Unter einem Banner

Das Wirtshaus am Wegesrand – eine kulinarische Leseprobe

Im Fantasy-Rollenspiel gibt es einige wiederkehrende Elemente, die einfach jeder kennt. Eines davon ist das obligatorische Gasthaus am Wegesrand, in dem sich die Heldengruppe bei Bier und Schmalzbrot zum ersten Mal begegnet und überraschend bemerkt, dass sie a) dasselbe Ziel verfolgen oder b) denselben Weg einschlagen wollen. Meistens bietet dieses Szenario dann den Ausgangspunkt für das nächste große gemeinsame Abenteuer. In der Heldenreise nach Campbell würde man wohl vom „Überschreiten der ersten Schwelle“ sprechen.

Auch in „Unter einem Banner“ gibt es eine solche Wirtshausszene. Zugegeben, meine „Helden“ (bewusst in Anführungszeichen) kennen sich schon vorher und ihr Abenteuer hat bereits begonnen, trotzdem hat diese Szene – und die darauf folgenden – eine gewisse Schwellenfunktion. Die Protagonisten begreifen, dass es kein Zurück gibt und stehen vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe.

Einen kurzen Ausschnitt daraus gibt es heute in einer Leseprobe. Um alte Traditionen nicht abreißen zu lassen, garniere ich auch diesen Textausschnitt mit einer kleinen Rezeptidee. Solange die Tage noch grau und kalt sind definitiv empfehlenswert.


Beginn der Leseprobe

Schweigen hüllte den Wagen ein, der schmatzend durch den Schlamm pflügte. Der Kutscher pfiff ein fröhliches Liedchen, als würden weder die Ereignisse in Arlis noch das grässliche Wetter seine Laune trüben. Reykan rollte währenddessen eine der Decken auseinander und reichte sie Benrik. Die Wolle hatte sich zwar schon mit Wasser vollgesogen, doch der Prinz schlang sie trotzdem dankbar um seine Schultern. »Wir kommen jetzt nach Arnshof«, erklang wenig später die Stimme des Fuhrmanns. »Werd’ dann an der Brücke nach Osten abzweigen, Richtung Jachen. Wie sieht’s mit Euch aus?« 

»Wir bleiben hier«, entschied Reykan. »Gibt es eine Herberge in Arnshof?« 

»Sicher«, der Fuhrmann nickte, »Elmas Stube. Gutes Haus, süffiges Bier. Die haben da auch Zimmer.« 

Reykan atmete auf und sah zu, wie der Kutscher seinen Karren durch die kleine Ortschaft lenkte. Die Sonne war untergegangen und feuchter Dunst umfing die Bauernhäuser wie ein weißer Schleier. Im strömenden Regen wagte sich kaum jemand auf die Straße, doch aus dem Inneren eines ansehnlichen Fachwerkhauses drang Licht und erleuchtete das bronzene Wirtshausschild. 

»Habt vielen Dank«, murmelte Reykan, als er aus der Kutsche kletterte. Schmatzend gruben sich seine Stiefel in den Schlamm. »Ihr habt uns wirklich sehr geholfen.« Es nagte an ihm, dass er den Mann nicht bezahlen konnte, aber im Moment blieb ihnen gerade noch genug für eine Nacht im Gasthaus und zwei Abendessen. 

Der Fuhrmann winkte ab und lüpfte seinen breitkrempigen Hut. »Nichts zu danken. Gute Weiterreise.« Er schnalzte mit der Zunge, trieb seine Rösser an und Reykan stieß die Tür zur Herberge auf. Rauchige Hitze umfing ihn wie eine warme Decke und Benrik hinter ihm stöhnte erleichtert auf. 

»Guten Abend, die Herren.« Die pausbäckige Wirtin, die ihre Rundungen in ein viel zu enges Mieder gezwängt hatte, lächelte ihnen fröhlich entgegen. »Grässliches Wetter, nicht wahr? Nehmt doch Platz.« 

Während sich Benrik überschwänglich bedankte, ließ Reykan routiniert seinen Blick durch den Schankraum gleiten. Einige Bauern saßen an klobigen Holztischen beisammen und spielten Karten. Zwei weitere Männer sahen nach Reisenden aus, die der Regen ins Gasthaus getrieben hatte. Ein einzelner Bursche in Reitkleidern hockte am Tresen über seinem Bier. Keine Waffen in Sichtweite. Dennoch entschied sich Reykan für einen der Tische am Fenster und platzierte den Prinzen mit dem Rücken zur Wand. 

Ungefragt stellte die Wirtin zwei dampfende Becher mit Gewürzwein vor ihnen auf den Tisch und strahlte von einem Ohr zum anderen. »Ihr seht aus, als würden Euch die guttun, nicht wahr?« 

»Und wie!« Benrik umschloss den Tonbecher erleichtert mit den Händen. »Habt Ihr auch ein Abendessen für uns?« 

»Gewiss«, erwiderte die Wirtin heiter. »Schwarzbrot mit Griebenschmalz, eine deftige Gemüsebrühe oder etwas Räucherschinken?« 

»Von allem etwas«, bestellte Benrik eifrig. »Seid ruhig großzügig mit dem Schinken, und …« 

»Sachte.« Reykan gebot ihm mit einer Geste Einhalt, linste beklommen in seine Geldkatze und leerte den kargen Inhalt auf den Tisch. »Bekommen wir dafür zwei Zimmer, Abendessen und etwas Proviant?« 

Die Wirtin zählte die Münzen, zog die Nase kraus und lächelte dann bemüht höflich. »Nun, da lässt sich bestimmt etwas machen. Wir haben allerdings nur noch ein Doppelzimmer. Die beiden Einzelzimmer haben die Herren dort drüben für sich beansprucht.« 

»Ein Zimmer?« Benrik warf Reykan einen spöttischen Blick zu und grinste. »Gut, warum nicht. Kalte Nächte, nicht wahr?« 

Reykan knurrte nur beiläufig und wandte sich der Wirtin zu. Das Herzklopfen ignorierte er. »Dann sagen wir zwei Kupfer für das Abendessen, vier für das Zimmer … und anderthalb für einen warmen Zuber?« 

Die Wirtin zählte die Münzen ab und nickte. »Natürlich, meine Herren. Ich bringe Euch das Abendbrot, danach sollte der Zuber fertig sein.« 

Als sie hinter dem Tresen verschwand und den Reiter abkassierte, beugte sich Benrik grinsend über den Tisch. Das Feuer war in seine graublauen Augen zurückgekehrt und verwandelte sie vom trüben Sturmmeer in leuchtende Aquamarine. »Das klingt doch nach einem vielversprechenden Abend, findet Ihr nicht? Genau richtig in einer grässlichen Situation wie dieser. Wein, ein warmer Zuber, ein gemeinsames Bett …« 

Reykan schnaubte und verschränkte die Arme vor der Brust. Seine Wangen brannten unangenehm. »Euer Vater ist tot«, zischte er angespannt, »Arlis steht in Flammen – und alles, woran Ihr denken könnt, ist Euer Vergnügen?« 

Benrik blähte die Nasenflügel, schlagartig war das Leuchten aus seinen Augen verschwunden. »Danke für die Erinnerung«, knurrte er. »Soll ich weinen und schreien, wäre Euch das lieber? Mit meinem Schicksal hadern, die Welt verfluchen und mich in den Alkohol flüchten?« 

»Nein«, beantwortete Reykan die rhetorische Frage und ignorierte den Seitenhieb, »aber ein wenig Anteilnahme stünde Euch gut zu Gesicht.« 

Benrik schnaubte. »Vielleicht solltet Ihr mir die Entscheidung überlassen, wie ich mit dem Tod meines Vaters umgehe? Wenn Ihr schon keine Lust auf eine angenehme Konversation habt, dann bohrt wenigstens nicht mit dem Finger in meinen Wunden.« 

Reykan presste die Lippen zusammen und schwieg. Er spürte, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg, und schämte sich für seine heftige Reaktion. Benrik versuchte ihn lediglich zu provozieren, das war alles. »Eine angenehme Konversation stelle ich mir anders vor«, erwiderte er brüsk. »Aber vielleicht bin ich einfach immun gegen Euren Charme.« 

Benrik lachte bitter. »Das werden wir noch sehen, Herr von Torat.«


 

Rezept für Gewürzwein (Hypocras)

1 Flasche trockener Rotwein
100 g Zucker
je 1-2 TL Nelkenpulver, Zimt, Kardamom, Chili, Ingwer und Muskat
1-2 EL Rosenwasser

Rotwein in einem Topf erhitzen bis knapp vor den Siedepunkt, Zucker unterrühren und kurz aufkochen. Die Gewürze vermengen und etwa die Hälfte davon in den Topf geben. Umrühren und ca. 10-15 min bei niedriger Hitze ziehen lassen. Danach abschmecken und ggf. mehr Gewürze und das Rosenwasser hinzufügen. Abschließend durch ein feines Sieb oder ein Tuch gießen, um die Rückstände aufzufangen.

Schmeckt heiß besonders gut, im Sommer aber auch eisgekühlt. Am besten innerhalb von 7 Tagen aufbrauchen.


 

Neugierig?

„Unter einem Banner“ ist als Ebook und bald auch als Taschenbuch erhältlich.

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[Ankündigung] Release „Unter einem Banner“

Ihr Lieben, das Jahr 2018 startet gleich mit tollen Neuigkeiten. Mein Low Fantasy Roman „Unter einem Banner“ erscheint spätestens im Februar im Dead Soft Verlag.

Das zweite Mal ist natürlich nicht mehr so aufregend wie das erste, aber ich hab doch ein bisschen Herzklopfen, denn Reykan und Benrik sind mir sehr ans Herz gewachsen. Was anfangs nur die Idee zu einer Kurzgeschichte sein sollte, wuchs sich zu einer Roman-Idee aus – eine gute Entscheidung, wenn ihr mich fragt.

Heute möchte ich euch schon einmal das Cover und den vorläufigen Klappentext zeigen.

Unbenannt

Wer Reykan übrigens schon vor Veröffentlichung kennen lernen möchte, kann sich noch heute bis Mitternacht für meinen Newsletter anmelden. Für alle Abonnenten gibt es eine Gratis-Kurzgeschichte, die euch in Reykans Jugend 20 Jahre vor den Ereignissen aus „Unter einem Banner“ entführt.

Na, was meint ihr? Seid ihr neugierig?

Eleas Jahresrückblick 2017

Ein ausgesprochen aufregendes und außergewöhnliches Jahr neigt sich dem Ende zu und es wird Zeit, eine kurze Bilanz zu ziehen. Was habe ich 2017 erreicht? Was hat sich literarisch für mich verändert? Was ist noch offengeblieben? Begleitet mich auf einem Streifzug durch das Jahr 2017.

2017Statistik

Das Jahr der Vernetzung

IMG_20170626_075054_794Auch wenn die obigen Zahlen das vielleicht nicht nahelegen, 2017 war ein eher ruhiges Jahr für mich. Weder habe ich mir eine verbindliche Wortzahl gesetzt, noch eine bestimmte Anzahl an fertigzustellenden Manuskripten definiert. Dadurch habe ich 2017 tatsächlich nur einen Roman beendet, was sich nicht sonderlich produktiv anfühlt, zumal drei Fragmente darauf warten, beendet zu werden. Ich hasse unbeendete Dinge. 😉 Beachtet man allerdings, was sonst noch alles passiert ist, ist dieser „Einbruch“ durchaus verständlich.

Das Jahr der Vernetzung

Müsste ich 2017 in einem Wort beschreiben, dann war es für mich das Jahr der Vernetzung. Begonnen hat es im Februar 2017 mit der Einrichtung meines Twitter-Accounts, denn ohne Twitter hätte ich niemals das Nornennetz kennen gelernt, bei dem ich seit Sommer festes Mitglied bin, und auch nicht vom LitCamp in Heidelberg erfahren, das mich mit unheimlich vielen tollen Buchmenschen zusammengebracht hat.

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Im Nachhinein kann ich kaum glauben, dass es eine Zeit gab, in der all diese Menschen nicht zu meinem Leben gehörten – denn die Unterhaltungen mit ihnen, der Austausch und die Diskussion hat mich nicht nur literarisch, sondern auch menschlich weitergebracht. Im Oktober habe ich mich außerdem auf meine erste Buchmesse getraut, mit Buchhändlern und Fans gesprochen und neue Weichen für die Zukunft gestellt.

Natürlich durften auch meine jährlichen sozialen Highlights nicht fehlen, die RPC, das Tintenzirkeltreffen im Schieferpark und der jährliche Buchmesse Convent in Dreieich, auf dem ich dieses Jahr sogar lesen durfte. Ich bin unheimlich glücklich und dankbar, mittlerweile ein so festes Bestandteil der Indie-Phantastik-Szene zu sein und überall bekannte Gesichter zu treffen. Das ist ein großartiges Gefühl.

Der Opfermond geht auf

Opfermond_5Apropos großartig: Natürlich war 2017 auch das Jahr meines Roman-Debüts. Im September ist „Opfermond“ im Mantikore-Verlag erschienen und hat mir schlaflose Nächte, abgekaute Fingernägel und Freudenstürme beschert. Das Gefühl, zum ersten Mal den eigenen Roman in den Händen zu halten und zu signieren, ist kaum in Worte zu fassen. Ich bin auch immer noch absolut überwältigt von der tollen Resonanz, die der Roman erhalten hat, von dem Lob und den großen Worten, die ihr – meine Leser – mir geschenkt habt. Vielen, vielen Dank dafür – ihr seid wundervoll!

Nicht nur „Opfermond“ hat dieses Jahr das Licht der Welt erblickt, es sind auch vier Kurzgeschichten aus meiner Feder in Anthologien erschienen und seit Ende Februar betreibe ich diesen kleinen Blog, der sich zusehends mit Inhalten gefüllt hat. Was sich anfangs noch recht schleppend anfühlte, ist zu einer liebenswerten Routine für mich geworden, und gerade die „Charaktere auf der Couch“-Reihe hat mir großen Spaß gemacht.

Auch literarisch habe ich 2017 vieles gelernt. Gerade befindet sich der dritte Roman im Lektorat und dank der intensiven Zusammenarbeit mit meinen Lektorinnen und Verlegern bzw. Verlegerinnen blicke ich mit ganz neuen Augen auf meine Texte, entdecke alte Fehler und mache neue. 😉 Ich habe in Schreibratgebern geschmökert, Podcasts gehört und mich mit Kolleginnen und Kollegen ausgetauscht. Ich glaube, schön langsam kristallisiert sich eine gewisse Routine für mich heraus, mit der ich gut arbeiten kann. Das heißt aber nicht, dass ich nicht noch ein ganzes Stück besser werden will.

Das Jahr privat

IMG_20171030_160759Privat hat sich mein Leben solide stabilisiert, ich stehe mit beiden Beinen im Brotjob, finanziell bin ich gut abgesichert, nur meine Wohnsituation und das Pendeln schlauchen immer noch. Ich hoffe, da ergibt sich 2018 eine neue Lösung. Mit der 30-Stunden-Stelle bleibt etwas weniger Zeit für das Schreiben, dafür fühle ich mich im Brotjob wesentlich ausgelasteter und besser wertgeschätzt.  Und das ist ja auch wichtig. 😊 Außerdem war zeitlich und finanziell ein toller Venedig-Urlaub drin.

Ausblick – was bringt 2018?

Aber nun verlassen wir 2017 und werfen einen Blick in die Zukunft. Was hält 2018 für mich und für euch bereit? Zwei Romane aus meiner Feder stehen in der Warteschlange und ich freue mich auf beide schon riesig.

Anfang des Jahres wird „Unter einem Banner“ im Dead soft Verlag erscheinen, ein rauer Low Fantasy Roman über Krieg, Verantwortung, Schuld und die Beziehung zwischen zwei ungleichen Männern, die beide mit ihrer Vergangenheit kämpfen. Wer neugierig ist, kann sich noch bis zum 8. Januar für meinen Newsletter anmelden und eine Kurzgeschichte als kleinen Vorgeschmack auf den Roman erhalten.

Im Sommer erscheint dann im Verlag Ohneohren „Sand & Wind“, ein phantastisches, witziges und romantisches Orient-Märchen im Stil von 1001 Nacht mit jede Menge Action und Aladdin-Flair. Auch darauf freue ich mich schon sehr, denn dieser Roman hat mir 2014 meinen bisher produktivsten und gleichzeitig lustigsten Nanowrimo beschert. Ich hoffe, ich kann ein bisschen von dieser Schreibfreude an euch weitergeben.

Vier Anthologien mit Kurzgeschichten aus meiner Feder stehen außerdem in den Startlöchern, ich werde zum ersten Mal die Leipziger Buchmesse besuchen und darf im September auf dem Festival Mediaval, dem größten Mittelalter-Festival Deutschland, aus „Opfermond“ lesen. Wow. Ehrlich, Leute, ich bin schon voll gehyped auf dieses Jahr. Es wird toll!

2018 soll außerdem wieder ein produktives Jahr werden. Vier Romane warten darauf, fertiggestellt zu werden, und vielleicht ergibt sich ja sogar der eine oder andere Vertrag für 2019. The show must go on – und so. Wisst ihr ja.

Prosit Neujahr!

In diesem Sinne, ihr Lieben, danke ich jedem Einzelnen von euch, der mich in diesem turbulenten Jahr unterstützt hat, und hoffe sehr, dass ihr auch nächstes Jahr weiter an meiner Seite seid. Ich wünsche euch allen ein erfolgreiches, harmonisches und kreatives Jahr 2018, das viele schöne Überraschungen, Momente und Erlebnisse für euch bereithält und euch euren Wünschen und Träumen etwas näherbringt. Ich habe dieses Jahr ein gutes Stück meines Traums gelebt. Ihr könnt das auch!

Alles Liebe und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Eure Elea