatio ist ein liebevoller Familienvater und ein angesehener Kaufmann mit einer eigenen Flugschiff-Flotte und zahllosen Kontakten in die High Society – zumindest denkt er das von sich selbst. In Wahrheit schlummert unter seiner charmanten Fassade ein zutiefst verdorbener Kern. Aber bildet euch doch selbst eine Meinung über ihn.

Nun, Horatio, Sie wissen ja, warum Sie hier sind. Es geht darum, festzustellen, ob Sie für das von Ihnen begangene Verbrechen in ein Gefängnis oder eine Nervenheilanstalt eingewiesen werden sollen. Ich frage Sie ganz rundheraus: Was wäre Ihnen lieber?

Horatio Harthorn schüttelt den Kopf und wirkt ehrlich empört. Sie missverstehen meine Lage völlig, Mylady. Alle Anschuldigungen beruhen auf Lügen, die sich als solche herausstellen werden. Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen und kann übrigens nachts wunderbar schlafen.

Er lächelt gewinnend und setzt hinzu: Verehrteste sehen blendend aus in diesem Kleid. Ich sehe keinen Ring an Ihrem Finger, was mir völlig unverständlich ist. Er blickt theatralisch um sich. Aber wo ist der Herr Professor, der meinen überaus normalen Geisteszustand beurkunden soll? Er hat doch ganz sicher nicht Sie als Ersatz geschickt, also lassen Sie uns auf ihn warten.
Er lehnt sich im Stuhl zurück und mustert ungerührt den Busen seines Gegenübers.

Sie missverstehen die Situation, Horatio, ICH bin diejenige, die für Ihr Gutachten zuständig ist. Also würde ich vorschlagen, Sie bemühen sich um etwas Respekt. Blättert in der Akte, die mehrere Zentimeter dick ist. Sie wurden des Schmuggels, des Mordes und des mehrfachen Betruges angeklagt, alles keine Kavaliersdelikte. Wie denken Sie über diese Taten?

Das Lächeln weicht aus seinem Gesicht. Selbstverständlich gehören derartige Untaten verfolgt und hart bestraft. Unsere Justiz geht viel zu lasch mit Verbrechern um. Aber wie um alles in der Welt kommen Sie darauf, dass mir solche Taten nachgewiesen werden können? Wie bereits gesagt, ich bin ein Ehrenmann. Alles andere sind Lügen und Darstellungen einer sensationslüsternen Presse, die ehrlich arbeitende Männer verhöhnt.

Ah, die Lügenpresse, ich verstehe …

Sein Blick wird starr und fordernd. Derartige Fragen halte ich übrigens für sehr unpassend. Ich bin hier, um die Wahrheit zu berichten, und ich hatte angenommen, nicht nur von einer unqualifizierten Frau befragt zu werden. Nichts für ungut, meine Liebe, aber Ihrem Geschlecht fehlt bekanntermaßen die Fähigkeit zu logischem Denken.

Ah, ist das so? Nun, wie gesagt, sie werden wohl oder übel mit mir vorliebnehmen müssen. Vergessen Sie also besser nicht, dass mein Urteil über Ihre Zukunft entscheiden wird, ob es Ihnen passt oder nicht.

Horatio zieht stumm die Augenbrauen hoch.

Was war Ihr Antrieb für diese Taten? Geld? Strebt ein Mann wie Sie nicht nach höheren Gütern als schnödem Mammon?

Harthorn lacht böse. Als ob Sie als Weib meine Beweggründe nachvollziehen könnten! Wissen Sie, wie schwer die Verantwortung meines Namens auf mir lastet? Geld ist nur ein Zahlungsmittel, meine Ehre steht stets an erster Stelle. Wie gesagt, nichts, was Sie auch nur ansatzweise verstehen.

Er springt auf. Und nun schicken Sie mir endlich Ihren Vorgesetzten.

Seine Bewacher treten neben ihn. Er setzt sich wieder.

Ach, Horatio, ersparen Sie uns doch diese Unannehmlichkeiten, ja? Ich kann Sie auch gleich in Ihre Zelle zurückschicken lassen, aber ich denke, das wollen Sie nicht. Also reißen Sie sich zusammen.

Blättert erneut in der Akte. Wenn ich mir Ihr Dossier so ansehe, stelle ich fest, dass Sie es tatsächlich geschafft haben, Ihre gesamte Familie zu zerstören. Wie fühlt sich das an, wenn man vollkommen allein auf der Welt ist?

Er spitzt die Lippen, streicht sich über den Backenbart und brütet vor sich hin. Dann starrt er der Therapeutin in die Augen. Seit Millionen von Jahren tilgt der Stärkere das Schwache. Das entspricht der natürlichen Ordnung. Nächste Frage.

Er lächelt, aber nun wirkt es eher wie eine Grimasse. Übrigens, so anmaßend, wie Sie hier auftreten, wundert es mich nicht, dass bisher kein Mann ehrliches Interesse an Ihnen gezeigt hat. Meine Frauen haben schnell gelernt, ihre Position in der Gesellschaft zu erfüllen. Regelmäßige Prügel und ausgedehnte kalte Bäder würden auch Ihnen guttun.

 Die Therapeutin winkt desinteressiert ab. Jaja, zur Kenntnis genommen. Fahren wir fort, damit dieser Unsinn hier endlich vorbei ist. Ihr Sohn, Alan. Was denken Sie über ihn? Ist er Ihnen ähnlich?

Harthorn läuft puterrot an. Er knurrt. Meinen Sie etwa diesen undankbaren Burschen, den ich in meinem Haus aufgenommen habe in meiner Gutmütigkeit? Er ist nicht mehr als eine Küchenschabe, die ich unter dem Absatz zerquetschen werde, wenn diese Farce hier beendet ist. Gemeinsam mit der übrigen Brut, die mich beschuldigt.

Wie, glauben Sie, denkt Alan über Sie? Was sieht er in Ihnen?

Seine Ansichten über mich sind irrelevant.

Och, das finde ich nicht. Aber gut, wie Sie meinen. Was ist mit seiner Mutter? Hatten Sie Gefühle für sie? Gibt es überhaupt jemanden, für den Sie jemals Gefühle entwickelt haben?

Er schüttelt den Kopf, als wäre er traurig, so missverstanden zu werden. Mylady, ich bin ein guter Logiker. Er drapiert eine Hand auf den Brustkorb. Mein Herz schlägt für mein Land und mein Volk. Nur gemeinsam können wir mächtig und groß bleiben und jeder von uns muss dazu beitragen und Opfer bringen. Wäre es nicht egoistisch von mir, meine persönlichen Bedürfnisse über die aller anderen zu stellen? Gefühle leisten sich Schwächlinge wie dieser armselige Dienstbote Richard. So ein Jammerlappen, dem ich erst die Härte des Lebens einprügeln lassen musste. Was Alans Mutter angeht. Was erwarten sie von einer Frau, die im Irrenhaus gelandet ist? Ich habe sie nur aus Mitleid geheiratet. Ein Fehler.

Lassen Sie mich das Ganze zusammenfassen. Sie sind gefühllos, kalt, skrupellos und gehen über Leichen. Sie biedern sich an, solange es Ihnen nützt, und lassen jeden über die Klinge springen, der Ihnen im Weg ist, ja? Helfen Sie mir: Gibt es irgendetwas an Ihnen, das man mögen könnte? Irgendetwas? Einen Funken Sympathie?

Sie missverstehen mich nach wie vor völlig. Wie viele heiße Tränen habe ich als Jugendlicher heimlich vergossen, nachdem mein geliebter Bruder in ein Feuer gestürzt ist! Ich weiß nicht, was dem Ärmsten geschehen sein muss, damit er nun behauptet, ich hätte ihn hinein gestoßen, um die Firma übernehmen zu können. Sogar einen faulen Bengel wie Richard habe ich in mein Haus geholt, um ihm eine Ausbildung als Diener zu ermöglichen. Glauben Sie etwa, es hat mir Freude bereitet, ihn so häufig zu bestrafen? Im Gegenteil, mein Herz hat für ihn geblutet, wenn ich den Nichtsnutz schlagen lassen musste.

Äh, ja. Ich verstehe. Wenn Sie morgen sterben würden, was würden Sie der Welt dann hinterlassen?

Meinen guten Namen und die Erinnerung an einen großen Mann, denn alle Anschuldigungen sind nichts als Lügen.

Angenommen, Sie bekämen noch diese eine letzte Chance, Ihr Leben zu ändern. Was würden Sie anders machen? Wie würden Sie leben wollen?

Ganz ehrlich? Ich hätte diese undankbare Frucht meiner Lenden ins Waisenhaus geben sollen. Dort wäre er gestorben, wie neunundneunzig von hundert Kinder dort. Der Welt wäre einiges erspart geblieben, und ich müsste heute nicht meinen tadellosen Ruf verteidigen.

Gibt es etwas in Ihrem Leben, das Sie wirklich bereuen?

Dass mein letzter Geschäftsplan nicht aufgegangen ist. Fast hätte ich einen neuen Handelspartner gefunden, da wirft mir dieser Froschfresser unethisches Verhalten vor. Harthorn winkt ab. Unsere Vorfahren hatten schon Recht, man kann Ausländern nicht trauen.

Gut, ich denke, mehr brauche ich nicht zu wissen. Sie können dann gehen. Auf Sie wartet eine hübsche Zelle.

Harthorn beugt sich vor und flüstert der Therapeutin mit rauer Stimme zu: Ich habe außerhalb der Haftanstalt weiterhin gute Freunde, Püppchen. Wenn dein Bericht über mich nicht zu meinen Gunsten ausfällt, werden diese Herren sich um dich und deine buckelige Familie kümmern. Diese Leute sind höchst erfindungsreich, was Schmerzen und einen langsamen Tod angeht.

Er steht auf und sagt lauter: Diese leidige Sache zur Einschätzung meines Person wäre damit aus der Welt geschafft. Ein Segen für Sie, auf so einen geduldigen Menschen wie mich getroffen zu sein, meine Liebe. Ich erwarte dann, in Kürze freigelassen zu  werden. Hocherhobenen Hauptes verlässt er den Raum, zwei Gefängniswärter an seiner Seite.


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HoratioCoverHach, was für ein sympathischer Kerl, findet ihr nicht auch? Wenn ihr herausfinden wollt, wie tief Horatios Lügen reichen und ob sein Sohn Alan der Wahrheit über seinen Vater auf die Schliche kommt, werft doch einen Blick in „Die Lügen des Horatio Harthorn“, ein Steampunk-Roman von Angela Stoll, der letztes Jahr im Verlag „In Farbe und Bunt“ erschienen ist.

Website: www.a-g-stoll.de

Facebook: https://www.facebook.com/Autorin-Angela-Stoll-1544736869177119/


Quellen:

Frädrich, S. & Pfäfflin, F. (2000). Zur Prävalenz von Persönlichkeitsstörungen bei Strafgefangenen. Recht & Psychiatrie, 18, 95-104.

Möller, H.-J., Laux G. & Deister, A. (2009). Psychiatrie & Psychotherapie. Stuttgart: Thieme.


 

Habt ihr Fragen, wollt ihr Horatio noch ein wenig auf den Zahn fühlen? Dann nur zu, löchert ihn ein wenig – oder mich.

Die nächste Sitzung findet am 21. August statt, da stelle ich euch zum ersten Mal eine historische Persönlichkeit vor: Theodora, die angeblich von einem Dämon besessen ist. Hoffentlich brauchen wir keinen Exorzisten …

Zur Übersicht über alle bisherigen Sitzungstermine: Teaser: Charaktere auf der Couch

Charaktere auf der Couch #2: Azzael

Unsere heutige Therapiesitzung wird – im wahrsten Sinne des Wortes – höllisch gut, denn auf meiner Couch sitzt heute Azzael, gefallener Engel und rechte Hand des Teufels. Er ist fast zwei Meter groß, von stattlicher Statur, hält seit rund 400 Jahren sein Idealgewicht und geht nie ohne schwarze Ray Ban, Cowboystiefel aus Schlangenleder und Ledermantel aus dem Haus. Ich muss zugeben, dass es nicht so einfach wahr, Azzael auf meine Couch zu bringen, aber am Ende hat er sich doch breit schlagen lassen. Zugegeben, er ist keine einfache Persönlichkeit …

Nun, Azzael, Sie wissen ja, warum Sie heute hier sind.

Azzael fischt einen Joint hinter seinem Ohr hervor und lehnt sich in die Couch zurück. Dann schiebt er sich die Tüte in den Mundwinkel und pflanzt gemächlich seine Cowboystiefel aus Schlangenleder auf den Tisch.

Es geht um die Frage, ob Sie … Azzael? Hören Sie mir zu?

Azzael zeigt keine Reaktion, entfacht stattdessen durch Schnippen von Mittelfinger und Daumen eine Flamme aus seinem Zeigefinger, steckt sich den Joint an und bläst Rauchkringel in die Luft.

Ist das Ihr Ernst? Sie kiffen während der Sitzung?

Äh, was soll ich sonst machen, Löcher in die Couchgarnitur brennen?

Seufzt und macht sich Notizen. Wie häufig nehmen Sie Marihuana? Waren Sie in letzter Zeit irgendwann mal clean?

Wen interessiert’s.

Er klemmt sich eine Strähne seines schwarzen, schulterlangen Haars hinter die Ohren.

Ich bin ein gefallener Engel und existiere seit Anbeginn der Zeit, bisher hat das meiner Gesundheit keinen Abbruch getan.

Zieht kräftig am Joint und stößt eine Qualmwolke aus, die einen Elefanten narkotisiert hätte.

Hustet vernehmlich. Na, hervorragend. Ihnen ist schon bewusst, dass dieses Gutachten über Ihre berufliche und persönliche Entwicklung entscheiden wird? Es scheint, als würde Ihr Arbeitgeber Sie nicht länger als tragbar betrachten. Haben Sie eine Idee, woran das liegen könnte?

Che cazzo dice? Ich bin die rechte Hand des Teufels, ohne mich wäre Luzifer aufgeschmissen, schließlich bin ich derjenige, der Die Drecksarbeit für ihn erledigt.

Nun, Ihr Arbeitgeber sieht das offenbar anders, also kommen wir zum Protokoll der Sitzung zurück, ja? Und nehmen Sie gefälligst die Stiefel von meinem Tisch. Wenn ich Ihre Personalakte richtig verstanden habe, dann ist es Ihre Aufgabe, Menschen einen Pakt mit dem Teufel aufzuzwingen und säumige Paktierer in die Hölle zu befördern, richtig? Wie empfinden Sie diese Aufgabe?

Azzael macht keine Anstalten, seine Stiefel vom Tisch zu entfernen, sondern fixiert die Therapeutin mit ausdrucksloser Miene über den Rand seiner Ray Ban-Brille hinweg, bis er endlich das Wort ergreift. Diesen lästigen Vertreterjob übernehme ich nur im Notfall. Bin eher der Mann fürs Grobe und vollends mit meinen Aufgaben ausgelastet. Wenn einer der Teufelsbündner aus der Reihe tanzt, bring ich ihn dazu, Selbstmord zu begehen, wodurch seine Chancen gegen Null gehen, in den Himmel zu gelangen. Er versucht sich an einem gewinnendem Lächeln, dass selbst den Hartgesottensten in die Flucht geschlagen hätte.

Das klingt … unschön. Haben Sie gar keine Gewissensbisse? Zumindest ein wenig?

Sehe ich so aus?

Wie wär’s wenn Sie nicht mit Gegenfragen antworten würden? Keine Gewissensbisse also, sehe ich das richtig? Wann haben Sie zuletzt etwas getan, was Sie wirklich bereut haben?

Habe mich vor dreihundert Jahren auf Luzifers Wunsch hin auf eine seiner Huren eingelassen.  Aber in diese Puffs bekommen mich keine zehn Pferde mehr, nachdem ich mir dort Syphilis zugezogen habe, die mir selbst heute noch manchmal zu schaffen machte. Hautausschlag oder stechende Hodenschmerzen plagen mich dann und verhinderten längeres Sitzen. Kratzt sich demonstrativ am Sack.

Seufzt. Bitte, wenn Sie mich zum Narren halten wollen, schön. Ist ja Ihr Gutachten. Sie scheinen ja sehr von sich und Ihrer Wirkung auf andere überzeugt zu sein. Gibt es, abgesehen von Ihnen selbst, irgendjemanden, für den Sie Gefühle haben? Der Ihnen etwas bedeutet?

Sieht kurz auf, drückt dann energisch seinen Joint im Aschenbecher aus und schnaubt kopfschüttelnd vor sich hin.

Ich habe ein Mädchen während eines Auftrags auf einer Halloweenparty kennengelernt . Lillith hat mir die heißeste Nacht meines Daseins auf Erden beschert. Die Erinnerung daran, wie ihre Lippen geschmeckt, wie ihr Körper sich angefühlt hat, brennt in mir noch heute wie ein Kilo Koks kombiniert mit einer Flasche Whiskey auf ex.

Er lehnt sich mit verschränkten Armen zurück und schweigt dann eine ganze Zeit lang, während er trübsinnig ins Leere starrt. Als er wieder zu sprechen bringt, klingt seine Stimme belegt. An ihrer Seite fühlte ich mich lebendig und nicht wie ein Relikt aus längst vergangener Zeit, ein Fossil göttlichen Ursprungs, mutiert zu einem abgestumpften Handlanger des Teufels. Sie wäre meine Chance gewesen, aus diesem Sumpf auszubrechen … Warum muss sie auch nur der Spezies der Mehlfratzen angehören?

Zieht ein Gesicht das vor Selbstmitleid nur so trieft.

Äh, Mehlfratzen?

Kalkleistenleisten, Blutsauger, Vampire … wie auch immer man sie nennen mag.  Schon einige von ihnen haben meine Aufträge durchkreuzt. Wäre ich nicht vollgepumpt mit Drogen bei der Halloweenparty aufgekreuzt, hätten mich meine Instinkte nicht verlassen, und ich hätte Lillith schon bei ihrer ersten Begegnung als eine von ihnen entlarvt.

Diese Dame scheint Ihnen ja wirklich etwas zu bedeuten, interessant. Wie sehr würden Sie ihr Leben verändern für sie? Würden Sie sich einen neuen Job suchen? Die Drogen aufgeben? Verantwortung für sich und Ihr Leben übernehmen?

Cazzo!

Azzael springt blitzartig auf, beugt sich über den Tisch und kommt bedrohlich nah.

Wie das denn bitteschön? Ein gefallener Engel und eine Vampirin als Liebespaar, diese Konstellation steht unter keinem guten Stern!

Während er imaginären Staub von seinem Ledermantel klopft, gewinnt er wieder die Fassung und lümmelt sich zurück auf die Couch.

Lillith ist auf Luzifers Abschussliste gelandet. Nun hat er ausgerechnet mir den Auftrag erteilt, ihr den Garaus zu machen. Folge ich seinen Anweisungen nicht, würde ich von ihm vertrieben und geächtet werden. Das bedeutete, ich müsste ein Dasein an einem abgelegenen Ort der Erde fristen.

Es überrascht mich, dass Sie das stört. Abgesehen von Drogen und persönlichem Spaß scheint Ihnen die Erde ja nicht viel bieten zu können. Wäre das abgeschiedene Leben gar keine Option für Sie?

Persönlicher Spaß? Ich würde es eher als Zeit totschlagen bezeichnen. Ich verlasse ungern mein gewohntes Umfeld, die ewige Stadt ist seit Jahrtausenden meine Heimat, außerdem möchte ich mir den Boss nicht zum Feind machen, er ist sehr kreativ, wenn es um Bestrafung geht.

Er schnaubt verächtlich. Würde mich nicht wundern, wenn er mich angekettet ins Fegefeuer stößt.

Ich sehe schon, das wird ein gutes Stück Arbeit. Ich fürchte, zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann ich Ihnen noch keine positive Prognose ausstellen, aber wir arbeiten daran. Zum Abschluss würde ich gerne ein kleines Assoziationsspiel mit Ihnen machen. Ich nenne Ihnen einen Begriff und Sie sagen mir das Erste, was Ihnen dazu einfällt.

Familie

Nie gehabt.

Sex.

Werde vom Boss ab und an auf seinen berüchtigten Bunga-Bunga-Parties dazu verdonnert, damit ich meine dicken Eier loswerde und etwas ausgeglichener bin. Aber richtig Spaß hatte ich nur mit … Lillith. Stößt einen theatralischen Seufzer aus.

Ewigkeit.

Sie liegt noch vor mir, dabei fühle ich mich jetzt schon des Lebens überdrüssig.

Liebe.

Gibt ein grunzendes Geräusch von sich. Verliebte Pärchen im Park, die Hand in Hand bei Sonnenschein umherspazierten. Die öffentliche Zurschaustellung des Glücks anderer ist mir zuwider.

Gut, vielen Dank, ich schätze, das reicht fürs Erste. Wir machen das nächste Mal weiter. Versuchen Sie bis dahin niemanden in den Selbstmord zu treiben, ja?

Azzael stößt eine Litanei italienische Flüche aus, während er sich von der Couch erhebt. Mit wehendem  Haar marschiert er grußlos aus dem Raum.


blue women eye beaming up enchanting from behind a bloomingDie ganze Geschichte von Azzael, Lilith, Gott, dem Teufel und allerlei höllischen Verwicklungen, könnt ihr nachlesen in Höllisches Intermezzo von Bo Leander (erschienen im Verlag Lysandra Books)

Facebook: https://www.facebook.com/boleander.de/

Zum Verlag: http://www.lysandrabooks.de


 

 

Psychopathie

 


Quellen:

Coid, J. W., Yang, M., Ullrich, S., Roberts, A. D.L, Hare, R. D. (2009). Prevalence and correlates of psychopathic traits in the household population of Great Britain. International Journal of Law and Psychiatry, 32, 65-73.

Hare, R.D. (1991). The Hare Psychopathy Checklist Revised [PCL-R]. Toronto: Multi Health Systems.


 

Habt ihr Fragen an mich oder Azzael? Wollt ihr mehr über ihn wissen? Nur zu. Die Visite ist eröffnet.

Der nächste Sitzungstermin findet am 8. Juli statt. Für mich wird das ein besonderer Termin, denn ich darf mich zum ersten Mal mit meinem eigenen verkorksten Protagonisten herumschlagen – und ich weiß jetzt schon, dass Varek es mir nicht leicht machen wird …

 


Übersicht über alle bisherigen Termine: Teaser: Charaktere auf der Couch

Charaktere auf der Couch #1: Jonas

Heute heißen wir unseren ersten Patienten auf der Charakter-Couch willkommen: Jonas. Der junge Mann ist 26 Jahre alt, ehemaliger Bundeswehr-Soldat, kräftig gebaut und unauffällig, aber sein unsteter, rastloser Blick verrät, das mehr unter der Fassade schlummert. Was das sein könnte versuchen wir im heutigen Gespräch ein bisschen ans Licht zu bringen ..

Guten Tag, Jonas, bitte nehmen Sie Platz. Wie fühlen Sie sich heute?

Jonas setzt sich auf die Kante des Stuhls. Sein Blick wandert unstet im Raum umher; von Ecke zu Ecke und bleibt schließlich auf dem Schrank ruhen.
Äh, okay.
Er sieht nun hinüber und nestelt unruhig an seinen Fingern.
Den Umständen entsprechend, würde ich sagen.
Er seufzt und sieht auf seine Finger.
Die Albträume kommen wieder öfter. Mittlerweile verbringe ich mehr Zeit im Krieg als im Hier und Jetzt.

Hm, das klingt beunruhigend. Können Sie beschreiben, wie lange das schon so geht?

Dass sie so häufig sind oder generell? Die Albträume habe ich eigentlich, seit ich aus dem Krieg zurückgekehrt bin, wenn man das so nennen kann. Eine Zeitlang habe ich gedacht, dass ich nur ein wenig Zeit brauche und als ich Sophie kennengelernt habe, sind sie auch besser geworden.
Er zuckt mit den Schultern.
Nun, ja, bis sie eben wieder schlechter geworden sind. Silvester wäre ich fast nicht wieder aufgewacht.

Ist es Ihnen schwergefallen, hierher zu kommen? Mit jemandem darüber zu sprechen? Wie geht es Ihnen damit?

Man erwartet nicht, dass man mit sowas heimkommt. Als ich mich zum Bund und dann für die Auslandseinsätze gemeldet habe, war mir klar, dass ich verwundet werden könnte, sogar sterben. Aber nicht, dass ich heimkehre und den Krieg nicht mehr loswerde. Wenn die Leute mich fragen, weiß ich nicht, was ich sagen soll. Schließlich sind alle so froh, dass ich wieder da bin und dass mir nichts passiert ist. Mein Vater ist sogar stolz. Wie soll ich da die Wahrheit sagen?
Zögernd fährt er leise fort: Manchmal … manchmal wünschte ich mir, ich wäre einfach nie zurückgekehrt.
Er krallt die Finger um die Sitzkante, als müsste er sich daran hindern aufzustehen.

Atmen Sie tief durch, Jonas. Sie sind hier. Sie sind in Sicherheit. Haben Sie jemand anderen in Ihrem Umfeld, mit dem Sie über Ihre Probleme reden können? Familie, Freunde?

Sophie vielleicht, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie das versteht. Wahrscheinlich bin ich für sie sowieso nur so ein irrer Wahnsinniger.
Ernst und ungewöhnlich harsch: Außerdem bin ich eine Gefahr für sie. Lassen wir das lieber. Das mit Sophie ist vorbei.

Welche Beziehung verbindet Sie denn mit Sophie? Und wieso halten Sie sich für eine Gefahr?

Genau genommen, gar keine. Wir haben lediglich zusammen gewohnt. Aber von Zeit zu Zeit, als sie noch etwas Tageslicht hatte, haben wir uns unterhalten, unter anderem darüber. Ich konnte es ja auch kaum geheimhalten, nachdem ich gleich in der ersten Nacht ihr Wohnzimmer verwüstet habe.
Er reibt sich die Hände. Das war unangenehm. Danach ging es eigentlich, bis …
Er starrt eine Weile ins Leere, bis er sich wieder abrupt der Therapeutin zuwendet. Wenn ich die Albträume habe, weiß ich nicht, was ich tue. Dann bin ich in Afghanistan und jeder, der sich mir nähert ein potentieller Feind. Es dauert, bis ich wieder richtig zu Sinnen komme.

Haben Sie versucht, mit Ihrem Vater darüber zu sprechen? Sie haben letztes Mal erzählt, dass er selbst bei der Bundeswehr war. Vielleicht hat er ähnliche Erfahrungen gemacht.

Dann wäre er wohl nicht noch immer dabei oder? Ich … nein, ich habe mich bisher nicht getraut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er es versteht. Die Bundeswehr ist doch das Beste auf Erden.

Klingt, als wäre Ihre Beziehung kompliziert. Wie stehen Sie zu Ihrem Vater? Was ist die schönste Erinnerung, die Sie mit ihm verbinden?

Er seufzt schwer. Wie stehe ich zu ihm? Er ist mein Vater. Er hat Felix und mir schon von kleinauf nahegelegt, wie wichtig der Dienst am Vaterland ist. Sie hätten ihn mal sehen sollen, als man die Wehrpflicht abgeschafft hat!

Eine schöne Erinnerung? Mir hat es immer Spaß gemacht, wenn wir zusammen campen gegangen sind. Nur mein Vater, mein Bruder und ich mit dem Allernötigsten. Den Rest mussten wir uns vor Ort zusammensuchen oder improvisieren. Ich durfte immer die wildesten Unterstände für uns planen, solange sie uns trocken und geschützt hielten.

Und die schlechteste?

Die eben noch dagewesene Fröhlichkeit weicht vollkommen aus seinem Gesicht. Als er mir sagte, dass er stolz auf mich ist.
Jonas sieht zu Boden. Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Philipp ist gestorben und da klebte so viel Blut an meinen Händen. Ich war völlig nutzlos gewesen und mein Vater war stolz da drauf. Der Stolz verging ihm ziemlich schnell, als er von meinem Austritt erfahren hat.

Sie haben vorhin von Albträumen gesprochen. Haben Sie Strategien, wie Sie damit umgehen?

Jonas lacht freudlos auf. Wenn Sie meinen, dass ausharren und hoffen, dass es schnell vorbei ist, eine Strategie ist? Ich nehme an, der Alkohol ist eine, aber der sorgt eigentlich nur dafür, dass es irgendwie erträglich ist und ich nicht um mich schlage oder die Inneneinrichtung zertrümmere. Ein wenig beschämt: Nicht, dass das oft vorkommt.

Alkohol ist eine trügerische Hilfe, aber das wissen Sie sicher. Haben Sie jemals andere Drogen genommen?

Ernst und vollkommen aufrecht sitzend. Drogen? Nein. Das hat man ja bei Sophie schon gesehen, was das für Auswirkungen hat. Etwas spöttisch. Obwohl, das sind ja keine Drogen, sondern „Zaubermittel“.
Er schüttelt ernst den Kopf. Nein, der Alkohol ist schlimm genug.

Wenn sie jetzt etwas an Ihrem Leben ändern könnten, was wäre das? Wie würden Sie es angehen?

Ich würde gerne studieren. Etwas, was von Substanz ist. Ingenieurwesen vielleicht oder Architektur. Jonas zuckt mit den Schultern.
Das letzte Mal, dass ich es probiert habe, habe ich kein Semester durchgehalten. Albträume machen sich nicht so gut in WGs oder Vorlesungen. Vielleicht gibt’s ja irgendwo ein Fernstudium, oder so etwas. Muss ich mal drüber nachdenken. Erst mal will ich aber mit mir selbst klarkommen. Das ist glaube ich das Wichtigste im Moment. Aufhören, davon zu laufen und mein Leben wieder in den Griff bekommen.

Das klingt nach einem guten Plan. Zuletzt möchte ich mit Ihnen einen kurzen Test durchführen. Bitte sagen Sie mir, was Sie auf diesem Bild sehen.

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aus: Wiki-Commons, Rorschach Inkplot Test

Rauch. Staub. Seine Hände zittern leicht. Wie die Staubwolken, die aufsteigen, wenn eine Granate in der Stadt einschlägt.

Alles gut, Sie sind immer noch in Sicherheit. Hier, nehmen Sie einen Schluck Wasser. Wenn wir gleich auseinandergehen, was erhoffen Sie sich von unserer nächsten Sitzung?

Dass Sie mir erklären, wie ich mit diesen Albträumen fertig werde. Etwas leiser: Oder einfach, wie ich ein normales Leben leben kann, ohne … all das.

Ich bin mir sicher, wir finden eine Lösung. Ich kann Ihnen ein paar Entspannungstechniken zeigen, vielleicht hilft das fürs Erste. Wenn Sie möchten, können Sie Ihre Familie auch einmal bitten, mitzukommen. Denken Sie, das würde Ihnen helfen?

Jonas schüttelt den Kopf. Auf keinen Fall mein Vater. Er hält nicht viel von solchen  – er zögert – „Quacksalbern“.
Nach weiterem Zögern. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich gerne meine Mutter mitbringen. Sie macht sich viele Sorgen und vielleicht hilft es ihr, wenn sie es besser versteht. Ich weiß immer nicht, wie ich es erklären soll.

Wenn Sie Ihrer Mutter vertrauen, dann ist das bestimmt eine gute Idee. Es würde Ihnen sicher gut tun, jemanden in ihrer Nähe zu haben, dem Sie sich anvertrauen können. Der Ihre Sorgen nachvollziehen kann. Denken Sie nicht?

Hm, ja, vielleicht … Okay, dann bis zum nächsten Mal. Jonas verlässt mit hängenden Schultern das Sprechzimmer.

 


Cover_ZertanzteschuheWie es mit Jonas weitergeht, ob er sein Trauma überwindet und inwiefern die geheimnisvolle Sophie damit zu tun hat, das erfahrt ihr bald in der Märchenadaption „Im Bann der zertanzten Schuhe“ von Janna Ruth.

Website: http://www.janna-ruth.com/

Facebook: https://www.facebook.com/authorjannaruth

Mehr über die Märchenspinnerei: http://maerchenspinner.layeredmind.de/


 

Infokasten_PTBS


Quellen:

Maercker, A., Forstmeier, S., Wagner, B., Glaesmer, H. & Brähler, E. (2008). Posttraumatische Belastungsstörung in Deutschland. Ergebnisse einer gesamtdeutschen epidemiologischen Untersuchung. Nervenarzt, 79, 577-586.

Möller, H.J., Laux, G. & Deister, A. (2009). Psychiatrie und Psychotherapie. Stuttgart: Thieme Verlag.

Wittchen, U. et al (2012). Traumatische Ereignisse und posttraumatische Belastungsstörungen bei im Ausland eingesetzten Soldaten. Wie hoch ist die Dunkelziffer? Deutsches Ärzteblatt, 109,  559-567.


Habt ihr Fragen an mich oder Jonas? Wollt ihr mehr über ihn oder sein Krankheitsbild wissen? Nur zu. Die Visite ist eröffnet.

Der nächste Sitzungstermin findet am 20. Juni statt, und ich darf schon einmal verraten, dass wir es dann mit einem höllischen Patienten zu tun haben. Lasst euch überraschen.

Übersicht über alle bisherigen Termine: Teaser: Charaktere auf der Couch