Fantasy

Das Wirtshaus am Wegesrand – eine kulinarische Leseprobe

Im Fantasy-Rollenspiel gibt es einige wiederkehrende Elemente, die einfach jeder kennt. Eines davon ist das obligatorische Gasthaus am Wegesrand, in dem sich die Heldengruppe bei Bier und Schmalzbrot zum ersten Mal begegnet und überraschend bemerkt, dass sie a) dasselbe Ziel verfolgen oder b) denselben Weg einschlagen wollen. Meistens bietet dieses Szenario dann den Ausgangspunkt für das nächste große gemeinsame Abenteuer. In der Heldenreise nach Campbell würde man wohl vom „Überschreiten der ersten Schwelle“ sprechen.

Auch in „Unter einem Banner“ gibt es eine solche Wirtshausszene. Zugegeben, meine „Helden“ (bewusst in Anführungszeichen) kennen sich schon vorher und ihr Abenteuer hat bereits begonnen, trotzdem hat diese Szene – und die darauf folgenden – eine gewisse Schwellenfunktion. Die Protagonisten begreifen, dass es kein Zurück gibt und stehen vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe.

Einen kurzen Ausschnitt daraus gibt es heute in einer Leseprobe. Um alte Traditionen nicht abreißen zu lassen, garniere ich auch diesen Textausschnitt mit einer kleinen Rezeptidee. Solange die Tage noch grau und kalt sind definitiv empfehlenswert.


Beginn der Leseprobe

Schweigen hüllte den Wagen ein, der schmatzend durch den Schlamm pflügte. Der Kutscher pfiff ein fröhliches Liedchen, als würden weder die Ereignisse in Arlis noch das grässliche Wetter seine Laune trüben. Reykan rollte währenddessen eine der Decken auseinander und reichte sie Benrik. Die Wolle hatte sich zwar schon mit Wasser vollgesogen, doch der Prinz schlang sie trotzdem dankbar um seine Schultern. »Wir kommen jetzt nach Arnshof«, erklang wenig später die Stimme des Fuhrmanns. »Werd’ dann an der Brücke nach Osten abzweigen, Richtung Jachen. Wie sieht’s mit Euch aus?« 

»Wir bleiben hier«, entschied Reykan. »Gibt es eine Herberge in Arnshof?« 

»Sicher«, der Fuhrmann nickte, »Elmas Stube. Gutes Haus, süffiges Bier. Die haben da auch Zimmer.« 

Reykan atmete auf und sah zu, wie der Kutscher seinen Karren durch die kleine Ortschaft lenkte. Die Sonne war untergegangen und feuchter Dunst umfing die Bauernhäuser wie ein weißer Schleier. Im strömenden Regen wagte sich kaum jemand auf die Straße, doch aus dem Inneren eines ansehnlichen Fachwerkhauses drang Licht und erleuchtete das bronzene Wirtshausschild. 

»Habt vielen Dank«, murmelte Reykan, als er aus der Kutsche kletterte. Schmatzend gruben sich seine Stiefel in den Schlamm. »Ihr habt uns wirklich sehr geholfen.« Es nagte an ihm, dass er den Mann nicht bezahlen konnte, aber im Moment blieb ihnen gerade noch genug für eine Nacht im Gasthaus und zwei Abendessen. 

Der Fuhrmann winkte ab und lüpfte seinen breitkrempigen Hut. »Nichts zu danken. Gute Weiterreise.« Er schnalzte mit der Zunge, trieb seine Rösser an und Reykan stieß die Tür zur Herberge auf. Rauchige Hitze umfing ihn wie eine warme Decke und Benrik hinter ihm stöhnte erleichtert auf. 

»Guten Abend, die Herren.« Die pausbäckige Wirtin, die ihre Rundungen in ein viel zu enges Mieder gezwängt hatte, lächelte ihnen fröhlich entgegen. »Grässliches Wetter, nicht wahr? Nehmt doch Platz.« 

Während sich Benrik überschwänglich bedankte, ließ Reykan routiniert seinen Blick durch den Schankraum gleiten. Einige Bauern saßen an klobigen Holztischen beisammen und spielten Karten. Zwei weitere Männer sahen nach Reisenden aus, die der Regen ins Gasthaus getrieben hatte. Ein einzelner Bursche in Reitkleidern hockte am Tresen über seinem Bier. Keine Waffen in Sichtweite. Dennoch entschied sich Reykan für einen der Tische am Fenster und platzierte den Prinzen mit dem Rücken zur Wand. 

Ungefragt stellte die Wirtin zwei dampfende Becher mit Gewürzwein vor ihnen auf den Tisch und strahlte von einem Ohr zum anderen. »Ihr seht aus, als würden Euch die guttun, nicht wahr?« 

»Und wie!« Benrik umschloss den Tonbecher erleichtert mit den Händen. »Habt Ihr auch ein Abendessen für uns?« 

»Gewiss«, erwiderte die Wirtin heiter. »Schwarzbrot mit Griebenschmalz, eine deftige Gemüsebrühe oder etwas Räucherschinken?« 

»Von allem etwas«, bestellte Benrik eifrig. »Seid ruhig großzügig mit dem Schinken, und …« 

»Sachte.« Reykan gebot ihm mit einer Geste Einhalt, linste beklommen in seine Geldkatze und leerte den kargen Inhalt auf den Tisch. »Bekommen wir dafür zwei Zimmer, Abendessen und etwas Proviant?« 

Die Wirtin zählte die Münzen, zog die Nase kraus und lächelte dann bemüht höflich. »Nun, da lässt sich bestimmt etwas machen. Wir haben allerdings nur noch ein Doppelzimmer. Die beiden Einzelzimmer haben die Herren dort drüben für sich beansprucht.« 

»Ein Zimmer?« Benrik warf Reykan einen spöttischen Blick zu und grinste. »Gut, warum nicht. Kalte Nächte, nicht wahr?« 

Reykan knurrte nur beiläufig und wandte sich der Wirtin zu. Das Herzklopfen ignorierte er. »Dann sagen wir zwei Kupfer für das Abendessen, vier für das Zimmer … und anderthalb für einen warmen Zuber?« 

Die Wirtin zählte die Münzen ab und nickte. »Natürlich, meine Herren. Ich bringe Euch das Abendbrot, danach sollte der Zuber fertig sein.« 

Als sie hinter dem Tresen verschwand und den Reiter abkassierte, beugte sich Benrik grinsend über den Tisch. Das Feuer war in seine graublauen Augen zurückgekehrt und verwandelte sie vom trüben Sturmmeer in leuchtende Aquamarine. »Das klingt doch nach einem vielversprechenden Abend, findet Ihr nicht? Genau richtig in einer grässlichen Situation wie dieser. Wein, ein warmer Zuber, ein gemeinsames Bett …« 

Reykan schnaubte und verschränkte die Arme vor der Brust. Seine Wangen brannten unangenehm. »Euer Vater ist tot«, zischte er angespannt, »Arlis steht in Flammen – und alles, woran Ihr denken könnt, ist Euer Vergnügen?« 

Benrik blähte die Nasenflügel, schlagartig war das Leuchten aus seinen Augen verschwunden. »Danke für die Erinnerung«, knurrte er. »Soll ich weinen und schreien, wäre Euch das lieber? Mit meinem Schicksal hadern, die Welt verfluchen und mich in den Alkohol flüchten?« 

»Nein«, beantwortete Reykan die rhetorische Frage und ignorierte den Seitenhieb, »aber ein wenig Anteilnahme stünde Euch gut zu Gesicht.« 

Benrik schnaubte. »Vielleicht solltet Ihr mir die Entscheidung überlassen, wie ich mit dem Tod meines Vaters umgehe? Wenn Ihr schon keine Lust auf eine angenehme Konversation habt, dann bohrt wenigstens nicht mit dem Finger in meinen Wunden.« 

Reykan presste die Lippen zusammen und schwieg. Er spürte, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg, und schämte sich für seine heftige Reaktion. Benrik versuchte ihn lediglich zu provozieren, das war alles. »Eine angenehme Konversation stelle ich mir anders vor«, erwiderte er brüsk. »Aber vielleicht bin ich einfach immun gegen Euren Charme.« 

Benrik lachte bitter. »Das werden wir noch sehen, Herr von Torat.«


 

Rezept für Gewürzwein (Hypocras)

1 Flasche trockener Rotwein
100 g Zucker
je 1-2 TL Nelkenpulver, Zimt, Kardamom, Chili, Ingwer und Muskat
1-2 EL Rosenwasser

Rotwein in einem Topf erhitzen bis knapp vor den Siedepunkt, Zucker unterrühren und kurz aufkochen. Die Gewürze vermengen und etwa die Hälfte davon in den Topf geben. Umrühren und ca. 10-15 min bei niedriger Hitze ziehen lassen. Danach abschmecken und ggf. mehr Gewürze und das Rosenwasser hinzufügen. Abschließend durch ein feines Sieb oder ein Tuch gießen, um die Rückstände aufzufangen.

Schmeckt heiß besonders gut, im Sommer aber auch eisgekühlt. Am besten innerhalb von 7 Tagen aufbrauchen.


 

Neugierig?

„Unter einem Banner“ ist als Ebook und bald auch als Taschenbuch erhältlich.

Link zu Amazon

Link zum Verlagsshop

Verflucht & zugenäht

Derbe Sprache in der Fantasy-Literatur – Top oder Flop?

Ihr kennt das: In Filmen wird ständig geflucht. Kaum ein Hollywood-Blockbuster, in dem das F-Wort nicht am laufenden Band über die Lippen fließt. Für Alien 2 und 3 von Ridley Scott gibt es sogar ein passendes Trinkspiel: ein Shot für jeden Fluch. Aus sicheren Quellen weiß ich, man bleibt nicht lange nüchtern.

Aber wie ist das in Büchern, vor allem in der Fantasy, bei der man in der Regel einen sehr getragenen, blumigen, metaphorischen Schreibstil erwartet? Passen da Flüche oder Schimpfwörter überhaupt ins Repertoire der fantastischen Helden?

Fantastische Flüche und wo sie zu finden sind

Ich gebe unumwunden zu, bei „Opfermond“ würde sich ein Schimpfwörter-Trinkspiel ausgesprochen lohnen, zumindest dann, wenn ihr besoffen unter dem Tisch liegen wollt. Ja, es wird viel geflucht, vor allem in den Kapiteln, in denen Idra zu Wort kommt. Ihr loses Mundwerk ist Teil ihres Charakters und intensiv geprägt von der harschen, rauen Umgebung, in der sie aufgewachsen ist.

Generell ist derbe Sprache und die Verwendung von Flüchen und Schimpfwörtern ein charakteristisches Element düsterer Fantasy. In Jay Kristoffs „Nevernight“ übertrumpfen sich die Akteure regelmäßig in der Verwendung vulgärer Sprache, ebenso in Joe Abercrombies Klingenreihe oder in Susanne Pavlovics „Feuerjäger“-Trilogie. Schnell wird auf diese Weise deutlich, in welche Art von Welt sich der Leser hier verirrt hat und mit welchen Individuen er es zu tun bekommt. Hier gibt es keine romantischen Märchen, keine zuckerguss-rosa Regenbogenwelten und keine blumigen Beschreibungen. Hier geht es knallhart zur Sache.

IMG_20180112_163136Mia nickte. „Oh ja. Er ist so gefährlich wie ein Sack Schwarzflecknattern. Und eine echte Fotze, das steht fest.“
Der Junge hob die Augenbrauen, den Mund staunend geöffnet.
„Was?“
„Meine Mutter sagte, das sei ein schlimmes Wort“, erklärte Tric mit gerunzelter Stirn. „Das schlimmste überhaupt.“ […]
„Ach, tatsächlich?“ Das Mädchen zog wieder an ihrem Zigarillo. „Und wieso?“
„Weiß ich nicht“, brummte Tric verlegen. „Das hat sie eben gesagt.“
– Aus „Nevernight – Die Prüfung“ von Jay Kristoff (Verlag Fischer TOR)

Gib mir Tiernamen!

Wie alle sprachlichen Stilmittel erfüllt auch die Verwendung derber Sprache eine Funktion – oder sollte das zumindest, um vom Leser auch als Mittel zum Zweck erkannt zu werden und nicht nur als substanzlose Provokation. In Zeiten, in denen Flüche ihren Schrecken in der Gesellschaft verloren haben, kann die bloße Nennung solcher Worte ohnehin nicht mehr schockieren.

Derbe Sprache kann verschiedene Aufgaben im Text erfüllen. Zum einen kann sie helfen, Figuren zu charakterisieren. Ein verlottertes Straßenmädchen oder ein rauer Space-Marine haben vielleicht einen anderen Bezug zu Schimpfwörtern als ein Sohn aus gutem Hause. Oder flucht die elegante Fürstin vielleicht sogar besonders oft, weil sie sich von der spießigen Gesellschaft um sie her abgrenzen will? Oder um zu schockieren? Kurzum, Erzählstimmen oder Dialoganteile lassen sich durch sprachliche Entgleisungen angenehm variieren und schenken dem Leser ein Gefühl für die Persönlichkeit oder Geschichte des Charakters.

Zum anderen vermittelt derbe Sprache auch einen Eindruck von Authentizität. Menschen fluchen nun einmal laut und herzlich, wenn sie in einen Legostein treten, mit dem Kopf gegen das offene Fenster knallen oder einen fatalen Fehler zu spät bemerken. Flüche lassen einen Menschen überzeugender, glaubwürdiger und manchmal sogar sympathischer wirken – klingt absurd, ist aber sogar wissenschaftlich belegt. Auch Gefühle werden über Flüche oft besser und ehrlicher transportiert als über langwierige Beschreibungen. Eine im Zorn ausgestoßene Verwünschung oder eine fiese Beleidigung lässt den Leser intensiv an der Gefühlswelt des Protagonisten teilhaben und macht unmissverständlich klar, wie es ihm gerade geht: ziemlich bescheiden (das war übrigens ein Test – „beschissen“ hätte euch an dieser Stelle sehr viel stärker emotional involviert oder? Gebt es zu.)

Ganz abseits dieser sehr technischen Aspekte können Flüche auch eine tragende Funktion innerhalb einer Geschichte haben, nämlich dann, wenn sie – ganz unaufdringlich – Weltenbauelemente vermitteln. Der raue Fantasy-Held flucht eben nicht „verdammt“ oder „zum Henker“ oder „ach Gottchen“, sondern „bei den bebenden Möpsen Trelenes“ (Nevernight) oder „Meridias nackter Arsch“ (Feuerjäger). Solche Anspielungen lockern das Geschehen auf, bringen den Leser zum Schmunzeln (vielleicht) und geben ihm gleichzeitig das Gefühl, wirklich voll und ganz ins Geschehen eingetaucht zu sein. Kleine Details, aber mit großer Wirkung.

In puncto „Flüche und Weltenbau“ ist aber auch Vorsicht angezeigt. Viele Schimpfworte und Flüche in unserem Sprachgebrauch haben einen religiösen bzw. regionalen Hintergrund, der sich nicht eins zu eins auf ein Fantasy-Szenario übertragen lässt. Manche sind dagegen eng mit modernem Slang oder Jugendsprache assoziiert und daher nicht für alle Szenarien geeignet. Aber genau das lässt wiederum Spielraum für eigene Kreationen.

Muss das wirklich?

Natürlich darf man sich die Frage stellen: Muss das sein? Muss der Held oder die Heldin auf jeder Seite fünf verschiedene Personen als Bastard, Hurensohn oder Schlimmeres bezeichnen? Nein, natürlich nicht. Wie bei allen Stilmitteln gilt: Die Dosis macht das Gift. Nicht jedes Genre, nicht jeder Charakter, nicht jede Geschichte wird dadurch aufgewertet, im Gegenteil, manchmal kann der Schuss auch nach hinten losgehen. Gerade bei stark diskriminierenden, beleidigenden oder gar rassistischen Schimpfworten ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Bei rassistischen, homophoben oder frauenfeindlichen Charakteren mag es sinnvoll und authentisch sein, sie entsprechende Beleidigungen ausspucken zu lassen, doch sollte man sich der Wirkung dessen bewusst sein. Einen Bösewicht nur über seine derbe Sprache zu definieren ist darüber hinaus ziemlich plump.

In der Fantasy gefällt es mir gut, wenn auch Beleidigungen oder Schimpfwörter im Sinne des Weltenbaus variiert werden. In „Harry Potter“ gilt Schlammblut als schreckliche Beleidigung für muggelstämmige Zauberer. In der Königsmörder-Chronik ist das vermeintlich harmlose Wort Rabauke eine schlimme rassistische Beleidigung für das fahrende Volk der Edema Ruh. Natürlich entfalten diese Bezeichnungen nicht sofort dieselbe emotionale Wucht und erzeugen nicht dieselbe Empörung wie irdische Beleidigungen, gleichzeitig bergen sie aber auch nicht die Gefahr, Leser zu verletzen. Ganz abgesehen davon, dass solche Anekdoten auch dabei helfen, die Welt, in die man eingetaucht ist, intensiver zu illustrieren.

Fazit

Fassen wir zusammen. Derbe Sprache kann auch in Fantasy-Welten ihren berechtigten Platz haben, wenn sie hilft, die Welt oder die Figuren näher zu charakterisieren oder wenn sie der Authentizität der Charaktere zuträglich ist. Also, scheiße nochmal, lasst eure Figuren fluchen, wenn es zu ihnen passt. Überlegt euch kreative, interessante und spannende Möglichkeiten, die Welt eurer Figuren in ihre Flüche einzuweben. Dann haben eure Leser sich auch Spaß daran.

Was denkt ihr darüber, mögt ihr vulgäre Sprache in Büchern oder stört es euch eher? Wie geht ihr als Autor oder Autorin damit um? Habt ihr euch schon mal kreative Schimpfwörter für eure Romane ausgedacht? Wenn ja, erzählt doch mal. ^_^

[Ankündigung] Release „Unter einem Banner“

Ihr Lieben, das Jahr 2018 startet gleich mit tollen Neuigkeiten. Mein Low Fantasy Roman „Unter einem Banner“ erscheint spätestens im Februar im Dead Soft Verlag.

Das zweite Mal ist natürlich nicht mehr so aufregend wie das erste, aber ich hab doch ein bisschen Herzklopfen, denn Reykan und Benrik sind mir sehr ans Herz gewachsen. Was anfangs nur die Idee zu einer Kurzgeschichte sein sollte, wuchs sich zu einer Roman-Idee aus – eine gute Entscheidung, wenn ihr mich fragt.

Heute möchte ich euch schon einmal das Cover und den vorläufigen Klappentext zeigen.

Unbenannt

Wer Reykan übrigens schon vor Veröffentlichung kennen lernen möchte, kann sich noch heute bis Mitternacht für meinen Newsletter anmelden. Für alle Abonnenten gibt es eine Gratis-Kurzgeschichte, die euch in Reykans Jugend 20 Jahre vor den Ereignissen aus „Unter einem Banner“ entführt.

Na, was meint ihr? Seid ihr neugierig?

Phantastische Weihnachten

Fantasy-Lesetipps für den Weihnachtsbaum

Ho, ho, ho, nur noch wenige Tage bis Weihnachten! Habt ihr schon alle Geschenke zusammen? Ich auch nicht, zugegeben. Aber Bücher sind doch immer schöne Ideen. Zugegeben, im letzten Jahr habe ich wenig Neuerscheinungen gelesen, aber ein paar davon möchte ich euch heute in diesem Beitrag vorstellen, vielleicht ist ja etwas für euch oder eure Lieben dabei.

Ich hab mich entschieden, euch ein paar Werke abseits des Mainstreams zu zeigen, die – obwohl sie alle Fantasy sind – ganz unterschiedliche Vorlieben bedienen. Wenn ihr euch lieber bei den Publikumsmagneten umsehen wollt, dann könnt ihr ja einen Blick auf die Phantastik-Bestenliste werfen oder euch die Fantasy-Gewinner des Lovelybook-Awards näher anschauen.

Die Taschenbücher habe ich auf den Autorenwelt-Shop verlinkt, dort könnt ihr schnell und einfach Bücher bestellen und noch dazu Autorinnen und Autoren unterstützen. Die Ebook-Links führen zu Amazon.


Intergalaktische Weihnachten

Blind_400x600

 

Titel: Blind (Sternenbrand 1)
Autorin: Annette Juretzki
Erschienen bei: Traumtänzer Verlag
Genre: Science Fiction

Klappentext: Söldner landen auf Xenens rückständigem Planeten und so charmant ihr Anführer Jonas Brand auch sein mag, so kompromisslos ist er bei seinen Zielen. Als eine friedliche Verhandlung scheitert, findet sich Xenen schwerverletzt auf ihrem Raumschiff wieder – was ihm ziemlich schnell besser gefällt, als gut für ihn ist. Seine Neugierde treibt ihn in immer größere Gefahren, vor denen ihn auch der Außerirdische Zeyn nicht schützen kann. Selbst als ein Attentäter nach seinem Leben trachtet, wählt Xenen Freiheit über Sicherheit. Aber warum wünscht ein völlig Fremder seinen Tod? Und welches Geheimnis umgibt seinen Heimatplaneten? Manche Antworten wiegen Jahrhunderte schwer …

Warum solltest du dieses Buch lesen? „Blind“ war mein Jahreshighlight 2017. Annette Juretzkis Schreibstil ist unglaublich bildhaft und mitreißend, voll außergewöhnlichen Metaphern. Mit viel Einfühlsamkeit und Geschick beschreibt die Autorin die Konflikte und Beziehungen zwischen den Charakteren, die durchweg authentisch wirken. Die verschiedenen intergalaktischen Spezies sind mit viel Einfallsreichtum und Kreativität geschaffen und bieten eine ganz eigene Welt, in der auch queere und diverse Figuren stark repräsentiert sind. Hinzukommt ein spannender Hintergrundplot von Verrat, Intrigen und Geheimnissen, der den Roman zusätzlich zu einem Pageturner macht.

Für wen ist es geeignet? Für erwachsene Fans von ungewöhnlichen, vielschichtigen Charakteren, spannenden Plots und intensiven zwischenmenschlichen Konflikten, die ganz ohne Kitsch und Pathos auskommen.

Themen: Identität, Verrat, Loyalität, Xenophobie, Verantwortung, Glaube, Gefühle, Beziehungen

Erhältlich als: Taschenbuch und Ebook; der zweite Teil „Blau“ ist bereits Anfang Dezember erschienen


 

Cyberpunkige Weihnachten

Titel: Toten51CPq3H2qWL._SY346_nacht (Der Nekromant, Teil 1)
Autor: M.R. Forbes
Erschienen bei: Mantikore Verlag
Genre: Urban Fantasy, Cyberpunk

Klappentext: In einer Zeit, in der die Magie in die Welt zurückgekehrt ist, schlägt sich Conor Night mit dubiosen Gelegenheitsjobs durchs Leben. Er hat die Fähigkeit Tote zum Leben zu erwecken, doch er selbst ist todkrank. Nur eine verbotene Substanz erhält ihn am Leben. Als er ein lukratives Jobangebot bekommt, kann er nicht widerstehen. Schon bald steht er Mächten gegenüber, die ihm weit überlegen sind. Doch auch Conor hat ein paar Tricks auf Lager, mit denen seine Gegner nicht rechnen …

Warum solltest du dieses Buch lesen? M.R. Forbes hat einen ausgesprochen zynischen, schwarz-humorigen Erzählstil, der beim Lesen sehr viel Spaß macht. Die Welt, die er geschaffen hat, erinnert in vielen Aspekten an das Rollenspiel „Shadowrun“, bietet aber genug eigene Ideen, um keine reine Kopie zu sein. Die Figuren sind schnoddrig, kühl, verbittert, aber taff und durchgehend interessant. Ein spannender Auftakt zu der dreiteiligen Reihe um Conor Night.

Für wen ist es geeignet? Für Fans von Urban Fantasy, die auf erwachsene Akteure und Geschichten ohne kitschige oder fragwürdige Romanzen stehen und eine gute Portion Zynismus und dreckigen Humor abkönnen. Vor allem Shadowrun-Fans kommen hier auf ihre Kosten.

Themen: Leben, Tod, Magie, Technisierung, Intrigen, Politik, Xenophobie

Erhältlich als: Taschenbuch und Ebook


 

Märchenhafte Weihnachten

51Upa3fHx+L._SY346_Titel: Tanz der Feuerblüten
Autorin: Janna Ruth
Erschienen bei: Ueberreuther Verlag
Genre: Fantasy, Märchen, Young Adult

Klappentext: Im Palast des Abendrots strebt alles nach vollkommener Schönheit: Wasser, Metall, Holz und Luft werden zu bewundernswerten Kunstwerken geformt, an denen sich die höfische Gesellschaft ergötzen kann. Als der junge Schwerttänzer Jinnan aus der Provinz den Hof betritt, fühlt er sich unbeholfen und von der komplizierten Etikette überfordert. Dann jedoch trifft er auf die bildhübsche Ayaka und lässt sich von ihrem Luftspiel verzaubern. Wider jegliche Vernunft versucht Jinnan, Ayakas Herz zu erobern – wohl wissend, dass er mit dem Feuer spielt …

Warum solltest du dieses Buch lesen? Janna Ruth Debüt ist ein Märchen von besinnlicher Schönheit. Die Autorin erzählt nicht nur eine einfühlsame, stimmige Liebesgeschichte, sondern hält obendrein ein starkes Plädoyer für die Macht der Natur und die Betonung innerer Werte über äußere Schönheit. Geschickt verbindet sie Elemente fernöstlicher Märchen mit einer zarten, liebevoll inszenierten Romanze und einer spannenden Geschichte über dunkle Mächte und den Hochmut der Zivilisation. Eine tolle Lektüre, gerade für trostlose Wintertage.

Für wen ist es geeignet? Für jugendliche und erwachsene Leser, die gerne im Märchen versinken, authentische Liebesgeschichten mögen und sich in einem traumhaften magisch-fernöstlichen Setting verlieren wollen.

Themen: Liebe, Natur, Magie, Märchen, Naturgeister, Ästhetik, Identität

Erhältlich als: Ebook


Klassisch phantastische Weihnachten

51aqOI+oplL._SY346_Titel: Das Relikt der Fladrea (Teil 1 der Fladremin-Reihe)
Autor: Dominik Schmeller
Erschienen bei: Mantikore Verlag
Genre: High Fantasy, Young Adult, All Age

Klappentext: Ein magisches Relikt. Ein verschollenes Volk. Ein Mädchen, das seine Geschichte sucht.

Die lebhafte Larima wurde als Säugling im Wald gefunden. Den einzigen Hinweis zu ihrer Herkunft findet sie auf einem Amulett mit seltsamen Symbolen. Als sie erfährt, dass sie verheiratet werden soll, reißt sie aus und versucht gemeinsam mit ihrem Ziehbruder dem Geheimnis um ihre eigene Geschichte auf die Spur zu kommen. Eine gefährliche Reise beginnt, denn dieses Geheimnis hat nicht nur für Larima einen hohen Wert…

„Das Relikt der Fladrea“ ist der erste Band der dreiteiligen Fladremin-Fantasy Reihe

Warum solltest du dieses Buch lesen? Dominik Schmeller entführt seinen Leser in eine nordisch angehauchte Fantasy-Welt, die dank anschaulicher Beschreibungen und viel Detailliebe im Kopf lebendig wird. Mit seiner Protagonistin Larima schafft er eine sympathische Heldin, mit der sich vor allem jugendliche Fantasy-Leserinnen schnell identifizieren können. Als Auftakt zu einer Trilogie bietet die Fladremin-Saga damit viele, spannende Lesestunden.

Für wen ist es geeignet? Für Fantasy-Fans allen Alters, die klassische Geschichten über alte Artefakte, boshafte Schurken und magische Geheimnisse lieben und gerne eine junge Heldin auf dem Weg zu ihren Wurzeln begleiten wollen.

Themen: Identität, Magie, Familie, Geheimnisse

Erhältlich als: Taschenbuch und Ebook


 

Na, ist da etwas für euch dabei? Kennt ihr die Bücher schon? Welche Fantasy-Geschichten wollt ihr zu Weihnachten verschenken?

[Bericht] Lesung im Drachenzirkel

Hier kommt ein kurzes Lebenszeichen von mir aus der Nanowrimo-Schreibhöhle. Ich möchte es nämlich nicht versäumen, euch von meiner Lesung in der „Steinhauser Einkehr“ in München vor zwei Wochen zu erzählen.

Am 4. November durfte ich zusammen mit meinem Verlags-Kollegen Dominik Schmeller, der gemeinsam mit mir dieses Jahr im Mantikore-Verlag seinen Fantasy-Roman „Das Relikt der Fladrea“ veröffentlich hat, die neu gegründete Fantasy-Lesungsreihe des Drachenzirkel München eröffnen und dort mein Debüt „Opfermond“ vorstellen.

 

Fotos (c) Benedikt Schreiber, Flamboyant Media

 

In den nächsten Monaten werden euch im Drachenzirkel unterschiedliche Fantasy-Autorinnen und -Autoren ihre Werke präsentieren und daraus vorlesen, wenn ihr also aus der Gegend seid, schaut doch mal auf der Facebook-Seite vorbei, dort findet ihr alle Termine.

Da es sich um die Auftaktveranstaltung handelte, war ich zunächst skeptisch, ob wir den Raum würden füllen können, letztlich haben sich aber doch 20 bis 30 Interessierte eingefunden und andächtig gelauscht. Vor allem hat mich der Überraschungsbesuch meiner Familie gefreut, die ohne Ankündigung vorbei kam, um mich zu unterstützen.

 

Meine etwa 30-minütige Lesung aus „Opfermond“ könnt ihr dank der professionellen Technik von Flamboyant Media auch als Youtube-Video ansehen, die Qualität der Aufnahme ist wirklich hervorragend. Und keine Sorge, es gibt keine Spoiler. 🙂

Die Veranstalter und ich freuen uns über euer Feedback.

Eure Elea

Charaktere auf der Couch #9: Charlie

Meine heutige Patientin ist die bislang Jüngste auf meiner Couch. Charlie stammt aus der Feder von Elenor Avelle, ist 14 Jahre alt und eine der wenigen Überlebenden einer schrecklichen Seuche, die die Welt in ein post-apokalyptisches Trümmerfeld verwandelt hat. Seitdem schlägt sich Charlie mehr oder weniger allein durchs Leben, ein Zustand, der ihrer psychischen Verfassung nicht unbedingt gut tut.

Hallo Charlie, komm doch rein. Du musst dir keine Sorgen machen, hier drinnen bist du sicher. Die Therapeutin mustert die Jugendliche prüfend. Was ist denn passiert? Ist das … Blut?

Charlie sieht auf ihre verschmierten Hände. Sie zittern.
Ja. Sie haucht das Wort nur.
Die Infizierten waren überall. Ich habe sie umgebracht.

Mein Gott, das klingt ja furchtbar. Setz dich erst einmal, hier passiert dir nichts. Warst du denn mutterseelenallein unterwegs?

Gehetzt blick Charlie auf.
Ich setze mich besser nicht. Dann ist das Blut auf dem Sofa. Es ist der Tod. Sie sind alle tot. Was ich auch tue, keiner von ihnen schafft es.
Ihre Augen werden feucht, aber sie weint nicht.

Die Therapeutin reicht ihr ein Päckchen Taschentücher. Mach dir keine Sorgen wegen der Couch, du kannst dich trotzdem setzen. Atme erst einmal tief durch. Elenor hat mir schon ein wenig von dir erzählt. Du bist eine starke Persönlichkeit und weiß, was du willst. Du bist eine Überlebenskünstlerin. Wenn du dir ein Tier aussuchen könntest, das dich am besten repräsentiert, welches wäre das?

Sie blinzelt Irritiert.
Tier? Ist das jetzt noch wichtig? Nicht, dass ich mir vor der Seuche Gedanken über so etwas gemacht habe.
Sie setzt sich vorsichtig auf die Sofalehne, überprüft, ob sie auch ja kein Blut abschmiert.
Ich bin kein emotionaler Mensch, wissen sie? Das macht es mir leichter in dieser Welt. Ich treffe Entscheidungen, weil sie getroffen werden müssen, so einfach ist das. Aber ich bin auch kein Stein. Die Leute immerzu nur sterben zu sehen…
Sie starrt vor sich hin.
Ein Tier… vielleicht ein Luchs.

Ich verstehe, dass das alles nicht leicht für dich ist, aber ich verspreche dir, hier kannst du offen reden. Warum hast du dir den Luchs ausgesucht?

Ich bin ein Raubtier.
Sie sagt es resignierend. Dann schaut sie auf, ruhig und gesammelt.
Meine Stärken kenne ich gut. Das muss man dort draußen. Wissen Sie, wieso ich so selten auf Infizierte treffe, wenn ich alleine unterwegs bin? Ich gehe über die Dächer. Ich klettere richtig gut. Aber für einen Affen bin ich wohl nicht gesellig genug.
Ein trauriges Lächeln huscht über ihr Gesicht.

Du warst in den letzten Jahren sehr viel auf dich allein gestellt – wie, denkst du, hat dich diese Erfahrung verändert?

Ich war immer schon auf mich alleine gestellt. Meine Mutter habe ich nie kennen gelernt und meinen Vater habe ich kaum zu Gesicht bekommen. Das hat es aber auch leichter für mich gemacht. Ich habe niemanden verloren, der mir wichtig war, als die Seuche ausbrach und ich wusste, wie ich mich um mich selbst kümmern kann.

Ich verstehe, du musstest dich also vor allem auf dich selbst verlassen. Gibt es jemandem, dem du in dieser Zeit wirklich vertrauen konntest?

Vertrauen kann man nur sich selbst. Wenn es hart auf hart kommt, zeigt jeder sein wahres Gesicht und das ist bei den meisten wirklich nicht die Schokoladenseite.
Ihre Augen füllen sich wieder mit Tränen und dieses Mal läuft ihr eine über die Wange.

Die Therapeutin reicht ihr ein Taschentuch. Kein Problem, lass es raus. Hättest du dir in der Zeit eine Vertrauensperson gewünscht?

Was spielt das denn für eine Rolle? Sie leben eh nicht lange.
Sie schlingt die Arme um ihren Körper.
Ich bin manchmal so einsam.

Das tut mir furchtbar leid für dich Charlie. Weißt du, welchen Eindruck ich von dir habe? Ich glaube, du hast eine Mauer um dich her errichtet, kann das sein? Sie beschützt dich, aber sie hält andere Menschen auch von dir fern. Vor allem von deinen Gefühlen und deinen wahren Gedanken. Denkst du, das stimmt?

Charlie zuckt mit den Schultern.
Ich weiß nicht. Gefühle waren nie mein Ding. Vielleicht erwarten die anderen Menschen zu viel, wenn sie von mir alles wissen wollen. Ich bin zufrieden damit, nichts zu sagen. Was soll daran falsch sein?
Sie wischt sich die Tränen mit dem Ärmel ab. Rote Schlieren bleiben auf ihrem Gesicht zurück.
Wenn sie nur nicht so schnell sterben würden.

Wieso, glaubst du, ist es so gekommen? War das deine Entscheidung oder haben andere dich dazu gebracht?

Sie lacht auf.
Sie denken auch, dass jeder offen sein muss und ständig über seine Sorgen reden sollte, nicht wahr? Als ob die anderen sich besser damit fühlen, wenn sie wieder und wieder ihre Verluste betrauern. Wissen sie, weshalb ihre Frage nach dem Tier gar nicht so blöd war? Weil es passt. Tiere leben im Hier und Jetzt und genau das mache ich auch. Wenn andere glücklicher damit sind, sich selbst zu quälen, dann sei es drum, aber sie sterben und ich nicht.

Was müsste passieren, damit du es schaffst, diese Mauer fallen zu lassen oder langsam abzubauen?

Sie seufzt genervt.
Keine Ahnung. Vielleicht muss einer daherkommen, bei dem ich das Gefühl habe, das er durchhält.
Verlegen presst sie die Lippen aufeinander.

Was, denkst du, unterscheidet dich von den anderen Leuten? Warum bist du noch hier und sie nicht?

Unruhig rutscht sie herum.
Vielleicht bin ich verhext, eine Infizierte ohne es zu merken.
Sie schüttelt den Kopf und lächelt über sich selbst.
Oder ich bin zu dumm zum Sterben. Manchmal denke ich, dass es einfacher wäre zu gehen.

Das ist nie eine Lösung, Charlie. Was meinst du, runden wir das Ganze mit einem positiven Ausblick ab? Was ist dein Ziel für die kommenden Wochen und Monate?

Soweit denke ich nicht voraus. Vielleicht lebe ich bis dahin gar nicht mehr.
Sie schaut auf ihre schmutzigen Ärmel.
Doch, wahrscheinlich schon.

Das denke ich auch, du bist eine starke Persönlichkeit. Was möchtest du in dieser Zeit an dir verändern?

Charlie reibt sich unbewusst über die Brust.
Den Schmerz abschütteln, wieder einfach leben. Denn darum geht es doch, oder? Ich lebe.

Denkst du, du wirst das schaffen?

Ja, ich schaffe das. Das habe ich schon immer. Und wenn nicht, tja, dann bin ich tot und dann ist es auch egal.

 


Elenor_Avelle_-_Infiziert_E-Book_Cover

Ach Mensch, armes Mädchen. Wird es Charlie gelingen, in einer zerstörten, von Infizierten beherrschten Welt zu überleben? Kann sie ihre Einsamkeit überwinden und das Geheimnis ihrer Vergangenheit entschlüsseln? Findet es heraus, in Elenor Avelles Fantasy-Debüt „Infiziert – Geheime Sehnsucht“.

Zur Homepage der Autorin: https://elenoravelle.wordpress.com/

 


Wollt ihr noch etwas von mir oder Charlie wissen? Nur zu, wir versuchen, euch zu antworten.

Während des Nanowrimo im November bleibt die Praxis geschlossen, der nächste Termin ist deswegen erst wieder am 4. Dezember. Da wird es sich „Schneepoet“ Luc von Nika Sachs auf der Couch bequem machen.

Eine Übersicht über alle bisherigen Termine findet ihr hier.

Ab Januar 2018 sind wieder Sitzungstermine für Romanfiguren frei. Bei Interesse, schreibt einfach eine Mail über das Kontaktformular.

Charaktere auf der Couch #8: Teklija

Heute hat sich eine Patientin bei mir eingefunden, die ich tatsächlich schon länger kenne, nämlich Teklija aus der Feder von Rafaela Creydt. Teklija, oder kurz Tek, ist eine blasse Frau Anfang zwanzig, ihr Körper wirkt sehr dünn, aber durchtrainiert, und ihr Blick scheint  ständig alles und jeden in ihrem Umfeld  zu taxieren. Was sie beruflich macht und warum sie eigentlich eine Menge therapeutischen Gesprächsbedarf hätte, könnt ihr hier nachlesen. 

 

Teklija, es freut mich sehr, Sie kennen zu lernen. Nehmen Sie doch Platz.

Ich möchte lieber stehen bleiben, wenn es dich nicht beleidigt.

Nein, natürlich nicht. Aber ich schätze, das könnte etwas länger dauern, also …? Nun gut, wie Sie wollen. Erzählen Sie mir doch noch mal, was hat sie hierhergeführt?

Arrian der Angeber hat mich hergeschickt. Er weigert sich, sein Wissen mit mir zu teilen, bevor ich nicht mit dir gesprochen habe. Daher muss ich dich leider belästigen. Ich bitte um Verzeihung.

Das müssen Sie nicht, es ist mein Job, Ihnen zuzuhören, wissen Sie. Es scheint, als würde sich Ihr Freund Arrian Sorgen um Sie machen. Hat er denn Grund dazu?

Arrian versteht die Situation nicht. Es geht nicht um mich. Es geht um meine Zadih. Sie sind in Gefahr. Ich muss sie schützen. Wie es mir geht, könnte nur dann von Interesse sein, wenn ich diese Aufgabe nicht mehr erfüllen könnte. Allerdings atme ich, stehe aufrecht und bin unverletzt. Also: Ich bin unwichtig.

Nun, Arrian scheinen Sie durchaus wichtig zu sein. Ich fürchte zudem, die Situation nicht ganz zu verstehen. Was ist ein … Zadih? Und was genau machen Sie beruflich?

Zadih ist ein Wort meiner Muttersprache. Wörtlich bedeutet es ‚Wichtiger’. Zadih ist der Mensch, der wichtiger ist als alles andere. Ich bin N’Duma Dahn, das ist ‚Kämpfender Schatten’. Ich bin ein Teil meines Zadih. Meine Aufgabe ist es, das Leben meines Zadih zu beschützen. Du kannst es Leibwächter nennen, aber das ist zu wenig. N’Duma ist kein Beruf. Es ist dein Leben. Der Zadih ist dein Leben. Ein N’Duma Dahn hat nichts anderes.

Das klingt nach einer sehr fordernden Tätigkeit. Vielleicht könnten Sie eine Auszeit brauchen. Haben Sie mal an Urlaub gedacht?

Ich habe in den letzten zwei Jahren überhaupt nichts getan. Ich hatte keinen Zadih. Nichts tun hat nichts besser gemacht.

Hm, ich verstehe, Ihre Arbeit scheint Ihnen viel zu bedeuten. Gibt es denn etwas, das Sie außer ihrer Aufgabe gern tun? Das Ihnen hilft, sich zu entspannen?

Entspannung ist zurzeit nicht sinnvoll. Wenn es dich beruhigt: Ich esse, ich trinke Wasser, ich wasche mich, ich trainiere, ich schlafe.

Das klingt nicht unbedingt nach einem erfüllten Leben. Aber apropos Schlaf, wie steht es darum? Können Sie gut einschlafen? Träumen Sie schlecht?

Ich erinnere mich nicht an meine Träume.

Gar nicht? Auch nicht, ob es angenehme oder negative Träume waren?

Nein. Ich möchte das auch nicht. Ich muss mich mit der Wirklichkeit beschäftigen. Mit dem Jetzt. Wünsche, Pläne oder Träume lenken nur ab. Darüber hinaus wurde ich ausgebildet, beim kleinsten Geräusch, oder dem Fehlen eines solchen, zu erwachen.

Wo Sie schon von Ihrer Ausbildung sprechen, Ihr Freund Arrian hat erwähnt, es gäbe da einen wunden Punkt in Ihrer Vergangenheit, der für Ihre Anspannung verantwortlich ist. Wollen Sie darüber reden?

Er meint vermutlich die Tatsache, dass ich meine erste Zadih ermordet habe. Nein. Darüber möchte ich nicht sprechen. Bestehst du darauf?

Die Therapeutin lässt vor Schreck fast Ihr Klemmbrett fallen. Wie bitte? Ermordet? Sie wirkt sichtlich irritiert und blättert in ihren Aufzeichnungen. Na ja, ich kann Sie nicht dazu zwingen, wenn Sie das nicht möchten. Vielleicht können wir ja ein andermal darüber reden. Wie, würden Sie sagen, hat Sie dieser Moment verändert?

Er hat mich nicht verändert. Er hat meine Fehler nur offengelegt. Seitdem gibt es keine freundlichen Lügen oder Selbsttäuschungen mehr.

Ist das der Grund, warum Sie so streng zu sich selbst sind? Bestrafen Sie sich für das, was Sie getan haben?

Ich wurde bereits bestraft. Ich wurde aus meiner Heimat auf den Krüppel-Kontinent verbannt. Hätte man mich sofort hingerichtet, wäre mir die Schande dieses Lebens erspart geblieben. Das wäre eine Gnade gewesen, die ich nicht verdiene.

Sie schweigt für einen Moment und blickt die Therapeutin mit ernster Miene an. Ich bin nicht streng zu mir. Ich erkenne lediglich die Wahrheit. Wie würdest du mit einem Mörder und Eidbrecher umgehen? Dir ist übrigens gerade beinahe dein Brett aus der Hand gefallen, also überleg dir, ob du noch glaubhaft lügen kannst.

Ich habe nicht vor, Sie anzulügen. In der Welt, in der ich lebe, ist es üblich, Mörder einzusperren, nicht zu töten. Sie sind auf freiem Fuß, das sollten Sie doch zu nutzen wissen, oder nicht? Aber zum Schluss sollten wir uns vielleicht nicht so sehr auf die negativen Punkte in Ihrem Leben fokussieren, sondern auf die positiven. Sie sind schließlich freiwillig hier und nicht dafür, dass ich Ihnen Vorhaltungen mache. Also, was halten Sie für Ihre größte Stärke?

Ich bin am stärksten im Kampf mit Messern.

Ich dachte eher an persönliche Stärken, verstehen Sie. Charakterzüge, Eigenschaften, die Ihnen in schwierigen Situationen helfen. Fällt Ihnen dabei etwas ein?

Ich habe in schwierigen Situationen versagt. Das Beste, was man vielleicht noch sagen kann: Ich behaupte nicht mehr, besser zu sein, als ich bin.

Wie könnte Ihnen diese Fähigkeit helfen, mit Ihrer Vergangenheit abzuschließen?

Ich will nicht mit ihr abschließen. Drei Jahre war ich N’Duma Dahn der höchst verehrten Solven da Gwenn. Diese drei Jahre möchte ich nicht verlieren. Auch wenn das egoistisch ist. Ich bezahle dafür.

Schließen wir die Sitzung mit einem Ausblick auf die Zukunft: Wie stellen Sie sich Ihr Leben in einigen Jahren vor? Was wäre Ihr Wunsch?

Meine Zadih sind in Sicherheit. Ich bin … irgendwo. Ich habe kein Recht auf Wünsche.

Und wenn Sie sich dieses Recht ausnahmsweise gestatten würden? Dieses Gespräch ist vertraulich, Sie können sich hier ganz frei äußern.

Es geht hier nicht um Vertraulich oder nicht! Ich habe nie gelogen, also was willst du damit sagen?

Nichts wird sich ändern in meinem Leben. Aber wenn meine Zadih überleben, habe ich zumindest nichts schlimmer gemacht mit meinen Wünschen. Narfa erhört dich immer, glaub es mir. Ich hatte nur einen eitlen Wunsch nach zwei Jahren Einsamkeit: Einen neuen Zadih. Eine Aufgabe. Narfa erhörte mich. Jetzt habe ich zwei Zadih! Zwei! Und beide sind Gefahr. Erzähl mir nichts von Wünschen!


 

22330964_525605561105188_1306618975_nPuh, kein leichtes Gespräch heute, zugegeben. Falls ihr ein wenig neugierig geworden seid und herausfinden wollt, was es mit Teklijas dunkler Vergangenheit auf sich hat und wie es ihr gelingt, einen neuen Platz in der Welt zu finden, holt euch „Die Stadt am Kreuz“ von Rafaela Creydt, erschienen im Verlag in Farbe und Bunt.

Und falls euch das Setting und der Stil der Autorin begeistern kann, erscheint mit den „Trümmerprinzen“ demnächst auch ein weiterer Roman vom Krüppelkontinent.

 

Facebookseite der Autorin: https://www.facebook.com/RafaelaCreydtAutorin/

Habt ihr noch weitere Fragen an mich oder Tek? Dann nur raus damit, vielleicht beantwortet sie sie euch ja sogar.


Einen Überblick über alle bisherigen Sitzungstermine gibt es hier.

Ab Dezember/Januar gibt es übrigens wieder freie Plätze auf der Couch! Falls ihr einen geeigneten Patienten aus einem veröffentlichten Werk habt, schreibt mir einfach eine Mail. Alle Genres sind willkommen.

#buchpassion: Inspirierende Phantastik-Autorinnen

Wenn ich in mein Bücherregal blicke, dann muss ich gestehen, dass meine Fantasy-Regale immer noch sehr männerdominiert sind. Da stehen Terry Pratchett, Markus Heitz, Wolfgang Holbein und Joe Abercrombie. Alles Autoren, die tolle Bücher geschrieben haben, keine Frage, aber schade ist es doch, dass sich die Frauen gerade in der klassischen und der düsteren Fantasy bislang nicht durchsetzen konnten. Das merke ich nicht zuletzt bei meinem eigenen Roman-Debüt, das sich als Dark- bzw. Grim&Gritty-Fantasy in ausschließlich männlicher Gesellschaft befindet.

Für die tolle Aktion #buchpassion von Kapri Zioes habe ich einen Blick zurück in meine literarische Vergangenheit geworfen und drei phantastische Autorinnen ausgesucht, die mich in meiner Kindheit, meiner Jugend und in jüngster Zeit besonders beeindruckt oder geprägt haben. Autorinnen, die ganz ohne Kitsch und Klischees auskommen, die nicht in eine der stereotypen Frauen-Schubladen gesteckt werden können. Also, Vorhang auf.


Cornelia Funke

Ich glaube, von keiner anderen Autorin habe ich so viele Bücher gelesen wie von Cornelia Funke. Ich habe die „Wilden Hühner“ verschlungen, den „Drachenreiter“, „Igraine Ohnefurcht“, „Die Gespensterjäger“ und viele mehr. Cornelia Funkes Bücher haben mich durch meine Kindheit und Jugend begleitet, bis sie von den Harry-Potter-Romanen abgelöst wurde. Bis heute bin ich beeindruckt von den liebevollen Charakteren, der bildgewaltigen, traumhaften Sprache, dem Einfallsreichtum und dem leichten, lockeren Humor ihrer Bücher. Für Kinder und Jugendliche zu schreiben und dabei deren Lebenswelt und deren Fantasie so perfekt zu treffen ist eine Kunst, für die ich Cornelia Funke zutiefst bewundere. Wem dieser Genuss entgangen ist, sollte ihn schleunigst nachholen. Die Bücher bieten auch noch für Erwachsene großes Lesevergnügen.

Lieblingsbuch: Drachenreiter

Was ich bewundere: Stil & Sprache, Einfallsreichtum


 

Marion Zimmer Bradley

Ich denke, ich war etwa 14, als ich die „Nebel von Avalon“ zum ersten Mal gelesen habe. Es ist eines der weniger Bücher, die ich mehrfach las, obwohl es mehr als 800 Seiten hat, so sehr hat es mich gefesselt. Es war mein erstes Buch für Erwachsene und so gesehen auch mein erstes Fantasy-Buch abseits der Jugendliteratur. Damals dürfte der Roman in mir ungefähr dieselbe Faszination ausgelöst haben, wie heute „Game of Thrones“: Es ging um Liebe, um Sinnlichkeit, um Sex (die Szenen hab ich heimlich unter der Decke gelesen, man weiß ja nie), um Macht, um Politik – und alles erzählt aus der Sicht einer starken, präsenten Protagonistin, die moralisch nicht immer einwandfrei agierte, aber trotzdem eine große Sogwirkung erzeugte. Nach den „Nebeln von Avalon“ habe ich noch ein paar Romane aus dem Darkover-Zyklus gelesen, die mich aber nie so sehr beeindrucken konnten, obwohl auch dort starke, unabhängige Frauenfiguren dominieren.

Zugegeben, nachdem die Vorwürfe gegen Marion Zimmer Bradley wegen Missbrauch und körperlicher Misshandlung an ihrer Tochter und weiteren Kindern öffentlich wurden, hat sich mein Blickwinkel auf ihre Werke natürlich etwas verschoben. Ich möchte hier trotzdem nicht zu intensiv auf dieses Kapitel eingehen, denn zum einen bin ich zu wenig informiert, um konkrete Aussagen treffen zu können, zum anderen ändern diese Vorwürfe nichts an der Wirkung, welche die Bücher in meiner Jugend – lange bevor ich von der Anklage erfuhr – auf mich ausübten. Ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem. Ich lasse euch den Link zum Wikipedia-Artikel da, dort findet ihr auch weiterführende Links. Zum Thema „Autoren und Werke trennen“ gibt es auch einen sehr interessanten Artikel auf Fischer-Tor Online.

Lieblingsbuch: Die Nebel von Avalon

Was ich bewundere: Atmosphärische Dichte, Charakterentwicklung


Margaret Atwood

Ich gebe zu, auf Margaret Atwood bin ich eher durch Zufall gestoßen und das auch erst vor etwa einem Jahr. Meine Tante empfahl mir ihre Bücher und ich war sofort extrem begeistert. In „Das Jahr der Flut“ und „Die Geschichte von Zeb“ lässt Margaret Atwood komplexe, vielschichtige Frauenfiguren zu Wort kommen, die Ecken und Kanten haben, die nicht schön oder einfach sind. Sie kämpfen gegen persönliche Widrigkeiten, um ihren Platz im Leben und gegen eine kalte, von Konzernen regierte Gesellschaft, die sich selbst zugrunde richtet. Margaret Atwood besticht aber nicht nur durch ihre tollen Figuren, sondern zeigt auch eindrucksvoll, dass man durchaus sämtliche bekannten Schreibregeln brechen darf, wenn man es kann. Sie kann es. Auf der Frankfurter Buchmesse am 15. Oktober wird Margaret Atwood zudem mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Ich muss definitiv noch mehr von ihr lesen, „A handmaid’s tale“ liegt schon auf meinem SUB.

Lieblingsbuch: Das Jahr der Flut

Was ich bewundere: sämtlich Schreibregeln zu brechen und genau deswegen grandiose Bücher zu schreiben


 

Wie steht es mit euch, welche Fantasy- oder Phantastik-Autorinnen findet ihr toll? Warum, was zeichnet sie aus?

Und – ein bisschen Werbung darf sein – mit dem Nornennetz ist dieses Jahr das erste Netzwerk für Fantasy-Autorinnen entstanden. Schaut doch mal vorbei.

 


Mehr Artikel findet ihr auf Twitter oder Instagram unter dem Hashtag #buchpassion

Charaktervorstellung Idra, Teil 2

Ein Beitrag zur Opfermond-Release-Woche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Idra durftet ihr ja gestern schon ein wenig kennen lernen, heute ergänze ich ihren Steckbrief durch eine kleine Szene.

Idra ist ein Kind des Sha-Quai und ist in den staubigen Gassen geboren und aufgewachsen. Sie kennt ihren Teil des Armenviertels nahezu auswendig und manche Ecken bergen alte Erinnerungen.

Aber lest selbst.

Opfermond_Idra_Schnipsel

Hier ist außerdem der Link zur Facebook-Veranstaltung für die Release-Woche.

Charaktervorstellung Idra

Ein Beitrag zur Opfermond-Releasewoche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Varek habt ihr nun besser kennengelernt, heute möchte ich euch die zweite Hauptfigur aus „Opfermond“ vorstellen: die Straßenhure Idra. Das wundervolle Porträt stammt wieder von der talentierten Guddy Hoffmann-Schönborn (Fried Phoenix Geekblog).

Idra_GuddyPortrait

Idra ist ursprünglich als Rollenspiel-Charakter für „Das schwarze Auge“ entstanden, hat sich dann aber ziemlich schnell in diesen Roman geschlichen. Aus dem Südquartier Gareths ist sie ins Armenviertel von Ghor-el-Chras umgezogen, an ihrem losen Mundwerk und ihren laxen Manieren hat sich dabei nicht viel geändert.

Idra ist neunzehn Jahre alt und mit ihrem flammendroten Haar ist sie eine echte Exotin in den Straßen von Ghor-el-Chras. Angeblich hat sie diese Besonderheit ihrem Vater zu verdanken, doch dem ist sie nie begegnet.

Idra hat ihr ganzes Leben im schlechtesten Viertel der Stadt verbracht und hat nie etwas anderes kennengelernt als den Gestank und das Elend in den Straßen des Sha-Quai. Trotzdem hat sich Idra ihren Stolz bewahrt und beschlossen, vor niemandem zu kriechen, auch nicht vor der Obrigkeit oder ihrem brutalen Zuhälter. So erträgt sie das Leben, zu dem sie verdammt ist, mit so viel Würde wie möglich – und hofft im Stillen, die Stadt irgendwann verlassen zu können, um neu anzufangen.

IdraCharakter

Auch wenn sie es nie zugeben würde, hat Idra ein gutes Gespür für Schönheit: für die ruhigen Momente bei Sonnenaufgang, für den Duft von Jasminblüten und den Geschmack von frischem Fladenbrot. Außerdem hat sie ein gutes Auge für Wertsachen. Das Wichtigste in ihrem Leben bleibt aber ihr einziger Freund, der Strichjunge Djarid. Denn Freunde sind kostbar im Sha-Quai.

Morgen gibt es noch einen kurzen Textschnipsel zu Idra, der ihr Leben im Armenviertel ein bisschen deutlicher illustriert.

Idra hat sich übrigens vor einer Weile in einem Interview mit zwei weiteren Roman-Figuren aus meiner Feder über Frauenrollen, Vorbilder und ihre Definition von Stärke unterhalten. Den Beitrag findet ihr hier: Ladies‘ talk: Starke weibliche Charaktere

Hier ist außerdem der Link zur Facebook-Veranstaltung für die Release-Woche.