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[Bericht] Bücher, Menschen, Emotionen

Ein Messe-Wochenende im Rückblick

Das turbulente Messe-Wochenende in Frankfurt ist vorüber – und zum ersten Mal war ich mitten drin im Messewahnsinn. Eine tolle, intensive Erfahrung, über die ich euch ein bisschen erzählen möchte.

Buchmesse Convent – Familientreffen mal anders

Der Samstag gehörte ausnahmslos dem Buchmesse Convent, einem kleinen, aber feinen „Ableger“ der großen Frankfurter Messe in Dreieich, der ganz im Zeichen der Phantastik steht. Dort treffen sich jährlich nicht nur zahlreiche kleine bis mittlere Phantastik-Verlage, sondern auch die Größen der deutschen Fantasy-Literatur wie Markus Heitz, Bernhard Hennen (dieses Jahr leider wegen Krankheit verhindert), Robert Corvus oder Kai Meyer geben sich dort die Ehre. Der BuCon (DER, wichtig 😉 ) ist eine Veranstaltung auf Augenhöhe, mehr ein Familientreffen als wirklich eine Messe. Das „du“ erscheint völlig selbstverständlich, ganz gleich ob bekannte Fantasy-Größe, Kleinverlagsautor oder interessierter Leser. Hier kann jeder mit jedem plaudern, Fragen stellen oder eine schöne Widmung in sein Buch schreiben lassen, wofür man im kaum 30 min entfernten Messegelände Frankfurt stundenlang in einer Schlange steht. Der BuCon lebt von einer familiären, sympathischen, offenen Atmosphäre und ist damit der ideale Ort, um im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Kontakte zu knüpfen.

IMG_20171018_195853_077Obwohl ich den BuCon jetzt schon zum dritten Mal besucht habe, war es für mich eine neue Erfahrung, als Debüt-Autorin dort zu sein, als VIP, sozusagen (zumindest wies mich mein Schild als solchen aus, siehe Foto). Ich hatte sogar einen der begehrten Leseslots ergattert und das kleine Holodeck war tatsächlich sehr gut gefüllt. Besonders gefreut haben mich aber die vielen, positiven Rückmeldungen und die Tatsache, dass die Lesung einige Zuhörer noch zum Kauf motivieren konnte. Wenn das kein schönes Lob ist.

Wie üblich habe ich mich riesig gefreut, viele Freunde aus dem Tintenzirkel dort zu treffen, Bekanntschaften vom LitCamp in Heidelberg zu erneuern und einige tolle Menschen kennen zu lernen, denen ich bisher nur virtuell begegnet bin. Ich gebe zu, ich war extrem gerührt, dass mich tatsächlich Leute bereits kannten, sei es von Twitter oder durch Mundpropaganda  – irgendwie hab ich das mit meinem plötzlichen Ruhm noch nicht so verdaut. 😉 Ein paar dieser schönen Begegnungen habe ich auf Fotos festgehalten, aber leider nicht alle – zu schade.

Die meiste Zeit hab ich letztlich am  Mantikore-Stand verbracht, zusammen mit meinen sympathischen Kollegen Mario Steinmetz und Dominik Schmeller. Tatsächlich hab ich das sehr angenehme Gefühl, an diesem Wochenende noch mehr in die Mantikore-Verlagsfamilie hineingewachsen zu sein, der virtuelle Kontakt ersetzt eben nicht den persönlichen.

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v.l. Dominik Schmeller, Elea Brandt & Mario Steinmetz; (c) Foto Elchis World of Books and Craft)

Alles in allem war es ein wahnsinnig toller, aufregender Tag mit sehr vielen Highlights, nicht zuletzt das gemeinsame Abendessen mit netten Tintenzirklern, das den BuCon abgerundet hat. Am Ende des Tages bin ich sehr glücklich, aber auch todmüde ins Bett gefallen.

Buchmesse – die pure Reizüberflutung

Den Sonntag hatte ich mir für die Frankfurter Buchmesse vorgemerkt, mein erster Besuch dort. Zugegeben, ich war von der Weitläufigkeit und der Größe des Angebots erstmal komplett erschlagen und aufgrund der begrenzten Zeit habe ich mich vor allem in den Hallen 3.0 und 3.1 herumgetrieben, also bei den Publikums- und Phantastik-Verlagen. Ich hab mich sehr gefreut, einige bekannte Gesichter zu treffen, und der Nachmittag am Mantikore-Stand hat mir sogar ein paar wunderschöne Fan-Kontakte beschert (ich habe Fans – das muss ich erstmal verarbeiten :D).Zwischen Bücher signieren und wohl platzierter Werbung blieb aber auch Zeit für persönliche Gespräche mit Verlag und Kollegen bei einem Becher Kaffee. Sehr entspannt und konstruktiv.

Projekte, Pläne und Ideen

Neben all diesen wunderschönen Eindrucken und interessanten Menschen konnte ich den BuCon und die Buchmesse auch für das eine oder andere sondierende Gespräch nutzen, auch wenn das für mich nicht im Vordergrund stand. Meine Pläne fürs nächste Jahr sind ja schon weitgehend in trockenen Tüchern. Trotzdem hat es mich sehr gefreut zu hören, dass der erste Lektoratsdurchgang für „Sand & Wind“, das 2018 im Verlag Ohneohren erscheinen wird, bald abgeschlossen ist, das heißt, ich bekomme bald wieder Arbeit. Auch die Coverarbeiten laufen bereits, ich bin schon extrem gespannt. Auch mit dem Mantikore Verlag gibt es weitere Pläne für eine Zusammenarbeit, eine Kurzgeschichten-Anthologie ist in Planung und – wenn alles passt – auch ein weiterer Roman. Da muss ich mich aber erstmal hinter ein Exposé klemmen. Darüber hinaus konnte ich einige tolle Blogger-Bekanntschaften knüpfen und hoffe sehr, dass daraus eine längerfristige Zusammenarbeit entsteht. Solche Kontakte sind unschätzbar wertvoll.

Ein paar ernste Worte zum Schluss

Ganz kann ich leider nicht darauf verzichten, zum Schluss auch noch ein paar ernste Dinge anzusprechen. Dafür ist es mir zu wichtig. Ich gebe zu, ich bin am Sonntag mit gemischten Gefühlen auf die Frankfurter Buchmesse gefahren, denn obwohl ich am Samstag in Dreieich und damit recht weit weg von den Ereignissen war, habe ich auf Twitter von den Ausschreitungen gehört. Wer es nicht mitbekommen hat: Im Zuge des Auftritts rechtsextremer Verlage auf der Buchmesse und einer Rede Bernd Höckes kam es zu Auseinandersetzungen, bei denen unter anderem ein Verleger von einem rechten Zuhörer ins Gesicht geschlagen wurde (einen Bericht gibt es z.B. in der Süddeutschen Zeitung).

Ich möchte mich ehrlich gesagt nicht umfänglich zu den Vorfällen äußern, weil ich nicht dabei gewesen bin, aber es gibt einige interessante Meinungen dazu, zum Beispiel von Sven Hensel oder von Bücherkrähe. Ich finde es ehrlich gesagt schlimm, dass ein Ort der Weltoffenheit, des Austausches und der Gemeinschaft, wie es eine internationale Buchmesse sein sollte, für rechte Propaganda instrumentalisiert wird. Ein Ort, an dem Menschen aus allen Ländern zusammenkommen, und an dem jährlich ein Friedenspreis für Literatur verliehen wird. Absurd und traurig.

Noch habe ich keine zündende Idee, wie mit diesem Umstand umgegangen werden sollte, denn ich fürchte, Redeverbote können nicht die Lösung sein. Sie helfen den Aufrühren, Hetzern und Bauernfängern nur dabei, sich in eine Opferrolle zu stilisieren, die wir ihnen nicht zugestehen dürfen. Nicht sie sind die Opfer, sondern jene, die sie diskriminieren, ausgrenzen und kleinreden. Ich hoffe aber schwer, dass es eine konstruktive Auseinandersetzung mit diesem Vorfall geben wird und dass sich solche Ereignisse nicht wiederholen. Es darf nicht sein, dass sich Menschen auf einer Buchmesse unwohl oder sogar gefährdet fühlen. Das steht in keinem Verhältnis zu einer demokratischen Gesellschaft.

Ich möchte dieses Thema mit den Worten Margaret Atwoods abschließen. Sie hat am Wochenende den Friedenspreis des deutschen Buchhandels entgegen genommen und dabei unter anderem folgende Worte gefunden (die komplette Rede findet sich hier).

„Lassen Sie uns hoffen auf eine Welt, in der solche Gaben noch immer möglich sind. Lassen Sie uns keine Türen schließen und Stimmen zum Schweigen bringen. Eines Tages werde ich einen Strand entlang spazieren oder einen Buchladen betreten, und ich werde eine Flaschenpost finden oder ein Buch, und ich werde es öffnen und werde die Botschaft lesen, von dir an mich – ja, von dir da draußen, einem jungen Schriftsteller, und  vielleicht ist es sein erstes Buch. Und ich werde sagen: Ja. Ich kann dich hören. Ich kann deine Geschichte hören. Ich kann deine Stimme hören.“
– Margaret Atwood, Dankesrede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises 2017

Dem ist nichts hinzuzufügen. Lasst eure Stimme hören.

Eure Elea

Elea sagt „Danke“

Ein Beitrag zur Opfermond-Release-Woche

Am 11. September erscheint mein Fantasy-Debüt „Opfermond“ als Ebook. Eine Woche lang werden deswegen auf meinem Blog thematisch passende Beiträge erscheinen.

Ihr Lieben, morgen ist es dann soweit und ihr könnt „Opfermond“ offiziell als Ebook erwerben. Ich werde heute versuchen, den Tag über so gut wie möglich zu entspannen und so wenig wie möglich in Panik auszubrechen. 😉 Außerdem möchte ich die Gelegenheit nutzen, danke zu sagen.

Manche glauben ja, wir Autoren sitzen den ganzen Tag im dunklen Zimmer, schreiben uns die Finger wund und meiden jeden Kontakt zu anderen. Genau das ist aber nicht der Fall. Vom ersten Wort bis zur Veröffentlichung haben mich viele Menschen begleitet und denen möchte ich heute danken.

„Opfermond“ war der erste Roman, den ich im NaNoWriMo geschrieben habe, er war meine erste Verlagsbewerbung und die erste Zusage, die ich erhalten habe. Dass dieser Prozess dermaßen glatt verläuft, ist selten, und das verdanke ich nicht zuletzt den Leuten, die mich im Vorfeld unterstützt haben.

Ein ganz großes Dankeschön gebührt dabei dem Tintenzirkel Fantasyautorenkreis. Zum einen den Mitgliedern, die mich damals durch den Nanowrimo begleitet haben, die mir halfen, meinen Plot zu strukturieren, meine Figuren besser kennen zu lernen und den Roman in der Kürze der Zeit zu Ende zu schreiben. Zum anderen auch jenen, die meine Exposés und Leseproben testgelesen, bewertet und aufpoliert haben, bis sie gut genug waren, einen Verlag zu überzeugen. Ohne den Tintenzirkel hätte ich diesen Grad der Professionalität wohl niemals erreicht.

Intensiv bedanken möchte ich mich auch bei meinen tapferen Beta-Lesern Christopher, Jakob, Markus, Mona und Tim, die sich durch recht abenteuerliche Rohfassungen des Romans gekämpft haben und mich mit ihrem Feedback, ihrer Kritik und ihrem Lob angespornt haben, den Roman weiter zu optimieren. Wenn ich mir heute die Erstversion aus dem Nanowrimo anschaue, war das auch bitter nötig. 😉 Danke, dass ihr das auf euch genommen habt, diese Veröffentlichung ruht nicht zuletzt auf euren Schultern.

Natürlich möchte ich auch dem Mantikore-Verlag und seinem gesamten Team für die Zusammenarbeit danken: meinem Verleger Nic, meiner großartigen Lektorin Nora, Rossitsa und Matthias für das tolle Cover und Hauke, dem ich die wunderschöne Stadtkarte von Ghor-el-Chras verdanke.

Nun, das Beste kommt bekanntlich zum Schluss, deswegen möchte ich zu guter Letzt den Menschen danken, die meinen Traum vom Autorendasein schon sehr lange mit mir träumen und mich immer in dieser Narretei unterstützt haben. Bei meinen Eltern, die meine Liebe zur Literatur und insbesondere zur Phantastik geweckt haben und nicht müde wurden, mir als Kind einhundert Mal dieselbe Geschichte vorzulesen. Bei meiner Schwester, die sich in phantastischen Welten genauso wohlfühlt wie ich und immer als Ansprechpartner und Inspirationsquelle zur Verfügung steht. Und bei meinem Lebensgefährten, der meinen Schreibwahnsinn nicht nur toleriert, sondern sogar unterstützt und im Zweifel immer zur Stelle ist, wenn es Plotlöcher zu sanieren gibt oder ein Schwertkampf im Wohnzimmer nachgestellt werden muss. Es gibt mir unheimlich viel, dass ihr für mich da seid und meine verrückten Ideen immer unterstützt habt.

So, damit nähert sich die Release-Woche auch schon dem Ende. Morgen gibt es dann das große Finale mit einem exklusiven Gewinnspiel, also schaut auf jeden Fall noch mal vorbei. Außerdem wird bei Yvonne vom Buchbahnhof im Rahmen ihrer Nostalgie-Reihe ein kleines Interview erscheinen, in dem ich über mein liebstes Jugendbuch geplaudert habe.

Stay tuned. Wir sehen uns dann morgen.

Eure Elea

Das Nornennetz

Dieser Beitrag ist ursprünglich bei Frau Schreibseele erschienen, aber da sie so wundervolle Worte gefunden hat, teile ich einfach ihren Beitrag, statt selbst einen zu verfassen. Vielen Dank dafür!

Frau Schreibseeles Schreibblog

Hei, hallo und herzlich willkommen,

während der Autorinnenzeit ist so einiges passiert. Zwischenzeitlich sollen die Verkäufe der Autorinnen hochgegangen sein. Einige haben ihre Bücherschränke hinterfragt und es gründete sich ein neues Netzwerk.

Kurze Vorgedanken

Manchmal passiert es, dass sich Energie regelrecht anstaut und freigelassen werden will. In der Autorinnenzeit scheint sich ebenfalls solche Energie gesammelt zu haben. Denn viele haben ihre Bücherregale ausgeräumt und nachgeschaut, was sich dort so tummelt. Und ich meine nicht, dass sie drei oder vier Bücher hervorgeholt haben. Es ging dabei durchaus um einige Hundert Bücher.

Andere wieder herum haben beschlossen, dass sie zukünftig mehr Autorinnen lesen wollen. Denn sie stellten fest, dass ihre Bücherstapel mehr oder weniger nur aus Autoren bestehen. Ich selbst hab für mich beschlossen, dass ich zukünftig mehr Science-Fiction von Autorinnen lesen werde.

Zudem hat sich ein Netzwerk gegründet, welche sich das Nornennetz nennt. Und darüber möchte ich heute ein wenig berichten.

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