Fantasy

[Bericht] Lesung im Drachenzirkel

Hier kommt ein kurzes Lebenszeichen von mir aus der Nanowrimo-Schreibhöhle. Ich möchte es nämlich nicht versäumen, euch von meiner Lesung in der „Steinhauser Einkehr“ in München vor zwei Wochen zu erzählen.

Am 4. November durfte ich zusammen mit meinem Verlags-Kollegen Dominik Schmeller, der gemeinsam mit mir dieses Jahr im Mantikore-Verlag seinen Fantasy-Roman „Das Relikt der Fladrea“ veröffentlich hat, die neu gegründete Fantasy-Lesungsreihe des Drachenzirkel München eröffnen und dort mein Debüt „Opfermond“ vorstellen.

 

Fotos (c) Benedikt Schreiber, Flamboyant Media

 

In den nächsten Monaten werden euch im Drachenzirkel unterschiedliche Fantasy-Autorinnen und -Autoren ihre Werke präsentieren und daraus vorlesen, wenn ihr also aus der Gegend seid, schaut doch mal auf der Facebook-Seite vorbei, dort findet ihr alle Termine.

Da es sich um die Auftaktveranstaltung handelte, war ich zunächst skeptisch, ob wir den Raum würden füllen können, letztlich haben sich aber doch 20 bis 30 Interessierte eingefunden und andächtig gelauscht. Vor allem hat mich der Überraschungsbesuch meiner Familie gefreut, die ohne Ankündigung vorbei kam, um mich zu unterstützen.

 

Meine etwa 30-minütige Lesung aus „Opfermond“ könnt ihr dank der professionellen Technik von Flamboyant Media auch als Youtube-Video ansehen, die Qualität der Aufnahme ist wirklich hervorragend. Und keine Sorge, es gibt keine Spoiler. 🙂

Die Veranstalter und ich freuen uns über euer Feedback.

Eure Elea

Charaktere auf der Couch #9: Charlie

Meine heutige Patientin ist die bislang Jüngste auf meiner Couch. Charlie stammt aus der Feder von Elenor Avelle, ist 14 Jahre alt und eine der wenigen Überlebenden einer schrecklichen Seuche, die die Welt in ein post-apokalyptisches Trümmerfeld verwandelt hat. Seitdem schlägt sich Charlie mehr oder weniger allein durchs Leben, ein Zustand, der ihrer psychischen Verfassung nicht unbedingt gut tut.

Hallo Charlie, komm doch rein. Du musst dir keine Sorgen machen, hier drinnen bist du sicher. Die Therapeutin mustert die Jugendliche prüfend. Was ist denn passiert? Ist das … Blut?

Charlie sieht auf ihre verschmierten Hände. Sie zittern.
Ja. Sie haucht das Wort nur.
Die Infizierten waren überall. Ich habe sie umgebracht.

Mein Gott, das klingt ja furchtbar. Setz dich erst einmal, hier passiert dir nichts. Warst du denn mutterseelenallein unterwegs?

Gehetzt blick Charlie auf.
Ich setze mich besser nicht. Dann ist das Blut auf dem Sofa. Es ist der Tod. Sie sind alle tot. Was ich auch tue, keiner von ihnen schafft es.
Ihre Augen werden feucht, aber sie weint nicht.

Die Therapeutin reicht ihr ein Päckchen Taschentücher. Mach dir keine Sorgen wegen der Couch, du kannst dich trotzdem setzen. Atme erst einmal tief durch. Elenor hat mir schon ein wenig von dir erzählt. Du bist eine starke Persönlichkeit und weiß, was du willst. Du bist eine Überlebenskünstlerin. Wenn du dir ein Tier aussuchen könntest, das dich am besten repräsentiert, welches wäre das?

Sie blinzelt Irritiert.
Tier? Ist das jetzt noch wichtig? Nicht, dass ich mir vor der Seuche Gedanken über so etwas gemacht habe.
Sie setzt sich vorsichtig auf die Sofalehne, überprüft, ob sie auch ja kein Blut abschmiert.
Ich bin kein emotionaler Mensch, wissen sie? Das macht es mir leichter in dieser Welt. Ich treffe Entscheidungen, weil sie getroffen werden müssen, so einfach ist das. Aber ich bin auch kein Stein. Die Leute immerzu nur sterben zu sehen…
Sie starrt vor sich hin.
Ein Tier… vielleicht ein Luchs.

Ich verstehe, dass das alles nicht leicht für dich ist, aber ich verspreche dir, hier kannst du offen reden. Warum hast du dir den Luchs ausgesucht?

Ich bin ein Raubtier.
Sie sagt es resignierend. Dann schaut sie auf, ruhig und gesammelt.
Meine Stärken kenne ich gut. Das muss man dort draußen. Wissen Sie, wieso ich so selten auf Infizierte treffe, wenn ich alleine unterwegs bin? Ich gehe über die Dächer. Ich klettere richtig gut. Aber für einen Affen bin ich wohl nicht gesellig genug.
Ein trauriges Lächeln huscht über ihr Gesicht.

Du warst in den letzten Jahren sehr viel auf dich allein gestellt – wie, denkst du, hat dich diese Erfahrung verändert?

Ich war immer schon auf mich alleine gestellt. Meine Mutter habe ich nie kennen gelernt und meinen Vater habe ich kaum zu Gesicht bekommen. Das hat es aber auch leichter für mich gemacht. Ich habe niemanden verloren, der mir wichtig war, als die Seuche ausbrach und ich wusste, wie ich mich um mich selbst kümmern kann.

Ich verstehe, du musstest dich also vor allem auf dich selbst verlassen. Gibt es jemandem, dem du in dieser Zeit wirklich vertrauen konntest?

Vertrauen kann man nur sich selbst. Wenn es hart auf hart kommt, zeigt jeder sein wahres Gesicht und das ist bei den meisten wirklich nicht die Schokoladenseite.
Ihre Augen füllen sich wieder mit Tränen und dieses Mal läuft ihr eine über die Wange.

Die Therapeutin reicht ihr ein Taschentuch. Kein Problem, lass es raus. Hättest du dir in der Zeit eine Vertrauensperson gewünscht?

Was spielt das denn für eine Rolle? Sie leben eh nicht lange.
Sie schlingt die Arme um ihren Körper.
Ich bin manchmal so einsam.

Das tut mir furchtbar leid für dich Charlie. Weißt du, welchen Eindruck ich von dir habe? Ich glaube, du hast eine Mauer um dich her errichtet, kann das sein? Sie beschützt dich, aber sie hält andere Menschen auch von dir fern. Vor allem von deinen Gefühlen und deinen wahren Gedanken. Denkst du, das stimmt?

Charlie zuckt mit den Schultern.
Ich weiß nicht. Gefühle waren nie mein Ding. Vielleicht erwarten die anderen Menschen zu viel, wenn sie von mir alles wissen wollen. Ich bin zufrieden damit, nichts zu sagen. Was soll daran falsch sein?
Sie wischt sich die Tränen mit dem Ärmel ab. Rote Schlieren bleiben auf ihrem Gesicht zurück.
Wenn sie nur nicht so schnell sterben würden.

Wieso, glaubst du, ist es so gekommen? War das deine Entscheidung oder haben andere dich dazu gebracht?

Sie lacht auf.
Sie denken auch, dass jeder offen sein muss und ständig über seine Sorgen reden sollte, nicht wahr? Als ob die anderen sich besser damit fühlen, wenn sie wieder und wieder ihre Verluste betrauern. Wissen sie, weshalb ihre Frage nach dem Tier gar nicht so blöd war? Weil es passt. Tiere leben im Hier und Jetzt und genau das mache ich auch. Wenn andere glücklicher damit sind, sich selbst zu quälen, dann sei es drum, aber sie sterben und ich nicht.

Was müsste passieren, damit du es schaffst, diese Mauer fallen zu lassen oder langsam abzubauen?

Sie seufzt genervt.
Keine Ahnung. Vielleicht muss einer daherkommen, bei dem ich das Gefühl habe, das er durchhält.
Verlegen presst sie die Lippen aufeinander.

Was, denkst du, unterscheidet dich von den anderen Leuten? Warum bist du noch hier und sie nicht?

Unruhig rutscht sie herum.
Vielleicht bin ich verhext, eine Infizierte ohne es zu merken.
Sie schüttelt den Kopf und lächelt über sich selbst.
Oder ich bin zu dumm zum Sterben. Manchmal denke ich, dass es einfacher wäre zu gehen.

Das ist nie eine Lösung, Charlie. Was meinst du, runden wir das Ganze mit einem positiven Ausblick ab? Was ist dein Ziel für die kommenden Wochen und Monate?

Soweit denke ich nicht voraus. Vielleicht lebe ich bis dahin gar nicht mehr.
Sie schaut auf ihre schmutzigen Ärmel.
Doch, wahrscheinlich schon.

Das denke ich auch, du bist eine starke Persönlichkeit. Was möchtest du in dieser Zeit an dir verändern?

Charlie reibt sich unbewusst über die Brust.
Den Schmerz abschütteln, wieder einfach leben. Denn darum geht es doch, oder? Ich lebe.

Denkst du, du wirst das schaffen?

Ja, ich schaffe das. Das habe ich schon immer. Und wenn nicht, tja, dann bin ich tot und dann ist es auch egal.

 


Elenor_Avelle_-_Infiziert_E-Book_Cover

Ach Mensch, armes Mädchen. Wird es Charlie gelingen, in einer zerstörten, von Infizierten beherrschten Welt zu überleben? Kann sie ihre Einsamkeit überwinden und das Geheimnis ihrer Vergangenheit entschlüsseln? Findet es heraus, in Elenor Avelles Fantasy-Debüt „Infiziert – Geheime Sehnsucht“.

Zur Homepage der Autorin: https://elenoravelle.wordpress.com/

 


Wollt ihr noch etwas von mir oder Charlie wissen? Nur zu, wir versuchen, euch zu antworten.

Während des Nanowrimo im November bleibt die Praxis geschlossen, der nächste Termin ist deswegen erst wieder am 4. Dezember. Da wird es sich „Schneepoet“ Luc von Nika Sachs auf der Couch bequem machen.

Eine Übersicht über alle bisherigen Termine findet ihr hier.

Ab Januar 2018 sind wieder Sitzungstermine für Romanfiguren frei. Bei Interesse, schreibt einfach eine Mail über das Kontaktformular.

Charaktere auf der Couch #8: Teklija

Heute hat sich eine Patientin bei mir eingefunden, die ich tatsächlich schon länger kenne, nämlich Teklija aus der Feder von Rafaela Creydt. Teklija, oder kurz Tek, ist eine blasse Frau Anfang zwanzig, ihr Körper wirkt sehr dünn, aber durchtrainiert, und ihr Blick scheint  ständig alles und jeden in ihrem Umfeld  zu taxieren. Was sie beruflich macht und warum sie eigentlich eine Menge therapeutischen Gesprächsbedarf hätte, könnt ihr hier nachlesen. 

 

Teklija, es freut mich sehr, Sie kennen zu lernen. Nehmen Sie doch Platz.

Ich möchte lieber stehen bleiben, wenn es dich nicht beleidigt.

Nein, natürlich nicht. Aber ich schätze, das könnte etwas länger dauern, also …? Nun gut, wie Sie wollen. Erzählen Sie mir doch noch mal, was hat sie hierhergeführt?

Arrian der Angeber hat mich hergeschickt. Er weigert sich, sein Wissen mit mir zu teilen, bevor ich nicht mit dir gesprochen habe. Daher muss ich dich leider belästigen. Ich bitte um Verzeihung.

Das müssen Sie nicht, es ist mein Job, Ihnen zuzuhören, wissen Sie. Es scheint, als würde sich Ihr Freund Arrian Sorgen um Sie machen. Hat er denn Grund dazu?

Arrian versteht die Situation nicht. Es geht nicht um mich. Es geht um meine Zadih. Sie sind in Gefahr. Ich muss sie schützen. Wie es mir geht, könnte nur dann von Interesse sein, wenn ich diese Aufgabe nicht mehr erfüllen könnte. Allerdings atme ich, stehe aufrecht und bin unverletzt. Also: Ich bin unwichtig.

Nun, Arrian scheinen Sie durchaus wichtig zu sein. Ich fürchte zudem, die Situation nicht ganz zu verstehen. Was ist ein … Zadih? Und was genau machen Sie beruflich?

Zadih ist ein Wort meiner Muttersprache. Wörtlich bedeutet es ‚Wichtiger’. Zadih ist der Mensch, der wichtiger ist als alles andere. Ich bin N’Duma Dahn, das ist ‚Kämpfender Schatten’. Ich bin ein Teil meines Zadih. Meine Aufgabe ist es, das Leben meines Zadih zu beschützen. Du kannst es Leibwächter nennen, aber das ist zu wenig. N’Duma ist kein Beruf. Es ist dein Leben. Der Zadih ist dein Leben. Ein N’Duma Dahn hat nichts anderes.

Das klingt nach einer sehr fordernden Tätigkeit. Vielleicht könnten Sie eine Auszeit brauchen. Haben Sie mal an Urlaub gedacht?

Ich habe in den letzten zwei Jahren überhaupt nichts getan. Ich hatte keinen Zadih. Nichts tun hat nichts besser gemacht.

Hm, ich verstehe, Ihre Arbeit scheint Ihnen viel zu bedeuten. Gibt es denn etwas, das Sie außer ihrer Aufgabe gern tun? Das Ihnen hilft, sich zu entspannen?

Entspannung ist zurzeit nicht sinnvoll. Wenn es dich beruhigt: Ich esse, ich trinke Wasser, ich wasche mich, ich trainiere, ich schlafe.

Das klingt nicht unbedingt nach einem erfüllten Leben. Aber apropos Schlaf, wie steht es darum? Können Sie gut einschlafen? Träumen Sie schlecht?

Ich erinnere mich nicht an meine Träume.

Gar nicht? Auch nicht, ob es angenehme oder negative Träume waren?

Nein. Ich möchte das auch nicht. Ich muss mich mit der Wirklichkeit beschäftigen. Mit dem Jetzt. Wünsche, Pläne oder Träume lenken nur ab. Darüber hinaus wurde ich ausgebildet, beim kleinsten Geräusch, oder dem Fehlen eines solchen, zu erwachen.

Wo Sie schon von Ihrer Ausbildung sprechen, Ihr Freund Arrian hat erwähnt, es gäbe da einen wunden Punkt in Ihrer Vergangenheit, der für Ihre Anspannung verantwortlich ist. Wollen Sie darüber reden?

Er meint vermutlich die Tatsache, dass ich meine erste Zadih ermordet habe. Nein. Darüber möchte ich nicht sprechen. Bestehst du darauf?

Die Therapeutin lässt vor Schreck fast Ihr Klemmbrett fallen. Wie bitte? Ermordet? Sie wirkt sichtlich irritiert und blättert in ihren Aufzeichnungen. Na ja, ich kann Sie nicht dazu zwingen, wenn Sie das nicht möchten. Vielleicht können wir ja ein andermal darüber reden. Wie, würden Sie sagen, hat Sie dieser Moment verändert?

Er hat mich nicht verändert. Er hat meine Fehler nur offengelegt. Seitdem gibt es keine freundlichen Lügen oder Selbsttäuschungen mehr.

Ist das der Grund, warum Sie so streng zu sich selbst sind? Bestrafen Sie sich für das, was Sie getan haben?

Ich wurde bereits bestraft. Ich wurde aus meiner Heimat auf den Krüppel-Kontinent verbannt. Hätte man mich sofort hingerichtet, wäre mir die Schande dieses Lebens erspart geblieben. Das wäre eine Gnade gewesen, die ich nicht verdiene.

Sie schweigt für einen Moment und blickt die Therapeutin mit ernster Miene an. Ich bin nicht streng zu mir. Ich erkenne lediglich die Wahrheit. Wie würdest du mit einem Mörder und Eidbrecher umgehen? Dir ist übrigens gerade beinahe dein Brett aus der Hand gefallen, also überleg dir, ob du noch glaubhaft lügen kannst.

Ich habe nicht vor, Sie anzulügen. In der Welt, in der ich lebe, ist es üblich, Mörder einzusperren, nicht zu töten. Sie sind auf freiem Fuß, das sollten Sie doch zu nutzen wissen, oder nicht? Aber zum Schluss sollten wir uns vielleicht nicht so sehr auf die negativen Punkte in Ihrem Leben fokussieren, sondern auf die positiven. Sie sind schließlich freiwillig hier und nicht dafür, dass ich Ihnen Vorhaltungen mache. Also, was halten Sie für Ihre größte Stärke?

Ich bin am stärksten im Kampf mit Messern.

Ich dachte eher an persönliche Stärken, verstehen Sie. Charakterzüge, Eigenschaften, die Ihnen in schwierigen Situationen helfen. Fällt Ihnen dabei etwas ein?

Ich habe in schwierigen Situationen versagt. Das Beste, was man vielleicht noch sagen kann: Ich behaupte nicht mehr, besser zu sein, als ich bin.

Wie könnte Ihnen diese Fähigkeit helfen, mit Ihrer Vergangenheit abzuschließen?

Ich will nicht mit ihr abschließen. Drei Jahre war ich N’Duma Dahn der höchst verehrten Solven da Gwenn. Diese drei Jahre möchte ich nicht verlieren. Auch wenn das egoistisch ist. Ich bezahle dafür.

Schließen wir die Sitzung mit einem Ausblick auf die Zukunft: Wie stellen Sie sich Ihr Leben in einigen Jahren vor? Was wäre Ihr Wunsch?

Meine Zadih sind in Sicherheit. Ich bin … irgendwo. Ich habe kein Recht auf Wünsche.

Und wenn Sie sich dieses Recht ausnahmsweise gestatten würden? Dieses Gespräch ist vertraulich, Sie können sich hier ganz frei äußern.

Es geht hier nicht um Vertraulich oder nicht! Ich habe nie gelogen, also was willst du damit sagen?

Nichts wird sich ändern in meinem Leben. Aber wenn meine Zadih überleben, habe ich zumindest nichts schlimmer gemacht mit meinen Wünschen. Narfa erhört dich immer, glaub es mir. Ich hatte nur einen eitlen Wunsch nach zwei Jahren Einsamkeit: Einen neuen Zadih. Eine Aufgabe. Narfa erhörte mich. Jetzt habe ich zwei Zadih! Zwei! Und beide sind Gefahr. Erzähl mir nichts von Wünschen!


 

22330964_525605561105188_1306618975_nPuh, kein leichtes Gespräch heute, zugegeben. Falls ihr ein wenig neugierig geworden seid und herausfinden wollt, was es mit Teklijas dunkler Vergangenheit auf sich hat und wie es ihr gelingt, einen neuen Platz in der Welt zu finden, holt euch „Die Stadt am Kreuz“ von Rafaela Creydt, erschienen im Verlag in Farbe und Bunt.

Und falls euch das Setting und der Stil der Autorin begeistern kann, erscheint mit den „Trümmerprinzen“ demnächst auch ein weiterer Roman vom Krüppelkontinent.

 

Facebookseite der Autorin: https://www.facebook.com/RafaelaCreydtAutorin/

Habt ihr noch weitere Fragen an mich oder Tek? Dann nur raus damit, vielleicht beantwortet sie sie euch ja sogar.


Einen Überblick über alle bisherigen Sitzungstermine gibt es hier.

Ab Dezember/Januar gibt es übrigens wieder freie Plätze auf der Couch! Falls ihr einen geeigneten Patienten aus einem veröffentlichten Werk habt, schreibt mir einfach eine Mail. Alle Genres sind willkommen.

#buchpassion: Inspirierende Phantastik-Autorinnen

Wenn ich in mein Bücherregal blicke, dann muss ich gestehen, dass meine Fantasy-Regale immer noch sehr männerdominiert sind. Da stehen Terry Pratchett, Markus Heitz, Wolfgang Holbein und Joe Abercrombie. Alles Autoren, die tolle Bücher geschrieben haben, keine Frage, aber schade ist es doch, dass sich die Frauen gerade in der klassischen und der düsteren Fantasy bislang nicht durchsetzen konnten. Das merke ich nicht zuletzt bei meinem eigenen Roman-Debüt, das sich als Dark- bzw. Grim&Gritty-Fantasy in ausschließlich männlicher Gesellschaft befindet.

Für die tolle Aktion #buchpassion von Kapri Zioes habe ich einen Blick zurück in meine literarische Vergangenheit geworfen und drei phantastische Autorinnen ausgesucht, die mich in meiner Kindheit, meiner Jugend und in jüngster Zeit besonders beeindruckt oder geprägt haben. Autorinnen, die ganz ohne Kitsch und Klischees auskommen, die nicht in eine der stereotypen Frauen-Schubladen gesteckt werden können. Also, Vorhang auf.


Cornelia Funke

Ich glaube, von keiner anderen Autorin habe ich so viele Bücher gelesen wie von Cornelia Funke. Ich habe die „Wilden Hühner“ verschlungen, den „Drachenreiter“, „Igraine Ohnefurcht“, „Die Gespensterjäger“ und viele mehr. Cornelia Funkes Bücher haben mich durch meine Kindheit und Jugend begleitet, bis sie von den Harry-Potter-Romanen abgelöst wurde. Bis heute bin ich beeindruckt von den liebevollen Charakteren, der bildgewaltigen, traumhaften Sprache, dem Einfallsreichtum und dem leichten, lockeren Humor ihrer Bücher. Für Kinder und Jugendliche zu schreiben und dabei deren Lebenswelt und deren Fantasie so perfekt zu treffen ist eine Kunst, für die ich Cornelia Funke zutiefst bewundere. Wem dieser Genuss entgangen ist, sollte ihn schleunigst nachholen. Die Bücher bieten auch noch für Erwachsene großes Lesevergnügen.

Lieblingsbuch: Drachenreiter

Was ich bewundere: Stil & Sprache, Einfallsreichtum


 

Marion Zimmer Bradley

Ich denke, ich war etwa 14, als ich die „Nebel von Avalon“ zum ersten Mal gelesen habe. Es ist eines der weniger Bücher, die ich mehrfach las, obwohl es mehr als 800 Seiten hat, so sehr hat es mich gefesselt. Es war mein erstes Buch für Erwachsene und so gesehen auch mein erstes Fantasy-Buch abseits der Jugendliteratur. Damals dürfte der Roman in mir ungefähr dieselbe Faszination ausgelöst haben, wie heute „Game of Thrones“: Es ging um Liebe, um Sinnlichkeit, um Sex (die Szenen hab ich heimlich unter der Decke gelesen, man weiß ja nie), um Macht, um Politik – und alles erzählt aus der Sicht einer starken, präsenten Protagonistin, die moralisch nicht immer einwandfrei agierte, aber trotzdem eine große Sogwirkung erzeugte. Nach den „Nebeln von Avalon“ habe ich noch ein paar Romane aus dem Darkover-Zyklus gelesen, die mich aber nie so sehr beeindrucken konnten, obwohl auch dort starke, unabhängige Frauenfiguren dominieren.

Zugegeben, nachdem die Vorwürfe gegen Marion Zimmer Bradley wegen Missbrauch und körperlicher Misshandlung an ihrer Tochter und weiteren Kindern öffentlich wurden, hat sich mein Blickwinkel auf ihre Werke natürlich etwas verschoben. Ich möchte hier trotzdem nicht zu intensiv auf dieses Kapitel eingehen, denn zum einen bin ich zu wenig informiert, um konkrete Aussagen treffen zu können, zum anderen ändern diese Vorwürfe nichts an der Wirkung, welche die Bücher in meiner Jugend – lange bevor diese Anklage laut wurde – auf mich ausübten. Ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem. Ich lasse euch den Link zum Wikipedia-Artikel da, dort findet ihr auch weiterführende Links. Zum Thema „Autoren und Werke trennen“ gibt es auch einen sehr interessanten Artikel auf Fischer-Tor Online.

Lieblingsbuch: Die Nebel von Avalon

Was ich bewundere: Atmosphärische Dichte, Charakterentwicklung


Margaret Atwood

Ich gebe zu, auf Margaret Atwood bin ich eher durch Zufall gestoßen und das auch erst vor etwa einem Jahr. Meine Tante empfahl mir ihre Bücher und ich war sofort extrem begeistert. In „Das Jahr der Flut“ und „Die Geschichte von Zeb“ lässt Margaret Atwood komplexe, vielschichtige Frauenfiguren zu Wort kommen, die Ecken und Kanten haben, die nicht schön oder einfach sind. Sie kämpfen gegen persönliche Widrigkeiten, um ihren Platz im Leben und gegen eine kalte, von Konzernen regierte Gesellschaft, die sich selbst zugrunde richtet. Margaret Atwood besticht aber nicht nur durch ihre tollen Figuren, sondern zeigt auch eindrucksvoll, dass man durchaus sämtliche bekannten Schreibregeln brechen darf, wenn man es kann. Sie kann es. Auf der Frankfurter Buchmesse am 15. Oktober wird Margaret Atwood zudem mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Ich muss definitiv noch mehr von ihr lesen, „A handmaid’s tale“ liegt schon auf meinem SUB.

Lieblingsbuch: Das Jahr der Flut

Was ich bewundere: sämtlich Schreibregeln zu brechen und genau deswegen grandiose Bücher zu schreiben


 

Wie steht es mit euch, welche Fantasy- oder Phantastik-Autorinnen findet ihr toll? Warum, was zeichnet sie aus?

Und – ein bisschen Werbung darf sein – mit dem Nornennetz ist dieses Jahr das erste Netzwerk für Fantasy-Autorinnen entstanden. Schaut doch mal vorbei.

 


Mehr Artikel findet ihr auf Twitter oder Instagram unter dem Hashtag #buchpassion

Charaktervorstellung Idra, Teil 2

Ein Beitrag zur Opfermond-Release-Woche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Idra durftet ihr ja gestern schon ein wenig kennen lernen, heute ergänze ich ihren Steckbrief durch eine kleine Szene.

Idra ist ein Kind des Sha-Quai und ist in den staubigen Gassen geboren und aufgewachsen. Sie kennt ihren Teil des Armenviertels nahezu auswendig und manche Ecken bergen alte Erinnerungen.

Aber lest selbst.

Opfermond_Idra_Schnipsel

Hier ist außerdem der Link zur Facebook-Veranstaltung für die Release-Woche.

Charaktervorstellung Idra

Ein Beitrag zur Opfermond-Releasewoche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Varek habt ihr nun besser kennengelernt, heute möchte ich euch die zweite Hauptfigur aus „Opfermond“ vorstellen: die Straßenhure Idra. Das wundervolle Porträt stammt wieder von der talentierten Guddy Hoffmann-Schönborn (Fried Phoenix Geekblog).

Idra_GuddyPortrait

Idra ist ursprünglich als Rollenspiel-Charakter für „Das schwarze Auge“ entstanden, hat sich dann aber ziemlich schnell in diesen Roman geschlichen. Aus dem Südquartier Gareths ist sie ins Armenviertel von Ghor-el-Chras umgezogen, an ihrem losen Mundwerk und ihren laxen Manieren hat sich dabei nicht viel geändert.

Idra ist neunzehn Jahre alt und mit ihrem flammendroten Haar ist sie eine echte Exotin in den Straßen von Ghor-el-Chras. Angeblich hat sie diese Besonderheit ihrem Vater zu verdanken, doch dem ist sie nie begegnet.

Idra hat ihr ganzes Leben im schlechtesten Viertel der Stadt verbracht und hat nie etwas anderes kennengelernt als den Gestank und das Elend in den Straßen des Sha-Quai. Trotzdem hat sich Idra ihren Stolz bewahrt und beschlossen, vor niemandem zu kriechen, auch nicht vor der Obrigkeit oder ihrem brutalen Zuhälter. So erträgt sie das Leben, zu dem sie verdammt ist, mit so viel Würde wie möglich – und hofft im Stillen, die Stadt irgendwann verlassen zu können, um neu anzufangen.

IdraCharakter

Auch wenn sie es nie zugeben würde, hat Idra ein gutes Gespür für Schönheit: für die ruhigen Momente bei Sonnenaufgang, für den Duft von Jasminblüten und den Geschmack von frischem Fladenbrot. Außerdem hat sie ein gutes Auge für Wertsachen. Das Wichtigste in ihrem Leben bleibt aber ihr einziger Freund, der Strichjunge Djarid. Denn Freunde sind kostbar im Sha-Quai.

Morgen gibt es noch einen kurzen Textschnipsel zu Idra, der ihr Leben im Armenviertel ein bisschen deutlicher illustriert.

Idra hat sich übrigens vor einer Weile in einem Interview mit zwei weiteren Roman-Figuren aus meiner Feder über Frauenrollen, Vorbilder und ihre Definition von Stärke unterhalten. Den Beitrag findet ihr hier: Ladies‘ talk: Starke weibliche Charaktere

Hier ist außerdem der Link zur Facebook-Veranstaltung für die Release-Woche.

 

 

Charaktervorstellung Varek: Teil 2

Ein Beitrag zur Opfermond-Releasewoche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Gestern hab ich euch ja schon ein bisschen etwas über Varek erzählt (oder er über sich), heute möchte ich das Ganze mit einer kleinen Textstelle illustrieren.

Varek ist, nicht zuletzt aufgrund seiner Profession als Auftragsmörder, ein klassischer Einzelgänger. Da die Bürger von Ghor-el-Chras ohnehin nur Abschaum in ihm sehen, hält er sich vorrangig an Leute, die man bezahlen kann: Diener, Rauschkrauthändler und Prostituierte.

Glück ist etwas, das sich ein Unbestechlicher nicht leisten kann, doch mit der richtigen Menge Rauschmittel kann Varek zumindest eine Weile in schönen Erinnerungen schwelgen. Aber lest selbst.

Opfermond_Varek_Schnipsel

Morgen widmen wir uns dann der zweiten Hauptfigur aus „Opfermond“ – der Straßenhure Idra.

Hier ist außerdem der Link zur Facebook-Veranstaltung für die Release-Woche.

Charaktervorstellung: Varek

Ein Beitrag zur Opfermond-Release-Woche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Heute möchte ich euch Varek vorstellen, den (Anti-)Helden aus „Opfermond“. Er war von Anfang an Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, die Figur, mit der alles begonnen hat.

Das wunderschöne Charakter-Porträt stammt von der großartigen Guddy Hoffmann-Schönborn (Fried Phoenix Geekblog).

Varek_GuddyPortrait

Varek gehört den „Unbestechlichen“ an, einem Orden von Spionen und Auftragsmördern. Die Anhänger des Ordens werden hervorragend bezahlt, gleichzeitig ist es ihnen verboten, zu heiraten, politische Ämter zu bekleiden oder in anderer Weise am öffentlichen Leben teilzuhabe. Deswegen gelten sie auch als unbestechlich. Da die Assassinen durch einen blutmagischen Schwur an den Orden gebunden werden, ist es auch keine gute Idee, gegen die Regeln zu verstoßen – Renegaten haben in der Regel eine sehr kurze Lebensdauer.

Eben das ist der Grund, weshalb Varek diesem Orden immer noch dient, denn eigentlich verabscheut er seine Tätigkeit. Was ihn dazu gezwungen hat, den Unbestechlichen beizutreten, will ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Und ebenso wenig, warum Varek die Dunkelheit mehr fürchtet als alles andere.

VarekCharakter

Ursprünglich stammt Varek übrigens aus Irhassar, einer Stadt in den Bergen, weit weg vom Trubel der Hauptstadt. Nach Ghor-el-Chras führte ihn der Wunsch nach Ruhm, Ansehen und Ehre für seine Familie – doch am Ende war genau das Gegenteil der Fall.

Leider ist Varek nicht sonderlich gesprächig, ein typischer Einzelgänger eben. Auf meiner Couch hat er sich trotzdem ein paar Informationen aus der Nase ziehen lassen: Varek auf der Couch

Morgen gibt es einen kurzen Textschnipsel zu Varek und noch ein paar Eindrücke von seinem Leben als Unbestechlicher.

Hier ist außerdem der Link zur Facebook-Veranstaltung für die Release-Woche.

 

Intrigen, Korruption & Gewalt – Politik in Ghor-el-Chras

Ein Beitrag zur „Opfermond“-Release-Woche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

In drei Wochen stehen die Bundestagswahlen an und viele Menschen in Deutschland tragen sich mit dem Gedanken, nicht zu wählen. Sie fühlen sich von den herrschenden Parteien nicht repräsentiert, interessieren sich nach eigener Aussage nicht für Politik oder haben den Eindruck, mit ihrer Stimme ohnehin nichts bewegen zu können. Freie, demokratische Wahlen sind ein derart fester Bestandteil unseres politischen Systems geworden, dass viele deren große Bedeutung gar nicht mehr wirklich erfassen können oder zu schätzen wissen.

Politik & Fantasy

Fantasy-Romanen wird oft vorgeworfen, sie würden sich nicht mit realen Problemen befassen, doch im Grunde ist genau das Gegenteil der Fall. Fantasy kann sehr politisch sein, manchmal mehr, manchmal weniger.

Für „Opfermond“ habe ich mir ganz bewusst die Frage gestellt: Was wäre, wenn es in einer Gesellschaft so etwas wie freie Wahlen niemals gegeben hätte? Wenn es keine unabhängige Justiz gäbe, keine gerechten Gesetze, an denen Menschen sich orientieren? Wenn sich das System nicht nach den freiheitlich-demokratischen Regeln des Zusammenlebens richtet, sondern gnadenlos jeden unterdrückt, der nicht ins Raster passt? Traurigerweise gibt es solche Zustände auch in unserer Welt nach wie vor, für „Opfermond“ habe ich diese Verhältnisse aber noch einmal bewusst überzeichnet.

Falls euch das Thema „Fantasy & Politik“ übrigens grundlegend interessiert, vor einem halben Jahr gab es eine spannende Blogreihe mit einigen Beiträgen zum Thema. Eine Übersicht findet ihr hier.

Im Zeichen des Blutigen Gottes

Werfen wir einen genaueren Blick auf die politischen Verhältnisse in „Opfermond“. Das Shai und dessen Hauptstadt, Ghor-el-Chras, sind durch und durch feindselig. Es gibt kein Sozialwesen, keine Hilfe für Bedürftige, keine ehrliche Rechtsprechung.

Das System ist theokratisch, das heißt an der Spitze steht der Hohepriester des Gottes Chras, dessen Kirche und Religion das Leben der Menschen extrem beeinflusst. Chras ist ein Blut- und Kriegsgott, dargestellt als muskulöser Mann mit dem Kopf eines Stieres, seine Insignien sind Schwert und Geißel. Wer Chras anbetet, glaubt an die uneingeschränkte Macht des Stärkeren. Der Starke darf den Schwachen unterdrücken, ausbeuten oder bekriegen, solange dieser sich nicht zu wehren weiß. Damit rechtfertigt die Gesellschaft nicht nur Sklaverei, sondern auch die Unterdrückung der Frau, der Kranken und Bedürftigen. Es ist ein brutales und zugleich erschreckend einfaches System. Es erfordert kein Mitgefühl, kein Verständnis und keine Barmherzigkeit, sondern fördert Egoismus und Einzelgängertum.

Ehre und Familie

Das Einzige, das neben der persönlichen Stärke zählt, ist die Familienehre. Der Status einer Familie lässt sich bereits an der Art des Namens erkennen. Wer aus einfachem Hause stammt, setzt ein „ther“ vor den Familiennamen, gut betuchte Familien ein „sin“ und die acht einflussreichsten Familien der Stadt ein „dai“. Für die meisten Menschen in der Stadt zählt die Ehre der Familie mehr als ihr persönliches Wohl, denn wo zwischen einzelnen Parteien Missgunst, Hass und Gewalt schwelt, halten die Familien in der Regel zusammen. Neid, Missgunst und Verleumdung greifen aber trotzdem überall um sich, wo es um Macht und Einfluss geht.

Der Rat der Acht

Apropos Einfluss. Während der Hohepriester als nominelles Oberhaupt der Stadt Ghor-el-Chras gilt, liegt die wahre Macht beim Rat der Acht, einem Gremium aus den Patriarchen (oder Matriarchinnen) der acht wichtigen Familien. Da diese Familien zudem ein Gewerbe unter sich vereinen, gelten die Vertreter im Rat der Acht nicht nur als Familienoberhaupt, sondern auch als Kopf der acht großen Gilden.

RatDerAcht

Zusammensetzung im Rat der Acht

Im Rat der Acht werden die wichtigen Entscheidungen für die Stadt getroffen und natürlich versucht jede Partei, das Beste für sich herauszuschlagen. Intrigen, Sabotage und Attentate sind demnach an der Tagesordnung, denn wenn es eines gibt, das mächtige Menschen immer wollen, dann ist es noch mehr Macht.

Die Viertel

Unter dem Rat der Acht stehen die drei Verwalter der großen Viertel, die Bari. Ghor-el-Chras besteht aus drei Ringen, die nach innen schmäler werden. Auf dem höchsten, innersten Punkt der Stadt thront der Tempel des Chras, daran schließt sich das Sha-Amin an, das Viertel der Reichen, in dem nur die acht großen Familien leben. Das Sha-Nuri beherbergt die normalen Bürger, Handwerker und  Händler und gilt als wirtschaftliches Zentrum der Stadt. Hier liegen der Basar, die Arena und die großen, wichtigen Märkte. Der äußerste Ring ist das Sha-Quai, das Armenviertel der Stadt, in der das Leben beileibe kein Zuckerschlecken ist. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft also weit auseinander: Wo die Vermögenden in ihrem eigenen, abgeschotteten Viertel in Luxus schwelgen, kämpfen die Armen jeden Tag ums Überleben und sehen sich obendrein der Willkür der Reichen ausgesetzt. Ein Aufstieg ist nur schwer möglich – ein Abstieg dagegen geht schnell.

Karte Opfermond

(c) Hauke Kock

Das Leben in Ghor-el-Chras

Wie lebt es sich nun in einer Stadt, in der soziale Gerechtigkeit ein Fremdwort ist? Die meisten Menschen dort leben nach der Devise „Leben oder Leben lassen“. Sie umgeben sich mit ihresgleichen, blicken selten über den Tellerrand hinaus und lernen, ihre eigenen Interessen über die der anderen zu stellen. Liebe, Freundschaft oder Empathie sind Luxus, den sich viele Menschen nicht leisten können, und machen Kalkül und Konkurrenzkampf Platz.

„Varek kannte beides: das Sha-Quai, in dem die Menschen jeden Tag um ihr Leben kämpften, und das Sha-Amin, in dem sie verlernt hatten, für irgendetwas zu kämpfen, von ihrem eigenen Ego abgesehen. Er konnte sich nicht entscheiden, was er abstoßender fand.“
– aus „Opfermond“

Lichtblicke

Trotz dieser feindseligen, düsteren Umgebung ist aber nicht alles schlecht in der Stadt des blutigen Gottes. Auch hier gibt es Menschen mit Herz und Verstand, starke Frauen, die sich ihren Weg an die Spitze kämpfen, oder einfache Leute, die lieber geben statt zu nehmen.

Im Laufe der Woche werde ich euch Varek und Idra vorstellen, die Protagonisten aus „Opfermond“. Beide sind auf ihre Weise Opfer des politischen Systems in Ghor-el-Chras geworden und haben ihren eigenen Weg gefunden, mit ihrem Los umzugehen. Teils auf konstruktive, teils auf eher zerstörerische Art.

Oh, und übrigens: Wir haben das große Glück, in einem freiheitlich-demokratischen Land zu leben, in dem wir uns über solche Probleme keine Gedanken machen müssen. Helft mit, das zu erhalten, und geht am 24. September zur Wahl, damit solche Parteien, die Feindseligkeit, Hass und Neid schüren, keine Chance bekommen, ihre Parolen zu verbreiten.


 

Habt ihr zuletzt Fantasy-Romane gelesen, deren politisches System euch fasziniert hat? Was daran fandet ihr spannend? Schreibt ihr vielleicht selbst und habt euch schon Gedanken über politische Systeme und gesellschaftliche Ideologien gemacht? Erzählt mir gern davon, ich bin gespannt.

Hier ist außerdem der Link zur Facebook-Veranstaltung für die Release-Woche.

Charaktere auf der Couch: #4 Kurt

In der heutigen Sitzung lernen wir Kurt kennen. Er ist ehemaliger Bundeswehrsoldat und mittlerweile viel beschäftigter Privatdetektiv in – nun ja – ganz besonderem Auftrag. Seine Ehefrau Sonja, mit der er einen kleinen Sohn hat, macht sich allerdings Sorgen um ihren Ehemann. Offensichtlich scheint Kurt schön langsam den Verstand zu verlieren. Wir gehen der Sache lieber auf den Grund.

Ah, Sonja, schön, dass Sie da sind. Nehmen Sie doch Platz. Es geht um Ihren Ehemann Kurt, nicht wahr? Schildern Sie mir doch noch mal kurz, warum Sie hier sind.

Ja, ähm, hallo. Danke. Sie setzt sich und streicht mit beiden Händen Ihre roten Locken nach hinten. Kurt, ja, um den geht’s.

Einen Moment starrt sie unschlüssig vor sich hin, dann holt sie tief Luft. Ich sollte wohl erst ein bisschen über uns beide erzählen. Kurt und ich, wir haben uns vor knapp drei Jahren kennengelernt. Über meine Schwester. Siearbeitete damals in so einem Institut in München, das beschäftigt sich mitPolitik- und Gesellschaftsforschung.

Sie stutzt und macht lächelnd eine wegwerfende Handbewegung. Ach, das tut ja nichts zur Sache. Also, Anke – so hieß meine Schwester, sie ist im Sommer darauf gestorben – hatte Kurt zufällig getroffen, als wir beide Eis essen waren. Sie hat ihn zu uns an den Tisch gewunken, und er hat mir einfach sofort gefallen. Fast zwei Meter groß, breit und sportlich, ein markantes Gesicht. Ein paar Narben hat er, aus Afghanistan, aber …

Ich bin mir sicher, das ist eine sehr romantische Geschichte, Sonja, aber wir müssen auch auf die Zeit achten, ja? Also, warum sind Sie hier?

Sie knetet ihre Finger durch. Also, eigentlich macht der Kurt einen vollkommen normalen Eindruck, und als er mir damals erzählt hat, dass er sein Trauma von Afghanistan erfolgreich besiegt hat, da hab ich ihm das geglaubt. Nur fürchte ich jetzt, er hat dieses Trauma durch … ich weiß nicht … naja, eine Wahnvorstellung ersetzt. Die er aber absolut ernst nimmt. Und da sitze ich jetzt mit unserem zwei Monate alten Sohn und muss glauben, dass sein Vater – sie lacht hysterisch auf – irre ist.

Irre? Was meinen Sie damit?

Ähm … Er macht da ja so ein Geheimnis draus. Ich musste ihm schwören, niemandem was zu sagen. Hab ihn auch nur mit Mühe dazu gebracht, hierher zu kommen. Er ist nur bereit, das ganze Thema hier zu besprechen, weil er sich auf Ihre Schweigepflicht verlässt. Und er besteht darauf, Ihnen selbst zu sagen, worum es geht – wenn überhaupt.

Nun gut, dann holen wir ihn dazu. Kurt? Würden Sie sich zu uns setzen?

Kurt kommt herein und setzt sich neben Sonja. Für so einen großen Kerl schaut er ziemlich verschüchtert drein, streicht sich verlegen über seinen Stoppelhaarschnitt.

Grüß Gott dann auch.

Guten Tag Kurt, schön, dass Sie gekommen sind. Ihre Frau sagt, es gäbe da etwas, das Sie mir sagen möchten. Sie macht sich große Sorgen um Sie. Können Sie sich vorstellen, worum es geht?

Na, dass ich es unbedingt sagen will, ist reichlich übertrieben. Ich bin nur hier, weil Sonja darauf besteht. Sie unterliegen auch garantiert der Schweigepflicht, ja? Das ist mir sehr wichtig!

Natürlich. Sie können sich darauf verlassen, dass nichts nach außen dringt.

Na schön. Er setzt ein paar Mal zum Sprechen an, bis er endlich was rausbringt.

Ich verstehe ja, dass Sonja mich für geisteskrank hält, bei dem, was ich ihr eröffnet habe. Ihnen wird das nicht anders gehen, und ich würde genauso reagieren, wenn ich es nicht besser wüsste.

Ach, wenn Sie wüssten, mit wem ich es die letzten Wochen so zu tun hatte … Also, nun raus mit der Sprache!

 Tja … na gut … also ganz direkt: Ich habe beruflich und privat mit … ähm … mit … Leuten zu tun, die man gemeinhin eher in Märchen und alten Sagen verortet, aber nicht in der Realität.

Wollten Sie nicht ganz direkt sein? Ich kann ja schlecht raten, was Sie meinen. Elfen? Die Men in Black? Engel? 

Die auch. Also, die Engel. Wenn auch sehr selten, die beiden haben meistens zu tun.

Wie bitte?

 Sonja verschränkt die Arme vor der Brust. Sehen Sie? So hab ich auch reagiert. Ganz zu schweigen von den Göttern.

Macht sich eifrig Notizen. Aha, lassen Sie mich das verstehen, Kurt. Gott und die Engel – sehen Sie die nur oder sprechen Sie auch mit Ihnen? Wie lange geht das denn jetzt schon so, können Sie sich erinnern, wann es angefangen hat?

Klar kann ich das. Das war im Frühjahr 2012, als ich meinen ersten richtig interessanten Fall als Privatdetektiv hatte. Dabei wollte ich den erst gar nicht annehmen. Wenn ich geahnt hätte, was da wirklich auf mich zukommt …

Er schaut zu Sonja neben sich.  Andererseits … ohne diesen Fall damals hätte ich auch Sonja nie kennengelernt, von daher … Ach so, und natürlich sehe ich die nicht nur, sondern spreche auch mit ihnen. Das Sehen ist dazu gar nicht mal unbedingt nötig, zumindest bei den aktiven. Aber das ist dann doch etwas gewöhnungsbedürftig, so eine Stimme im … ähm … Er merkt, was er da sagt, und schweigt lieber.

In Ihrem Kopf, wollten Sie sagen? Kurt, nur so der Vollständigkeit halber: Nehmen Sie eigentlich irgendwelche Medikamente? Oder …

Drogen meinen Sie? Er lacht sarkastisch.
Nein, glauben Sie mir, selbst mein etwas … sagen wir erhöhter Alkoholkonsum damals ist längst passé. Aber ich versteh schon, dass sie den Verdacht haben. Wie gesagt, ich würd’s ja selbst nicht glauben, wenn ich’s nicht besser wüsste.

Sonja schaut die Therapeutin gequält an. Verstehen Sie jetzt, warum ich mir Sorgen mache? Er ist ein toller Vater, auch für meine beiden Großen, aber … Sie schaut nun schüchtern Kurt an. Ich hab schon etwas Bedenken, wie sich solche Wahnvorstellungen auswachsen könnten.

Kurt schnaubt. Ich wollte dich ja mitnehmen und ihnen vorstellen, aber da warst du dann auch nicht einverstanden.

Sie meinen, diese Engel und sogar Gott würden auch mit Sonja sprechen?

Schätze schon, ja.

Wohin müssten sie Sonja dann mitnehmen? In eine Kirche?

Kurt winkt ab. Nein, da würden wir bestenfalls AJ und seine Jungs treffen. Wobei wir dazu auch nicht unbedingt in eine … warten Sie mal.
Er schaut nachdenklich von der Therapeutin zu Sonja und zurück. Schließlich seufzt er. Wissen Sie was? Ich funk ihn grad mal an. Beenden wir diesen Quatsch hier.

Äh, anfunken? Wen? Kurt, ich denke nicht, dass Sie …

Warten Sie’s ab. Wenn er nicht grad wieder irgendwo auf der Welt versucht, ein paar selbsternannte Supermoslems oder so zur Räson zu bringen, ist er vielleicht auf Empfang. Er schließt die Augen und sieht sehr konzentriert aus.

Kurt? Kurt ist alles in Ordnung? Können Sie mich hören?

Sonja zuckt hilflos die Achseln und zeigt mit fragendem Gesichtsausdruck eine Mattscheibe.

Plötzlich ertönt eine weitere Stimme. Aber nicht doch. Sonja, was denkst Du nur von Deinem Mann?

Was? Wie zum …? Wie sind Sie hier reingekommen? Da ist doch … gar keine Tür!

Mitten im Raum steht ein runzliger, kleiner Mann mit dicker Hornbrille und einem verschmitzten Lächeln in den Augen.

Kurt stößt einen Seufzer aus. AJ, da bist Du ja!

Ist doch Ehrensache, mein Junge. Er legt der Therapeutin die Hand auf die Schulter und schaut ihr in die Augen. Sie hat noch nie so viel Wärme und Güte in einem Blick gesehen. Ich denke, ich kann das mit den Beiden regeln. Wärst du so nett, mir mal kurz dein Büro zu überlassen?

 Äh … klar … nur zu. Viel Spaß. Ich brauch jetzt erst mal einen Schluck.


Tja, vKurtCoverielleicht ist Kurt gar nicht so verrückt, wie er auf den ersten Blick scheint. Wenn ihr euch davon überzeugen wollt, „Kurt – in göttlicher Mission“ aus der Feder von Sascha Raubal ist direkt beim Machandel-Verlag und bei den gängigen Online-Händlern erhältlich. Ein weiterer Fall ist bereits in Arbeit und soll noch dieses Jahr erscheinen, haltet also die Augen offen.

Sascha Raubal: fantasy.raubal.de

 


Wenn ihr Kurt, Sonja, AJ oder mich noch mit Fragen löchern wollt, nur zu. Vielleicht habt ihr ja eure ganz eigene Sicht dessen, was real ist und was nicht.

Der nächste Sitzungstermin findet am 7. August statt. Mein Patient ist der englische Gentleman Horatio unter dessen charmanter Fassade eine ziemlich düstere Persönlichkeit lauert. Mal sehen, ob wir seinem wahren Ich auf die Schliche kommen.

Für eine Übersicht über alle bisherigen Termine: Teaser: Charaktere auf der Couch